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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 1. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 1.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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so gut auch von der lMenden Esther entlehnt werden. VntzctPest, 24. Tecember. Die tiefen Schäden, an welchen die bisherige Organisation der israelitischen EultuSaemeinden krankt, sowie namentlich die Zerfahrenheit, welche sich in denselben kund giebl und die ihren Ausdruck in der Znfplitterung und dem Mangel an einheitlicheus Borgehen in der Verwaltung derselben findet, haben die Präsidenten der israelitischen LandeNnsttikte zu Abhaltung einer Konferenz bewogen, welche gestern stattsand und in welcher die Ueberreichuna eines Memorandums an den EultuSminister Herrn v. Tr«fort beschlossen wurde, in welchem auf die Schäden hingewiesen wird, welch: dem israelitischen Gemeinwesen anhasten, sowie auch auf die Mittel, durch welche denselben abgeholfen werden könnte. Da» Memorandum wurde dem Minister von einer Deputatton übergeben, »velche vom Präsidenten der israelitischen Landr«kanzlri Martin Schweiger geführt wurde. Der Minister hob in seiner Antwort hervor, daß er seine dnrch vierzig Jahre auf dem (Gebiete de« öffentlichen Leben« bekundeten Prinzipien >«nd seine ganze Wirksamkeit deSavouirrn würde, wenn er nicht für die konfessionelle Gleichheit einstehen würde. Jedoch verstehe er diese confessionelle Gleichheit in der Weise, daß auch die mit der Ausübung der autonomen Rechte verbundenen Pflichten er» füllt würden. In diesem Ginne wünsche er die Organisation der Aemeinden. Er perhorreSzirt ganz besonder« die unordentliche Führung der Matrikeln orthodoxer Gemeinden, indem er hervorhebt, daher die widerrechtliche Entziehung vom Mili» tairdienste zu verhindern wissen und auch die den ObscuranttSmu« verbreitenden Winkelschulen nicht dulden werde. Da« erfordert nicht nur da« Interesse de« Staate«, sondern eben die Reputation jener Eonfession, welche die Deputation repräsenttrt und decm hilfreiche Hand er zu dem angedeuteten Zweck wohl mtt Recht erwarten könne. Endlich gab der Minister auch jener Anschauung Au«» druck, daß der Andrang der Juden »ur Mittelklasse in« Uedermäßige zu gehen beginne. Er schätze ihre geistigen Fähigkeiten, aber er glaube, daß e« eben tm Jnterefle de« Staate« liege, daß sie sich nicht blo« gelehrten BerufSartm widmen, sondern sich auch auf dem Gebiete de« Ackerbau»« und der Landwirthschast geltend machen sollen". Rach ihrer Audienz beim Cullusminister hatten lne Distrikt«» Präsidenten auch eine solche beim Ministerpräsidenten Herrn von Ti «za, der sie in freundlicher Weise empfing. Er hob in seiner Antwort hervor, daß die Regierung blo« ihre Pflicht erfüllte, indem sie Berfügungm traf, daß die Sicherheit der Person und de« Vermögen« gegenüber welcher gewissenlosen Agttatton immer ohne Unterschied der Eonsession und der Rare gewahrt werde. Auch er glaubt, daß, wenn die israelitischen Bürger, wie sie e« men erklärten und wie er e« auch von ihnen vorau«setze, mit ganzer -rast die Interessen de« ungarischen Staate» fördern werden, dann werde die ganze zu verurtheilende Bewegung, welche im Interesse de« guten Rufe« der Natton nie hätte entstehen sollen, je eher ihr Ende finden. ftaläfliite. AernsuK«. Herr E. Scheid ist der Älück«bote gewesen, der im Ramm de« Herrn Michael Erlanger dieEolonisten von Samarin und Rosch Pinah dem Elende und der Verzweiflung entrissen hat. (Ihm wird Herr L.M. Wormser, rin franz. Schweitzer folgen, um da« Begonnene zu vollenden.) Wie ein Erlöser in Rosch Pinah gefriert. hat Herr Scheid alle« bewegliche und unbewegliche Vermögen Herrn Erlanger übertragen lassen. Die von den Eolontsten gewählten drei Administratoren ließ er in Funktion und gesellte ihnen einen christlichen Landwirth, Herrn Düner, bei. Zum Unterhalte der Eolonisten gab er je 10 Fr. für Person und Monat, ferner dir fällig« Schuldratr. Nachdem dir Schuld getilgt sein wird, soll jeder Eolonist ein Padan (6000 Quadratellensl Land, 2 Ochsen, je 1 Pferd. Esel und Luh. sowie Ackergeräts und 800 Franc« zur Anschaffung von Jnventarium erhalten. Neun Monate bi« zur Erndte sollen sie auf Losten de« Herrn I Erlanger ernährt — für Waffer, Synagoge. Schule und Badehau« gesorgt werden. Dem Vorgehen der Missionäre gegenüber ist ernste« Handeln am Platze. Wohl sind die Sympathien für die Seelenfängerei auch in England im Schwinden. Doch sie gebietet über bedeutende Fontä und die Vornehmen zahlen den einmal gezeichneten Beitrag gleich einer Ehrenschuld. E« wird noch lange dauern, bi« dir Opposition, welch« besonder» da« Erschleichen von Seelen I hervorgerufen ha«, dem ganzen Unwesen wird Halt zu gebieten vermögen. Vorläufig stehe» dem getauften Juden Friedlae»der bedeutende Summen zur Verfügung, die e« ihm I ermöglichen. Lolonien »u gründen. Wir man in Jerusalem ein Lrankeohau» mit koscher Essen und Synagoge al« Mausefalle eingerichtet hat, so giebt man den Eolonisten dir tolerantesten Bedingungen, z. B. 8 14: All« Linder der Eolonisten werden vom 8. bi« 14. Jahre die Schule besuchen, wo sie in Sprache und etwa» Wiffen, aber nicht in Religion unterrichtet werde»; tz 17; Jeder darf seine Religion beobachten und e« ist keinem Eolonisten erlaubt, mit einem Genossen einen religiösen Disput zu halten. Doch schon im § 13 steckt man da» .Ehaserfüßchen" heraus: Da« Lomitä behält sich da« Recht vor, den Eolonisten. der Streitigkeiten anzurrgen versucht, sortzujagrn und ihn zur Bezahlung aller Schulden, die er sich aulgeladen hat. zu zwingen. Doch wa« der praktische Friedlaender spricht, lautet noch viel deutticher. Man bittet dieEolonisten, nachdem sie sich eingelrbt haben, alle Tage die protestantische Lirche »u besuchen und dort ein Vater unser zu beten. D«e Bitte ist ein Befehl, ebenso wie da« Ersuche«, alle Sonntage eine Predigt anzuhören. —Unter dem Vorsitze der Herren F r u m k i n (Redakteur de».Habazele«) Rissim Beha r (Schuldirektor der Alliance) und Ben J ehuda hat sich ein Verein. L«ra« Ridochim" gebildet, der den Emi» Sranten Arbeit und Brod schaffen will, um sie vor dm krtzen der Missionäre zu hütm. Kermischtr «»> rrexstr Wschrlchte». W«gdet«r§, 28. Deceinbcr. E» dürft« unser« Leser sicherlich interessirm zu erfahren, daß bei der jüngstm An» Wesenheit de« Kronprinzen in Spanim. derselbe am 13. Derbr. in Taragona von einer au» 7 Deutschen bestehmdm Deputatton begrüßt worden ist. welche ihm ein prachtvolle« Album mit dm Ansichtm Taragora'« überreichte. Unter diesm Dmtschm befand sich auch unser Glaubensgenosse Herr Leopold Durlacher au« Lippenheim bei Frribura i. B. de« wiederholmtlich die Ehre de« Empfange« bei dem Lronprinzm zu Lheil wurde und.der dem Bürgermeister von Taragora bei dem Empfange der Behörde durch dm Prinzm al« Doll» metscher dimte. M«§tzeß«rg Istoczv — eia Jude?? Ein durch dm Pater L. L. Sa int-Andrä verfaßte» Werl: „Frano- Ma^ons «t Joif»“ (Freimaurer und Juden), welche« kür»- lich in Pari« erschimrn ist, beschäftigt sich mit dem Nachweise. daß jme Verfolgungen und Angriffe, welchen di« katho» lisch« Lirche von Seitm der Freimaurer und Judm grgenwärtig »»«gesetzt sei, nur da« sechste Stadium der Apokalypse seien. au« welchem die Lirche. wie bei allm früherm Gelegenheiten, siegreich hervorgehm werde. In dem Buche fft folgender Paffu« enthalten: .Die Judm bcsitzm kein andere« Vaterland, al« ihr eigentliche» Palästina. Die Rückkolonisirung der jüdischen Ration dahin ist nach ihrer eigenen Meinung nicht allein ausführbar, sondern sogar in Bälde bmorstehend. Diese unerschütterliche Hoffnung spricht sich in einem Beschlußantrage au», der anläßlich der Reguliruna der orientalisc^n Angelegmheiten durch ein jüdische« Mitglied de« ungarischm Parlammte«. Ramm« Jstorzy, daselbst eingereich» wurde, in welchem er die österreichisch»

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