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Israelitische Schulzeitung · 1882-03-01 · 3 (3.1882) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Schulzeitung
Volume
1 (1882). Bestand UB Ffm
Issue
3 (3.1882)
Date
1882-03-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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.K 3. Magdeburg, März 1882. Jahrg. I. Israelitische Schuheitung. pädagogische Glätter für -Schule und Haus. Unter Mitwirkung jüdischer Schulmänner heraulgegeben von Or. 2dL. 1r»LuL«» und vr. 111. Lronor, Stadbin», in Magdeburg Landradbin«, in Studtiengas«Id. Die ״J«rO«littsche Ech«Igeitr»Ng^ »rfcheint al« pädagogische Beilage zur ״Jaraelitischen Wochenschrift" vorläufig in monatlichen Zwischenräumen und für die «donnenren der ,Wochenschrisl" grati«. — Man kann aus dieselbe auch »es ««»er» abonniren, aber nur »irret bei der ..Lxped. der Irr. Wochenschrist" in Magdeburg, oder bei Herrn Modert Aries« in ti«t»ti<. Da« Adonnement beträgt pro Quartal IO Ps. J«s«»«t»» die gespaltene Zeile SO Pf., für ja». Sultulbeamt« IO Ps. — Sin,eine «ummern versenbet d e «gpebilion i 10 Psg. franco. 9 I'a# Aiet des jüd. Religionsunterrichts. 11. flehen wir aus das gesnndcnr $<1 des jüd. Neligiona Unterrichts genauer ein. Der erste und der bedeutungsvollste Punkt diese« Ziels ist das Erkenntni s; -Ziel. Alle Einpfindungen des religiösen Redens sowie alle Handlungen devselben hängen von ihm ab. Eine Verehrung Gottes kann sich nur aus dem Grunde eines Wissens von ihm. seinem Wesen, seinem Walten ausbauen, ein religiöses Handeln nur die Wirkung eiuev solchen Empfindens sein. אין בור ירא חטא ולא עם הארץ הסידי «Spruche der Väter 11,5.) ״Ein hohler Mensch ist nicht siindenscheu, ein Unwissender ist nicht fromm." freilich sind wohl die religiösen Empfindungen schon als Keim in jeder Menschenseele enthalten: sie besitzt die Fähigkeit;ur Gottesverehrung, jur Bewunderung einer Macht, die größer ist als diemenschliche, gewaltiger al« alle Naturkrast, zur Scheu vor einer Autorität, die weiser ist als Menscheneinsicht und heiliger ist als Menschenwürde,;ur Unterwerfung unter eine Herrschaft, die erheben und slür׳,en kann, ohne das! Menschenwitz etivas dagegen vermag; wohl ist das Menschcnher; fähig, ein Wesen;u lieben, das selbst die Menschen liebt, und dem ga»; 1» vertrauen, der treu ist; wohl ist es fähig, von einem solchen Wesen sich nicht;u trennen und bis in den Tod opservoll ihm sich;11 ergeben. Aber die« ist eben nur die religiöse Seelensähigkeit; wie da» Auge, sonnen Haft, sehen kan», so kann die Seele, gottesvoll, auch Wott erkennen und fassen; soll aber die Fähigkeit wirksam werden, so 1n»s> der Inlellect da« Object;usühren, eine Vorstellung bezw. eine Reihe von Vorstellungen in ihrer Ordnung und;Verbindung gewissermaßen die Fähigkeit erschließen, den Keim entwickeln. Ohne religiöse Vorstellungen bleibt die religiöse Fähigkeit unwirksam. Die Seele kann fromm sein, durch den Unterricht wird sie sromi». Je umfangreicher die VorsteUungomasicn sind, desto stärker da» religiöse Empfinden, je klarer die Vorstellungen, desto reiner da« Empfinden, je gründlicher und innerlich verbundener, desto tiefer, je bestimmter und genauer, desto fester die Empfindungen. Der Irrthum ist der Vater der Sünde al» Begierde und Thal. אין אדם חוטא א׳א׳כ׳ גכגם כו רוח *טווז ״Ein Mensch sündigt nicht eher, als bi» ein Geist der Thor heit in ihm einge;ogen ist." Falsche Vorspiegelungen, falsche Hoffnungen, falsche Berechnungen, Vorurtheile, Unkenntnifi sind die Ursachen allen menschlichen Fallen». Freilich schafft die ^iegierde auch Irrthümer, das heißt es blendet, aber das ist es eben, was uns die Wichtigkeit richtiger Vorstellungen beweist, daß die Tiegierde erst falsche er;eugen muß, ehe sie zur sündigen Thal wird. Besitzt der Mensch aber bestimmte klare Vorstellungen, so ivird auch seine Begierde geschwächt. Wer genau weiß, daß in einem Weine ein tödtlichc» Wift enthalten ist, der wird trotz aller Trinklust doch diesen Wein nicht trinken; er mußte denn eben irren und meinen, daß das Gift überhaupt nicht tödtlich sei, oder in dem hier vorhandenen Maße nicht tüdte oder ihn nicht tödten könne. Das sind aber wieder Irrthümer, und wer genau weiß, daß dieses Gift ihn ttzdtet, der trinkt den Wein eben nicht. Wer da meint, daß eine geheimnißvolle Besprechung Krankheitent heilen könne, der wird sie aussuchen: wer aber über;eng ist, daß die dunklen Bannformeln über den Körper Nichts vermögen, wenn nicht eine körperliche Heilung in Begleitung ist, oder der Glaube dem Menschen neue Kräfte giebl, wer von der Verwerstichkeit einer Llesprechung aus religiösen Gründen vollständig über;eugt ist, der wird eine Besprechung nicht aussuchen. Wenn der Wollüstige sehen müßte, daß ihm die Wollust Siechthum und Elend bringt, dann würde er die Lust bejähmen, sobald ihn aber die Lust glauben niacht, ihm werde es nicht beträchtlich schaden, so folgt er ihrer Lockung. Wenn ein Israelit von der Verpflichtung übcr;eugt ist, daß man Wottfo Gebote halten müsse, auch men» der Grund nicht mehr vollständig bekannt ist, dann ivird er sie eben halten. So, sehen wir, sind Ansichten, Meinungen, Ideen die Leiter der Menschen. Und so oft ein Vorurtheil die Menscheu wie eine Krankheit erfaßt, so oft wird die Heilung nur durch beffere Einsicht erfolgen können. Wahnideen pflan;en sich oft Jahrhunderte fort und fordern blutige Ovser, wenn die Wahrheit aber Licht bringt, dann schwinden auch die dämanischen Leidenschaften. Darum ist aus dem (Gebiete de» Religionsunterrichts allerdings das erste, ivichligste Ziel — das intellectuelle — Wissen.

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