Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 51.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/5369809-5935096-5938116--4852-5377112- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
semitisch« Verein empfiehlt uns die Ergreifung auSnahmSweiser Maßregeln gegen die Juden, lediglich weil dieselben den> mosaischen EultuS angel)örrn. Man scheint in Deutschland nicht zu wissen, daß es in Frankreich keine Staatsreligio» giebt, daß hier alle Eulte frei auSgeübt werden -dürfen, dag es hier keine Katholiken, keine Juden, keine Protestanten, keine Mohaincdancr, sondern nur Franzosen giebt, die sämmtlich gleich sind vor dem Gesetze. DaS Gesetz aber macht keinen Unterschied zivischen den Religionen, es kennt sie nicht. Es ist möglich, daß die D e u t s ch e n Gesetze und Litten sich vereinigen lassen mit de» Prinzipien des Deutschen aniisemitischcn Verein», i» Frankreich sind sie unzulässig." Ru» kommt der Pferdefuß des judenfeiudlichrn Eorrrspondrntcn des reaktionären Blattes: »DaS ist, wie ich anzudruten die Ehre hatte, da» Urthcil eines gemäßigten Blattes, man kann hicrans auf die Sprache der Journale der extreme» Parteien schließen. Der Umstand, daß der Vorschlag aus Deutschland kvmnit. hat übrigens der Lache gleich von vornl-crcin de» Boden ausgeschlagen"! — Also dir russische», rumänischen und ungarische» Judenhetzen sind nicht elviiso entschiede» von den freien Franzosen verdammt worden? Mit«, 0. December. In der heute stattgeh abte» Versammlung de» Bürger-, Handels- und Gewerbe-Vereins, roelche außerordentlich zahlreich besucht war. stand aus der Tagesordnung rin Vortrag des Reichsraths-Abgcordnctrn ochschul-Profefsor Exnrr überdie Gewerbegesetz.Novelle, evor jedoch derselbe über das angrgel'ene Tl)ema sprach, berührte er dir Vorfälle der letzte» Versammlung, welche bekanntlich durch da» Eingreifen antisemitischer Agitatoren einen tnmultuösen Charartcr angrnommcu hatte, und knüpfte daran rinigc Bemerkungen über den Antisemitismus. »Ich stehe nicht als Ihr Abgeordneter" — sagte der verehrte Herr Abgeordnete — »sondern als Fachmann vor Ihnen, und ich fühle mich verpflichtet. Ihnen zu sage», warum ich au« der letzten Versammlung weggcgangcn diu. Mau hat in derselbe» gesagt, man könne nur jenes (besetz freudig begrüßen, welches nur der christliche» Bevölkerung zum Vortheil gereiche. In dieser Ansicht lieg« Wahnwitz, denn wir lmbcn nicht Gesetze für l>estin>mke Eonsessionen. Es iil ein interessantes Zeichen der Zeit, daß man mit einer Discnssio» über die <Rm)erbegesedgebuttg den AntisrmikismnS in Verbindung bringt, ich glaube zum Schaden dieser Richtung. Nichts Unklugere, nichts Lächerlicheres könnte der Antisemitismus beginne», als öffentlich zu erkläre», daß er Gesetze austrebc, die nur Ehristen zugute koniine». in einer Zeit, wo man mit Enthusiasmus Kaiser Joseph s II. gedenkt, der sich dadurch die Unvergänglichkcit seines 'Namens gesichert hat. daß er die Consessione» freigcgebcn hat Heute, hundert Jahre nach Kaiser Joseph, sollen >vir uns so eruicdrigc». die große» Errungenschaften der Gegenwart in Frage zu stellen, weil un» dar Eine oder Andere, was der Eine oder Andere ihn», nicht recht ist. (Stürmischer Beifall). Wenn ivir Schäden in der Gesellschaft sehe», so müsse» wir die Schäden bekämpfen. aber nicht die Eonsessionrn. (Lebhafter Beifall/. Sie selbst werden nicht dulde», daß man Sic mit einer Richtung in Verbindung bringt, welä-c eine Schmach unserer Zeit ist. (Beisall>. Diese Bewegung kann höchstens eine agitatorische Macht erlangen, nie aber eine ans der Basis de» gesunden Meuscheuverstande» lvriihende. Die ganze Be- »vegung ist eine cccffioc, keine sachliche 3*A,mt das Gerücht, wonach dieselben Wortführer, welche sich in unserer letzten Versammlung brcitgcmacht haben, daran »l»älig sind. Ihrem Abgeordneten ei» Mißtrauensvotum zu verschaffe,!, sich bestätigt, (Ohv-Rufcl. so erkläre ich Ihnen, daß ich auf ei» in dieser Tendenz gegebene» Mißtrauensvotum nur stolz sei» könnte (Beifall), daß ich c» für eine der größten AuSzeichnungen halten würde, von einer Gesellschaft, welche ich vom Standpunkte der Ethik als eine »Bande" bezeichne (stürmischer Beifall,, mit einem Mißtrauensvotum beehrt zu werden". Diese Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifalle ausgenommen. Professor Exner ist einer der hervorragendsten Technologen und Praktiker auf kunstgewerblichem Gebiete. Lemberg. Am 18. November fand die 15. Generalversammlung des »Vereins SchomcrJißroel" stau. Der Vorsitzende vr. Emil Byck constalirtc den Aufschwung de» Vereins, da die Mitglieder sich bedeutend vermehrt und die Einnahmen die Ausgaben übersteigen. Der Redner zeigte darauf hin, wie im Laufe dieses Jahres die antisemitische Pest über die Grenzen Oesterreichs vor und selbst bis nach Wien eingedrungen fei; in jedem Stadium habe der Schomcr Jißroel dahin gewirkt, das Elend zu lindern und den Ausschreitungen cnrgegenzutretcn. Da« Verhalten de» orthodoxen Gegenvcreins »Machasike Hadaß" geißelte der Redner, indem er c» dem Benehmen eines Menschen verglich, welcher auf eine»! auf hoher 2re brennenden Schiffe sich nicht an der Löscharbcit betheiligt, sondern Aergerniß und Unsinn anstiftet. Die orthodoxe Rabbinerversammlung gab eine reiche Dornrnlese von Belägen hierfür. Die Proteste gegen jene Beschlüsse waren vom Sch. I. angeregt, obschon sie nie befürchtet, daß die Regierung sie bestätigen würde, sondern allein, um die Schäden solcher Rückschrittsbewegung nicht auf allen Israeliten lasten zu lassen. Außerdem hat der Verein auf die VvrstandSwahlcn in Lemberg eingcwirkt und die gehässigen Aufreizungen de» Mcrncowltsch in die Schranke» verwiese». Der Beschluß des Landtag« ist denn auch so gefaßt worden, daß jeder Vernünftige damit zufrieden sein kann: nämlich: »Die Regierung möchte angemcssenc Ordnung in de» Gemeindevcrhältnissen der Juden Galizien« hcrbciführcn." (Es kommt darauf an, wie man den Brief liest! Red., Die dauernde Begründung eines GcmcindetagcS steht in sicherer Aussicht. Den beide: Abgeordneten DDr Zucker und Goldman» wird wegen ihre« mannhaften Auftretens im Landtage Dank votirt. Dem wiedergewähltcn Vorstande wurde die baldige Berufung des Gcmeindetages an's Herz gclclegt. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Die Zahl der Juden in Deutschland wuchs von 490.000 im Jahre 1807 auf 512,.'{00 im Jahre 1871 und auf 502,070 im Jahre 1880. In Preußen gab es am l. Dezeinl>cr 1800: 17,015,848 'Evangelische, 0.200,28:1 Katholiken und 000,790 Juden: 1871: 15,991,150 Evangelisclie, 8,208,438 Katholiken und 325,544 Jude». Berlin. Der Justizminister hat alle Gerichte erster Instanz angewiesen, die angezcigreu Fälle antisemitischer Ausschreitungen mit dem höchsten gesetzliche» Strafmaße zu bestrafen. Berlin In dem vom „Reichs-Anzeiger" veröffentlichten Eonsnlatsbericht aus Odessa lesen wir: »Nirgend« könnte» die Ehaneen für den Export ans Deutschland besser stehen, als gerade hier. Die Mehrzahl der Odeffacr Importeure find Deutsche, die geiviß bei sonst gleichen Bedingungen der Deutsche» Maare de» Vorzug geben würde», und auch die Juden, in deren Händen sich ein fernerer, sehr erheblicher Brnchtlieil de« Jmporthandels befindet, neigen schon der Spracl-e ivegen »ach Deutschland hin. Gründet z. B. ein Jude ei» indiislrielleS Ilniernehineu, so ivird er sei» Personal hauptsächlich aus Deutjchland rcernlircn, der Russe oder Grieche dagegen aus Frankreich oder England." Und doch find wir Herr» Trcitschkc nicht deutsch genug. Sänn.vnrg, de» 17. Dceeinbrr (Or. Eorr.) Heule fand hier die Rabbinerwahl zivischen de» beiden Eandidate», Pr. Leiindörser Nvrdhansen und Pr R ose »zwei g- Tcplitz statt. Pr. Lcimdörfer trug de'» Sieg davon. ^äan«over.(Or.-E.)Ei»crcchtcrfrculichcThätigkeit entfaltet der lpcsigc jüdische Kindcrvcrcin, er wird »anilich in diesem Jahre 110 Kinder mit vollständiger Gewandung versehen. Besonders in größeren Städten sollten doch solche Vereine inehr als es bis jetzt geschehen ist, in« Leben gerufen werden