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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 51. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 51.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 894 — riitmal ctne Ahnung davon haben können, wa« mit de« verschwundenen Mädchen geschehe« ist. Man weiß e« daß der Gerichtshof in Ryireghlaza varteiisch ist; trotzdem soll dieser Gerichtshof die Schlußverhandlung führen; in der Schluß- Verhandlung sollen sämmtlich« Angrschuldigte freigesprochen tverden; es werden für ihre Schuld keine Beweise erbracht werden und — die Sache wird abgeschlossen sein und soll in Vergessenheit gerathen. Ta» ist da« Programm, das der Modiu prooedendi und diesem Programme entsprechend war auch die Antwort welche Minister Pa uler dem Abgeordneten Mezey aus dessen Interpellation im Reichstage gab. Diese merkwürdige Antwort lautet ungefähr folgendennaßen: Der Gerichtshof in Rhireghhaza ist ein Mustergericht, der Untersuchungsrichter ein vortrefflicher Mensch; die Commiffär« in TiSza-Eßlar sind tvahrr Lammsnaturen. die sich eher selbst die Rase abschneidcn, che sic an Anderen Torturen anwenden sollten; der Lnabr Schars ist frei, wie der Fisch im Wasser: die Protokolle sind alle echt und — Panter ist da» Muster eines Justizminisiers! — Da« Hau» nahm diese Jnkerpellarionsbeantwortung .zur Kenntniß. Da« war natürlich. Das Abgeordneten lmus konnte und durste in diesein Stadium der Affaire in dieselbe nicht weiter eingreifen, e» mußte also vor der Hand die Antwort de» Ministers gelten lassen. In Wahrheit liegt die Sache aber folgendermaßen: Die antisemitischen Generäle sind in eine Sackgaffe gerathen und der t^lerichtshos in Rhireghhaza, der Sachtvalter der ungarischen Antisemiten. ist da» einzige Forum, vor welchem die Anstifter der srnsationellen Affaire Rettung für sich finde» können. Ja wohl: für sich; den» heute ist für den Gerichtshof di» Frage gar nicht mehr vorhanden, ob die Juden da» Mädchen gemordet lml'en. Die Frage ist längst erledigt: Der Gerichtshof tveiß cs und ist überzeugt, daß die Juden unschuldig sind. Die Ausgabe des Gerichtshöfe» wird sich also darauf beschränken, zu verhüten. daß die wirklichen Mürber von der Hand der Gerechtigkeit ereilt werden! Da» ist die Wahrheit, die unverfälschte Wahrheit und weil jeder delcgirtc Gerichtshof cs für seine Pflicht erachten würde, nicht nur die Juden freizusprecheu und dainit die Sache zu beenden, sondcrn Alle» daran z» setzen, um die wirklich Schuldigen zu eruircn und der gerechten Strafe zuzuführe», deshalb unterbleibt die Delegirung eines unparteiischen Gerichtshofs, deshalb verbleibt die Affaire in Nyiregyhaza! Weshalb diese BrrtuschungSsucht? Wer sind die Mörder? Wir wollen in diesem Augenblicke »och mit Nennung von Name» zurückhalten und l-eschränkrn uns heute daraus, r» al» apodiktisch und entschieden verläßlich zu bezeichnen, daß Ester-Lolymofst» durch <5hrtstenband den Tod fand, daß die aus der Theiß geschweinmte Leiche thatsächlich die des ermordeten Mädchens ivar. Die vorgestern vorgenommenc neuerliche Untersuchung der Leichenüberreste wird ziveisellos zum mindesten constatlren, daß mit der Leiche ein arger Mißbrauch getrieben wurde, um die Wahrheit zu verbergen; daß nach dem Tode des Mädchen» die Herren Onodh und Jstoczy tu Gemeinschaft mit dem Mörder und dessen Mitwissern den Plan ausgearbeitet haben, wie dieses Verbrechen gegen die Juden auSzuspiclen sei. einerseits, um den Mörder retten, andererseits, um die Sache der Antisemiten zu fordern; daß ferner Onodh i« Sinne diese» ausgestellten Plane« die Anschuldigung der Juden i« Reichstag vorbrachte, trotzdem ihm der wirtliche Mörder bekannt war und endlich, daß an dieser schändlichen Bertnschung«- beziehung«tveisc Denuntiatio«», aifcit Personen Theil genommen haben, deren soeiale Stellung da« Skaittzalöse der ganzen Affaire — wenn dieselbe vor eine,» gerechten Gerichtshöfe verhandelt ivürde — auf einen Grad potenziren müßte, vor dem selbst der Minister Ti«za zurückschrrckte!! So steht die Sache. Wir wiederhole» e«, daß im Borstehenden die reine Wahrheit seizzirt ist und wir fordern die Herren Onodh und Jstoezy aus. gegen u»« die PreßAage anzustrengen und uns vor denjenigen lhrricht«hof zu stellen, dem nur allein Recht und Gesetz die Richtung vorzeichncn: vor da» Wiener Geschworenengericht''. (Wir sind begierig zu erfahren, ob der Schreilwr diese» Artikel« von der Wiener Staatsanwaltschaft nicht zu näheren Angaben veranlaßt werden wird, damit die Wahrl»eit an'« Tageslicht kommt. Red.) «ro«prinzliche 1Shre«gesche«k «Md die Sichersten««- ««serer jüdische« Enltntzbeamte«. Melde» ei», Klrenpssicht für da» deutsch« Der Deutsch-Israelitische Gemeinde-Bund bereitet durch ein Circular (s. Ro. 48) worin er zu Sammlungen auffordcrt, ein Ehrengeschenk für da» Deutsche llronprinzliche Ehepaar bei Gelegenheit der demnächstigen Feier von deffe» filbmicr Hochzeit vor. Diese Sammlung full dem Ärun* prinzlichc» Jubelpaare in Verbindung mit den Geldern, welihe bereits für die goldene Hochzeitsstier des kaiserlichen EhezraareS gesammelt tvurden. zu einem Pensionsfond» für die jüdische» Cultusbcamtcn übcrgclxn iverdrn. Beide», da« «ronprinzliche Ehrengeschenk und die Sicherstellung unserer jüdische» Cultusbeamtcn. bezeichnen wir al» eine Ehrenpflicht für da» deutsche Israel. Wir hoffen auf eine recht zahl- und erfolgreiche Betheiliqung. zumal der «ronprinz durch seine energische Verurtheilung der antisemitischen Bewegung sich den jndifchen Herzen lvionder» nahe gestellt hat. Air hoffen auch deßhalb darauf, weil wir diese Gr'der gleichsam für un» selbst sammeln, indem sie unseren Cultusbeamten zu Gute kommen sollen. Allen muß daran gelegen sein, daß die Lebensstellung und die Zukunft unkercr Cultusbeamtcn gesichert werde, daß sie nicht im Lebe» rechtlos dastehen und in ihrer Sorge für Alter und Tod nicht ausschließlich von der Gnade der Gemkindc abhängc», zumal diese selbst beim besten Willen nicht einmal immer im Stand« sind, die jedesmaligen Bcdürfniffc allein zu l>esricsigrn. Die Härten, deren die t^meindcn fei osr angcklagt »»erden, liegen in gar vielen Fälle» zum Bebauen der Gemeinden selbst in ihre» Verhältnissen. — freilich jedoch auch nicht immer. Wir haben eine Religion der Liebe und beweisen dies stet» durch Wort und Thal; warum nicht auch unseren Rabbinnern, Lebrern. Cantoren und anderen Cultusbeamtcn gegenüber? Kommt e» doch bi» auf die jüngste Gegenwart vor, ich rede von thatsächlichen Borkommniffc», daß in den größten und reichsten Gemeinden cmeritirtrn Rabbinern, die nicht» besaßen, oder Wittwen verstorbener Rabbiner, die nicht» hinterlicßen, kaum ein Gnadengchalt vom Vorstände bctvilligt, oder in der Gemeinde um ein Gnadenkapital für dieselben gebettelt iverden mußte. Danken wir e» daher den» Dcutsch- Jsraelikischen Gemeinde Bunde, daß er sich dieser Sache anninmt; e» gibt aber auch wohl keine Angelegenheit, welche in höheren! Grade da« allgeineine Jntereffe berührt, al» diese Frage unserer Cultusbeamtcn. Daher sollten die Gemeinden, d<e Vorsteher, wie die Einzelnen in der Geinctnde, in gleicher " — t~t-i-1-rrk, ~ i r• ',i„>ti.iwm. fmiu im > n, fjf

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