Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 48.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Wie«. I» Angelegenheit drr jüdischen Emigration hat der Prediger der hiesigen israelitischen EultuSgemeinde, Herr Dr. Ad. Jellinet, ei» Schreiber auS Tampico im mexicanischen Staat Tamaulipas, clclo. 15 September 1H82 erhalten. dessen Absender, Herr Isaak P. Nathan, svlgcndc Mittl»eilu»g macht: „Der Präsident der Republik soivvhl als der Minister der inneren Angelrgcnl-eitcn sind in der besten Disposition und versprrclM sich l>cso»derc Bortheilc im Falle einer Einwanderung hieher Die einivandernden Familien würden die Neiselostrn vergütet zurückcrhaltrn: die Negiernng würde ihnen Felder zur Urbarmachung n»d die »öthigc» Utensilien beschasscn n»d eine Steuerfreiheit anszehn Jahre grivähren. El»r»sv ivürde ihnen da» Bürgerrecht sofort cmgrränmt iverden nnd könnten sie die Lvcalbehürde» ans ihrer eigenen Mitte wählen. Die Republik aurrkeiint leine l>crrschende Religion; alle Bekenntnisse ohne lliitrrschied sind gedulde« und keine» gr»ies>t eines Borrrchtrs vor drin anderen. Alle religiösen Errcmoiiten jedoch dürse» nur tut Innern der bctreffenden (Kotieshäuser vvrgriivnimeii iverden. Prvccssiviien, 0fsenllirl>e Begräbnisse ir. re. sind nicht rrlanbl. Da» Land ist überaus srnchibar: zivc, Ernten iverden jährlich gehalten! man lebt hier in eine,» »ivigen Frühling. Schnee »nd Frost kennt inan nicht. Im Falle der Möglichkeit einer Ein tvanderung hirlier ivürde' ich »» Interesse der eii»va»der»den Familie» mit der Regierung dir Evnlracte schlicsreu und Ihnen diescll>e'n zuschicken. dam» den Eiinvanderern die iiülhigcn (Karaulien von Seite der Negie>ung siclicrgestellt scir»." Scinvcden. li Stockholm im November. (Cr. lion.) lieber da» für uns hochivichtige Ereignis!, dag nämlich Herr Rabbiner Dr X l c i n in Elbing znni Nabbincr unserer «Gemeinde gewählt wurde, ist bereit» in dieiem grsch. Blatte an anderer Stelle l>erichlcl worden. Wir fügen nur den Wunsch und die Hosfiuing liim», dah diese Wahl allen dabei Bctl>eiligtr» zum Segen gereichen möge. Herr Oe. «Irin findet hier eine» überaus fruchllmren Boden für seine Wirksamkeit, denn der Rabbiner, der — wann fühlend für die jüdische Sache — das Judenthni» nach innen »nd ausicn würdig ,\u repräsentirrn lvstrcbt sein ivird, kann hier wahrhaft Grohrs für sich rind seine l^emcindr erreiche». Die von den früheren Eandidalen in unterer Synagoge gehaltenen Predigten, sind »unmehr in schivcdischer Uebcrsetzung im Drucke erschienen, hossentlich findet sich recht bald eine berufene Feder zu einer Reccnjiou im Littcraturblatt. .Herr Abr. Hirsch, der keine (Gelegenheit vorübergehen läs>t nnd kein Opfer stheut, wo e» gilt, die «cnntnib de» ethiscl-eu Gehalt» unserer Religio» in ivcitcre «reise dringen zu lassen, l)at sich durch die Herausgalv gen. Predigten ein »cucs, nicht zu untrrschätzrudes Verdienst erworben. — .Herr Dr. L a in ni hat vor einige» Monaten sein Aint al» 2hnagvgknvvrslcl)rr »icdergelrgt. Drcissig Jahre hindurch hat er uneigennützig seine Dienste unserer Gemeinde gewidmet, sein imponirende». vielseitiges Wissen auf den verschiedensten Gebieten fand allgemeine An"rkc»n»»g und wohlverdient ivar der Dank, den Borstand und Gemcinde in ihrer jüngst stattgehabten Sitzuirg dem Lclieidrnden votirte. Al» eine »ach jeder Richtung hi» glückliche Wahl znm Nachfolger des -Herr» Dr. Lamm glauben wir mit vollem Fug und Recht die de« Grosil-ändlcrs Herr» Salomo» Elkan bezeichnen zu dürfen. Nicht allein sein ivarmrs Interesse für Schule und Synagoge. — Herr E. fehlt säst bei keincin Gottesdienste. — sondern auch der Biedersinn, die Gradhcit und unbrstcchlichc Eharaelcrscsligkeit seines Wesens inachen ihn besonders geeignet zu diesrin Eh.rnposlen, zuine.l auch sein or» ßanisatorisch'« Talent sich als einer drr Leiter der Chewrah- ■uliflchfth »nd als B»rstrl)er der Armeifasse, deren 4<ertvaltung bekanntlich zu den schwierigsten gehört, längst rühmlichst bewährt bat. Alle» deutet darauf hin, er sei der rechte Mann auf diesem bedeutungsvollen Platze. — Eine irrue Schule, in rvelcher Kindern unbemittelter Eltern Unterricht in allen rveiblichcn Handarbeiten gratis ertheilt tv'rd, ist hier im Entstehen begriffe» und voraussichtlich wird diese Anstalt besonders für die Töchter hier eingewandcrter poln. und russ. Juden sehr scgcnsreich sein. Neben den Borstehrrii drr Arinciiverwaltiing hat sich Frau Mathilda Meyer, von deren Menschenfreundlichkeit manches hochherzige Werk beredtes Zeugnis! ablegt, nur gen. Schule sehr verdient gemacht. — Die vereheliche Direktion unserer Religionsschule lvschränkt ihre Fürsorge nicht nur auf den RcligivuSuntcrrichi, sondern hat auch ein wachsames '.Inge auf die «nabe» und Mädchcu, rvelche die hiesigen Bolksschule» besuchen und niinint alljährlich mehrere Male Gelegenheit, durch persön lichen Besuch i» den betreffende» Elassen über Betragen und Flcisl der Schüler Erknudigunge» riuzuholeu. Auch bei der letztstatlgehabten Jnsprelivn lanieten die Millheiluugen der Lehrer lehr erfreulich, svivoh! in Bezug ans den rcgelmäs,igcn Schulbesriih, al» auch aus die geistigen Anlage» und Fonschrille der jüdisclien Schüler. Man mag anderwärts darüber streiten. >va» zweck>»äs»gcr für die lüdijche Jugend sei, ob Gemeinde- oder Bvllsschule, soviel ileh« fest, für unsere Berlniltnissc ist es rin Segen, das> dieKinder poluijcher und riijsisc1>rr Eltern die Bolksschule .'esuchen. Denn erstens vermag eine Ge»ie»idesch»lc mit ihren iinmcrl>iii beschränkte» Mittel,i Ihtmu Ih'i'Ii'ii Willen nicht das zu leisten, was eine staatliche Bolksschule bietet und das scbivedifche Bolksschulivrsen steht bekanntlich sehr hoch, aber „vih viel schwetwicgender in der Bortl-eil, das, diese Kinder — ohne a» ihrer tlieligivn Schaden zu »ehinen — sich derart schwevisirc», dag zu rrivarteu sieht, sie werden l»er einst als brauchbare Menschen und tüchtige Bürger dem jüdische» Namen Ehre mache». — Der ans Initiative unseres Shuagogruvorsleliers, Herrn Rector Balriiliu, jüngst slattgrsnndcuc Gottesdieu't zur Erinnerung an den Tag. au dem vor 2’>0 Jahren der schwedische Heldcntvnig (Gustav Adolph fiel, ist in christlict>en «reisen als Ausdruck des Patrivtisiuus der schwedischen Jude» sehr günstig ausgenviunicn ivorden. Vermischte und neueste Vachrichten. Glogau, I tc. Novrml>e'r. (Cr. Eorr.) Hetitc feierte hier da» Alerandcr Samurl'schc Ehepaar die diamaiitcne Hochzeit. Seine Majestät der Kaiser hat ci-i Glückwunschschreiben und eine Dciikniünze mit dem Bildnisse des laiserlichen Paares de» Jubilaren gesandt. Die synagoqalc Feier hatte schon am Sonnabend vorher stattgcfnndrn. Der Jubilar ist in Glogau geboren, seit sechzig Jahren Bürger und eben so lange ein thütigc» Mitglied drr Ehcivra kadischa. Er ist atich seit mehreren Jahrzetintcn Synagogcnvorstchcr und fehlt fast nie beim täglichen Gottesdienste. Die Freunde dev Jubilar» hal»en eine Alrrander Samuel'sche Jnbclslislung gegiündet nnd dieser Mann, sowie seine «iuder und Enkel wollen da» Kapital dieser Stiftung »vcl> aus eigenen Mitteln vermehren. Herr Samuel ist uocl) sehr rüstig, seine Frau jed>>ch ist leidend und dr«l)alb konnte ein gröberes Fest nicht stattfinden. Dresden, lb. Noveinber. Der Antisctismus erscheint auch hier von Zag zu Tage in kläglicherer (Gestalt. Dieser Tage evnstatirte da» Dresdener Schösfeugericht geivisse Manipulationen de» Herrn Pinkcrt, Vorsitzenden der (antisemitischen) deutscl)en Refvrmparlci als c»! getvisscrmasicil schwindelhastes Gebühren. Es ivürde durch die Berhandluug sci'tgestellt, das> Herr Pinkcrt sich einen Bnrcaudiener Namens Adolph Schmidt hielt, der eine Zeit laug als Berlegcr und Redakteur der „Deutschen Resvrin" sungirtr, während er auf dem Bureau den Nnmeu Richter führte. Bon diesem Adolf 2d)miM «lin-i Richter hotte Herr Pinkert eine frftriftltdn* Voll,nacht, durch ivelch,. er ermächtigt war, in G.lduerlegcnheitc» de» Namen Adolf Schmidt aus jede beliebige Anzahl von Wechseln als Acecptant zu setzen. Herrn Pinkcrt war