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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 1. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 1.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 6 — tunt) Liebe«thätigkeit. Redner wolle sich die Helle. Dreine, wanne, aber nicht verzehrende Flamme-d»»-Ehanuka- »jchter,. die hei seiner Einführung angezündet seien, zum ISymbol seine» Wirten» nehmen. — Da» wäre in einigen «trichen rin schwache» Bild der gediegenen Predigt, dir auf kir Zuhörer. auch au» vielen Landgemeinden waren sie her» Ibeigeltrömt. sichtlich tiefen Eindruck machte. Der warme ron. der klare Gedankengang, die mannhafte Offenheit, mit Ider Herr Dr. Gr. seine Stellung offenbart, wirkte durchweg!gewinnend. Möge seine Thätigkrit eine segensreiche für alle nne Gemeinden sein! I Z«« $Utat. (Or.»Evrr.) Am Erew Chanuk* feierte Herr Oberrath Willstätterin starl»rul>r seinen 70. Geburt«» tag unter allgemeiner Theilnahme der Badischen Judcnheit. Schon am Samstag (den 22. vor. Mt«.) hielt Herr Rabbiner Dr Schwarz in der Synagoge die geistvolle und worin» Iempfundene Festrede über Amo» 2,l1, in welcher er dir Verdienste de« verehrten Jubilar« um da« Judenthum, speziell in Baden und der Residenzstadt Karlsruhe gebührend hervorhob. Außer zahlreichen mündlichen und schriftlichen Beglückwünschungen von Nah und Fern empfing der Jubilar an seinem Ehrentage die Glückwünsche der Deputationen de« Synagogrnrath«. der Rabbiner, sowie der i«rael. Lehrer Baden». Jede von diesen drei Deputationen überreichte eine Adreffe sowie auch je ein paffende» Geschenk: der Synagogenrath eine» rocrtfyvoden Pokal, die Rabbiner eine geschmackvolle silberne Menora und die Lehrer einen sehr schönen Regulator. Außerdem wurde der Jubilar von Privaten sehr reich beschenkt. Möge e« dem hochverdienten Jubilar vergönnt sein, noch viele Jahre in geistiger und körperlicher Frische in seinem Amt srgenareich zu wirken und sich der allgemeinen Liebe, Bekehrung und Hochachtung zu erfreue». A. Oesterreich» Ungar«. Wie», 23. Dcrember.' (Or.-llorr.) Der Schlußakt der Ryirrgyhazarr Tragikomödie ist nu>< zu End«. Die im Laufe der vergangenen Woche vor dem Apellhof in Budapest durchgeführte Verhandlung endete, wir nicht ander» zu erwarten war. mit der Bestätigung de» erstrichterlichen freisprrchenden Unheil«. Run iverdrn die riesigen Actenstöße ihre Rückwanderung in da« Gerichtsarchiv von Nyiregyhaza antreten, um dort dunkler Bcrgcffrnheit anheimzufallen. Gleichwohl werden sie de» kommenden Geschlechtern ein zwar stille«, aber dennoch beredtes Denkmal von einer grauenvollen Verwirrung des menschlichen Geiste» und ruchloser Verfolgungssucht sein. Denn in der That ist der Proceß von Styirrgyhaza die schreckliche AllSgrburt eine» höllischen Bunde« zwischen bodenloser Niedertracht, tiefer Verkommenheit menschlichen Gewiffen» und geistiger Borniertheit, welche einander zu dem Ende die Hände gereicht haben, um eine Unzahl unschuldiger Familienväter und Staatsbürger unbarmherzig dem Henkerbeil zu überliefern und dadurch einem ganzen Volke da« Stigma unauslöschlicher Schande aufzudrücke». Wahrlich! Zweck und Mittel waren einander vollkommen würdig und gereichen nicht nur den unmittelbaren Veranstaltern, sondern auch der ganzen Bewegung, welche derartige Blüthrn zu zeiiigen vermochte, zur Schmach. Der TeschichtSforscher eine» spätere» Jahrhundert«, »velcher die vergilbten Aktenstücke au» dem Ryiregyhazaer Blutproceflc al» »schätzbare« Material" benützen wird, wird mißmuthig den stopf schütteln, daß ein solcher Proceß im Zeitalter der Electricität möglich sei» konnte. Er wird staunen über dir entmenschte Verworfenheit der Urheber diese« schändlichen Procrffe«, ütrr den Ungeheuern Apparat, welcher von denselben in Bewegung gesetzt wurde, sowie über die dämonische Irreführung unwissender Menschen, welchen hiebei die Nebenrollen zugedacht waren. Wir wollen in gutem Glauben an den Fortschritt de» menschlichen Geiste« und der Gesittung hoffen, daß de» so sein werde. Oder sollte vielleicht nicht wieder ein Bary erstehen, welcher im Geiste und nach der Weise de« zeitgenössischen einzelne Fragmente au« deu Berhandluagew-im Nyiregyliazaer Proresse al» Belegstück einer ähnlichen Beschuldigung verwende» wird, um letztere'ebenso nach oben, mundgerecht zu machen, wie in deu Auge»: der stet» nachbelendrn Menge glaubhaft erscheinen zu iaffen I Manche Erscheinungen im Gefolge de» Nyiregyhazaer Proc-ffe« sind demnach angethan, unsere rosige Hoffnung auf eine gerechtere Zukunft etwa» herabzustiinmen und wankend zu machen. , Wenn die Annalen de» Mittelalter« derlei Blutbe» schuldigungrn häufig verzeichnen, so entsprangen solche eher augenblicklichen Aufwallungen de» von fanatiichrn Priestern geschürten Religio»«haffe« und waren selten die Lonsequenzen planmäßig angelegter Judenverfolgungen. Damal« war die europäische Menschheit kaum ihren wilden stnabenjahren entwachsen, sie befand sich namentlich um die Zeit der streuzzüge in einer UebergangSphasr und die Fülle der nach äußerer Geltung und Expansion ringenden straft machte sich in verschieden gestaitiaen Ausbrüchen Luft. Daher der ideale Schwung, die religiöse Begeisterung einerseit«, und die Judenverfolgungen andererseits. Diese beiden Er« scheinungen, so weit sie auch auseinander gingen, können dennoch auf ein und dasselbe psychologische Moment zurück» arsührt werde». E« war dir« eine Zeit de« Sturme« und Drange», die, wie immer, bunte Bilder zu Tage förderte. Wie ander» aber die Bewegung der Gegenwart, ivclche in dem Procrffe. der sich in der Gericht«stubc von Nyiregyhaza abspielte, ihren eminenten Ausdruck fand! stein dem Drange irregeleiteten Gemüthr» folgender Zug konnte in den abwechselnden Bildern diese« Schauerdrama« entdeckt werden: E» war einfach kalte, grausame. verstandeSmäßige Berechnung, e» war die nackte, schamloseste Selbstsucht, welche in dem, den Tisza-Eßlarer Juden angehäagten HalSproceß sich offenbarten! Die Opfer der mittelalterliche» Verfolgungen mochten sich mit dem Anbruche einer besseren, erleuchteten Zeit trösten, welche, die begangenen Jrrthümer erkennend, den Zoll der Sühne nicht vorenthalten wird. Aber welcher Troft bleibt den Ppfern der Gegenwart? (Schiuk, folgt.) Au« der Motivirung der zweitinstanzlichen Freisprechung der im TiSza-Eßlarer Proceß Angeklagten heben wir einige Punkte heraus. Da« Geständniß de» Knaben Moritz wird vermöge seine« Alter« und seiner anderen individuellen Eigenschaften al« werthlo«, da» nächtliche Verhör bei RccSky als gegen die Normen de« Verfahren» verstoßend und seine Beaufsichtigung durch die EomitatSvcrwaltung al« beschränkend für da« Individuum bezeichnet. Seine Gestandniffe sind unentschieden und unwahrscheinlich, die jeder Basis entbehren. »Wie konnten dir Leute — fragt die Motivirung — im Vorhinein wissen, daß Esther Solumossy gerade zu jener Zeit, da sic den Berbrecherplan aussührcn wolle», an den Tempel vorübergehen werde? Wie kommt e«, daß da« durch Moritz al» gelb bezcichnrte Tuch der Esther sich al« schwarz und weiß getupft erwiesen hat?" In dieser Weise wird da» ganze Lügengewebe de« Knaben zerstört, und al« dann der Aussage der Frau Fekrte rrivähnt wird, die vor dem Tempel irgend einen weinen gehört haben will, wird mit logischer treffender Eonsequcnz darauf hingcwiesen, daß die Fekete zu jener Zeit nicht die zwei Juden, sondern den kleinen Moritz vor der Temprlthür sehen mußte, wenn seine Aussagen der Wahrheit enlsprächen. Ucbcrgchend auf die Dadaer Leiche, werden alle jene Beweise, welche für und gegen die Identität derselben mit der Esther sprechen, hcrvorgchoben und zu folgender Louclusion vereint: War die Leiche jene der Esther, dann ist bewiesen, daß da» in der Anklage dezeichnete Verbrechen an ihr nicht verübt wurde; war aber die Leiche nicht jene der Esther, dann ist ja diese Sache in Bezung auf da« Mordfactum eine ganz irrelevante; dann ist e» ja noch nicht einmal bewiesen, ob die Esther gestorben sei, denn die Kleider konnten ja eben

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