Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 48. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 48.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/5369809-5935096-5938112--4826-5377089
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

cf wohl bekannt, daß sein Burcaudiener mit den beiden Namen Richterund Adolf Schmidt den Manifestationfeid geleistet hatte. In Wismar fand am 12 d. Mt» die Taufe eines Schülerdes dortigen Gymnasium» statt, welcher der Cohn israelitischer Eltern in Ham bürg ist und auf seinen Wunsch von einem Pastor Unterricht in der christlichen Religion erhalten hatte. Wie«, 22. November. Im O r d e n b u r g e r Kommitat, namentlich in der Ezornarr Gegend, baden neue Exresse gegen Juden stattgrfunden. Der Vicegespan rrquirirte sofort Militär. Budapest. An den Minister Pauler wurde im Abgeordneten hau sc über die Tisza-Eszlar-Affairc ein ernstes Wort gerichtet und zwar durch den Al'geordnctni Ernst Mezey. Mczey ist Ör. juri«. und tritt als Verfechter der Rechte seiner israelitischen Brüder auf. Er stellte den Minister über die LaulM und Gleichgültigkeit seine» Verhaltens in dieser so »vichtigen Angelegenheit zur Rede. Auch machte er ihm zum Vorwürfe, daß er dorthin einen unberufenen, kaum 22 jährigen jungen Mann als Richter befchird. Bis heute hat mir der Minister »och nicht geantwortet. Heute wurde hier allenthalben das (Gerücht verbreitet, daß btt Eigcnthümcr des Hauses, in dem Cvtimosy wohnte, sich als Mörder des Mädchens selbst engezeigt halvn soll, doch wurde bald darauf die Sache demcntirt. Lange darf e» nicht mehr dauern, daß arnic unschuldige Menschen im Kerker der Bosheit einiger Judenfeinde wegen fchinachtcn sollen, indem bereits von vielen christlichen Seite» Klarheit ülvr die Sachlage mit Energie gciordert wird. —Ein Schandfleck bleibt die Geschichte, aber nicht in den Annalen de» Judenthums. sondern der ungarischen Rechtspflege. Ryregyhaza, 23. Roveniber. Der Gerichtshof hat die Ausgrabung der bei TiSza-Dada gefundenen Leiche, von welcher die Verhafteten behaupten, cs sei die der Esther Solymosty, angeordnct. Als Sachverständige werden die Universitäts-Professoren Scheuthaucr, Mihalkovic» und Bclst> erufen. Pest, 20. November. Bei der Verhandlung über eine?etition wegen Konfiskation antisemitischer Brochüren im eveser Komitatr kam eS z» einer lrbhastrren Debatte im Abgrordnrtenhausr. Der Referent erklärte, der Ausschuß billige vollkommen den bezüglichen Ministrrialrrlaß. Ministerpräsident Tisza rechtfertigte die getroffenen Maßnahmen und erklärte, wenn der Friede und die Eintracht unter den Raren und Eonfeffionrn durch Aufwüchse brr Preßfreiheit ernstlich gefährde« fein sollten, »verdr er den Muty haben, durch gesetzliche Vorkchrungen solche Hindnniste -er Rnhe und de» gkiedens im Innern wegznrävmnt Abgeordneter Jftoe« achte unter Ausfalls, argen die Juden und die jüdische Presse einen Antrag auf gesetzliche ttdfung der Äudensrage ein. Die Debatte wurde avgchrochen und nach stürmischen und lärmenden Lernen für morgen eine Sitzung anberaumi, in welcher zunächst über deren Tagesordnung durch Namensabstimmuna entschieden werden wird, Se»derg. Herr Oe, Kodak. Rabbiner in Bambng, ist hier zum Prediger und Relig1o«»tchrer gewählt worden. stoudou. Me. Ephraim Mex, der Gründer des jüdischen Annenpstege-EollegiumS (DewishBord os G narbten«), ist im Alter von «2 Jahren gestorben. Oe. Joshua Bau Oven hatte zum Beginn d«ese» Jahrhundert« die Bildung einer organisineu Corporation befünvortet, welch« die ohne System vercheilten mildthätiaen Gabe» der Londoner Synagogen verwalten solle. Dieser Gedanke trug Früchte, als in 18bv Mr. Mex die energischsten und wohlthätigsten jungen Männer der Judengemeinde um sich schaarte um rtne Eorporotatio» zu gründen, welche jetzt die Kirchspiel«behöcden im Osten London» von der Sorge für 2000 bi» 3000 Arme jüdischer Eonfrssion befreit und durch ihre DarlchnSkafle, ihre industriellen und Auswanderungs-EomitS» re. jährlich Hunderten von armen Personen zum Wohlstände verhilft. In dem Dahingeschiedeneu verliert dir Londoner Judengemeinde eines ihrer geachtetstea und wrhlchärigsten Mitglieder. Wiuschoteu (Holland». Herr H. I. S n oek erhielt gelegentlich der Feier feine» vierzigjährigen AmtSjudiläum» als israelitischer AeligionSlehrrr von dem Justizminister. Herr» Dr. A. E. I Moder man, dessen Porträt in schönem Rahme», mit der ei; euhändigr» Unterschrift: „Meinem allerersten Lchrer. Herrn H. I. Snoek, i»r. Rrligionslehrer in Winschotrn, besten Un erricht ich daselbst vom 3. März >815 bi» zum 13. Juni 1840 genossen habe. dl" Feuilleton. Eine Mischehe. n. Die IrnucnuixfK, die die Kinder ans Fußschemeln sitzend! in der L tube. in ivelchcr der Pater oder die Mutter ihr! Leben verhauchten. zubringen, war vorülvr und znm ersten j Male vcr ieß Joseph wieder da» q^aus. in welchem der Todtc! eine tiefe Bresche gebrechen. Sein erster Gang galt Ehristinen. Da» Mädchen stürzte ihm entgegen, als es ihn erblickte. „Go!t sei Dank, daß ich Dich endlich ivicdcrsehc!" rief sic, ihm lvidc Hände entgegen streckend; „Du hast lang und schwer gelitten, mein armes Herz, ohne daß ich zu Dir eile». Dich sehen, Dich aufrichte» und trösten konnte. Nun werde ich e» gui machen, ich werde Dir die verlorene» Stunden ersehen. ich werde den Balsain der Liede auf Dein wuude» Herz leger und die Falten glätten, ivetchc der Schmerz in Dein Ärfcht gefurcht!" Er fetzte sich zu ihr. sie sprach: „Wenn der Tod ein so theure» Haupt geraubt, ivcnn er ein G.ied au» dem Familienkörper riß — wenn es der Vater ist, der hcimging, jener Genius de» Haufe», der alle Theile zufammcnhält, alle Geister lenkt, alle.Herzen fcstelt. alle Angehörigen durch Liebe kittet und de» Frieden in der Familie wahrt — so entsteht vor unS eine Leere tief und schwarz, »sie ein Abgrund, in den mau ikbauernd blickt. „Di, Zeit deckt ihn mit ihrem Mantel zu. Sie heilt die Wun!»en. dir sie schlägt. Da» Meer «»»schluckt seine Beute, einen Augenblick kräusrli sich darüber die Oberfläche, dann zielen die Wellen wie früher und dir Spur ist verwischt. Kaum hat der Tod ein Leben besieg«, so besiegt schon da« Leben den Tod und die» ist unser Glück Wie grenzenlos elend wären wir, wenn die Gegenwart länger sein würde all ein Moment und di, Zukunft nicht rasch bereit wäre, jene zu verdrängen 7 Die Zeit ist ein Schnellsegln, Joseph — verlieren wir keine Minute an dem vergeblichen Schmerz Komm her — ist Die ein alter Baier enttissen, so ist Di>' eine jung, Gattin aejchenit * Der junge Mann blickte sie betrübt an, „Zf n,s Pater» Wille war eine Lchranie, diese ist gefallen, einst« Worte de» Bekenntuifte» und ckntge Tropfen de» Weihtest^». und wir find für immer verein»!* „Rn!* hauch« Joseph uud sein Auge wurde feucht. „Der tobte Batrr hat ei«« größere Macht über da» Kind, al« e» vu«leicht der lebendige gehabt hät«. Da» letz« Wort, da» er gesprochen, »var eine Bit«, da« letzte »Wort, da» er gehört, war eine Zusage. Geliebte« Kind, «m Scheiden legte der Bater eine unübersteigliche Schranke zwischen un» beide. Mein Gliick folgte ihm in'» Grab." Und ein glühender Thränenstrom. lange zurückgedämmt, schoß nu, über Joseph'» blaste» (Besicht, da» er in seine Hände ba g. Vor Ehristinen» Auge flimmerte e», al» wollten ihr die Sinne vergehen. Der Traum, in dem sie sich gewiegt, die Luftsililöster, in die sie ihr Glück zauberte, waren zerstoben; eine lachende Zukunft, die sie sich gesponnen, lag zerriflen ror ihrem Blicke! Schon hatte sie sich dem ersehnten Ziele nahe gehofft, schon glaubte sie dir Seele ihre» Geliebten zu sich herübergezogen zu haben, wie sie sein Herz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.