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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 52. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 52.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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404 überbrachte (in Schreiben au» dem Geh. Eivil-Eabinet Sr. Majestät de» König« v. Preußen folgenden Inhalt«: »Seine Majestät der Kaiser und König haben mit Interesse vernommen, daß Sie mit Ihrer Elirgattin Rosa, ged. Hol» lacnder nach einer 50 jährigen glücklichen Ehe am 6. Decembrr b. I. da» Fest Ihrer goldenen Hochzeit feiern werden. Zur Erinnerung an diese» frohe Familienereigniß. zu dem Seine Majestät dem Jubelpaare die bene» Glückwünsche au«- sprrchen lassen, verleihen Allrrhöchstdirsrlben Ihnen die beifolgende mit den Bildnissen Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Majestäten geschmückte silberne Mrdaille mit dem Wunsche, dag e» Ihnen und Ihrer Gattin vergönnt sein möge, unter Gotte» gnädigem Beistände in treuer Gemeinschaft mit einander sich noch recht lange eine» lreiteren und zufriedenen Lebensabend« zu erfreuen. Der Geheime Eabiurts-Raih, Wirkliche Gehcime.Rath v. WilmowSky. An den Herrn Leopold v. Geldern. Hvchwvhigrbvren zu Eöln". Möge der fürstliche Wunsch in Erfüllung gehen und da« goldene Jubelpaar bo» diamantene Hochzritsfest in ungetrübter Körper- und Geistcsfrische heuer und zufrieden erleben. — Vergangene Woche hal>en wir den ältesten Veteran Eöln». unser» Glaul>ensgrnosscn. Jacob Goldmann, all und satt an Jahren. 90 Jahre alt. zu Grabe getragen. G o l d,n a n n hatte alle Frcil>citskricgc mitgrinacht, die Schlacht bei Leipzig u. s. m.. ivar auch mit in Pari» ei »gezogen, ward verwundet, auch schon tobt gesagt, selbst angeblich begraben. Bi» zu den letzten Tagen seine» Leben» l>at er mit groger Gewistenlmftigkcit die Pflichten seine» Glaubens erfüllt, gcsctzcsircu. fleißig und strebsam schied er mit der Krone de» guten Namen» geschmückt au» seinem Wirkungskreis. Am Gral>e schilderte der Rabbiner Or. Frank de» Manne» Tugenden, der durch Tapferkeit. Pflichtbeivubtsrin ausgezeichnet, seinen Pflichten al» Staatsbürger. Mensch, Israelit, Familienvater nachgekvmmcn war. Errulie in Frieden! £r|i(rrrid>. Nie«. Einem zweiten Artikel der .Extrapost" über da» .Mädchen von Tisza-Eßla r* entnehmen wir folgend« Stellen: Die Bedeutung der Affaire von Tisza-Eßlar liegt nicht in der An der gerichtlichen Prvcrdur, denn die Mißbräuche, deren sich Gcrichtspcrsonen schuldig machten, die J»l)astirung unschuldiger Mensche» sind von untergeordneter Bedeutung gegenüber der Tragweite der Anklage, dab ein culturrll vorgeschrittener, auf der ganzen Erde zerstreuter und viele Millionen Seelen umfassender Volksstamm aus Grund seiner rcligiösrn Satzungen eine ewige Gefahr bildet für daö Leben seiner Mitbürger! Darin liegt da» Wesen der Sache, diese AnNage soll fortan der Schlachtruf der Antisemiten sein und da» negative Resultat der gerichtlichen Prozedur in Ryiregyhaza soll diese Parole möglich machen! Die angrklagtrn Jude» werden frrigrsprochen sein und ihre Freiheit wieder erlangen: aber dieser Freispruch .weil keine genügenden Beweise erbracht werden konnten" wird von den Jüngern de» Berliner Hofprcdiger» al» ein wirksame» Mittel benützt werden, um sich Vorurtheil und Dummheit dienstbar zu machen. Der Prozeß, welcher sich eben jetzt vor dem Rzeszower Strafgerichte abspielt, beweist die« zur Genüge. Auch da ist ein Christenmädchcn verschwunden. Der muthmaßliche Mörder versucht cs. sich nach dem Tisza-Eßlorrr Rcrrpte au» der Schlinge zu ziehen. Wohl paßte das Märchen vom Ehristcnblut nicht zur kritischen Zeit, e» waren eben die jüdischen Oster ' vorüber, al» da» Mädchen verschwand; e» mußte also irgend ein andere» .religiöse» Motiv" herhalten. So werden die Herren Mörder, sicher nicht zum Nutzen der öffentlichen Sicherheit die Vorsicht zur Geschästsmaxime machen, fonan sich nicht allein mit Mord- Instrumenten, sondern von Fall zu Fall auch mit einem .religiösen Motiv" zu versehen. Der Tisza-Eßlarer Fall ist also nicht allein eine Gefahr für die Eintracht unter den verschiedenen Eoiisrssionrn. sondern auch — und dir« geben wir den berufenen Wächtern der Ordnung zu bedenken — ein gefährliche» Präredenz für die Verübung von Verbrechen, die sonst vielleicht ungeschehen blieben! Hier muß die Wahrtest an'« Tageslicht kommen, hier darf der Schuldige nicht der gerechten Strafe entgehen. Und ist es denn in diesem Falle gar so schwer, dir Wahrheit zu ergründen? Jedem Laie» ist r» geläufig, daß der Kriminalist nach Verdachtsmomenten sucht, daß diese gleichsam die Führer des Untersuchungsrichters sind und daß eonstatirte, nicht gewöhnliche Erscheinungen au der Leiche des Ermordeten zur Nachforschung der Ursachen dieser Erscheinungen anregrn. Und welch' svnderl>arc Erscheinungen wurden nicht an der au» der Theiß geschwemmten Mädchcnleiche ronslatirt! Man höre und staune: Dem Untersuchungsrichter, besten Amtshandlung gleichsam halb Europa mit cvntrollirtc, wird gemeldet. datz die Leiche de» verschollenen, angeblich von de« Juden ermordeten Mädchen» gefunden ivurde. Run würde jeder vernünftige, rcchtlirbende Richter ganz so. wir es ülxrall gesetzlich vvrgcschricbcn ist. den Leichnam unverändcN mit Sack und Pack behufs Agnosrirung au«- strllrn — da mit einem Male ist die Leiche splitternackt entkleidet! Die Kopfhaare sind abrasirt — Herrn Untersuchungsrichter Bari grnirt so was nicht. Er behauptet, die Leiche sei gar nicht die der Esztrr Solqmoßu. — Die Juden aber, welche da» Mädchen gekannt haben, werden zur Agno»- cirung nicht zugelassen! Dir letzte Dieustgcberin, Frau Huri.*) soll die Leiche ogni>«eircn - sie schickt ein ärztliche» Zengniß. daß sie unwohl ist! Der Gcrickiisarzt ist zufällig Jude — er wird zur Obduktion nicht zugelassen! Der Untersuchungsrichter constatirt. daß die Rüget an den Fingern der Leiche .wohlgepflegt und hübsch zugcschnittrn" sind, wie es bei armen Bauernmädchen niemals der Fall ist — die Professoren der Budapeslrr mcdicinischen Facultät coustatircn, daß diese runden, schönen Nägel ganz verschwunden sind! Die Affaire macht in der ganzen Welt Aufsehen — nur bei den Bauern in Tisza-Eßlar ist keine Auflegung zu entdecken! Sind da» nicht Erscheinungen, deren jede für einen verständigen Pflichtbeivußicn Untersuchnngsrichter genügen würde, dem Tl)ätrr .auf die Spur" zu kommen? Wem drängt sich da nicht der Gedanke auf. daß die Leiche nur deshalb entkleidet wurde, damit man sie nicht leicht agnvscircn könne? Da» verschwundene Mädchen war jung, noch ganz unentwickelt und da» Fehlen der Haare an gewissen Stelle» de» Körper» mußte vrrrathen, daß die Leiche thatsächlich die der Solymoßy ist — sind etwa die Kopfliaare nicht deshalb abrasirt worden, um glauben zu machen, daß auch an anderen Körpertl-eilen da» Haar auf gleiche Weise entfernt worden ist? Und wenn e» eine fremde Leiche war. gebot nicht der einfache Verstand, gerade die Juden zur Leiche zu sührcn, um sie davon zu überzeugen? Die Dicnstgelxrin de» ermordeten Mädchen» wird zur Agnosrirung gerufen, doch meldet sie sich unpäßlich — liegt da n:cht der Gedanke nahe, daß sie vielleicht, van Grwistensbissrn gequält, sich fürchtete, angesichts der Leiche nicht standhaft bleiben zu können und etwa sich zu ve-rrathcn? Ist da« Verhalten dieser Person nicht mehr al» verdächtig? Weshalb wurde der jüdische GrrichtSarzt zur Obduction nicht zugclasten? Weil man wußte, daß er sich n cht dazu hergcbcn wird, ein lügenhafte» Protokoll zu unterschreiben! In der Kiste, welche mit der Leich« unter Intervention der Budapester Universü^tS-Prosrssoren rxhumirt wurde, schien die angeblichen wohl gepflegten Nägel — wo sind diese hingckommen? Wir sagen: Sie sind niemal» deigrwcsen! Und endlich: In TiSza Eßlar ist'» ganz ruhig, kein Judenhaß unter den Bauern wahrzunehmen, nicht eine Spur von Aufregung. Ueberall spuckt'», nur in Ti»za- Eßlar nicht. In einem Dorfe wird ein Ehristenmädchen von einigen Juden abgcschlachtet, die Bauern gerochen in Aufruhr. •) Li« bol Mädchen «ft ge«ihhandrtt halt«, s» dag auf ihr drr verdacht d«S Mord«» ruht.

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