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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 48. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 48.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 870 W>'hlan denn! Was an des kaiserlichen Pater» Jubelfest begonnen. daS werde an des EohncS Jubelfest eifrig fortgrführt! Dann wird dieser Tag, indem er den Anstoß zu einem neuen Aufschwünge unserer Bcamtcu-Vcrsichcrungsu n d P c n s i o n S ka s s c gicbt, zugleich eine» Ehrentag für unS selbst, für die gcsamintc deutsche Judcnhcit werden!*^ Berlin, im November 1882. Per Äusschub des deutsch-israet. t^emeindebundes. Die Dorsiltzenken: 1)r. Samuel KristeUer, (Geheimer Sanitäts-Rath. Prof. vr. Moritz Lazarus. Gem.-Borft. Alexander Werthauer-Leipzig. Gem.-Borfr. Rechtsanwalt Emil Lehmann-Dresden. Redacteurvr.Arnold Bodek-Bcrlin. Kaufmann Loui« Hauödorff-Leipzig. vr. Honigmavn-BreSlau. Banquicr Adolf L. A. Hahn- Frankfun a. M. Fabrikbesitzer vr. M. Bielefeld-Leipzig. San.-Rath vr. Liviuv Fürst-Leipzig. Nabb.vr.A. M. Goldschmidt-Lcipzig. Advokat G. Josephthal-Riirnberg. Rcchtsanwalt Stern-Berlin. Banquicr Julius Schüler-Berlin. Banquicr Louit Bambrrger-Bcrlin. San.-Rath vr. Marcnse-Bcrlin. Prof. vr. Steinthal-Bcrlin. Berliner Briefe. Börne erzählt einmal in seine» Briefen aus Paris, daß Rothschild dem Papste die Hand geküßt und meint, hätte der Jude bei den römischen Anleihen zehn tausend Dukaten mehr spcndircn können, so Witte er dem heiligen Vater um den Hals fallen dürfen. Börne rüth an jener Stelle Louis Philipp an, sich in tsotre-vana« de la bourse krönen zu lassen und Rothschild ivcrdc auch dabei als Erzbischof rungiren. , Ein krauses Fastnachtsspiel Eine ähnliche unnatürliche Verbrüderung, wenn man Indien mit Liliput vergleichen will, spielt sich gegenwärtig in Berliner akademischen Kreisen ab. Die von uns bereit« einmal gekennzeichnete, z. Th. aus jüdischen Fonds gegründete .Freie wissenschaftliche Vereinigung" ist jüngst mit einem neuen Prograinm an das Tageslicht getreten, in dem die Berthe!- dignng des Judenthums definitiv bei Seite geworfen ist und Herr von Trcitschkc auf den Schild gehoben wird. Es heißt in dieser gedruckten Programmredc: „Was Herrn v. Trcitschkc z. B. von seinem Collegen Breßlau (Anm. Jude) trennt, den Sie gewiß des Antisemitismus nicht beschuldige» wolle», ist kaum mehr als ein Unterschied des Grades. Ersterer hält weniger. Letzterer mehr, keiner von Beiden alle jüdischen Reichsangehörigen schlicht und recht für Deutsche." Herr Spangcnbcrg, der „Dcmoslhcncs der Studentenschaft" (wie ihn der „Börscnkouricr" genannt hat) hat die epochemachende Entdeckung seiner Rede cinverleibt, daß Herr v. Trcitschkc kein Antisemit sei. „Lesen Sie die 5 Artikel, die er überhaupt über die Judcnfragc geschrieben hat, jetzt in der ruhigeren Periode, unbefangener al« Sic sic früher gelesen haben und S>c werden m-t mir der gleichen Ansicht sein." „Trcitschkc. fährt dieser Demosthenes fort, hat zwar das Lexikon des Antisemitismus um den geschmacklosen Begriff und noch geschmackloseren Witz der „hoscnverkaufcndeu Jünglinge" bereichert, aber. Meine Herren, das ist ein vereinzelter lapsus pennae, den wir einem Publicisten von so feinfühliger Aesthctik und so bcachtcnSwcrthcm Verständnis; für den berufenen „Instinkt der Massen" nicht auf die tyold- *) Wünsche um Zusendung von Viftm, sowie sonstige Üorrespondcnzen in dieser Angelcgenheir ges. zu richten an da» Bureau de» D. I. W. B, Berlin W., sigisniundstrafir 0. waagc zu legen brauchen". Ebenso kriechend und getvunden sind die gedruckten Ausführungen über Treitschke'S in so vcrhängnißschwangerer Zeit bis weit nach Rußland gedrungenes Worte: „die Juden sind unser Unglück". DaS Schönste aber ist. daß Trcitschke es mit dem Frieden nicht so eilig hat und den unter diesem Prograinm sich schaarcnden etwa 150 jüdischen und ca. 100 christlichen Studenten aufs Neue im neuesten Heft der preußischen Jahrbücher zuruft: „Aus den Parteikampf de« Tages wirkte die antisemitische Bewegung zunächt nur schädlich ein, da sic nicht blo« die ge sammte Judenschaft in die Reihen de» Fortschritts hinüdertrieb, sondern auch viele unbefangene Leute, die sich cinrcden ließen, daß ine Duldung und Glaubensfreiheit bedroht sei". Und auf da«. Schärfste pcrorirt der einst berühmte, jetzt eonfusc Politiker Trcitschke von Neuem in das Allgemeine hinaus gegen „lüdisihe Sünden". — und ihm und seinen Ucbcrtreibungrn ift cs nicht zu danke», daß der jüdische Sündcnbock nicht »och mehr gelitten. Daß i» einzelnen Kreisen Berlins solche .jüdiichcn Sünden" vorhanden sind, das könnten ehrliche Leut: Herrn von Trcitschke zugebcn und sic würden diese Sündci beim rechte» Name» »cnncn. Wenn aber eine durch die „shwcrcn Kämpfe" gegen die studentische» Anti semiten noch lange nicht in religiösen Fragen geschulter Kncipverei»!>as Judcnlhum in seichtester Weise vom Biertische aus „refvrmircn" tvill, — so hat diese EnNvickclung der „philosemitischen" freien wissenschaftlichen Bereinigung auch für uns ihre ernste Seite. Wie oberflächlich sind z. B. folgende Sätze: „Schon nach der kurzen Prol«ezcit kann man als eigentlich „»»deutsch" nur noch die zusel)cnd« abnehmende, ohnehin windige Minorität orthodoxer Rabbiner bezcichncu, die in ihrer Hirnvcrorannlhcit die Abschiedsformcl: „Auf Wiedersehen im nächsten Jahre zu Jerusalem!" absolut nicht lassen können'. Also zu lesen in der im Aufträge dcS Vorstandes der Freien wissenschaftlichen Vereinigung l-crauSge gcbcncn Broschüre. die wir int Gegensätze zum „praktischen Ehristcnthum' und „praclischcn Judcnlhum": „u »praktisches P h r a sc n t h um" betiteln möchten. Auch freuen wir uns.daßder Redner selbst cs als tendenziöse Berläumdung (so ziemlich eines der mildesten von „Demosthenes" gebrauchten Kraftworte) bezeicknet, daß die Freie wissenschaftliche Vereinigung in manchen Schichten der hauptstädtischen Bevölkerung als ein Bollwerk des JudenthumS figurirc. z Fortsetzung folgt.) Serichle und Gorrelpoudenre«. Deutschland. Magdeburg. Unser» Lesern ist bekannt, daß die „Germania den Bischof vr. Kopp von Fulda wegen seiner Erklärung in Wr tisza-cözlarer Frage abgekanzclt l)at; sie beruft sich gegen ihn auf die Sancta Sanctorum, um die Möglichkeit ritueller Morde aufrecht zu erhalten. Wir möchten der „(ycrmauia" cinpfehlen, doch auch einmal andere Acta zu studircn, und wir empfehlen ihr zu diesem Zwecke die intcrcssalitcn Schön'schcn Memoire» (2. 2.15) zu lesen. Dort überzeuge sic sich, daß hirnverbrannten Menschen ganz ähnliche nicd.rträchtigc Lüge» früher ülvr die K atholikcn verbreitet Halen. Heute sind nun einmal die Juden modern: nicht bloS, daß sic alles denkbar Schlechte leisten, daß alles Unglück von ihnen kommt, nicht bloß, daß sic — was Manchem vielleicht das Schlimmste ist — oft der Fortschrittspartei angehören; nein, sic schlachten auch Ehristcnkindcr. Die „Germania" erinnere sich, daß zu anderer Zeit die Katholiken für solche Teusclsgerüchte modern waren: sie lese den Brief, den nach dem oben zitirtcn Buche der Fürst-Bischof Hol)eiizollern an den LtaatSminister Schön ge richtet hat. Derselbe lautet: „Schmolaincn, den 9. September 1835. .... ttzcgcn die kathvlislhc Kirche und Hierarchie los zuziehcn, gc)ört ja nun einmal zum Modeion des Tages, es tönt dies Fcldgeschrei in einer Unzahl von Druck- und

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