Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 51.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 399 — IV. Auch der Geistliche erhob sich einigermaßen verblüfft: er -erkannte, daß er hier einen sterilen Boden pflüge und schritt langsam der Thüre }u. Hier blieb er einen Moment nachdenkend und mit sich selbst kämpsend stehen, ivandtr sich um und näherte sich noch einmal dem Gegner. .Herr Pottheim", sagte er ttwas zögernd, „da ich ei» Bote de» Frieden» bin. ist r» nieine Pflicht, Sir vor dem Kriege zu tvarnrn. Ein häusliche, Zwist ist schlimmer, al» ein Kampf. Bedenken Sie die Lage de» Kinde», seine Stellung in einer christlichen Familie — denn der Man» lebt meist außerhalb de» Hanse» und ift Gast dal»eim — lvdenken Sic seine Zukunft, und wen» — ,venn" .-tun. tvenn? —" .Wenn Sie -leichthin» zu -leichthin» l)ä»sk» wollen, so erhalten Sie - ich verspreche c» Ahne» im Namen unsere« hochwürdigen Bischof« — »iifcrc, jenseits der Landgrenze gelegenen ansgedehnlrn Besitzungen ans Jahre hinan» >n billige Pacht". Portheil» fuhr ans, al» ob ihn eine Biper geiwcl-e» lMe. „>Keld?! Ihr ivoll« mir die Seele meines Kinde» abtaufe»'!' Ihr verlegt Euch auf's Handel», weil Ihr nicht mehr durch Feuer und Schivert erobern könnt? Ihr könnt den Pater nicht mehr auf den flammenden Schrilerhanfen schicken, so iveit« Ihr ihm kirchlickie Güter an? Die Angst vor der Hölle uiitcu verfängt nicht inehr, so zündet Ihr da oben im Familienkreise dir Hölle an »nd die» Alle» einer einzigen Seele wegen, die Ihr einer andern Lecte cntsühre» wollt, wir etwa rin reicher Griindbesitzer einer arine» Nach bar» da» bischen Erde abgewinue» möchte? Schämt Euch Elirr» unrrsätilickien Geizes, Ihr Herren de» Frieden», der Liebe und der Entsaguiiq!" Der Geistliche trat leise, ohne Wriil, über die Schivelle hinaus und Ioseph blieb allein. Dir Däii»»er»na ivar vor geschritten, er warf sich nns's Svpha, und überließ sich den. auf ihn riiistürinenden Gedanke». Er sali einen Abgrund sich anstliun, den Himmel seine» hänslichen «Glücke», in letzter Zeit schon l>eivölk«. sich düffrr färben Hat Ehristine so viele Lirl>e für ihn noch beivalirt. »»> all den Nänken »nd der Berinslnssiing widentehen z» lönne»? Er ivollte cs vrr suchen »nd sie noch >»eu»e spreckie», um sie an ihre Liebe und Pflicht, an da» Gluck zu mahnen. das sie ihm verheisie» und dessentwegen er die Heimath »nd Familie verlassen. An der Schwelle von Elirislinen» Schlafzimmer, br gegnete er seiner Schiviegcrmntier: sie hatte da» Ansseln» einer zahmen Furie. .Pfl". sagte sie, .sie schläft. Da» sind ihre glücklichsten Stunde». Dir arme Frau — sie opferte sich thörichtcr Weise der Liebe uud siebt fick, getäuscht. Ei» Man», dein sein Mose» und sein Nabbi höher stehe», al» die Gattin, der weiß nicht» von Liebe und dar» aiich keine fordern". .Denkt auch Ehristine so?" »rng Ioseph. seine Lippen zrrflcisck>end. — .Ganz gewiß". Er drehte der Fra» de» Nacken und entsernte sich rasckirn Schritte». Tie Nacht ivar ih-n lang und peinlich, sie ging bleiern a» ihm vorüber: e» scntie sich lein Schlaf aus seine Lider und er r>erlicß da» Lager, al» e» lau»« l»ell wurde. Ungeduldig wartete er. bi» er zu seiner Frau cinttcten konnte Er wollte einen Bettuch ans ihr Herz machen und da» abscheuliche Geivebc zerreiße», da» man um sie gesponnen. Er dachte eine» letzten Trumps anszuspielen und sich zu über zeuge», ob Ehristine ihm nock> erhalten blieb, oder für ihn verloren ivar Als er Stimmen au» dem Geinactie seiner Frau vernahm. ttat er ei». Sic reichte ihm lächelnd dir Hand. Die unvermeidliche Schwiegermutter stand am Bette. .Nun, mein Joseph?" »Ich möchte einige Augenblicke mit Dir allein sein". .Sind wir jcht nicht säst allein? Habe ich vor meiner Mutier, die mich so liebt und warttt, Geheimnisse?" Die Alte wich nicht. .E» giebt aber doch Dinge", enviderte Portheim. .die uian nicht gerne vor Zeugen behandelt, und nicht alle Zeugen sind uiibesangen. Ich wollte zu Deinem Herzen forschen und Deine» Perstand ausrütteln, den unberufene Hände in Schlummer wiegten. Man mißbraucht Dich. Christine; man umgarnt, inan umsttickt Dich. Ein Bereit, bigotter, schein» t^iliger Menschen, deren Geist sich nicht über die Kirchmauern ausdehnen kan», hat in sträflicher, httichlischer Weise ei» Attentat aus »nsern Hausfrieden, auf unser Familienglück gemacht. Man geht aus Beute »ach einer Seele au» und vernichtet auf dem Naubzugr zwei Leben, die früher glücklich lvarcn. Ich »ehe nur zu klar. Wohin wird da» führen? Tn iveißt, daß ich sesthaltc an einem getroffenen Ueberei»- koinmr» und gegebene» Worte: wollte ich doch einst meine uiicndlichr Liebe zu Dir meinem dem Pater geleisteten Persprechrn opfern, als Du selbst den Ausweg -andei't. und wir in Liebe vereint, in »nsrren religiösen Anschauungen geschieden i» den Stand der Ehe «raten. Da» Mvrgcnroth der El>e ivar l»e»er „nd verkprach einen schönen Tag Allein e» kam anders. Mit dem Sohne, der uns geschenkt wurde „nd der uiiser el>elick>e» Glück erhöl-e» sollte, zog Unfrieden und Zwittracht in » Hau«. Böse Menschen haben in unser Lel-en lind Lieben e,»gegriffen »nd ein Feuer entzündtt, da» unter Glück vernichte» soll. Ehristine. sei ivieder, um» Du lunrft »nd entivittde' Dich dieser nnl)eilvolle» Umslrickung; es ist nicht immer Alles gut, wozu eine Mutter räth. wa» ein Priester fordert. Da» Kind, da» Du mir geboren, wird seinei» Pater i»'» Iudenthni» folgen, und ivie Du mich liebtest, vbschvn ich mich nicht z» Deinem Glauben bekaniite. so sei eine liebende Mutter dem Kinde und laß es nicht die Beharrlichkeit seines Paters entgelten". Er nahm ilire l>eiden Hände nnd blickte ihr flehend in's Auge. Die Alte siapd tute der böse Geist daneben unh lenkte mit ihren 'Blicken die Enlscheidung ihrer Tochter. .Du Haff mir eine Bitte früher nie versagt", sagte Ehristine nach entern längeren Schweigen. »Die erste, deren Ersüllnnz mir von Dir venveigrrt tui«rt>e, obscho» an ihr dir Nahe ineiiir» Lelvns hängt, datirt von der tfleburt diese» >knal>eii — iverde ich ihn lieben können? ttmui es eilte Eintracht, kann es Fliedeii gebe», kann da eine Erziehung gedeihen. tueint da» Kind das rerncii», ivas der Mutter heilig ist, ivenn der Bruder das brspöttrl» ivird, ivas der Schiveffer gelehrt wird? Es iff besser ein knrzrr Kamps, als eine lange Fehde". „Ei» Dämon l>at hier eine Min gelegt!" seufzte Ioseph. indem er die Hände in einander schlug. „Gott ist Zengc daß ich Alle» versuche, den eiiislohenen Flieden zurück zilführe»!" lind sich a»srasse»d, sagte er: „Dies Kind, Ehristine, das die eigene Matter bei der Geburt enterbt und es grausam bestraft, iveil sein Pater an sich nicht zum Lugner iverde» ivill. die» Kind ivird nach »de Satzungen meiner -ietigivn. Jude iverde». Gicb mir das Kind!" Das Kind lag an der 'Brust der Amme, die in der Nähe des Bettes saß. Ehristine richtete sich halb aus, nabm da» Kissen, in dem das arme Knäblein. der unschuldige und »»bewußte Gegenstand de» Haders, der an seiner Wiege ansgebrochen, ruhete und reichte cs stumm und kalt ihrem Gatten. Dir Nnhc der Frau, der höhnische Blick der Mutter kontrastirten getvaltig mit der fahlen Blässe de» unglücklichen Paters, ans dessen Arme» der schluinmernde Säugling ruhete. Er ivinktr der Amine und mit cinei» Blicke voller Trauer aus die Gattin und einem Auge voll Hasse» ans die Schwiegernilitter. verließ er da» Zimmer seiner Fra». Die Ausnahme i» den Bund des Judenthums, die sonst mit festlichem Gepränge begangen wird, ging hier still und prunklvS vorüber. (,>ort!Hmug folgt.)