Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 50.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Demokratie ift in Ehcmnitz aU;,u mächtig, und die Sozial- Dcmokratrn iverden sich uimmer in da» Fahrwasser de» rohen Antisemitismus begehen. D. tBir*l«tt«i, UI. November. Geehrrr Herr Nedacirur! Ihre richtigen Bemerkungen ,*u der Entgegnung des Rybnikcr Synagogen-Borstandrs (in Rr. 45 der Wochenschrift» bringen wir einen Aufsatz im Oeioverheste 1NN1 der von Jul. Nvdc» borg hcrausgegelinen Monatsschrift .Tcntschc Rundschauin Erinnerung. Tiefen geistvolle» Aussatz, in welche», fast alle die moderne deutsche Litteratur und Stuirft l>erül>rende Frage» besprochen werde», trägt die Aufschrift .Besuche im Jcnscits" und hat zum Perfasscr de» ausgezeichneten Musiker Ferdinand Hill er. de» Eoinpoiiisten der beiden großen Oratorien: „Tie Zerstörung von Jernsalem- und „Saul-, dir, nach dem Urthcilc eompctcntcr Mritifcr sich den Leistungen Mendelsohns würdig unreilken. Hillcr, der cl>eiiso meistcr harr die Feder wie die Elaviertaiten zu rühren verficht, kam auf seiner Wandernr.g im JcnscitS auch mit Börne und Heine, mit denen er bei ihrem Lebe» in Paris, wo rr von 1*29—iM.io Lehrer an der Jnslitiition de Mumqne classiqne et religieuse war. viel verkehrte, zusammen und da INI vorigen Jahre die Wogen des Aiitisriiiitenthums sehr hoch gingen, bringt rr auch dieses neueste Berliner Product zur Sprache. ivolvi er l>ei de» Ex Jude'», >die beifällig gesagt, vielleicht nichr .Herz und Bcmändiiiß für Jud>il und Judciithum halte», als viele inoderiie Namensjuden) Worte „> den Mund legi, die cs wahrlich verdienen, in einer jüdischen Zeitschrift wicdcchvlt zu werde». Tie stelle lautet: .sich da, Hillcr,- rief Börne mit jenem freundlich schmunzelnden Lächeln, dem sich iinincr noch ein kleiner ironischer Zug gcschte. .sic macl»en ja ilielkwüdigr Ausflüge, nun kommen sic gar zu uns'? Hoffentlich nicht, uni sich vor den Antiscnlitk» zu retten'?“ .Nicht doch-, erwiderte ich. .In unscrm alte» Köln sct>einen sic nicht z» gedeihen, vbschv» die Luft dort dick genug ist. Ucbcrhaupt aber uirinc ich. man könne sagen: viel Geschrei und wenig Wolle" — .Allerdings-, sagt Börne, .scbr viel Geschrei und ailzuwcnig Wolle — die Wolle würde wenigstens den wilde» Lärm dampfen. Ich l>cgreife vvllkoinincn. dag man die Juden nicht mag. Ihr lebt ja drui'ten in lauter Antipathien! Die Einen möge» die Liberalen nicht, Andern sind die Junker Zuwider, diese l>asscn die Journalisten, jene verachten die Mercantistcn — alles schon und aut. Aber daN ein Deutscher so wenig von sich selbst hält, so wenig point d'bonneur besitzt, um seinen neidischen Hatz jetzt noch auszusprechcn gegen ein Häuflein Menschen, das sich durch Gcscheidtigkcit aus dem Elend herausarbeitrt — in dieser Zeit, — das ist erbärmlich, so lange dir Deutschen selbst noch geknechtet waren, gereichte es ihnen zur Erfrischung, Andere zu knechte» — wenn man sich nach vorn zu tief gebückt l»ar. schlägt man gern nach hinten aus — das stellt das Gleichgewicht l>er. Nun aber, wo ihr selbst zur grande nation geworden seid, könntet ihr den Kops doch hol»cr tragen. Wer glaubt stolz sein zu dürfen, muß neidlos sein. Was denken sic davon. Heine'?" Dieser reckte den Kops in die Höl-c und sagt etivas gravitätisch: .Dürfen wir mikrcdcn? müsicn wir nicht unsere» edlen Ursprungs eingedenk sein'? Lind wir nicht Pattei'? Geschieht den Inden nichr recht!' Dag sic gclehtt wcrdcn, reich, berühmt, sogar adelig, da» Alke» ist verzeihlich. DaS sie sich aber so gut christlich zeigen, um die ander« Wange anzubieten, wenn sic auf der einen Seite eine Ohrfrige erhielten, das verdient bestraft zu ioerden. Beschimpfen lassen sic sich und enthusiasmiren sich für den Beschimpfenden — ihren Bcrächtern Klatschen sic Beifall zu. Man mag ein Birrteljahrhundert aui dieser Oberwelt zugebracht habe», da» lernt man nicht verwinden und ich bekomme zuiveitrn eine rvahre Sehnsucht nach Feder und Dinte, so entwöhnt ich dieser Dinge bin.- „Ihr lachender! Spott, lieber Heine", sagte ich, da er nachdenklich vor sich hin sah, „Ihre süßen stacheligen Reime thäten un» oft noch. Sie mögen sich viel bei und Umsehen und mit noch fliegenderer Schnelle lesen. al» wlhrend Ihre» früheren Leben», doch haben Sic. wen» ich so sagen drrs, keine Idee davon, welche Fülle von Stoff für einen Geis», wie der Ihre, wenn ich »och so sagen darf, aufges -eichcrt da lieg«." <11*5 Höerfchkeflen, 1. December. (Or.-Eorr.t Dir in Nr. >2 und 45 berührten traurigen Zustände der Rybnikcr (Gemeinde, welche auf de» hier sungirend«'» Eultusireamtni zurückzuführrn find, der sich als Eantor, Religivnslchrer und Prediger gerirle, lgrbe» einen interessanten Abschluß ve'r einige» Tagen erfahren. Auf Grund gravirender, mehrseitiger Denunciatioiicn. die aus der AufcnthaltSzeit unseres Eiiltusbeamte» i» Berlin und Alzey datirc» und die sich nicht sonderlich kür die Beröffentlichuug eignen,- sind Borsteher und Repräseutanicn endlich zur Uclierzcugung gelangt, wieder einmal eine ganz vcrfelilte Wahl getroffen zu haben. Ai» verwichenc» sablmth durfte dieser Beamte nicht mehr snngirr». sei» Eontractsvrrliältniß ist gelöst und sieht man fei nein Abgänge so bald wie möglich, sehnlichst entgegen. Damit sind die Benicrknngen des ..Borstandes' aus Rybnik in No. 45 der .Wochenschrifthinfällig und gerichtet. Was nun i» nuferer bedaucrnswcrtl)en Gemeind«' gescheite» wird'? Bon den Bourbonen gilt »«ckanntlich das vcrhängnißvolle Uttlwil: .sic halvn Nichts gelernt und sticht» vergesse».- Möge es sich nicht ivicder auch an »ns räclien! — In unserer Nachlmrstadt LoSlau verstarb vorigen Monat »ach nur kurzer Erkrankung Herr Gnttciitag, ein Mann, der 2 t Jahre lang als syuagogcndiencr und Hilssschächter sich dir Zusriedenlteit und Anerkennung seiner Gemeinde und Bvrgrsetztcn durch Rrchtschaffenlkeit, Be>ck>eidenheit und Dienstwilligkeit z» enverbrn und zu erhalten wußte. Herr Rabbiner Dr. Deutsch ans sohrau ipürdigte am Grabe nach Gebühr die Vorzüge des Berklärten. Eine trauernde Gattin und inehrcre unversorgte Töchter beklagen sein frühzeitiges Hinscheide» .Orflrrreid». Nie«, 7. Decen>l>er. (Orr. Eorr.» In Folge des Briefes aus Tampico an Herr» Dr. Jrllinck, der auch in de» Wochenschrift veröffentlicht wurde, halvn sich bereits gegen 800 Familien aus Rumänien gemeldet, welche bereit sind, nach Mexico anszuwandern, um der Bedrückung in einem der jüngsten und kleinsten Freihritsstaate» zu entgehe». Die Noth der rumänischen Juden ist sehr groß und findet in der antisrinitischen Bewegung unserer Zeit, welche die europäische» Staaten des EontinentS l»eherrscht, leider wenig Beachtung. Morgen findtt eine cinfache Gcdächtnlßfcier für die bei dem hiesigen Theatcrbrandc im vorigen Jahre Berunglückten in beide» Gotteshäusern der Gemeinde statt. Auch in den Kirchen wird alljährlich eine ähnliche Feier abgehalten ioerden. Da» Fähnlein ungarischer orthodoxer Juden, das trotz der antisemitischen Noth scandal» und verfolgungssüchtig ist, lmt eine tiefbeschämcndc Niederlage bei den Wahlen in den hiesigen Gcmeindevorstand, uwtdje am 2«. November stattfand, erlitten. Trotz Manifest und Wahlzettcl brachten es diese FriedenSstörri' kam» zu 2» stimmen. Die hiesige (Gemeinde ist kein Boden für Extreme und die Eonservativen haben am aUrnvenigstc» Beranlassung. sich über den Borstand zu beklagen. Als der Präses der jüdischen Gemeinde in Berlin, der Geh. Eommcrzienrath Meyer MagauS, vor »venigen Jahren am Bersöhnungstage hier >var, äußerte er. daß die hiesige (Gemeinde einen sehr schönen orthodoxen Gottesdienst habe — und so ist e» auch. Vtft. Der Herr Justizminister Pauker hat also auf die Interpellation Mczey's endlich geantwortet; aber wie'? Wie rin verschämter Antisemit. Dr. Mezey'S Antivott ist die iH'ftc Jtntif derselben. Redner beleuchtete da» Vorgehen des Gerichtshofes, welche» direkt darauf gerichtet war, einen rituellen Mord heranSzubringen. Förmliche Menschenjagden wurden zu diesem Behnfe attangirt. Der Justizminister hat eS gleichgilttg mitanaesehen, wie der Friede und die Ehre von 600,000 Menschen gefährdet