Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 50.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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habt«, baft er mit verschlungene» Händen den, Anwachsen des UebevnuitlK* imb dein Aufblühen der Lüge zugeselien und ihm nicht ein Halt zugernfe» hat. De'» Blut der armen Gefangenen in Nyregyhazt schreit gegen ihn vvm Baden de» Gefängnisses und die Ehre Ungarns ist durch ihn für immer entweiht - — Wir geivn unfern Lesern dieses Gegenstück zn der verhinirnelnde» Lobrede, welche die „Köln. Ztg." de», Berl>alte» des Iustistministera Panier gewidmet hat, damit sie erkennen, ivie Freund und wie Feind fomiber denken daß u»l>ärtige. unwiisende Buden j» Richtern ül*cr Lelien und Ehre gemacht iverden! Werkln. Bei der am l«. d». Mts. im RathhauSsaal stattfindenden l'ledächlnistseier für die vvr wenigen lagen Sestorbene. weitbekannte Direetriee des Bietvria - Lneeums, List «'J. Archer, wird Prof. Dr Lazarus die Rede halten. Weich seinstihienden Tuet die sei. Archer besessen, erhellt an» soigendein llmstande. Der durch seine svgenannie wissenschaftliche Begründung des Judenhasses bekannte Dr. Döhring war s. Z. Lehrer am genannten Liiceum: die von ihm gehaltenen Barträge wann jedoch derartig ereentrischer Natur, dag seine Stellung daselbst eine nnlgiltbare wurde. In einem sehr höflich gehalt-men Briese verabschiedete sie ihn. llud der verbitterte Döhring? Er mitten als Ursacl>e Jntriguen de» jüdische» Elenienl»! Mit folgenden Worten wies Mist Antier die unedle Denkungsart Döhring's zurück: . . . „Das silbische Element anlangend. so befremdet e» mich ungemein, da st -sie bei Ihrer vvrnrtheilsfreien, ja erleuchtete» Denkweise gegen dasselbe eine geivisse Animosität liegen. (Wie zart ausgedriickt!l Ich kann Ihnen versicltern, da st -sie hier ihre grössten Anliänger zählen. Die Ihnen eigene kritische Schärfe spricht ganz lvsonder» de» semitiscl-en Geist an: und dort haben Sie ihre begeistertsten Zuhörerinnen.- . . . „('lilt nicht auch in der Wissenschaft und nanienilich in der Philosophie — Königin der Wissenschaft — Toleranz als das höchste Gesetz?- — ^rcnifnrt a M. An, Sonnabend, den 2. Deremlvr, mit 5 Uhr Nachmittags ist einer der hervorragendsten Vertreter der jüdischen Reformbeslrebungen in Deutschland, Dr. Leopold Stein, im vollendeten 72. Jahre aus dem Leben geschieden. Stein wurde aut 5. November 1 Hl 0 in dem Marktflecken Burgpreppach in Bayern geboren. Er tvidniete sich von früher Jugend an dem Studium der rabbiiiischtlievlvgischen Wissenschaften, während er gleichzeitig auf den Gymnasien zu Erlangen und Bayreuth den Grundstein zu seiner hervorragenden hiunanistischen Bildung legte. Im Jahre 183« bezog er zum Behuse philosophisctier Studien die Universität Würzburg, nach deren Absolvining (1833) er im Jahre 1834 in dem Andacht», und Betsaale der israelitische» Gemeinde zu Franksun a. M. seine ersten reformatorischen Kanzelreden hielt. Mit glänzendem Rednertalente onsgestattet. verstand er es. > von friilie an die -Herze» seiner Zuhörer zu getviniteu. Im Frühjahr 1835 erhielt Stein seine erste definitive Anstellung al» Rabbiner und Prediger bei den Gemeinden zu Burg- und Altenkunstadt in Lbersranken. Im Jahre 1844 wurde er nach Franksrt a. M. l>erusen. Er verwaltete das Amt al» Gemeinde-Rabbiner und Prediger bis zum Jahre 1862. zu welcher Zeit er sich in das Privatleben znrückzog.*« Später fungirte er noch einige Jahre als Prediger einer Privatvereinigung von Freunden, der sogenannten Westend-Union", vornehmlich neben pädagogischer Dhäligkeit sich literarischen Arbeiten widmend. Bon letzteren sind seine theologischen Schriften, ein von ihm in freisinniger Richtung unigestaltetes jüdisches Gebetbuch, ein Evmpendium der Religionslehre, ei» gröstereS Werk „die Schrift des LebenS", in welcher er seine religiöS-resormatorische» Ansichten niederlegte, besonders zu erwähnen Seine Hauptrichtung gipfelte in dem reformatorischen Strebc», mit dem höchsten Freimuth gegen veraltete Formen aus religiösem Gebiete anzukämpfen. Zahlreiche ge- •) vktannllich wurde hierauf »fein Freund- Geiger fein Aachsaiger im Amte. 9t wurde damals viel gegen Stein gelündigl. (Red.) l drucklePredigtsannnlinige», insbesondere seine honiiletisch-theologischen Werke .Hvhelelh", „Bolkslehrer" und viele gedruckten Easnalreden werbe» vo» jüngeren Predigern gerne als Muster und Borbilder l>enutzt. Seine Monographie..der Eid mon* judaioo" hat seiner Zeit auch i» jnristnche» Kreisen graste An erkeiniung gefunden. Auch ans allgemein poetischem ''leimte besitzen wir von Stein beachlensiverthe Leistungen, in erster Linie seine Beiträge zn den verschiedenen Jahrgängen von Rückert'S MiiseN'Almanach,mit ivelcheni >ervorragenbendeutschen Dichter er in seiner Ingend innig lvirenndel ivar, ivas ans die geistige Richtung des Berblichenen einen hervorragenden Einslnst geltend gemacht hatte. Die i»> Jahre I h,( i erschienene poetisck»e Samnilinig „Sknsengesange". ans dramatischen, t'lebieie das Drania „Die Hasnionäer", welches im Ial«,e 185!« ans der Nalivnalbühne zu Mannheiin ansgesührt wurde und von dnrchschlagendein Erfolge begleitet ivar, seine übrigen dramatischen Werke „Der Kuabenraub zn Earpentras-, „Haus Ehrlich oder die Feste-, „Laura oder ('leid und Ehre", sowie viele andere gelegentliche poetische Arbeiten sichern ihm aus dieseni ('leimte ei» bleibendes Andenken Ein ivahrer Menschenfreund, erstrebte er das Wohlergehen aller, die sich bilteitd a» ihn wandten, und die gröstte Freude empfand er. ivenn sein Bestrebe». Andere zu erfreue», ihm vollständig gelungen ivar. Sv fand er seine liöchste Befnedignng in der Anregung zum Wvhllh»» »»d manche F>anks,»ter milde Stistiing. die sich einer segensreichen Wirksamkeit eisreni, zählt ihn theils z» ihren «'Iründern. theiis zn ihren eifrigen Förderern: auch verschiedene Leistungen ans dem ('leimte des städtischen Bereinsivesens verdanken ihre Entstehnng seine,» beredte», zündenden Worte. Hervorragend tliälig ivar er in der ('lesellschaft zur Berbreitnng nützlicher Künste und deren Hilssivissen schäften (Polytechnische ('lesellschaft,. lvsonders in dem von diesem Institute geschaffenen Vereine zni» Wvhle der dienenden Klasse. Die Polytechnische Gesellschaft ernannte ihn schon vvr Jahren zn ihrem Ehreninitgljede Sein 7». ('leburtstag am 5. '.November |H80. an ivelchem »laniiigfache Beiveise treuer Anliänglichkeit n»d Berehrung seitens seiner zahlreichen Freunde in Frankfurt am Main, in Deutschland und im Auslände ihm gezollt wurden, bot dem Inbilare einen Merk und Denkstein, aus welchen derselbe bis in die letzten läge seines Lebens mit grösster Freude zurückblickte Seine Tage beschlost er in stiller Dhäligkeit (er schrieb n. A. einige Erzäh luiigen in Sackjer-Masoch» gediezzener Monatsschrift „Ans der Höhe!"« und ungetrübtem Alter. Ehre feinem Andenken! Aiu 5. Deeember Bonnittag fand seine Beerdigung unter auherordentlicher Betl)eiligl»ig statt. Eine Anzahl auSivärtiger Berussgenvssen hatte sich eingesiinde», >»» dem Hingeschiedenen die letzte Ehre zu erweise». Die polytechnische Gesellschaft, der Borstand der israelitische» ('lemeinbe and verschiedene andere Korporationen waren durch Deputationen vertreten. Aus dem Friedhof schilderte Herr Rabbiner Dr. Brüll die Bedeutung des Berblichenen für die Reform des JndenthumS. terr. Rabbiner Dr. Plaut zeichnete ihn als den beredten precher u>id trefflichen Menschen, Herr Rabbiner Dr. Hochstädter von EmS wies auf seine literarische Bedeutung hin. ßhemuih. Hier hat Herr Stöcker kürzlich einet. Bortrag gehalten über das Thema: „Kapital und Arbeit" Der Inhalt des Bortrages war nach dem „Chemnitzer Tageblatt" ungöfähr folgender: „DaS Kapital ist im Sinne de» Herrn Stöcker identisch mit dem Judenthum und gegen dieses Kapitel must Sturm gelaufen werde»; die Arbeit ist eine sittliche Thal, ein jeder Mensch ist Arbeiter oder soll eS sein, und darum sind wir alle Bruder: aber die» einzusehen sind nur die Mitglieder der Reformvereine befähigt; die Resormpartei ist darum im Gegensatz zu den überlebten politischen Parteien die Partei der Zukunft und darum wähle man nur Männer aus derselben zur Volksvertretung.- — Daß die Ausführungen Stöcker'S in vorsichtiger Fonn und mit schlauer Berechnung gehalten wurden, braucht denen nicht erst versichert zu werden, welche den Herrn als Redner kennen. Doch ist Eheniuitz kein Boden für ihn; die Sozial-