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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 1. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 1.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 2 — brftnntn wir. daß wir keinerlei Anstrengang gemacht habe«, um einen Umschwung in der öffentlichen Meinung in dieser Hinsicht herbeizuführm. Die beredetsten Zeugniffe für di« Hochschätzung der Krankenpflege sind wohleingerichtrte Krankenhäuser. Der tausendjährige Druck, »vrlcher auf der Jüdenheit lastete, unter welchem ihr Luft. Licht und Raum nur im spärlichsten Maaße verstattet war, zwang die jüdischen Gemeinden. trotz de» besten Willen-, auf die Errichtung von öffentlichen Krankenhäusern zu verzichten. Dagegen mani» festirte sich der Drang nach Ausübung der Krankenpflege umso löblicher in der Bildung von Bereinen zum Zwecke der Pflege der Kranken in ihren Familienkreisen. ES gab von jeher und girbt fast noch keinen Gemeindeverband. in welchem nicht eine solche Gesellschaft, unter dem Namen „Chewra kadischa abickor oholim“ existirte. Opferfreudige und hochherzige Männer widmeten sich mit wahrer gottinn'grr Hingebung dem Dienste der leidenden GlaubmS» genoffen, und die Besten in der Gemeinde rechneten et sich zur Ehrr. Mitglied dieser Genossenschaft zu sein. Selbstlotraten diese Braven, oft in Zeiten der Roth, gottvertraumd in die mit lebensgefährlichen Miasmen angefüllten Krankenzimmer und thatru unbeirrt ihre Pflicht, unbekümmert um die ihnen selbst drohende Gefahr. Da galt kein Ansehen der Person — der Vornehmste bediente den Geringsten und umgekehrt. Die Losung war: .Linderung der Roth, Rettung, Erhaltung eine- Menschenleben-. Erst seitdem die Morgenröthe der Freiheit im civilisirten Europa anbrach und die beengenden Schranken für die Juden gefallen wäre», sahen wir in den größeren Gemeinden Deutschlands. Frankreich- und England» wohleingerichtete Krankenhäuser erstehen und allmählich fanden sich auch die zur Bedienung einesolchen Institutnothwendigen Personen, nämlich Männer, welche die Wartung der Kranken, zu ihrem Leben-beruf erwählten und sich auch diejenigen theoretischen Belehrungen und praktischen Erfahrungen zu verschaffen wußten, um den mit ihrer Stellung verbundenen Obliegenheiten genügen zu tdnnnt. Der christlichen Kirche war eein Leichte», einen Theil ihrer angesammeltcn reichen Schütze zur Errichtung von Ho-pitälern zu verwenden und dieselben mit entsprechend genügenden Mitteln au-zustatten. Die zur Wartung der Kranken erforderlichen Pfleger und Pflegerinnen wurden dadurch herangezogen, daß den sich diesem Berufe Widmenden, abgesehen von der ewigen Belohnung im Jenseits, auch eine sorgenfteie Existenz während ihrer irdischen Laufbahn zugesichert und gewährt wurde. Kein Wunder also, daß die Zahl der sich zur Auf. nähme in die Eongregationcn herandrängenden, sowohl männlichen als weiblichen. Glieder eine so ausreichende wurde, daß die Leiter solcher Stift-Häuser in der Lage sind, auf Wunsch ihre Wärter und Wärterinnen auch an da- Krankenbett in Privat Häusern zu entsenden und ist es dankend anzuerkennen, daß diebereitwilligst gewährt wird, allen Hilfsbedürftigen ohne Unterschied der Nationalität und der Confefsion. Die nur bescheidene Anzahl von kunstgerecht au»gebildeten. tüchtigen, berufsmäßigen Wärtern jüdischer Tonfession aber ist wohl au-reichend. um dem Bedürfniffe in den jüdischen Krankenhäusern zu genüge»«, aber für die Pflege in dm Familien sind sie nur in ganz seltmen Fällm zu erlangm. Ist dieser Mangel an männlichen Wärtern schon ein sehr fühlbarer, so steht'- in Bezug auf die weiblichen Pflegerinnm noch viel schlimmer —. dmn solche sind fast garnicht vorhandm: ein« geschulte jüdische Lrankenwärteri» bildet eine höchst seltme Ausnahme. Und doch ist erfahrung«. mäßig die Pflege durch Frauenhand eine viel wohlchuendere und besänftigmdcrr, al« die von männlichm Wärtern geübte; ganz besonderist die» weiblichm Patienten und tranken Kindern gegenüber der Fall, ja sogar unabweisbar noth» wendig. — Die schonende Berührung der zartm Fraumhand und der milde theilnchmmde Blick de- Fraumaugewirkm oft sympathisch beruhigend auf den krankm Organi«mu». _ (Schluß folgt). 3«y Frage der Koloaisatto» Palästiaa'». Schon zu wiederholtm Malen haben wir in diesm Blättern dir Ansicht verfochten, daß die Lösung der orten» tauschen Frage, d. h. die Auflösung und politische Reuconstituirung de» daoSmanische Reich bildenden Länderkomplexe«, im innigstm Zusammenhänge mit der Kolonisation Palästina'- in der Weise steht, daß eine wirkliche Kolonisirung durch Juden im größeren Maßstabe nicht unter türkischer Herrschaft, sondeni nur unter dem Schutze einer oder aller europäischen Großmächte erfolgen kann. Alden Vorzug», weise berufenen Träger einer solchen Mission hattm wir dabrittische Reich bezeichnet und alden einleitenden Schritt auf der zu dieser Mission führenden Bahn, dir Occupatio» Egyptm» durch England, da diese zu einer dircctm Be» theiligung an dm Angelegenheiten und den Schichalm Palästina'- führm müffe. Eschim nun fast, alob die Regierung Gladstone« bereit» der Besetzung Egyptmüberdrüssig geworden und die Räumung diese- Landebeschloffme Sache wäre. Da hat indeffen wieder der unberechenbare Orimt der mglischen Regierung einen Streich gespielt, der sie zwingen wird, ihre Herrschaft in Egypten zu einer dauemdm zu machen. Der Mahdi, der so plötzlich in den Vordergrund der orientalischen Dinge getreten, ist nicht bloß der Rächer der mißhandelten Nubier gegen die barbarischen Grausamkeiten egyptischer Tyrannen, sondern auch der Vorkämpfer der ostafrikanischen Muhamedaner gegen den Einfluß christlich-europäischer Mächte, vor allem England«. Der Glanz und die Autorität de» mglischen Namen« ist im Orimte gefährdet und England wird sich nicht bedenkm dürfen, hier mit aller Macht einzugreifm und seine Herrschaft am rothen Meere um so mehr zu befestigen, al« die englische Regierung mit mehr als Sv Millionm Muhamedanem in England zu rechnen hat, in deren Augm die brittische Macht sich nicht durch Schwäche blo-stellen darf. England wird demnach in der unmittelbarm Nachbarschaft Palästina» bleibm muffen. Nun hatte sich schon Disraeli mit dem Gedanken getragm, im Ostjordanlande, also in dem alten Basan und Gilead eine größere jüdische Kolonie anlegen zu laffm und »venn auch die Sympathie de» großen Staat«- maune» für seine früherm GlaubmSgenoffeo einm grwiffm Antheil an dieser Idee haben mochte, so darf man doch vorau-setzm, daß DiSraeli überzeugt war. mit der Anbahnung dieser Idee zugleich brittische Interessen zu verfolgen. Daß er gerade da» Ostjordanland und nicht da» eigentliche, zwischm Jordan und Mittelmeer belegme Palästina al« Kolonisation-object wählte, giebt ein Zeugniß für die Ernsthaftigkeit de- Projekt«, indem er einerseits vorau-setzm durfte, bei der türkisthen Regierung auf weniger Widerstand zu stoßen, andererseits aber darauf rechnen konnte, daß, wmn erst einmal da« Ostiordanland eine tüchtige, selbstständige jüdische Kolonie beherbergte, von hier au» die Besiedelung der westlich belegenen Landstrecken leichter au-zuführen sein würde. E« wird für un» europäische Juden und nammtlich für diejmigen unter un», für welche Palästina noch eine

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