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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 1. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 1.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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- glrofaa, 22. Decemb«. Der Versuch, den Antisemi, ti«mu», .orlcher vor einigen Jahren in dem Pamphet »Der jüdisch« Referendarhi« eine so üppige Blüthe getrieben hatte, auch auf da« Gebiet de« Amt«richtrr1hum« zu ver- Stanzen, ist dem früheren Redakteur de« »Schles. Morgmattr«- Übel bekommen. Derselbe hatte unt« der Spitzmarke »Rücksichtslosigkeit eine« jüdischen Richter«" eine rührende Geschichte von einer Braut erzählt, die — erst wenige Tage vor der Hochzeit auf die Rothwendigkeit d« vormundschaft«g«ichtlichen Genehmigung aufmerksam gemacht — nach einer Reis« von 10 Meilen von dem Amt«, richtrr trotz ihr« inständigen Bitte mit d« Bemerkung abgewiesen sä, « habe an dem Tage schon genug gearbeitet, sie möge ihr Gesuch nur in den Kasten stecken, wo « e« morgm schon finden w«de. Dir Notiz hatte keinen Namen genannt, war ab« dem Amtsrichter Fränkel in Lvwen zugesandt. und dies« stellte wegm derselben den Straf- Antrag au« § 186 de« Strafgesetzbuch« und tz 20 de« Prrßgcsetze«. Die Vernehmung «gab. daß d« Amt«richt« Fränkel die qu. Braut gar nicht gesehen od« gesprochen und überdies die Bescheinigung d« Braut noch vor dem Trauungstermine zugeschickt hatte. Dir Staatsanwaltschaft fand in d« Spitzmarke, in welch« die Religion de« Richter« betont sei, die besondere Strafwürdigkeit. Er hob hervor: »Wer da» Publikum durch Betonung de« Judenthum» gegen einen Richter rinzunchmen suche, lade eine doppelte schwere Verantwortung auf sich, denn « schädigte zugleich die Achtung, die da« Volk vor dem Richterstande haben müfie. Der Nicht« bleibe Nicht«, ob er christlich oder jüdisch sei; jeder Nicht« thue seine Pflicht, gleichviel ob « Jud: od« Christ sei. und bisher sei noch keine Thatsache bekannt geworden, welch« darthuc, daß im preußischen Richttrstande ein Unterschied zwischen Evangelischen, Katholiken od« Juden bestehe. - Da« Schöffengericht vrrurtheilte den Redakteur Lange zu 306 Mark Geldstrafe. In der UrtheilSmotivirung hob auch d« Vorsitzende hervor, daß N.; Artikel auf den »jüdischen Nicht«- zugespitzt sei und darum besond«« strafbar ns-h.inr. Stettin, 27. Decemb«. (Or.-Eorr.) E« war eine «» hebende Fei«, die heute Abmd im SrssianSzimm« d« hiesigen «Äemeindr stattfand. Der »Israelitische Knaben- V«cin-, üb« desien Wirken und Ziele ich Ihnen schon im vergangenen Jahre au« Anlaß dn damal« stattgefundenen Ehanukafei« berichtet hatte, beging heute sein alljährliche« Fest. Eröffnet wurde dasselbe mit dem Anzünden d« Ehanuka-Lichte« und mit dem Absingen de« Liede« „Moaua aur*. Darauf hin begrüßte dn Vorsitzende de« Verein«, d« Priman« Georg Samuel, in kurzenWorten die Anwesenden und nach chm nahm Herr Rabbiner 0r. Vögelst ein da» Wort, um in von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten üb« die Ziele de« Verein« zu sprechen. Hinauf fanden Seiten» d« Knaben Friedeberg. Bogelstein, Jessel, Grunwald, Pacully u. A. vnschiedene auf die Feier bezügliche Borträge statt, die allseitig großen Beifall fanden. D« Verein, d« jetzt 71 Mitglied« zählt und einen monatlichen Beittag von 26 Pfg. «hebt, hat e« in diesem Jahre möglich gemacht, einem Knaben den Betrag von 60 Mark al« Beitrag zum Schulgeld zu überreichen, ein and«« Knabe bekam zu sein« Bar-Mizwah einen Anzug und heute Abend fand für wcit«e 12 Knaben die übliche »Besche«ungstatt. Dieselben wurden mit Stiefeln, Strümpfen und and«,, practischen Sachen beschenkt, auch Honigkuchen. Aepfel, Rüste ic. fehlten nicht. Wie leuchtett den Kleinen, die mit ein« Gabe bedacht wurden, die Freude au» den Augen! Wie still v«gnügt und beglückt bcttachteten sie die ihnen üb«reichten Geschenke! Wie sehr freuten sich ab« auch die Mitglied« de« Verein«, daß e« ihnen vergvnnt war. solche Freuden zu bereiten! Möge e» dem Vereine »«gönnt sein, weit« zu wirken und tu schaffen und Gute« zu thun; mögen sich recht viele Freunde dn guten Sach« finden, di« den Verein nach Kräften unterstützen und möge e« endlich dem Vereine vergönnt sein noch recht lange einen so tüchtigen Berath« sein eigen zu nennen, wie Uhsern Lantdr Herrn Sarasohn, d« de» Verein in'« Leben gerufen und »och jetzt früh und spät für denselben sorgt. Ktettta, 28. Dereniber. (Or.-Eorr.) E« ist doch merkwürdig, daß seiten« unser« Gegner fortwährend die Mär wiederkehrt, die Alliance verwende ihr Geld zu politischen Zwecken. Wir haben schon neulich auf da» Unsinnige dies« Behauptung hingewiesen und zum Beweise auf den zuletzt erschienenen Jahresbericht d« Alliance aufmerksam gemacht E« Hilst aber alle« nicht«. die H«ren wollen keine Belehrung annehmen; e« ist ihnen eben keine Nachricht zu widersinnig, um sie nicht "gegen un« aurzubeuten. Da find« nun dies« Tage in Berlin eine Stichwahl zur Stadtvrrordnetm-Vttsammlung zwischen je einem Anhang« d« Bürgerpartti u»d d« Arbeiterpartei statt und war zu dirsein Zwecke eine Versammlung einberustn. I» dirsn äußerke sich nun ein Anhäng« d« erst««,, Partei, wie wir einem Referat d« »Voss. Zeitungentnehmen, dahin: »Sämmtliche Arbeitcr» Eandidaren sind Judcnknechte und vor d« Allianz gekauft-. Giebt e« wohl größere Lügen, al« in diesem Satze enthalten sind? W«den die Herren Görki, Tutzau« >«. diese Beschuldigung aus sich sitzen laffen? H Araatfart a. M., 23. Decemb«. (Or.-Eorr.) B«. wichenrn Don»««iag Abend fand im hiesigen Mendelsohn- Verein d« erste d« Vorträge, welche wäbrrnd de» Wintn« gehalten zu w«den pflegen durch den He«n Rabbiner Or. Brüll »üb« die Reisen und Wanderungen d« Juden - statt. D« Vortragende bemerkte zunächst: daß schon zur Zeit de« ersten Tempel« uns«e Väter im damal« fruchtbaren Palästina mit den benachbarten Phönicirr» stet« im freundlichen Handelsverkehr waren; so, daß d« jüdische König Salomon sich mit dem König d« Phönici« zur Absrndung einer Handelsflotte bi« nach Uphir verbundm hatte rc. Zur Zeit de« zweiten Teuipel« vrrvollkommnctr sich diese Handel«- und Reiselust d« Juden, namentlich unt« denen zu Egypten; daher e« ihnen bei ihr« großen Znstteuung nach d« Zerstörung de« zweiten Tempel« leicht«, al« irgend einem exilirten Volke wurde, sich gar bald unt« dm verschiedenen Rationm zurecht zu finden! — D« Redner ging dann zu dm eigentlichen jüdischen Reiscbeschreibungrn üb«, al«: a) von Eldad de« sogenannten Daniten, besten Erdichtungen, üb« seine Abstammung und Rciseerfahrungrn nach Gebühr gegeißelt wurden; d) von Petachja au« Rrgensburg und o) von Benjamin aus Tudcla in Spanien, welche beide als glaubwürdige Reisebeschrrib« geschildert wurden u. dal. m. — Allgemein« Beifall belohnte dm Borttagendm für diese intereffante Belehrung. (Aaaaam, 1. Dccember. (Or.-Eorr.) Jüngsten Freitag Abend fand vor versammelt« Gemeinde die officiclle Einführung unsere« Landrabbin«« H«rn Or. Gronemann statt. D« StadtdirectorHaltenhoff, al« B«tret« de« Magisttat«, stellte ihn sein« Gemeinde vor und beglückwünschtt ihn mit h«zlichm Worten. Darauf bestieg Herr Dr. Gr. die im Blumenschmuck prangende Kanzel und sprach begeisterte Worte de« Tankes und Wunsche«. Am Sabbathmorgen hielt dann uns« Landrabbin« seine AnttittSprrdigt; die Synagoge ivar bi» auf dm letzten Platz gefüllt. Wollte man die Quintesten» d« Predigt in einem Worte gebm, so wäre e« da« Wörtcyen Den Wahlspruch seine« verrwigten Borgäng«» (in dstsen Sinne wirken, destm Standpunkt »vahrm zu wollen, d« He« vr. Gr. mehrmals nach« drücklichft hervorhob): »Ls schaffe da» Wort d« Lippen Frieden; Frieden dem Rahen mit dem F«nm, darau» laste ich Heilung erwachsen-, hatte n zu seinem Texte gewählt. — Friede zwischen Himmel und Erde, Gott und Menschen, durch Thora, Ausgleich der zeitlichen (Gottesverehruna tu Vergangenheit und Gegenwart) und räumlichm Gegensätze (Nähe und Ferne) durch den Gotte«dienst. Friedm in der eigenen Gemeind« und fremden Bekenntnissen gegmüb«

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