Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 48.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Zeitschriften, und die Leichtgläubigkeit und Perbleudung des Publikums sind so grob, dab man in dieser Beziehung nicht Absurdes genug ihm darbietcn kann. Jeder Lästerung der katholischen Ilirche, jeder Verleumdung ihrer Diener, jeder Verdrehung ihrer Lehre komnit der Beifall der willig getäuschten Menge entgegen. Solchergestalt wird aber geflissentlich rin Hab in den Herren der akatholischen Glaul'ensgenosjcn erzeugt und genährt, der wahrlich zu nichts ('inten, führe» kann und den Menschenfreund mit tiefem Lummer und gerechter Briorgnib erfüllen musrte. Einzig nur auf die unglaublictic Leichtgläubigkeit des lrfesnch'igen Publikums gestützt, durfte der Verfasser der .Erinnerungen" cs wagen, drucken zu lasse», das, in Palermo alljährlich vier zarte Lindlcin ail nmjorem «.lei gloriam gemodct werde», und dies zwar am .Hauptfestc der katholischen Lirchc, am Triumphfeste göttlicher Erbarmung und Lieb!-ä'Aidu' europäische Polizei würde wohl einem sich alljährlich wiederholende» vierfache» Morde ruhig und gelassen zuscbcn? So unwahrscheinlich diese Mähr auch klingt, man schenkt ihr drnnvch, aller gesunde» Lritik zum Trotz, — wie die Erfahrung zeigt, vollen Glauben. DaS Ereignib hat sich ja in einer katholifck>e» Lirchc zugctragcn!! Wäre die Sache in ihrem Grunde nicht so ernster Natur, man möck>tc mit dein Tichlrr ausrufen: ri»nin tem-atin amici, so nber kan» man über eine so arge Abstumpfung alles inneren Wahrheitssinnes nnr tiefschmerzlich auffrufzen! Der Hab macht doch so elend: wogegen die Lirlv zum Himmel rmporhcbt! Magdeburg. Es freut uns. zu sehen, das; der Vorstand des Deutsch-Israelitische» Gemrindebundcs darangrht, die Idee, die wir im Sommer lx79. gelegentlich des goldenen Hochzcitsjubiläums des deutsche» Itaiierpaares, in einer Ausschubsitzung zu Leipzig angeregt nnd eingelzeiid motivirt hatte» und die damals »och auf vielfache» Widerstand stieb, die Stiftung einer Prnsionscasse für jüdische Eultnsbeamte, nunmehr wie es scheint rinftiminig. zur silberne» Hochzeitsscicr des Kronprinzlichen EliepaarcS zur Ausführung zu bringe». Möge das Werk unter reger Brthciligung aller deutsche» Gemeinden und besonders durch hervorragende Beiträge der Begüterten in Israel diesmal gelingen! — Der Gcineindebund scheint überhaupt jetzt etwa; rühriger vorgehe» zu wollen. So wird auch endlich der Eontract mit der Bersichernngsgrsellschaft „Victoria" perfect, ivclchc jüdische Beamte zu ermäbigtcn Preisen versichern will.—Die Gutachten zu dem Entwurf (Eornclius) für einen Lehrplan der einklassigc» ReligionSschulc sind recht zahlreich eingegangcn und der pädagogischen Subcommission übergcboi worden, für dieOr.Ztirschstcin z.Z. einen Auszug anfertigt. — An Mosfner S Stelle soll Herr Professor Barth in den Auüschutz kommen, nachdem Evnsul Nachod (Sohn des fei. Nachod) in Leipzig abgelehnt hat. — Bon Leipziger Mitgliedern gehören dem Ausschüsse noch 4 an. Für Berlin ist Professor Steinthal neu kooptirt; Pros. Dr. Lazarus ist Mitvorsitzender. — „Arch. isr.u sucht uns zu belehren, daS die Mühlha> scner Reftactionäre aus franz. Patriotismus sich dem deutschen Heeresdienste entzogen hätten, dagegen spricht nun le.der die ronstatirtc Thatsachc, dab es gerade jüd. junge Leute in Mühlhausen, Mainz, Frankfurt und sonstigen deutschen Städten sind, die de» jüdischen Macher, einen ehemaligen Tanzlehrer Gärtner, bereichert haben. Nein — es ist die purste Gemeinheit und keine Spur idealen Sinne» aufzufinde»! Ob der Staat diesem Borkomnisse gegenüber nicht die Behandlung der jüdischen Soldaten einer Prüfung unterziehen sollte — das ist eine andere Frage! Wir würden da auf folgende Punkte Hinweisen: l) Die Titulaturen „Verfluchter Jude" — „Judenmauschel" „Jtzig" re. sind noch sehr im Gebrauche. 2) DaS Erste, was dem jüdischen Rekruten auferlcgt wird, ist, dab er Trefa essen m»b, daß er also sei» Gewisse» belastet fühlt. 3) Die Feier der Sabbate und Feste wird durch den Passus .soweit es der Dienst erlaubt", so sehr in die Hand der Majore, Hauptlcutr, bzw. Feldwebel gelegt, dab sie in vielen Fällen absolut unmöglich wird! — Charlottrnburg. Herr Neubauer, der Prediger und Rcligionslehrer der hiesige» jüdische» Gemeinde veröffentlicht in der hiesige» .Neuen Zeit" eine energische .Entgegnung" gegen eine von Prof. vr. Dietrici erlassene .Abwehr". welel>e eine» Vorgang i» der letzte» Stadtvervrdnctcnsitzniig betraf. Die Entgegnung lautet: „Als der .Herausgeber des „Renen Intelligenzblattcs" feinen Feldzug gegen Jude» und Indenthni» eröffnetc und feine rhemaligcn Glaubensgenossen, die ihm vielfach Wohlthaten cnviesc» hatten, in so dreister Weise „»griff, war cü mir nicht in de» Sinn gekommen, ihm öffentlich entgegen zu trete». Sogar als dieser Sohn eines jüdischen Schächter», dessen Pater später als Rabbinatsasfesfor bi» an fein Lebensende die Aussicht über die rituellen Schächter geführt, der auch selbst jüdische Theologie sindirt nnd eine jüdische Zeitschrift lpransgcgeben. der somit zweifellos weif;, das; man im Judenihnm nie und nimmer Mensche» oder sonstiges Blut zu rituelle» oder anderen Zivecken verwenden durfte, oder verwendet hat. als dieser Rar ha», alias Wilhelm Schlesinger dadurch eine Beschimpfung des Iudentliuins lvging, das; er das bekannte gerichtliche Schriftstück in der Tisza Eszlar-Affairc ohne jede Bemerkung seincsieiis wieder gab und somit in jedem Unkundigen den Glauben an die. Möglichkeit eines solchen Pcrbrcchen» im Iudcnthnni erweckte. auch da fand ich mich nicht veranlagt, als Religion» lehrer nnd mithin Vertreter des Indcnthums hier, ihm öffentlich cnigegen'zu treten. Weif; doch jeder Unbefangene, dab die boshaftesten und gefährlichsten Vcrläumder meist Renegaten sind and man ziveifclt darum ihre Glaub Würdigkeit an. Wenn Sie jedoch, .Herr Professor, der seiner Zeit die Rotalvlnadressc mitnntcrzeichiiet. in Ihrer Abwehr, die keine Abwehr, sondern ein Angriff ist, in unmvtivirtcr Weise über das Judcnthnm hergcfallcn, dann halte ich es in meiner Stellung als Vertreter desselben für meine Pflicht, dagegen zu protestiren nnd festzustrllcn, dab -sie nicht mchr zu den Notablen zu zählen find, nicht mehr, wie früher, den Antisemitismus als unsittlich nnd venvcrflich brandmarken, vielmehr von dieser Epidemie, dir. ivic die meisten Epidemien krankhafte Organismen zuerst ergreift, durch und durch infizirt sind. Sie sagen: „Ans der Defensive gegen die Ucbergriffc des Iudcnthum» wird man uns stet» wach und gerüstet finbm." Wann und wo, .Herr Profeffor, hat sich das Jodenthum hier Uebergriffc zu Schulden kvinmcn lassen? Wenn auch einige Mitglieder der städtischen Pcrtrciuag, tvelche mosaischer Religion sind, sich erlaubt Iwlfn, mit vielen anderen ihrer College» anderer Ansicht zu sein wie Sic, was hat daS Iudcnthum damit zu schaffe»? und iv-'»n man Sir und Wilhelm Schlesinger und Joseph Crcmcr und »och andere derartige gute — Leute, in corpore, oder jede» besonders, etwa „»griffe, würden Sic doch Niemande» glanl'en machen wollen, dab dann das Christrnthum angegriffen werde! Wenn ferner ein „Druckhcrr" »ach Ihrer Ansicht, zu deren Richtigstellung ich mich hier nicht berufen fühle, seine Arbeiter zu gering besoloet und die gelieferte Arbeit sich zu hoch bezahlen lasst, und dieser Druckherr ist zufällig mosaischen Glaubens, was hat das Iudcnthum oder die Juden damit zn thun, dab Sic von einem .Druckhcrr» vom Stamme Israel", von einem .Ausenvählten" und von einem .jüdischen Druckhcrr»", iin Gegensätze zu einem „christlichen Druckherrn" sprechen! Wenn der Herr Bürgermeister in Zurückweisung der Angriffe, welche von Ihrem Leiborgane ausgingrn, den Angegriffenen das Zrugnib erfüllter Pflichttreue gicbt, dann kann nur Sophiffik oder Unverstand daraus folgern, dab die ander» ihrer Pflicht nicht nachgekommen sind. Daff Ihnen, Herr Professor, diese Zurückweisung nicht gefalle:;, glaube ich wohl, haben Sic doch die Abfertigung, die Ihr Lciborgan erhielt, indem Sie sich mit den selben