Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 50.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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wurden, wie die Sicherheit, dir Ordnung der (Gesellschaft erschüttert wurden. Der Juslizminister hätte sehen müssen, wie man gerade van antisemitischer Leite ihn in einen Gegensatz zur Ober-Staatsamvaltschaft zu dringe» suchte. Der Justizministcr kann dort» nicht die A»fgal>e l-aben, wir ein einbatsamirter Plmrav im rothrn Fantruit dazusitze»? (iWiifc; ur Ordnung! ^ui Ordnung!i Ich glaul>e. dir Frage zur rdniing in diesem Lande ist gerade die antisemitische Frage. Die» lmt der Minister de» Innern mit seine» Verordnungen betviesen Ich din iit>erzcugt. Biele» wäre in R»iregyhaza nicht gescheit», ivrnu man nicht gesehen l>ät«e. dag man mit Hintansetzung der Gesetze die Juden schmälien und beschimpfen dürfe.' Redner wünscht für Jeden nicht» Ändere» alsGercch tigkeit und von den Juden nichts Ändere», als Duft sie da» Selbstbrwußtsci» drsitze» mögen, da» ihnen als freien Bürgern eine» freien Staate» zusteht, li» findet lvinahe. al» ob die Rcgicrung Rachsicht hätte mit den Motive», ivelche die Ägitatiou lurvorricfen, und dann mit der größten Energie auftrrte, ivenn sich die gefährlichen Folgen der Agitation zeigen. Hinsichtlich seiner Stelliuig zur Äntivortdc» Justizministcr» meint er cl>cn, dag er in dersellu» keine» einzigen Satz findet, woran» er Beruhigung und Bertrauen in die Zukunft schöpfe» köiinie. Da falle ihm ein, >va» eine TiMt-Eßlarer Jüdin gesagt habe. Tic Tissa Eßlarer Jüdin sagte also, »ob c» noch einen Gott im Himmel gebe', denn sic deginne schon daran zu zweifeln.* Seite» ImIhihn etwa» so erschüttert, wie dieser Äufschrei de» alten Ä^eil>ee. Die in ihrem ganzen elenderfüllten Leben hat einzig in der Religion Trost gefunden. Wenn er ,}u antworten fähig gewesen iväre, hätte er ihr gesagt, -sic lalle nicht nur auf Gott vcrrranc», sonder» auch darauf, daß e» in llngarn Gesetzt', Richter und einen Justizminister gel>c. Ob er diese Äntwvrt jetzt noch geben könne, wisse er nicht: wohl al>er gebe er seiner Uebcrzcugung Ausdruck, das, ein Gott lel>e, der sich in der Geschichte, in der öffentlichen Moral, in dem Fortschritt llngarn» äußere. Er habe an die moralische Kraft de» Hause», an d»>» öffentliche Geivissen «ppellirt und nehme nur inir Vorbehalt dir Äniwort de» Ministers zur Kenntnis!. Frankreick. Naris. Bon »»religiöser wie von christgläubigcr Seite wird auf Juden und Indenthum »in die Wette tosgrschimpst. Die Einen l»ekS»>pfen Gotte» Lribwtiche, die Ändern die Andersgläubigen oder die Mensche», ivelche Lust. Licht und Boden beanspruche». Äbcr schliinmrr als die Feindc sind die verkehrten Freunde, die nngebetencn und unberufene» Benhridigcr. Ihnen ruft .Arch. iSr." die trefflichen Worte zu: „Jude" und „Deutscher" decke» sich nicht (in Deutschland hieß e»: Pole, Jude und Franzose — in Frankreich: Jude und Deutscher. — W>>» de» Herren nicht gefällt —ist .jüdisch!!"» Nicht ist die Welk vcrjudet, nicht haben die Juden Wissenschaft, Einfluss Reichthum in ihrer Hand. Bon all' diesen Gütern erstreben sic einen Tl-eil, und erlangen ihn kraft ihrer Mühen und mit größter Anstrengung, als Ändere, da sie mehr gegen Borurtheile und gegen Eifersüchteleien zu kämpfen haben. Aber da» muß l>esvnder» laut betont tverden, weil e» der Kernpunkt de» Streite» ist: Nicht als Race oder vermöge ihrer Gemeinsamkeit machen sic Fortschritte und erringen sich eine» Platz in der Welt, sonder» als Einzelpersonen. E» girbt heutzutage iveder ein jüdische» Volk, noch eine jüdische Ratioualität, sondern allein Bürger ihre« Vaterlandes da. wo sie ein Baterland haben, und Parias wo sie außerhalb des Gesetzes gestellt sind. Alle» Andere. um« man den Juden zuschreibt, uni sie zu erniedrigen, oder sie noch gehässiger zu erheben, ist nur Einbildung beschränkter oder Berechnung interessirter Menschen. Stusiland. Nach einer Petersburger Eorrcfpondenz de« .Slowo* sind den Eommissivneu — und auch den Judenkommissionen — Ferien gegeben, die ivahrscheinlich bis zum jüngsten Tage dauern werden, da Regierung und Bolk von neuen Dinge» in Anspruch genommen sind, wie z. B. von den Studentenunruhen. Inzwischen tiftelt jeder Polizcioberst. wie er den Juden was am Zeuge flicken, vielleicht auch, wie er die .Trinkgelder* besser in Fluß bringen kann. E» gicbt ja eine Unzahl vermoderte Gesetze und Verordnungen, die man au» , dem Akteuwustc nur l^rvorzoseben braucht. In Kaminieci Podolskh hat man so mit einem Male wieder e» erkundet, daß die Stadt nicht volle 50 Werkt von der Grenze liegt — d. h. die Juden mußten rau» — wenn —! In Äarscha u. wo die Wucherersuche mehr christliche als jüdische Halsabschneider ergebe'», schiinpfeu die Zeitungen darüber, daß in einer Straße, in welcher früher die Juden nicht ivohneit dursten, jetzt von 220 Häuser»' SA Juden gehören. Da» .Rur immer vcrläuindeu. e» bleibt stet» etwa» hängen* wird von den sittenreiucu Antisemiten cisi'g bethätigt. Brennt eincm Juden Hau» und Hof ab. gleich hcißtS: Der Jude hat» selbst angczünder. Elgiebt sich die «Grundlosigkeit der Beschuldigung, dann wird» enliveder ga> nicht, oder spät und init boshafte» Scitenbemcrkungrn widerrufe». Vermischte und neueste Aachrichte«. . Magdeburg. Rach der Zählung vom Jahre 1*30 befinden sich in der Provinz Sachse» «>700 Jude»; davon komme» auf den Regierungsbezirk Magdeburg •'150* Merseburg l:i:i2, Erfurt l.100. Jin Jahre 1*4 7 zählte der Regieru»g»l>e'zirk Magdeburg ■10.1:2, Merseburg *51, Erfurt llll Jude», zusammen 5:120: hiernach beirüge der Zuivach» nach :r:r Jahren nur 1:1*0. Berlin. Der Antrag der Staaisanioaltfchaft, den I)r. Henri ei wegen Anregung zum Klassenhaß unter Anklage zu stelle», ist vo» dem Anklagesenat der Streskamiuer de» Landgericht» a b g e l c h n t worden.?re»de«. Die Antiscmitc» hat>cn ihr Manifest auch nach Frankreich geschickt. Da» Organ de» Präsidenten Grevh, .Pair", crtheilt daraus folgende Antwort: .Ter Staat, wie man ihn in Frankreich auffaßt, hat nicht zu fragen »ach Glauben oder Rasse seiner Angehörigen: er l>eschäftigt sich blo» mit ihren Ttmtcn und fordert Unterwerfung unter die bürgerlichen und politischen Gesetze. Ob Christ, ob Jude, ob Muselmann oder Buddhist, Frankreich öffnet Allen seine Arme und lxilt Alle gleich* Aus Mkdessteim erhalten wirvon Herrn Or G u t t in a » n die nachfolgnide Berichtigung: .Unter Bezugnahme auf die Mittheilung aus Hannover in Ro. 1« der .Wochenschrift* frlK ich mich zu der Berichtigung veranlaßt, daß ich mich zu der Stelle in Hannover nicht gemeldet habe, auch nicht zur Abl-altung einer Probeprrdigt dorthin berufen morde» bin. Ich bin vielmehr von dem Vorstände ersucht worden, als interimistischer Vertreter de» erledigten Landrabbinat» Sabb. Clmnuka in der dortigen Li»naqogc zu predigen». 'Nest, t. Dceemver. Das Unterhaus genehmigte die Suspendirung des Jmmunitätsrechtes behufs gerichtlicher Verfolgung der TlMnkhmer und Sekundanten an dem bekannten Duell zwischen Jstoczh und Wahrmann. Nest, 0. Dezember. Der nyiregyhazaer Gerichtshof beschloß heute, daß die ausgegrabenc dadacr Leiche dem Wunsche der sachverständige» Universitäts-Professoren geinäß hieher geschickt werde, wo die nähere Untersuchung erfolgt. E. Budapest, 6. December. Die antisemitische» Wühler wollen nun alle Hebel in Bewegung setzen, um die Rechte der Juden in unsereul Lande zu beschränken. So eben kam au« dein ziemlich großen Topolaer Wahlbezirke des Zalaer Koimtats eine mit zahlreichen Unterschriften ver.chenc Petition an den ReichSrath, in ivklchcr um die Abschaffung des auf die Emanzipation der Juden bezüglichen Gesetzes gebeten wird. Da Abschriften dieser Petition auch den einzelnen parlamentarischen Parteien zugefendet wurden, hat die gemäßigte Oppositon sich in ihrer gestrigen Parrrikonfecenz mit diesem