Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 49.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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878 nicht miflcgrbon; denn das boshafte Machwerk scheint das Produkt einer deutsch-französischen heiligen Allianz zur Ausbreitung antiscinitijcher Grundsätze zu sein, uni zu zeigen, daß auch i:: Frankreich, in dem Staate, in welchem die Gleichheit vor dem Elesctzc ein politisches unveräußerliches Dogma geworden ist, sich antisemitische Stimme» wider die Juden erheben. Auch in streng wisscuschastliche Werke schleicht sich das antisemitische Gift in nl>errascl>endcr Weise ei». Sv findet man z. B. in einem soelvn erschienenen Buche über den Ptiilo» sophen Giordano Bruno sechs Seite», in denen nachgrivirsen wird, daß der italienische Philosoph ein fanatischer Antisemit war. Der Feldzug des Antisemitismus ist organisirt: er hat seine» Angriffspla», seine Waffenvorrälhe und ein Territvrialstistcm für die Bertheilung seiner Truppen — und die Juden? Ist ihre Ver>hc:digung eine planmäßige, einheitliche, concenlrirte? Durchaus nicht. Man überläßt Alles dem Zufall, de» Jnpulsen Einzelner, Journalariikcln, dir von Zeit zu Zeit erscheinen, man kennt nicht einmal die Stärke des Feindes, rveiß nicht, was nir Mittel er in Bewegung setzt, wo er seine Berbündeten hat. rvas er schreibt und verbreitet, und in ivelchc Schichten seine Denunziationen und Verleumdungen gelangen. Es erscheinen iminenort antisemitische Wochenschriften. Flugblätter und Flugschriften, größere Werke, in denen antisemitische Ercursc, Abschivcifungen und Erpeelo rationell enthalten sind. Wer contrvlirt dies Alles? Man hat nicht eininal gehörige Himbe und MrinitiiiH von dem Vorgehen und der Verbreitung, den Mitteln und Verbindungen des Feindes: wie kann da eine Alnvchr unternommen und eine Verllieidigung geführt werde»'? Das darf nicht so blcilvn! Es müssen in Paris, Wien und Berlin Ecntrcn ge schliffen oder besonder-' Bureaus in Verbindung mit de» l>cslehendeu Alliancen eingerichtet werden, deren Anfgal>e es fein soll, dem Antisemitismus in der Littcratur, in den Journalen, in Vereinen, in den hölrercn und niederen Schichten der (Gesellschaft auf Tritt und Schritt zu folgen, genaue Rech nung zu führen üt>er das, ivas er gegen die Juden vorbringt und unternimmt, ül>cr seine mündlick>en oder schriftlichen Per- Icumdungen gegen den jüdischen Stamm, über seine Entstellungen. Verdrehungen und Fälschungen von geschichtliche» Thatsachen. und Xenntniß zu erlangen von den Schleichwegen, die er rinschlätzt, und von den Affiliirten, die er wirk't und gebraucht, um einstußreichc Persönlichkeiten für seine höllischen Ziveckc zu gewinnen. Erst dann, nachdem nian den Feind, dessen Material and Machtmittel kennen gelernt haben wird, erst da»» wird eS möglich sein, die Abwehr und die Bertheidigung zu organisiren, zu beralhe», ivas geschelgn und waS unternoinmrn tverden müsse, um den AnliseinitismuS, diesen schwarzen Tod aller Gesittung nnd aller humanen Entwickelung des Völkerlcbens, erfolgreich zu l>ekäinpfrn nnd niederzuwerfen. Mit dieser Vorarbeit inuß gleichzeitig noch eine andere veraunden tverden. Man muß nämlich statistisches Material aus alle» ('kbieten des öffentlichen Lebens, aus dein Reiche der Wissenschaft. der Litteratur, der Industrie, de» Handels, des großen Weltverkehrs, des humanitären Wirken» in seinen mannigfachsten Manifestationen sammeln, um positiv nachzuivrisen, welchen großen, fördernden und wohlthätigcn Antlieil dir Jude» an der Erhaltung und Entwickelung der höchste» Güter des Geistes, der Eivilisation und der Humanität haben daß nicht blos ihre Sterbtichkcitsziffcr, wie da» die Statistik imincrfort »achweist, eine geringere, sondern daß auch die Ziffer, ivelche ihr (triste»- und Eultnrlrlxn ansdrückt, eine verttältnißmäßig höhere ist als die anderer Religionsbekenntnisse. Organisation gegen Orga »iso tion, d>rs sei unser Losungswart: organisiren. ordne», eoneentrircn wir das Gute, um das vrganisirte Schlechte, Gemeine und Schändlüche nicht bloß zu inserem Schutze und z» nnsercr Sicherlieit. sonder» zur Ehre!>es menschliche» Namens und der europäischen Völker zu l>ekü»ipfe». Der Zufall ist ein unzuverlässiger Alliirtcr: sammcl» wir unsrre eigenen zlrüste und Hilfsmittel und verstärken wir sic durch eine weise Organisation!" Raihbcmcrkung der Rcdacrivn. Diese und ähnliche Vorschläge sind zur Zeit des beginnende» Autistiiiitismns auch von unsei cr Leite gemacht worden, mau sagte jedoch, daß das sogenannte.Eomitö vom l. Deren, bei" zu Berlin el>ei> diese Zwecke rursolgc und auch iil*cr die nöthigcn Mittel d>tzu verfüge. Die ganze Thätigkcit dieses Eomit^'S entzog sich l>cka»ntlic) der Besprechung. .. . Von ciuri» demsellien Ral»c stcl>eiiden. der uns nmtlieille. daß die Fonds noch nicht tischöpft sein, l)>il>e > wir vor einiger Zeit das hochweisc Wort vernommen: * Ja rtHH tmri» bestand die Thätigkrit diese» Evmitö's, jede andenveilige unlierufene Thätigkcit verhindert zu haben." Da» mag ja i» gcivisscm Sinne richtig sein. Inzwischen ist der damals im keime sehr leicht zu elstickende Antisemitismus zum gcirmltigeu Riese» l»eraugcwachscn. Aber noch ist es nicht zu spät diese Organisatio» — nach Jellincls Vorschlag — iu's Welk zu setze», die jüdischen Blättler werden gern hierzu lichüflich sei», iveun man sic nicht wieder vornehin ignorirt und ihnen dir geeigneten Winke giebt. Zersplittern wir doch unsere Li rüste nicht, sck-ätzen wir keine gering und seien wir vor Allen in dieser uns Alle gleich tief berührenden Lebensfrage eilig, envärnit vom .Weilulichk" der Religio», durch drungcn von dem echten Makkalmcr-Geistc der mahne»d ruft:!t:~; rcn rrrr -- pirmr pm. „Lißt »ns beherzt und einmüthig einsteheu für unsere Gesammtheit und Gott helfe uns vollbringe >, was gut ist in seinen Augen!" Die jüdische Lchlachtweise. Zu dem linter obiger llel>erschrift in Rr. 4L dies. Ztg. vcröffenilichten Artikel möchte Schreiber dieses, ivelchcr die Schcchitrh in ciuci» öffentlichen städtische» Schlachtl>ausc ausübt, nach einige, auf persöulick-cn Erfahrungen beruhende Bemerkt ingcn machen. Wrö zunächst den Vorwurf der »Verunreinigung des Blutes" betrifft, so ist zu bcincrken, daß bei weitem die nleisten christliclcn Schlachter, nachdem sie das Thier auf die eine oder andere Weise betäubt leiben, auch die Luft- und Speiseröhre iiurchschneiden, wobei sich also auch mit dem Blute gleichzeitig der Magen entleert: nur sehr wenige Gesellen offnen ric Adern unter der Brust und lassen so da» Thier verblut.». 4täll>rr habe ich noch nie anders, als mittelst Durchschneidens der Luft- und Speiseröhre schlachten sehen und doch wird auch deren Blut aufgefangen »ud benutzt. WaS dir Schlachtmaske l>etrifft, so ist sowohl d«e mit eisernem Dorn. al» auch die SchußmaSkr im Inventar des Schlack thanse« vorhanden, doch wird elftere unter IOO Fäb.n höchst«» rinmal. letztere vielleicht uutcr l000 Fälle« «»»ml benutzt. Das meiste Bieh wird el«cu vor bc.i Lopf ge-