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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 50. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 50.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 880 Organisation gegen Organisation. Der die Nr. 4» der Wochenschrift eröffnende Vorschlag de» Herrn vr. Jellniek wird grivist Vielen wie mir an» der Seele gesprocl>en sein. Ta» berliner lioinite hat keinesiveg» die .Hände in de» Schonst gelegt, sondern durch Verbreitung politisch lil^rnler Blätter, durch den Abdruck von Artikel» an» der Times. der Londoner Nalhimnsreden, ,»i wirken gesucht Ader diese Mittel sind einerseits den Wnffen unserer Feinde gegen ül»er zu sein, andererseits dringe» sic nicht in die »kreise, in ivelche die antiiüdische» Schinälisehriste» in grosten Menge» geworseit werde'». Es »»ist sstitrinarischcr und energischer vorgegangen werde»! E» ist leider noch lange nicht zu ipüt, den» das finitere Treiben. Hetzen und Reizen gegen uns steginnt wieder mit snichtlmrer Frcchlieit. Da ist wieder rin Buch .der Talmud" erschienen, aus Vorträgen l«cstel>cnd, welche rin Mistionair Dastst in Berlin gehalten, schcinlme milder, alvr darum gesährlictie'r als Nohling, dessen a»fgr>värmtrr »kohl hier mit strritcr Sance ividerlichster Net aufgctragcn wird. Ferner wird das in Ehcinnitz in Sachse» erschienene Manifest des antijüdischen «vngresses massenhaft verstreitet — 10» Ezcinplarc des ziemlich starken Pamphlets tverdcn flir 4 Mark abgeget>eii — Es wird allen Ehriste». ohne Unterschied der Partei ins Heins geschickt. Mir üstersandte es gestern ein üster icdcn antisrmitisckien Verdacht hoch erhabener Ehrist in dem Evuvert. in ivelchem es ihm ein hiesiger, in antisemitischem Dienst nchendcr Schleuscnansscher per- Post zugrschickt halte. Man kan» sich kaum eine Bvrstellung machen von den Ungehruerlichkeiten. ivelche in "diescin „Manisnt an die Fünten und Völker Europa'»" den Inden ansgcbürdet iverdcn. „Es ist die Narr. deren Talmud cs ihr gestattet, die Nichtjudc», die nicht als ihre Nächsten n»d Nel>eni»enschen stettachtet werden, zu ln?trugen, ins Verderben zu 'tosten, zu entehren, ja zu morden, ivomit >ie ihrem Gotte noch einen angenehmen Dienst erweist."— Dcmgeezenülicr genügt das von uns bisl-er El et Hane nicht! Die jüdischen Blätter l»al>en sich in dieser schweren Zeit wohl bewährt. Sic imbcn gelstan und thun, ivaS in ihren «rüsten steht. Aster die jüd. Blätter werden gerade in den christlichen «reisen, auf die es ankommt, nicht gelesen. Die christliche Bevölkerung zerfällt in Bezug auf den Antisemitismus in 3 Hauptklasscn: 1. Tic ausgesprochenen Antisemiten, bei »vclchcn keine Abwehr hilft. 2. Tie wirklich humanen — ich sage mit Bedacht nicht „liberalen", — bei denen Abwehr nicht »öthig i't und 3. die bis jetzt noch unentschiedenen. die grohe Menge, auf ivelche der „antijüdische «ongrest", resp. sein Ausschutz die Hauptagitation richtet. Auf diese letztere «laffc must gewirkt werden. Hier gilt Organisation gegen Organisation! Neben jedes antisemitische Pamphlet must eine Erwiderung gelegt iverden! Und lvenn wir auch stets in der Defensive bleiben wollen, so wird cs doch feine Wirkung thun, wenn die Persönlichkeiten, welche die lautesten Schreier und heftigsten Agitatoren sind, in ihrer wahren Gestalt dein Publikum vorgcführt werden, z. B. Herr Pinkert, Nedakteur der Dresdener „Denlschcn Reform" und Consorten. Es mag ja die bisherige Zurückl>altu»g gewisser cinflustreicher, jüdischer Kreise ihre Berechtigung haben aus geschichtlichen, patriotischen und persönlichen Gründen. Aber auch die Zurückhaltung hat ihre Grenzen. Bereit» sind im preustischt» Abgrordnrtenhanse die ersten verschämten Anspielungen bei Gelegenheit der Etatsberathung. Position „Lot.erie" laut gcivorden und Herr Nrichenspergcr lmt den Mulh gehabt, den „Mnth" des Abgeordneten zu preisen, der; hier ein Stück Judenfrage zur Sprache' gebracht hat. Es faiu’ icit sich infolge der »immer raste» tendcn Agitation in allen «reise» der Bevölkerung eine Menge gefährlichen Zünistvffc» an n»d cs wäre unverantwortlich, die Erchlosivn ' abwarte» zu wollen. Zu sprechen: „Wen» nur in meine» Tagen Frieden bleibt!" oder „* p r»,« uouh le diluge“ iväre! eine Versündigung gegen unsrre Kinder! Lasset un» darum! bei Zeiten zusammenstehrn zu kräftiger, organisirtcr Abwehr! | Emde». Dr. B»chholz. { Wir erl-alte» über denselben Gegenstand noch folgende Mit? Heilung: I .Es wird jedermann empfinden, derst Jellinck mit seinem Artikel in voriger Nnmmcr de» Finger auf eine ivunde Stelle gelezt hak. Aster nur keine neuen Vereine. Van diesen haben wir vielleicht schon zu viele. Aster die lvstehenden Organisatirnen, Deeembcr-Eomit«, Gemei»deb»»d, Alliance in Paris und Wie» rc. sie sollten endlich n» Sinne diese» Ausrufes Vorgehen! — Freilich, dazu iväre vor Allem erforderlich, das, endlch einheitlich und einig diese Organisationen in de» Dienst de» J»denthi»»s träte». So lange die Geburt» und Namcnsjuden. ivelche mit Stöcker und Eonsvrten so weit drss'lbe» Weges ziehe», als dieser gegen dir Netigion des Jud.nthnms zu Felde zieht — bmit Galle ent erregt wird, wen > ihnen das Schicksalsgraucn, die leidige Na er »frage, gegcnübcetritt — die Astivehr in lauer Weise belrcibc», solange wir) der Antisemitismus nicht mit Energie bekämpft werden köin eil. Nur wer wahrhaft Jude ist, wird in diesem Kampfe obsiegen!" Berichte und Correlpoude«;e». Deutschland. Magdelurg. Das „Nene öfterr. Journal" bringt eine» Artikel aus der Feder Franz Pnlskp's: „Sonst und Jetzt." Nachdem er die Ducllmanic gege,stell, fährt er fort: „Doch, der Jude darf keinen Thcil haben an dieser Art Gleichheit. Wir suchen ihn auf, wenn wir Geld brauchen; und wen» die Zeit, c» zurückzuzahleu, hcrangckommcn, dann beschimpfen und begeife-n wir diese ganze Rare. in der Faulheit und Saufbolde so selten sind. Und geschieht Etwa» in irgend eine n Winkel des Landes, das man zu einem Verbrechen stempeln kann, dann wird nicht ernstlich geprüft und untersucht, nicht nach dem corpas delicti geforscht, auch nicht der Verbrecher ausgcspürt. sondern sofor' wird die Schandtl»a>. die vielleicht gar nicht begangen worden ist. den Juden und ihrer Lehre zur Last gelegt. Und dann, ivehc dem, der es toagt, seine Stimme gegen die Judenverfolgung zu erliebc», weiche mit ewiger Schande da» letzte Viertel dcc I». Jahrhundert» bedeckt. Wer wird e» wagen, sich dem Hasse dieser nichtsnutzigen Schreier auszusetzcn die selbst «ossuth nicht scheuen, die e» wagen, ihm den Vorwurf in» Gesicht zu schleudern, nicht Vater landsliebc, sondern Bestechung der Juden habe ihm seine Werte diktirt, habe sein Auge geblendet. Doch die dem Tode, dem Gefängnist und der Verbannung freudig entgegen geh irrt deS Vaterlandes ivillen, werden sich nicht durch die Stiller in die Flucht jagen lassen. Sie werden de» arabische» pcüchwortcs eingedenk bleiben: Der Hund bellt und der Wendrer zieht seines Weg»! Doch der Juftizminister wird eini t vor dein Richterftuhle der Geschichte sich zu verantwor»-"!? 5r >' ä-

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