Israelitische Schulzeitung
- Journal
- Israelitische Schulzeitung
- Volume
- 1 (1882). Bestand UB Ffm
- Issue
- 3 (3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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10 — Ta« Wissen, Erkennen ist darum so oft als da» Ziel menschlicher und göttlicher Belehrung genannt: wir «ollen e» oaa scientifischr nennen, als es darin besteht: Wissen zu schaffen. Da» Wiffen muff ׳,»nächst ein sichere» sein: es muff vor Ltergcssenlieit gewahrt werden. Was nützt e», wenn in ״Jahresberichten" angegeben stedr. wie viel durchgenommen worden ist, und dir Maffe des Stoffe» einen iiitponirenden Eindruck macht, was nützt e», viel durchgenommen ׳,« Imden, wenn da» (Gelernte niäit auch ein Erlernte» ist, das (belehrte die Seele nicht füllt e ״ פן תעכהdaff Tu nicht vergeffest" ist der Warnruf der Thora. Wenn Namen von Personen vergeffen oder verwechselt werden, ebenso Namen von Crtf» und Tinge», oder gar ganze Erzählungen oder Theile solcher, wenn man in Zweifel iff, ob ein Berbot vor- Händen ist oder nicht u»d ähnliche», io ist das eben kein Wiffen. Ter Zweisel, da» Merkmal der Unsicherheit ist zwar für die Forschung häufig ein svorn, für das lebengründende Religionswiffe» aber wie ein schwamm am Gebäude.?הסתלק פן הספ lautet darum die Fordnung unserer talmudischen Lehrer ״halte Dich vom Zweisel fern." Das Wiffen muff ferner ein genaues sein. Es ist nicht gleichqiltig, ob inan die einzelnen Worte einer Auordnung genau kennt oder nicht. Nehmen ivir aus dem 4. Sinaiworte aus der Neihe der zum Nuhen leitimmten Menscheu nur ein Wort, ״Deine Magd" aus, so wäre der Anlaß zu schwerer Bersüoigung gegeben. Over denken wir uns aus dem 2 Worte nur das Schlusswort "•לענא bei denen die mich Haffen", weg, welche falsche Vorstellung von (Lottes Gerechtigkeit und Liebe würde dies ergeben. Oder denken wir an den Unfug, den die Uebenevung!״ לנכרי תעיזMit dem Christen darfst Du *wuchern", angerichtet hat; wo eben ungenaue falsche Uebersetzung geradezu eine Pest geworden ist.!Fortsetzung folgt.) Lber-Cantor T. Lulzer. Nach 56 Jahren künstlerischen schaffen» schied der berühmte ״Zions"sänger im vergangenen Jahre aus seinem Amte. Man pflog längere Zeit Berathungen darüber, wie man ihm bei dieser Gelegeuheit einen erneuten Beweis der ungetheiltestenHochachtung zollen könne. Herr L)r Jellinck — derselbe, der eine sogenannte Cantorenhay inscenirt haben soll — machte den auch allseitig acccptirten Vorschlag, die seit einem halben Jahrhundert über S. in den verschiedensten Blättern u. s. w. sich vorfindcnden stimmen zu sammeln. Sie liegen uns nun in Form einer von den Beamten der Israel. Cultusgemeinde Wiens veröffentlichten Broschüre, brtitelt: ״Gedenkblätter an Ober-Canlor S. Sulzer", vor. Wir übergehen die vielen Kundgebungen, die ihm von seiten seiner Gemeinde und anderweitig in den verschiedenen Stadien seine« Wirken» in wahrhaft begeisterter Weis« geworden, und begnügen uns hier einen berühmten Künstler — Franz Liszt — und einen ebenso berühmten Kunstkritiker — Prof. Hauslik — reden zu taffen. Ersterer schreibt vor 20 Jahren noch im Zustande geistiger Unbefangenheit: ״Wir haben ein einzige» Mal Gelegenheit gehabt, eine Ahnung von dem zu empftnden, was eine judäisch« Kunst werden könnte, wenn die Israeliten alle Intensität de« in ihnen lebenden Gefühl» in Form ihre« eigenen Geiste» kund gäben. Wir lernten in Wien de« Cantor Sulzer kennen. Die zum Verhüllen de» innersten Wesen» f:ebräuchltch« Ma»ke ist bet dieser Künstlerorganiscttion nicht 0 undurchdringlich wie sonst und läßt aus Augenblicke da» wirkliche Gepräge seiner Seele durchleuchten, wie es die ge- Heimen :sieden väterlicher Belehrung ihr aufgcdrückt haben. — Beim Aussprechen dieser hedr. Worte glaubt« man dunkle Blumen fich von ihren Stengeln erhebe» und ihre klingenden Kelchblätter in die Lüste verstreuen zu sehen, diese reinen Töne, schimmernde Diphtonge und knitternde Endungen durch schwebten den Rain» und streiften wie mit leckende» Feuer- Zungen das Ohr. Man glaubte die Psalmen wie die Geister des Feuers über fich schweben zu sehen, die dem Fuff des Höchsten als dienende Stufe sich neigen." Soweit Fr. Liszt: Pros. Hauslik schreibt 1866 in der ״N. Fr. Presse" zum 50jührigen Jubiläum des Ober Cantor» Sulzer: ,?Wer kennt ihn nicht, den merkwürdigen Charakter köpf mit dem graugelockten Haar, den runden, feurigen Auge» und dem eiiergische», breiten Mund, über welchem die heftig gekrümmte Nase das Inventar der römischen Physiognomie vollendet! Der Mann, welcher vor eine»: halben Jagrbunden, kaum 17 jährig, die Gemeinde seiner Vaterstadt Hobenems als Cantor znm Gebete gesühn, hierauf an 40 Jahre lang das musikalische Wien durch die Pracht seiner Stimme und die Gluth seines Vortrages entzückt hat. Ein zerknirschteo Äusseufzcil. ei» begeistertes Emporjubelu gegen Gott, stets mit dem vollen Aufgebot der Empfindung und gleichsam gespornt durch den Gedanke», mit d e r W a h r h e i r jedes einzelne» Tones für die ganze Gemeinde, ja für ganz Israel einzustehen. Der alte Mannheimer predigte, wie sulzer sang. Dieselbe Gewalt über da» Material, dieselbe sortreiffende Leidenschaftlichkeit. Es war die glühendste Kanzelderedsamkeit, die ich erlebt, hier in Worten,! dort in Tönen." M. Sp. Schulnachrichtell. Magdeburg Von einer Berliner Zeitung wird den Bearbeitern des Berliner Lesebuch» für Schulen von Otto Schulz der Vorwurf der Verballhornisirung eines Chamiffo'schen Gedichtes gemacht. Das einer Legion von Lesebüchern einverleibte Gedicht: ״Die Sonne bringt es an den Tag" — entstanden 1827 — hat bekanntlich folgenden Vers: ״Da kam mir just ein I u d' in die Ouer u. s. w." Die Bearbeiter obige» Lesebuches, wie auch Herausgeber vieler anderen Lesedücher haben in sittlicher Nothwcndigkeit zu handeln geglaubt, statt ״ein Jud" ״ein Mann" zu setzen, was ja allerdings den Nythmus nicht verändert, wohl aber die Affonanz und AUitteration, deretwegen wahrscheinlich der Dichter das Wort ״Jud" gewählt hat. Vom objcctiven Standpunkte aus läfft sich die Frage auswen'en, ob es überhaupt berechtigt ist. die vom Dichter gebrauchten Ausdrücke, wie den erwähnten, durch unser Gefühl angenehmer berührende zu ersetzen. Meiner Ansicht nach gehören solche Gedichte und andere Produktionen, die irgendwie nachtkeilige Folgen in dem sittlichen Entwickelungsgange des Kindes zu bewirken im Stande sind, in kein Lesebuch für Schulen. (Es ist sehr zu bedauern, daff Nückert in seinem zartsinnigen, sonst so duftreichen ״Vom Bäumlein, das andere Blätter hat gewollt", dem Juden eine so häßliche Nolle :ugethrilt, die in ihrer schatten Zuspitzung der ganzen Anlage des Gedichts widerspricht.) In dem Chamiffo'schen l^edichte jedoch hat der beregte Tiers durchaus keinen verbiffenen Charatter: durch die Behandlung von Seiten eine« humangesinnten Lehrers kann er sogar die ״von Voruttheilen steie Liebe" im Kinde erwecken und befestigen. Eine andere Frage ist die: wie konnten solche edle Dichternaturen erwähnte Schroffheiten in ihren poetischen Ergüssen zum Ausdruck bringen? Es lag die» in der damaligen Zeitttchtung. Die sich breitmachende Deutschthümelri mit ihren Wortführern Schlegel, Brentano, Schleiermacher und Anderen glaubte, al» zur schöngeistigen Atmosphäre gehörend, judenfeindliche Ln»- drück« gebrauchen zu müssen, und sie fühlt« sich ja auch ein» mit der großen Masse. Die christelnd« Lokettette ״unserer" Helden und Heldinnen in den bekannten ״jüdischen" Salon»