Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 47.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Vermischte und neueste Nachrichten. fRatktirg. Au« Würzburg wird der „Germania" geschrieben: „Der hiesige Rabbiner Bamberger suchte von der katholischen theologischen Fakulttzt unserer Universität ein Gutachten über die „rituellen Morde" von Seite der Juden (I) zu erlangen, doch lehnte dieselbe e« ab, der Frage näher zu treten." (Wa« waren nun die schönen Reden bä der Jubil^um«keier wohl werth? LÜahrlich in einer so wichtigen Frag; die Antwort verweigern, ist Berrath an drr W a h r h e i t i Red.) Cldleuz. Mehrere Blätter bringen die Ente: Di« Rabbiner de« preußischen Staate« wären bei der Regierung wegen Verleihung de« Titel« „Hochwürdrn" vorstellig geworden. (Wahrlich, die Rabbinen haben heutzutage Wichtigere» und Bernünftigere« zu thun! Red.) In Darmstadt wurden am 8. d. bei einem Kolporteur, der sich mit dem Vertrieb de« zu Kassel erscheinenden antisemitischen Hetzblatte« „Da« Geldmonopol" befaßt, die vor» räthigen Nummern de« fraglichen Blatte« consi-cirt. Andernach, 30. Oktober. Don den Dorträgen, welche heute in der Herbstversammlung de« historischen Vereine« für den Niederheim gehalten wurden, ist der de« Herrn Dr. Pohl au« Linz bemerken-werth. Im Anschluß an bedeutsame Urkunden und Aktenfunde im Linzer Archiv beleuchtete er die Stellung der Jude im Mittelalter. Nähere« darüber nächsten«. Oppeln. Hier erscheint seit Kurz-m ein Blatt, dessen poli» ttscher Leiter ein in Krakau wohnender Katholik, dessen verantwort« lii^r Redakteur ein Protestant und dessen Drucker ein Jude ist. Di« Richtung giebt sich al« eine christlich-konservativ« kund. Au« Katzenüein im Elsaß werden 2 Akte herzerfreuender Duldsamkeit berichtet. Nach den Reden zweier Rabbiner trat bei einem Leicheubegänguisse ein Geistlicher a. D. heran und hielt eine ergreifende Anrede. Für einen kranken Juden la« ei» Geistlicher eine Messe. (Univ. irr.) Brodtz. Die Regierung hat e« dem Vernehmen nach abgelehnt. dteVorschl'ge der orthodoxen Rabbinerversammlung zur Regelung der Gemeindcverhältnisse in Betracht zu ziehen. Pest. Bei der Verhandlung wegen der Dioözegher Judrnhetze sungirte al« Kriminalgericht der Preßburger Gericht«. hof. Der Staat«anwalt beantragte ein Schuldig de» Verbrechen« der üsfentilchen Gewaltlhätigkeir gegen Privatpersonen. Der Gerlchl«hos erkannte nur aus ein „Vergehen" und verurth-ilte sämmtlicheA»geklagtr zu je drei Monaten BrfängUlß mit Einrrchnung der dreimonatlichen Untersuchungshaft. Der Staateanwalt appellirte wegen der unmotivirten Anwendung de» Milderung-rechte«. Pest, 15. Nov. In der heutigen Sitzung de« Abgeordnetenhause« entwickelte der Abg. Mezey in streng logischer und scharfer Weise seine Interpellation an den Justizminister in der Tisca'Eßlarer Affaire. Man ist auf die Antwort de» Minister» begierig. Briinn. Hier starb am lö. d. M. plötzlich der i«r. ReligionSprosessor Daniel Ehrmann, ehemaliger Redakteur de« „Abendland", im Alter von 65 Jahren. (Nekrolog folgt in nächster Nr. der ,J»r. Schulzeitung." Red.) Pari«. Die Collectivisten hatten jüngst al« Tagesordnung ihrer Sitzungen „die Ansiedelung russischer Juden in Pari« vom Gesicht-punkte der Eoncurrrnz" aufgestellt. Di« zahlreich« Versammlung wartete auf Louise Michel, die „bittere Louise". Da sie autblieb, entstand «in fürchterlicher Skandal, „Keilerei mit Tanzvergnügen", sodaß die Neugierigen schnellmöglichst ihr« Knochen in Sicherheit brachten. — Otfnfe. Ein englischer Geistlicher, Namen« Luffiagto« Pilson, hatte testamentarisch 1000 Pf. Sterling (20000 M.) der hiesigen Un.verfität vermacht, für deren Zinsen zwei Predigte» zur Judmbekehrung gehalten werdea sollten; Oxford und Eambrwg« haben diese« Legat refüfirt. Ruminie». Vereine, welch« die Eolonisatton fördern wollen, wachsen pilzartig bei Männern und Frauen hervor. Leider macht d e Türkei Schwierigkeiten. Denn wohin immer — wir müssen fort au» diesem Land«, da« da» Blut seiner jüdischen Kind'r trinkt. Die Antisemiten hier haben von ihren deutschen, wie ihren russischen Genossen gelernt. „Kauft nicht bei Judm" wird hier von Beaniten in ihrer Amt«- eigeuschaft ein> geschärft Antisemitenversammlungen erhalten städtische Lokclitäten zu ihren Versammlungen. Man hat nach Jassy 60 fremde Hausirer gebracht, um den Juden Eoncurreaz zu machen. Datz da» nicht in erwünschter Weis« geht, hat die Wuth bi» zur Erbitterung gemehrt. Während die Scheinheiligen in Safeth alle» Mögliche aufbieten, um die Einwanderung von Ackerbauern zu verhindern, gehen von hier fast täglich Petitionen au die Pforte, um Landüberlassuug ab. — Au« ixn Dörfern im Bezirk D o r o h o i werden di« Dorfjuden, welche keinen Getränkhandel betreiben, ebenfalls auSgejagt. (JeSreel.) Feuilleton. Eine Mischehe:*) i. Sie stanken im Hausflur: ihre Hand lag in der seinen. Beider Blicke suchten in einander. Sie, ein liebliche- Bild knospender Sc,önheit und Jungfräulichkeit; er der Typus männlicher Krrft und Energie. Al« der Zufall sie zuerst ufammenführte, waren sie um zwei Jahre jünger; da» Se» ühl, welches zuweilen mit Blitzesschnelle in'» Herz fährt und Räder in Benegung setzt, die früher stille standen, hatte ge. zündet. Von jenem Momente gehörten sie einander in Lieb« und Treue, n aren sie aneinander für da« Leben gekettet. Von einem ülermächtige» Gefühle beherrscht, dem sie sich Hingabe», vergaßen sie die Verschiedenh tt de- Stande«, der Stellung, de». Glauben«, und die weite Kluft, welch« sie trennte. Ihr Verstand abdicirte zu Gunsten de» Herzen«, dem sie volle tzerrschaft gönnten, ohne mit den Verhältnissen zu rechnen, die früher oder später beiragt werden müssen. Für die Lieb« hat die Zeit nur einen Moment, und der ist die Gegenwart; die Zukunft ist ein mit Idealen und Träumen bevölkerter Himmel. Sie wußte, daß der Mann, dem sie Herz und!eben schenkte, jenem Volke angehöre, an dem man durch Jahrtausende den Tod eine» durch eine römische Inquisition ge tchteten Opfer« rächt, und da» trotz blutiger Verfolgungen, der Marter, der Bedrückungen, der zahllosen Hinrichtungen durch Feuer, Wasser und Schwert treu blieb dem Gelübde am Sinai und wie ein gewaltiger Stamm, allen Stürmen trotz:nd, seine weiten Aeste über die Erde breitet, — er wußte, daß sie, eine treue Katholikin, niemal« ihrem Glauben entsagen werde, sie liebten sich aber doch. Beider Eltern wußter um die« Berhältniß; sie versuchten Alle», e« zu besiegen, jedoch ohne Erfolg. „Ehristine," sagte der junge Mann, ihr die Hand drückend und die seine au» der ihren lösend, „ich muß fort, daheim liegt der Vater schwer darnieder; ich hätte ihn nicht verlassen sollen." „Du wa:st gestern nicht hier," warf sie ihm vor. „Die Stunden, die ich dem Vater entziehe, kann ich nicht mehr na-holen — die Tage de» Later» find gezählt. Lebe wohl!" — „Noch nicht. Wann kommst Du wieder?" •) Wir bringe« dies« Erzähl««« de« geistreich»« galiztsche« iphetto» dichtrr« Leo Hrzberg-Kräicket gleichza«, wenn «« »eflrn »och bedarf, «l« „Gegmgtst" ««««« die jüngst gebrachte Erzählt»«.