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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 50. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 50.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Schriftstücke beschäftigt. Die genannte Partei hat bei dieser Gelegenheit einstimmig den Beschluß ausgesprochen, daß sie die Petition gäuzl ich zurückweisc: denn sie könne reaktionäre Borschläge, welche den Genuß der-staatsbürgerlichen Rechte von der Konfesson abhängig machen wollen, durchaus nicht unterstützen. — Arody. Bo» 300 Flüchtigen hier, wurden ani 18. Rov. 23 nach Frankreich und 2» nach Amsterdam geschickt, wohin nach und nach 100 gebracht werden sollen. Zum Borstandc des Cultusrakhes in Lemberg ist Dt. PH. Zucker, zu seinem Stellvertreter Dr. Gottlieb gewählt worden. Die Perhandlungen und die Bücher sollen fortan in polnischer Tvrache geführt werden. H^aris. Aber sie treiben's toll — die Herren Radikalen. Der Pariser Gemcindrratli drängt aus Ausführung des Friedhofgcseyes, dem der ivohlweisc Rath rückivirkende Kraft beilegt, d. h. man verlangt da» Riedcrreißcn der Mauern, welche die israelitischen Kirchhöie von den andern trenne». Der Tcinepräsert hat auch schon in diesem Sinne an daö Consistorinm geschrieben. Nur immer weiter schonungslos gegen die zartesten Geiühle der religiös Gesinnten gehandr'lt — ich fürchte, cs breche.! — Der Handclsminister hat ei» Comitv ernannt, welches die Bethciligung franz. Aussteller an der Amsterdamer Weltausstellung erleichtern soll. 2 Israeliten lHerrc» (£. Levy und H. May), stellvertretende Handelsrichter beim Handelsgericht der Seine, sind Mitglieder dieses Comitvs. Herr Dürklseim ans Cpinal ist zum Professor der Philosophie vom Lyevc von Puy ernannt worden. Den Philosophieiehrcr des Rabbinelseminars Herrn Radier ersetzt zeitweilig Herr Lue.cn Boy, Professor an der DniversiG äs Uranos. ^aris. lssehören die häufigen Lyuagogcndirbstählr auch zu den Zeichen der Zeit'? Nach dem Tempel in Ncuillh ist da» BethauS der Straße de la Boule-Rouge an die Reihe aekoinmcn: 3 silberne Gesäße und 1 Büchsen mit einigen 100 Frank» sind, ohne daß die Thür erbrochen worden wäre, genommen worden. — Der vielbetrauenc. ehemalige Justizministcr God-sroi hat den isr. Gemeinden in Haag und Amsterdan, bedeutende Legate verniachl. Pros. Dr. Rvsensteiu in Lehden . (ein Sohn des sel. Dajan „R. Chonc" in Berlin) hat ans Bitten des Studenten einen ehrenvollen Ruf nach A msterda m abgelchnt. wofür ihm durch einen Fackelzug der Dank der Hörer ausgcdrückt wurde. Außer den 15 Familien, die in Ge Ori keine Zuflucht erhielten und die das CentralComit» in Samaria ausnahm, wurden Ende October wieder IS Familien (98 Srelrü) dorthin dirigirt. Die Meisten derselben sind au» den Dörfern vertrieben worden und verstehen den Ackerbau. Sie nahmen Mehlvorräthe für da» Dorf mit. Die zweite Abtheilung von 8 Familien zog am 5. November au», vorige Woche eine dritte, größere Abtheilung. In Kt»»r sollen die Chashidcn ihren Rabbi mir Ab«! setzuiig bedroht haben, wenn er ihnen nicht die Zusicherung j aiebt, daß nocy in diesem Jahre der Messias kommen werde. \ Die Antwort ist recht hübsch: dir Zusicherung kann ich nicht Srben, auch nicht erkunden, wann der Erlöser kommt — och Menschen, die solches fordern, werden nie die mrssianische Zeit sehen. Fr «il 1 eto «. «ine Mischehe. m Der erste Sprößling der neuen Familie war eine Tochter. Bater und Mutter waren glücklich und freutm sich innig der ersten Frucht an ihrem Ledensbaum. Doch — und hier beginnt der erste Mißton, der sich im Lause der j Zeit bis zur grellen Disharmonie steigern und zwei Herzen, 1 die sich liebten, aus ihrer Uebereinstimmung reißen sollte — als das erstgeborene Kind aus den Armen oer Mutter geholt wurde, um dem Schooße der Kirche und dem Bunde der Christenheit übergeben zu werden, da traf eS, >vic ein Stahl, de» Vater» Herz, da» sich durch einen heimlichen Seufzer Luft machte. Joseph zog sich, von schmerzlichen Gefühlen bedrückt, die er nicht nennen und erklären mochte, in sein Zimmer zurück, aus dem er erst geholt wurde, als die »venigcn Gäste den .Hausherrn suchte». Christinens Blicken war der Schatten nicht entgangen, der aus ihrem Gatten im Momente eines Familienfeste» lagerte, und sie sagte ihm. nachdem die Gäste sich entfern» hatten: »Wenn wir einst eine» Sohn bekommen, den Du der jüdischen Religion weihest, werde ich mich just so verhalten, wie Du heute. Ich werde der Feier ferne bleiben'. .Aber ich versichere Dir —" „Gut, ives ich sehe und fühle, laß ich mir nicht wegdiSputiren. Cs ist totale Herzlosigkeit, wenn ein Vater es verschmäht, der Taufe seines eigenen Kindes anznwohnen!" „Aber, liebe Christine, >vic könntest Du von mir fordern, als Jude dem Acte der Taufe zuznsehcn, wie er eben am eigenen Kinde vollzogen wird?" .Aber, lieber Joseph, werde ich einst saget»", versetzte 1 die Frau, indem sic Stimme und Miene ihre» «satten kopirte, 1 „wir könntest D» von mir fordern, als Christin dem Acte! der Beschnridung anzliivohiir», ivir er eben an dem eigenen! Kinde vollzogen wird? Und iverde el>e»so liebenswürdig die Hausfrau Deine» (kästen gegenüber machen, wie Du al» Wirth es l>cutc den meinigeu gegenüber thalesl" C» giebt keine Che, a» deren .Himmel nicht zuweilen eine Wolke aufitiege und ein kleines häusliches Wetter ist nock) kein Unglück: regnet» auch zniveilcn Thränen auf der einen und lösen sich Seufzer los auf der andern Seite, aber fremde Kräfte dürfen in diese normalen Naturerscheinungen nicht cingrciscn und ihren Verlauf beeinflussen, besonders aber dürfen Schiviegerinütter nicht auf der Bühne erscheinen und Mitwirken. Frau von Horn jedoch war »nr zu sehr acttu im Familienleben der jungen Leute, in das sie clivas plump, ohne Schonung für die Gefühle und ohne Rücksicht auf die möglichen Kou)eque»zen cingriff. Als die Roth, in der sie eine schwere Zeit verlcote. vorüber war, vergaß sie, was sie ihrem Wohlthätcr schuldete und konnte sich nicht vergeben, die Hand ihrer Tochter einenr Juden bewilligt zu habe», dessen Stammbaum nicht höher hinausreicht, als bis zum Hohenpriester Arou, dessen Reich« thum kaum zur Cnverbung eines anständigen Rittergutes genügen dürste und der ihrer Tochter nicht einmal seine Religion zuin Hochzeitsgeschcnkc gebracht! Jrdeni, der es hören wollte, erzählte sic es. ivic m meine sic i» eine» Bund gewilligt, der ihrem christliche» Sinne und ihrer aristokratischen Denkweise so sehr zuwider sei. und daß sic e» nur au» Liebe zu ihrer einzigen Tochter that. deren Herz sich so genialtig verirrte. .Das ist da» Resultat der modernen Bildung, der Romanlectürr, der Theater und anderer Gottseligkeiten", klagte sie. „Verirrung des Herzen». Unzurechnungsfähigkeit de» Verstandes, Triumph der Leidenschaft und der Sünde". Waren es wirkliche Gewissensbisse, die da» katholische Herz der Frau von Horn zerfleischten, »var rS der aristo kratische Sinn, der ihr keine Ruh« ließ, daß ihre rdelgel'orrnc Tochter vor den Augen vieler Leute fast ea oouoadin»s« mit einem Juden lebte: die gute Frau, die im Alter stand, in welchem man sich zur Bigotterie hinneigt, zog eine Schaar von Betschwestern i» ihren Kreis, die zu jeder Stunde da» Hau» ihre» Schwiegersohnes unsicher machten, behing die Wände mit Heiligenbildern, die Thürpfostcn mit Weihwassergefäßen, da» rrstgel'orene Enkelkind niit geweihten Emblemen und »venn der arme Schwiegersohn dagegen remonstrirte, so gab c» heftige Auftritte, Borwürfe, Thränen, Krämpfe, Migräne ukid wie sonst dies« kleinen Annehmlichkeiten heißen, bei denen

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