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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 52. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 52.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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40« Reden über dasselbe Thema (.Der Talmudjude") werden in unga,iieh>r Sprache bild Nachfolgen. N«ri». Herr S. d. Ziegel ProfiPor der Mathematik, Examinator an der militäriichen Specialschnle, ist Ritter der Elirenlegion geworden. — Am 12. Der. l»at ein Herr Rappoport, Diamantenl-äudler, sich getödtet, nachdem er seine achtzehnjährige Trichter, welche mit einem sehr reichen Spanier lebt«, geiödiet hat. Die Stufenleiter ist immer dieielbe. Jrreligiösität, »lia» Freidenkerei. gemischte Ehe. Alias Eoneubiiiat. Skandal, aliaa Perbreche». Der unglückliche Pater bot in einigen Zeilen um ein jüdische» Begräbniß gebeten. WuLarelk. Herr Emaiiuel David, der in Pari» Dr. der matheinaiisckien Wifsei scheifteu geivorden, ist hier zum Professor ernannt im-rben. Er wird die Tlievrie der Fiinktionen lesen. Petersburg, 20. Deeember. Dem „Golvs" zufolge ha» der Senat am 18 d. Mt», auf Ansuchen einiger jüdischer Apoll» keiilvsitzer entsprechend beschlossen, die von dem el>e maligen Minister de» Innern, Grafen Jgnat.eff, im März d. I. erlassene Perfügung auszuheben, durch welche den jüdischen Provisoren außerhalb der de» Juden angewiesenen 1 heilen de» Reiche» verboten war. Apotl-cken zu besitzen oder zu verwalten. Petersburg, 23. Deeember. Diejenigen jüdischen Apolhekenbesiver, welche in Folge der jetzt al» ungesetzlich erklänen Verordnung de» Giafen Jgnatieff ihre Apotheken verkauften, wollen, wie der .Herold" melde», den Grafen Jgnatieff nunmehr auf Schadenersatz verklagen. (Davon möchten wir denn doch ernstlich abrathen.l Feuilleton. «ine Mischehe. tSortfctniitg.) VI. Pergelvit« versuchte Joseph später noch durch alle Mittel der Ueberreduiyl. Christine zu einer andern SinneSeirt Su lvkehren und die Schwiegermutter aus dem Heiuse zu chaffen. „Liebe", erwider sie, „Iflftt sich ebensowenig anfzwingei,. al» wegdisputiren. Ist e» mein Fehler, wenn sich meine Arme nicht öffnen, wenn sich mein Herz nicht diesem Kinde aus h»n wll? Was aber meine arme Mutter betrifft, die Tu« mit Deinem Haffe verfolgst — wohl zum Lohne dafür, daß sie Dir die Trchier gab. ohne len Unterschied be» Siande» und der Religion zu beachte» und so ei» uriendlich grotze» Opser brachte, wer» lene andere Murier bringen würde, ni» sitzt, wie ein Diensibote jeden Augenblick mit der Entlassung bedroht zu werden — wa» meine Mutter l>elr>fft. versichere ich T», dass ich im feUnrn Momente mit ihr da» Hau» verlasse, wen» sie Veranlasjung fände, e» zu thun". Rech und »ach gewöhnte sich Joseph an diese leidigen unerquickliche» Verhältnisse. an einen permanenten champf. Die Schwiegerniliiter, siark durch die Tochter, führ e da» Regiment im Hause, verhäischelte Ceraphine und bebandelte de» kleine» Goitlieb wie ei» Stiefkind. Ehristine gab ihrem Galle» keinen direeten Anlass zu Aergernisse»; sie war aber ziemlich frostig gowoiden. lebte niebr außerhalb, al» im Hause und ließ, von der Mutter belrerrscht, nur selten einen kurzen lichten Sonnenschein in da» Leben ihre» Gatten fallen. Ter Tualismus halle sich im Hause vollständig au»- gebildet: Aus der einen Seite Ehlisline mit Mutter und Tochter, auf der ander» Joseph und sein Sohn. Jahre vergingen. Die ttiuber wuchsen heran und mit ihnen der Zank, den sie fvltwahrend ui-terhielten. Früher waren e» lindsche Eifersüchteleien, Heute Balgereien, bei denen Seraphine regelmäßig Recht behielt und Goitlieb den Jlürgnn zog. Später, als die Geschwister grös,er wurden, waren es Nergeleien anderer Art, mit denen sie einander zu Leibe gingen, wovei wieder Seraphtne im Vonheile war, da sie die Hilfe der Großmutter, der Mama und de» gesammten Hau-geiinde» hatte. Ott kam der Knabe weinend zum Pater gerannt, sich über kleine Mißl-andlungen zu beschweren. Joseph beschwichtigte und herzte da» Kind, ohne sich in Untersuchungen einzulaffen, von denen er wußte, dag sie erfolglos bleibe« winden. „Wenn Du größer sein wirst," tröstete er ihn. „so wirst Du fort von hier in ei» Hau» kommen, wo man Dir mit Liel'e begegnen wird und Du es besser haben wirst, al» hier." „Wohin, Papa?" — „Zu einer Deiner Tanten." „Und Du? Wirst Tu nicht auch dorthin gehen?" Joseph seufzte und schwieg. Zuiveilen packte ihn auch ein mächtige» Heimlveh, eine unendliche Selinsucht »ach dem Muiterlgruse, in welcliem seine Wiege gestanden, nach seinen Schwesteni, die er so innig geliebt, aber für eine noch tiefere Liebe, ivelche jedoch die Zeit und die Verl)ältnisse sehr verfärbten, aufgegeben hatte — aber ihm fehlte der Muth zur Rückkehr. Was würde er ihnen sagen, wenn sie ihn nach seinem Glücke fragten? Aber die» Kind durfte nicht lange mehr in diesem Hause bleiben. E» mußte den Verfolgungen entzogen werden, wenn e» nicht einer nervösen Reizbarkeit oder Verstecktl-eit ve»fallen, e» mußte in einen andern Boden verficht iverden, men» e» dem Judenthume erhalten werden sollte. Ein kleine». aber folgenschweres Ereigniß beschleunigte diesen Moment. Das Geburt-fest Seraphinen'» fiel diesmal auf den jüdischen PersöhnungStag und sollte wie alljährlich gefeiert tverden. Joseph ging nur vier Mal im Jahre in da» Gotteshaus: am jüdischen Neujahrsfeste, am Persöhnungstage und an den Sterbetagen feiner Eltern. Es gibt keine» Juden, der a» diesen Tagen sich nicht zu Gott im Gebet erheben, de» Blick aufwärt» sende» würde. „Paper," rief Goitlieb, al» Portliein, zum Mittageffen erschien, indem er ihm freudig entgegensprang. „heule werden wir hier viel Leute und viele Kinder halb»; wir werden spielen und tanzen; r» ist der Schwester Geburtstag! Wa» wirst Du ihr wohl schenke». Papa?" „Heute?" srug Por«l»eim, indem er sich an Ehristine wandte. „Freilich." antwortete diese, „der 20. September." „Heute Abend, Ehristine. ist bei uns Jom Kipur? Weißt Du das?" „Du. wa» kümmeit mich Dein Jom Kipur?" versetzte sie mit einem Achselzucken. „Ist das K»id nicht da» meine, die» Hau» nicht mein?" „Aber Tein Bußetag ist el>e»jvwenig der unsere, al» unsere Feiertage die Deinen. Küiumerr Dich unsere Eharweche, unsere Weihnacht, unser Pfingstfest? Wa» gel>e» mich Tein PersöhnungStag oder Deine Osler» an, was gehen sie meine Serapliine an?" .Da» fvtdere ich nicht, aber ich fordere Rücksicht für den Pater, der dem Wiegenfeste seine» Kindes anivolinen möchte, zum Tl>eil auch fiir das andere Kind, da» nur mit tiefein Herzweh mir i» die Synagoge folgen würde, wenn es daheim ein Fest weiß." „Es ist aber durchaus nicht nothwendig. einen achtjährigen Jungen in das BetlMiS zu schleppen," sagte Ehristine, „ein Vergnüge», da» ihm später nicht entgcht. und es wäre vie. väterl>kl»er. ihn bei den Gespielen spielen zu lassen, statt daß er dort jammern höre." .Wenn ,ch da» Kind mitnehme. so ist e» de» Eindrücke» wegen, den er für da» Lebe» bewahrt. Je mehr er hier aiideie Eindrücke empfängt und andere Aeußerungen hört, desto religiöser muß seine Erziehung sein, weuu ich ihn be» wahren will —" „Im Ijeiliflen Bund be» auserwählten Volke»!" lachte sie. „Deine Methode ist die schlechteste. E» ist weder ein gottnoch ein inenschengesälliges Welch an dem Du so schwer seit Jahren arbeitest und da» frül>er oder später mißlingen muß. Du ivlllst gewaltsam ein Glied au» dem Familim-

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