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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 52. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 52.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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407 körper reißen, um es in ein andere« Terrain *u pflanzen, auf dem e« nie recht gedeihen kan». Glaubst Du, dab der Knabe, unter den widersprechendsten Einflüssen großgcwachsen, nicht einen eigenen Weg wandeln werde?" .Aber ich thur meine Pflicht, ich gebe ihm eine religiöse Erziehung, bei der Du allerdings Dein Bestes thust, sie zu vernichten." .Lu wirst mir doch nicht zumuthen, dab ich in meinem Kinde de»» Juden auferziehe, den Du so sorgfältig in ihm pflegst.' Mir wäre eS freilich lieber und dem Jungen besser, wenn er Christ geworden wäre: Lag' mir einmal, Gottlirb, wo gefällt» Dir besser, in der geputzten Kirche, wo Herren und Damen, Knaben und Mädchen sich re.sammeln und eine hübsche Musik gemacht wird, oder im Betl-auS. wohin der Vater Dich führt und wo man im kahlen Zimmer nur in Lrichenmäntel gehüllte Männer sieht?" fragte dir Mutter. .In Deiner Kirche," antwortete das Kind rasch. Ponheim stutzte. .Warst Du schon dort, mein Kind?- fragte er. ,O, oft, mit Grvbmuttrr und Mama." Joseph'« entzündeter Blick begegnete einem ruhigen, höhnisch verzogenen Lächeln auf Christinen'« Lippen. .2o arbeitet Ihr in perfider Weise hinter dem RückenP" sagte er, die Stirne runzrlnd. .Revanchire Dich mrinctlfalben bei Scraphine", erwiderte Frau Portheim wegwerfend. .Da mühte man kein Herz und kein Gewissen hal>en. um eine mühselige Erziehung meuchlings zu vernichten und ein in der erste» Entwickelung begriffene« junge« Herz zu verwirren. Da« Judcnthüm überdieß ist jeder Profeliten» macherei fern »nd angelt nicht nach Seelen. Diese aber will ich un« trotz Euch erhallen. Gottlirb wird mir in den Tempel folgen." .Ich habe nicht die Absicht, ihn daran zu hindern." versetzte Christine, erkläre e« aber al« Tyrannei, da« Kind einem Vergnügen z» entziehe», da« ihm jedenfalls besser frommen wird, als das wenig erquickliche Schauspiel, das sich ihm heute i» Eurem ÄotteSlhiufe bietet." .Ich weih am besten, wa» dem Kinde frommt, erwiderte Portheim entschiedener al« je, .und iveiß auch eben so wohl, weiche Rücksichten rin Man» in seinem eigenen Hause fordern darf. Die Geburtsfeier unsercr Tochter mag. da hoffentlich keine Gefahr im Verzüge vorhanden, morgen Abend so festlich al« Dir beliebt, brgangcn werden, l-rute nicht." Christine blickte ihren Gatten erstaunt an. .Denkst Du wirklich jetzt da« kleine Fest, da« ich den Gespielen unserer Srraphinc für heute ankündigte und zu dem einige Hausfreunde geladen sind, rückgängig machen zu können, nachdem die Einladungen ausgetheilt wurden?" .Gewiß. Und e« mag Dir für die Folge zur Lehre dienen, zurrst den Hausherrn wenigsten« zu verständigen, ehe Fremde geladen werden." .Ich werde diese Lehre beherzigen,- erwiderte Christine, sich spöttisch verneigend, .diesmal aber wird da« Kinderfest doch heute stattfinden." VH. In diesem Augenblick trat Frau v. Horn in da« Zimmer. Sie erkannte gleich, dab hier ein Scharmützel stattfinde, stellte sich in die Räh« ihrer Tochter und setzte ihre Augen in rollende Bewegung. .Wa« gicbt's hier?" .Mein liebenswürdiger Herr Gemahl vpponirt gegen unser Vorhaben. heute Seraphinen'« Geburtsfesl zu feiern, weil e« zufällig sein VersöhnungStag ist." ,Sv? Sollen wir vielleicht auch hinein in sein Gottc«- Su«, fasten und kasteien? Wa« kümmert un« sein Ber» hnunaStag?'' frug die Alte mit einem Achselzucken. .Da« soll'« auch nicht; mich aber kümmert'«, wa« in »einem eigenen Hause vorgeht und ich kann e« nicht dulden, dab h>" gejubelt werde, während ich trauere, dab hier gepraßt werde, während ich faste!" Die Alte ließ sich nicht leicht au» dem Felde schlagen. »Gleiche« Recht für Alle,- sagte sie; »wir hindern Sie nicht, zu beten und zu fasten und sich mit Ihrem Gotte zu verrechnen: Sie dürfen un« dagegen nicht hindern, »ach unserer Fayon zu leben. Sie können zufrieden sein, wenn wir Ihnen keinen Zwang anthun. Draußen in unserer alten Hrimath sind die Inden froh, wenn man sie leben läßt." — Porlhrim biß sich in die Lippe». .Ich wollte. Sie wären dort geblieben,- murmelte er, .statt un« hiel-er die Hölle in« Hau» zu verpflanzen!" Frau von Horn hatte es gehört und. die Hände in die Seite stemmend, schrie sie mit vor Wuth halb erstickter Stimme: .Schau her, schau l-er, wa« sich da» hcrauSnimmt! Wa« so ein Mensch, de» man aus seinem Nicht« erhob und ihn in eine achtbare, christliche Familie cin'rcten lieg, un< eingedenk der Opfer, die man brachte und der Schande, die man sich seinetwegen auflud, noch undankbar sein kann! Wäre Christine Ihre Frau geworden. wenn ich nichc in sträflichcin Gottvergessen in diesen Abfall von der guten Sitte und dem heilige» Glauben darein gcavilligt l»ätte? oder hätten Sie eine licbliä>e Glicttotochtrr geheiratet, die schwarzgelockte Maid eine« hochangesehencn Wucherjuden?" .Unglücklicher Weise aber — »nd das ist eben der Fluch meine« reifcrn Leben« — waren Sie so großmllkhig, oder so spekulativ, »achzugebcn, und ich nahm Ihre Tochter, deren größter Fehler allerdings die Mutter ist." „Jetzl hast Du r«!" schrie die Alte zu ihrer Tochter gewendet, Auge und Gesicht entzündet, die dünnen Lippen zusammtngekniffc». .Jetzt hast Du es! Hät'rft nicht Dein Herz und Dein Gelüste an einen Juden hängcn. ihm Kinder gebären und so einen Jndenjuiigen groß ziehen sollen!" Damit stieß sie außer sich vor Wuth und eines Gegenstände« bedürftig, an dem sie sie auslasscn könnte, den Knaben so heftig, daß er in den Schooß der Mutter taumelte, die ihn, einer unwillkührlichen Regung nachgebend, in ihren Armen auffing. Poriheim stand einen Augenblick da. al« wen» der Blitz zu seinen Füßen eingcjchlage» hätte. Sein Blut kocl>tr, seine Hände ballten sich, seine Blicke flogen von der Schwiegermutter zur Gattin und von dieser wieder zu ihrer Mutter, biKf) war sein Verstand mächtiger al« sei» Zorn, den er durch eine fast übermenschliche Anstrengung niederkämpfte. und er »äl)crtc sich anscheinend ruhig der Frau, deren Arme er nicht unsanft vom Kinde zu lösen versuchte, .Da« Kind geht mit mir," sagte er. .Es bleibt'" rief Christine entjchirdcn, indem sie enger ihre Arme um den Knatv» schloß. Neuerdings fühlte Joseph fein Blut '» heftige Wallung gerathen und ihm zu Kopfe schieße»; er fürchtete die Srlbstherrsck)aft über sich zu verlieren unb sich zu einem rauhen Gewaltakte hinrcißcn zu lassen. Al« wollte er vor sich selbst sich flüchten, eilte er an« dein Zimmer, deffcn Thürc hinter ihm heftig in« Schloß fiel. Wa« nun beginne»? ES arbeitete heftig in ihm, wie im Schooße eine« der Eruption sich nähernden Vulkan«. Durch Jahre hielt er seine Gefühle im Eiskeller der Geduld, er wich jedem Zusammenstöße au«, er ging soweit al« möglich seinen eigenen Weg und kreuzte so wenig al« möglich jenen seiner Frau und ihrer Mutter, de« lieben Hausfrieden« wegen. Aber schließlich ging'« mit seiner Geduld doch zu Ende und sein Gefühl, sowie sein männlicher Stolz empörten sich gegen die ihnen angelegte Zwangsjacke. Ec war rntfchloffen, sich nicht länger einem Despotismus zu unterordne», der ihn moralisch entmannte. (Schluß folgt.) Briefkasten der Redaetion. Sine große Anzahl von Sorrrfpondcnzkn: Au« Frankfurt a'M., Bielefeld, Jnowrazlaw, Schmieg»!, Darmstadt» Wie». Best, Luxemburg, London, Bari«, Petersburg» Jerusalem, Algier» Amerika n. A. mußten für dir erstrn Nummern de« neue» Jahrgang« zurüagrlegt «erden.

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