Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 49.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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schlag««. Wer aber die« Schlagen einmal einen Tag lang mit a»gesehen, der wird keinen Augenblick mehr barflber in Zweifel sein, ob diese« oder da« .Schlichten" mehr Quälerei ist. Ist da« Th>« tlein nnd der Schläger geschickt, so fällt wollt dit« Thier auf den nstni Schlag: aber ein starker Ochse oder gar ein Bulle macht sich oft au« den lfarten Schlägen de« stärksten Schlachter« nicht«: oft steht ein Thier mehrere Maie nach den liärtesten Schlägen wieder auf und eine )i*. 8* bi« lv malige Wiederholung de« Schläger« gehört gar nicht Su den Seltenheiten. Und da will inan »och von Quälerei eim Schächten sprechen? — von der Beförderung ber (Grausamkeit bei Menschen durch da« Schlagen gar nicht red«i> — Nicht unenvühnt darf ich zum Schlug denn auch nicht lassen, dag die t>eiden Thicrärzte, welche' im städtischen Schlachthause llntersuchung und Aussicht führen, mir gegenüber gesprächsweise aufrichtig zugegeben, dag ihrer Ansicht nach da« .Schachten" entschieden den Vorzug verdiene vor all«! anderen Tödiungsarten und dag nur Feindseligkeit gegen die Juden c« ander« behaupten könne. Auch wird — namentlich im Sommer — von Schlachtern, die nicht schüchten lassen, lsänfig da« Scksächten insofern nachgeahmt, als von ihnen ohne vorherige Betäubung ba« Thier geworfen, lvz. umgewunden und dann .abgefchnittcn" wird. Bei Mälbeni mirb da« Schächten aber, wie schon ermähnt, ausnahmslos »achgeahmt. Endlich sei »od, meinen Bemerkungen ein guter Nath hinzugesügt: Wo in einer Stadt ein öffentliche« Schlacht!)»»« errichtet wird, da versäume die jüdische 2lehörde nicht, dahin zu wirke», daß in da« belr. Schlachtlia»«-Statut eine Be stimmung aufgenonimen iverde, wonach da« Schächten, bez. Untersuchen nach jüdisch«« Ritus zu gestatten ist. Eine Unterlassung dieser Vorsichtsmaßregel könnte doch leicht einmal zu Unzuträglichkeite» fuhren. F. — B. (Wir danken den geehrten Einsender für seinen Nath. Ta die Stadt Magdeburg damit umgeht, d«nnüchst ein städtische« Schlachthaus zu errichten, so werden wir, sobald die Angelegenl-eit vor da« Stadtverordnetenrollegiun! zur Berathung gelangt, nicht ennangeln, den betr. Antrag. zu stell«!.) «Red.i Berichte und Gorrelpondenren. Deutschland. Magdeburg «Ein Wort für die Achawav Ter Name »Achawa" ist wohl feinem Leser diese« Blatte« ein unbekannter Begriff. Jeder derfell>en iveiß, baff ich den Anfang« der 60ger Jahre in « Leben gerufenen, jetzt in allen Theilen in Teutschland segnisreich wirkenden Pension«- und Unterstützungs-Verein für jüdische Lehrer, deren Wittwen und Waisen Teutschland« damit meine, der bereit« Hunderten von Rothleidenden ihr tHirtc« Loo« gemildert hat und in erfreulichstem Aufblühen begriffen ist. Viele werden sich »och mit mir ermnern, welche kaum glonblichen Schwierigkeit«, zu überwinden waren, ehe für diesen schönen Gedanken Boden gewonnen werden konnte. Seitdem sind bei deni raschen Emporblühen und der trefflichen Leitung de« Verein« alle Zweifel verstummt, alle Kirchthnrmspvlitik und Sondergelüste, für jede Provinz ein Separatvereinchen zu habni, zurückgetreten;*) die Nangvolljte» Namen der Lehrerwelt nnd viele Rabbiner gehören ihr an. To ff diese hoffnungsvolle, vielversprelticnde Schöpfung aber erst zn voller Entfaltung gelangen kann, wenn seine Mitgliederzahl die ganze oder doch den iveitau« größten Theil der jüdischen Lehrersel-aft Deutschland« umfaßt, liegt auf der Hand, und e» bleibt somit die Hauptaufgabe und das Strebe» de« Vorstandes sowie aller der Achawa Wohlwollende», diese»Ziel baldigst herbeizuführni. Zu *) Da« h'i freilich gerade nicht der fall gewest»: t« sind in (Segen tdeil in Lchlefien. Posen, Lftprrustrn, Hannover seirdem deranige Lrhrrr- Pensionstafien gegriinde! nnd aus der rrsuner Versammlung im Mai d. I. auch eine silr die <lultu«d«am!kn Mineldeurschland« aiigerrgl worden. diesen Letzteren müssen wir natnrgemäß auch d>n „Israelischen l^emeindebund" rechnen. de»» e« handelt sich babei mittelbar um die Hebung und da« geistige Gedeckte» der jüdischen Seliule nnd in deren Heil und Heb»na liegt da« Heil der gesammien jüdischen Stammangehvrigen ülvrhaupk. Um so auffallender muß e« daher erscheinen, wenn anläßlich der bevorstehenden sillvriit» Hochzeit »nsere« allgelicbten dellls.chen Kronprinzenpaare« der Vorstand de« Geine:ndebnnde« den schönen Gedanke», diesen Tag zur Sammlnug eine« Fond« zu Gunsten jüdischer Lehrer und deren Angehörigen zu verewigen. dadurch beeinträchtige» will, daß er eine Separatst i f t u n g mit ganz gleichen Zielen nnd Zwecke» wie die der „Achawa" in'« Auge gefaßt hat, anstatt die gesammelten Gelder diesem l>estchendrn mit trefflicher Leitung und den sonstigen erforderlichen Organen versehenen Peeein zuzuführen. Hoffentlich handelt es sich hierbei nur ui» ein Ucberscheu und lvdars e« nur dieser Anregung, um die g«vünichtc Modiffcation zu bewirfm.**! E« würde dadurch nicht blo« eine materielle Kräftigung der Achawa erzielt, nein, ei» weit größerer Segen würde dabei die moralische Förderung sein, die die Achawa dadurch erfahren, uud die ein rapides Wachsthum. derselben n>>zwcifelha)t zur Folge haben ivürde. Dein durch de» Gcmeindebnnd sich gesteckte« schönen Ziele würde aber sicherlich auf diese Weise besser entsprochen werden, al« durch eine Separatstiftnng. zumal der Eifer aller jüdisct)cn Lehrer für die Sa ctgdann auch geiviß ein größerer sein dürfte. Sollte aber der Genieiiidedund e« für geboten erachten. für diesen Liebesdienst auch einen Einfluß ans die Leitung der Achaiva zu erlangen, oder ähnliche Bedingung«! an diese seine Unierstütznng knüpfe», io sind >vir der Uel»erzengung. daß sich auch darüber eine Eiuignng bald erzielen lassen würde und so sei denn dieser Vorschlag dem verchrliklien Vorstände de« G«nei»deb»nde« aus dr« Freundlichste empfohlen. >l. W. Magdeburg, 2». 4iovbr. (Or.-Eon. > In der Abgeord »eteiihtNi« Sitzung vvin 28. Nvveml'er befchiv.itc sich der ultramontane Abgeordnete Peter« gelegentlich der Berathung de« Etat« der Lotterie Verwaltung daricher, daß bei ^(ertheilung der Eollcetcn Seiten« der Regier^ch nicht b llig und scheinbar »ach dem Grnndsatzc verfahren werde, »wer da hat. dem wird fliflcb«,.“ E« würden dal«ei vorzugsweise Bankier« und teidK Kauflcutc bei heiligt. obwohl gen de diese die bcdentendc Einnahinc einer Lotterie Evllecte nicht brauchten. Sv sei z. B. in Benihen in Oberschlesien unter 22 Bewerbern »m eine Evlleete — darunter ehi mlige Offiziere, Pcnvaltung«- und Juslizbcauite — ein .cicl-er jüdischer Kaufmann (hört! hört! recht«) lvvvrzugt worden, dessen Schwager kurz vorher in Berlin gewesen sei Tic Lotterie- Vcnvaltung möge auch die sociale Frage eliva« studircn." Sv erkennbar »nu auch „die Absicht" dies« Herr» ist nnd wir brauchen wohl nicht hinzuznfügen. deß sie »n« »oerstinimt". so gestehen ivir doch selbstverständlich gern zu. daß auch wir diese wenig mühevollen, einträglich ü Posten lieber in Händen chemaliger, sich um« Vaterland uerbicnt gemacht habenden Militär« re., die sich ihre kleines.'innahmcdadurch etwa« erhöhen möchten, sehen, al« im Besitz reicher Bankier«, rvenngleich wir schon vor Bestätigung vom RegicrungStischc au«, darüber außer Sorge ivarcn, daß hierlni eine geflissentliche Bevorzugung de« jüdischen Element« durch die Kgl. Regierung stattsinde, wie die Andeutungen d?« Herrn Pcrer« z» besag«! schienen. Wir nehmen hierlni Veranlassung, unumwnndkii e« auszusprecl:«,. daß wir uen Handel mit Loiterieloosen stet« zn denjenigen Beschäftigung«, gezählt haben, die wir am ungcrnsien in den Händen unserer jüdischen Glaube»sg«ioss«i sehen und daß ivir eS mit Freuden begrüßen würden, wenn alle unsere jüdi chen Eolleetmrc "i Wir müjsrn rin Mis,vcrsi>>nduii, austiärr». Dir .Achawa" ist tcinr PrnlionSkassr im riaenllichrn Linnc, jondrrn mehr Unter ftützungskasst. und aud, dirsre nid» für atlr (iulluebtnmtcii. Dir nru ui gründrndr Prnsionskafst wrlrr sonach rinr (trgLnzung drr .Achawa", sollir adrr trinessalis rin spärrrr« Zusammcngrdcn nicht auoschlirtzen. (Nrd.)