Israelitische Schulzeitung
- Journal
- Israelitische Schulzeitung
- Volume
- 1 (1882). Bestand UB Ffm
- Issue
- 9 (9.1882)
- Date
- 1882-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/5959619-6752004-5938127--43-5377158- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Schulnachrichtell. BerN». In dem tzürsaal btt Shtabenf&ule der jüdischen Gemeinde fand gestern Bonnittag eine Gedachtnißfeier für den v»e einem Jahre verstorbenen Rector S. H o r w i tz, Den Leiter der genannnten Anstalt. statt. Um 11 Uhr »ersammetten kch die Schüler der Knabenschule, die Zöglinge de» Lehrerseminar«, welche« letztere de« Verstorbenen seine Entstehung oerdank!, sonne die Lehrerkollegien beider׳ AnlMltm. Mch einleitendem «besang hielt der interimistische Leiter der Anstalten, 1>r. Simon, die GedLchtnißrede n. Ans Norddcutschland, Juli. (Or.-Corr.) Der Lehrerstand ist dem Correspondenten »Aus dem Fürstmthum Lippe" zu Danke verpflichtet, daß er (in dir. 5/6 diese» Blatte») mit Unumwundmheit und Offenheit die Stellung und Thätigkeit der jüd. Lehrer den Rabbinen gegenüber in Schutz genommen und die verletzenden Ausfälle de« Correspondenten in Nr. 20 der »Wochenschrift" in objektiver Weise zurückgewiesen hat. »Unsere Lehrer" werden aber in Nr. 4 der »Schulzeitung" nochmal» etwa» unsanft beim Schopfe gefaßt. Druck aber erzeugt Gegendruck, und so kann die ״«chulzeitung", welche unsere Jntereffen vertritt, nicht umhin, auch diese Abwehr zur Klärung der Sachlage aufzunehmen. Man kann sich de« Gedanken» nicht erwehren, daß der Artikel in Nr. 20 d. »W." die oratio pio domo eine» Manne» ist, der sich in seinem materiellen Gewinne geschävigt sieht durch einen Lehrer, der einen! zu trauenden Brautpaare vielleicht näher gewohnt hat oder au» anderen Gründen mit der Trauung beauftragt worden ist. E» scheint, als ob da» כלישראל ערבץ זה בזה auch auf den Lehrersland insofern An- Wendung findet, ala der eine, der nicht ״Gnade funden" vor den Augen de» Angreifer», alle anderen solle mitbüßm lasieu. Unser Bertheidiger betont mit Recht, daß vielleicht manches Paar ungelraut bliebe כדת משה וישראל, wenn nicht in Ermangelung eine« Rabbiners ein Lehrer diesen Act vollziehen würde, zu welcher Kunst (?) nach jüdisch-ritueller Borschrift nicht einmal ein Rabbiner oder Gelehrter*) nöthig ist. Wenn nun ein Lehrer diesen Act vollzieht, was hat er dann ander« gethan, ala wa» die Weisen empfehlen: ובמקום שאץ אנשים השתדל להיות איש? Hat der Herr von Nr. 20 aber bestimmte Leute treffen wollen, die thm unwissend oder unwürdig scheinen, so sollte er doch billigerweise nicht den ganzen Stand verunglimpfen. (Da« können auch wir nicht billmen! Red.) Er sollte doch nicht vergessen, l) daß z. B. in der Provinz Hannover der Lehrer nur im Aufträge des Rabbiner» und nach Approbation traut, und sollte 2) nicht außer Acht lassen, daß es im Lehrerstande eine Reihe von Männern giebt, die mit Wissen auf den verschiedensten Gebieten derart ausgerüstet sind, daß man nicht ex «>»> ״p10 sie zu »Proletariern des Geiste»" stempeln darf. Diejenigen, welche gemeinsame Ziele haben, sollten ganz ander» harmonieren, so wie e» in der Thal der Fall ist in deni Verhältnisse zwischen Lehrern und den Rabbinern, die aus dem Lehrerstande hervorgegangen, das מדת נ0ש, was die Lehrer drückt, kennen und daher viel schonender sind. Man mag ungescheut diejenigen nennen, die sich Anmaßungen und Uebergriffe (d. h. wirkliche und nicht nach subjektiven Begriffen) erlauben, aber solch summarisches Verfahren ist durch nicht» gerechtfertigt. Wir stimmen dem Correspondenten der ״Schulzeitung" vollkommen bei in dm Mitteln, die er zur positiven Ein- Wirkung auf dm Lehrerstand empfiehlt, niit dem Hinzufügen: 1) Man möge in den jüdischen Seminarim künftig mehr da» berücksichtigen, worauf der Cultusbeamte angewiesen ist, e» zu wissen: הלכות אבלות ,הלכות קדושין und alle» Einschlä- •> Wen» auch kein »belehrter-, so doch auch in keinem Falle da» Gegenthrii davon, ein Am lioorei. Die Nennlniß de» nicht leichten jüd. ithegesetze» — aber nicht au» einem deutschen Handbuch, sondern au» dem hebe. Koder — ist unbedingt nothwendig, ebenso ein raddin. Zeugniß über die abgelegte Prüfung und erhaltene »utorisation. (Red.) gige, wa» in der Praxi» vorkommt: 2) man snllte von Zeit zu Zeit in den jüd. Zeitschriften — besonder» im literarischen Theil, der seinm Leserkreis doch meisten» bei dm Lehrem findet — solche kasuistische Fragen mit Angabe der maßgebmdm Decisorm erörtern: 3) man sollte dahin wirkm, daß keine Leute als Lehrer bestellt werden, die nicht ein bestimmte» Maß von Bildung sich angeeignet und diese» vor einer vom Staate bestelltm Behörde documentirm. Wo der Betreffmde seine Ausbildung erworben, ob auf einem Seminare, auf einer Universität, aus einer Rabbinerschule oder im Privatwege — da» ist schließlich einerlei. Bei dieser Veranlassung müssen wir — um c» zugleich damit abgethan zu haben — auch de» Redakteur» der ״Allg. Ztg. d. Jud." gedmkm, welcher gelegentlich der Recension des Wolfs'schm Buches, »Der jüdische Lehrer, sein Lebm und Wirkm" *) wieder einmal einen seiner beliebten ״Spaziergänge nach Syrakus" gegen den Lehrerstand gemacht hat, und zwar in der Weise, wie im Jahre 1871 bei Heran»- gäbe seine» ״Gedenkbuche»", wo er in Nr. 6 der ״Ztg. d. I." jene» Jahre» von den Lehrem als ״tief unter dem Niveau" der erforderlichen Bildung" stehmd, spricht. So viel Verdienst auch Herr l>r. PH. haben mag — wa» ihm am allerwmigsten von dmt Lehrerstande bestritten werdm ivird — da» ״Verdienst" gebührt ihm unzweifelhaft auch, daß er die Gelegmheiten benutzt hat, den Lehrem etwa» am Zmge zu sticken und auffallmderiveise ineisten» bei Recmfronen von Büchern, die einen Lehrer zum Autor haben: wir erinnem nur an Blumenau's ״Äbm Esra." Wenn aber die Lehrer solche Angriffe abwehren, dann sind sie ein ״empfindliches Völkchen." Als ob sie der Prügeljunge par oxcollenc« wären, die immer auch noch die Hand küssm jollm, welche sie verwundet! Zum Schlüsse mfe ich dm l. (Sollegen von Nah und Fem zu: ״ נעמדה על משמדתנוStehen wir aus der Warte!" Wegen wir den »aprit de corpa, das Standesbeivußtsein, jeder Zoll ein Lehrer, ein Charakter, im besten Sinne be» Wortes, mit schonungsloser Geißelung solcher Glieder, die durch ihr Verhaltm dem Stande wirklich Schande machen. E» werden dann allmählich die noch in vielen Köpsm svukenden typischen Figuren der Cheder-Rebbe» schwinden und unser Stand wird das Ansehen sich erringen, das ihm der, auch dem Lehrerstande, leider viel zu früh Heimgegangene Jacob Nachod — gesegneten Andenken» 1 — zuerkannt hat und — fügen wir hinzu (Red.) — jeder, der es mit der Hebung und Förderung des Judmthunt« durch da» heranwachsende Geschlecht aufrichtig meint, zuerkannt wissm will. Wolsenblittel. 27. August. Heute fand die Einweihung des neuen Schulhauses der hiesigenSamsonschule statt. Zu dieser Feier hatten sich Morgens 11 Uhr die Herren Curatoren der Anstalt, Geh. Medicinalrath l>r. Cohen au« Hannover, Gustav Cohen daselbst und Rechtsanwalt 11 r. )11.-. Magnus aus Braunschweig, sowie das gestimmte Lehrerpersonal und die Schüler in der Aula versammelt, auch warm zu derselben auf Einladung die Herren Consistorialräthe von Schmidt-Pheseldeck und Stausebach, Oberbibliothekar Professor von Heinentann, Seminardirector Mathias, mehrere Mitglieder der städtischen Behörden und Privatpersonen zahlreich erschienen. Nach einem von den Schülem mit Clavierbegleitung gesungenen Gebet ergriff Herr Geh. Medicinalrath I»r. Cohen das Wort und wie» in einer warmen Ansprache darauf hin, daß die Anstalt mit der Eröffnung de« neuen Schulhauses vor einen neuen Abschnitt ihre» Bestehen» getreten sei. Au« kleinm Anfängen hervorgegangen, habe sich dieses theure Vermächtniß frommer 3 tifter zu einer Blüthe entwickelt, welche zum großen Theil auch dem glücklichm Umstande zu verdanken sei, daß die Schule Leiter wie Ehrenberg Barer und Sohn, sowie den je-igen Direktor Herm 1)r. Rosenstock gefunden habe, welche •) Die Bemerkung der Redaktion in Nr. 28 der ״Allg. Z. d. I." kann un» dennoch in unserer Stnfidn nicht beirren.