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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 47. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 47.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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vor sechshundert Jahre« bezeugt» als» Kaiser Rudolph 1^ .daß e« nicht wahr sei. «a» «iutae Christen sage«, da» dt» Juden von einem Herzen eine« tovten Kinde« zehre« auf ihrem Paffahtage", und »ach sechshundert Jahren wird in LiSza Eszlar monatelang eine Untersuchung geführt aus Grnnd der Beschuldigung, daß der Schächter Joseph Schars di« Esther Solymossy an dem Sabbath vor dem Bassahfest« geschlachtet hätte, um da« vlut derselben zu rituellen Zwecken zu gebrachen l vr. Ad. I.k. 0t«irtrd4. fltil. .Arch. Ur." «.ist geschickt darauf hin, wie da» Judenthum mtt freudigem Stolz auf feine beiden R, stören, de« der Wissenschaft und den der Humanität, Dr. L Zunz i» Berlin, der im August 88, und Sir Mose« Montefior», der sorlxn 98 Jahre alt geworden ist, zu t licken berechligt ist. — Bei Prei«vertheilungen in den Lyceen «erden dt« Hindeutungen aus die Antisemitenbewegungen immer deutlicher. In der Rede de« Seschicht«prosessor« Gazeau vom Lycö« Fontäne» (3. August) stndet sich folgender Passu« ,Ueben wir die Toleranz, weiche wir sehr oft in der Politik v».nachlässigen, wenigsten« in religiösen Fragens Ich rufe da Ihre Erinnerungen vo» gestern wach. Sie haben Alle zugleich mit Schrecken und mit Ekel die Detail« gelesen, welch« dir Zeitungen un» berichtet haben über die unerhörte Behandlung, die den Juden in gewisse» Länder» Europa« zu Thetl geworden ist. Zerstörung, Schändung. Mord, Raub, und dann der Au»zug einer ganzen B-vö'.ierung ohne ^-'-«»«mittel. ohne Kleider, ohne Hilfsmittel, die an der Grenze eine Zuflucht und Brod suchte Dahin also stnd wir nach Montaigne, »ach Rabelai«, nach Vol'aire, nach der französische» Revolution und der Eri klärung der Menschenrechte gekonimen. Ist c« möglich, dag im 19. Jahrhundert unwissende und fanattscheHoi den, aufgeregt zur Plünderung, zum Mord, zum Brand« sich im Ramen der Religio» aus Greise, Frauen und Kinder stürzen, uommen wir zurück zu den fluchwürdigen Zeiten der Relig o»«t» lege oder in die dü» stern Epochen de« Mittelalter«, wo die Jagd auf Juden ein herrschaftlicher Zeitvertreib war, und 100 der besten Herrscher, der heilige Ludwig voran, tie Kinder Israel» außerhalb de« Gesetze« stellten? Wahrlich nein, >»■ H., da« ist nicht, da« wird nicht lein. Al« Zeugniß dafür dient mir der entrüstete Protest, der von allen Punkten Europa'« sich erhob gegen di« fluchwürdigen Scenrn von Ball», Kiew, Elisabethgrad! St« 8eu„n:ß dafür drrnt mir der bewundernswürdige Aufschwung der lnh.it der Menschen, welcher in einem Augenblick zur Hilfeleistungen an di« Echlachtopser de» Fanati«ura« und der Glaubrn«wuth, Menschen vereint hat, die den verschiedensten Religionen und allen möglichen Anschauungen huldigen. Al« Zeugniß dienten mir besonder« die Gesinnungen dieserJugend welch« gezittert hat beim Anhöre» dieser namentosen Grausamkeiten!" — Ueber Netter« letzte Tage hört man, daß er sich wohl schon unwohl fühlte, aber doch noch am Jomkippur fastete. Vom 25. September an fühlte er Fieberhitze, Mattigkert der Glieder, ohne doch den Arzt befragen zu wollen. Ohne sein Wissen telegraphirt ein Beamter der Ackerbauschule am 1. Oktober an vr. Schwarz in J.rusalem, der sofort herbeieilre; er traf Retter lesend, ohne da« Bedenklich« seine« Zusiande« zu ahnen. Am selben Tage verschied er in den Arme» seine» Arzte«, wahrscheinlich an einer Lrbererkrankung. Seine vom französ. Konsul versiegelten Papiere sind dem auswärtige» Amte zugeschickt worden und werden wahrscheinlich seine» letzten Willen enthalten. Rtiftlan«. Petersburg. Die jüdischen Rekruten sollen auf Anord nung de« Generalstabe« weder du der Festungsartillerie, noch bei der Flotte, den Grenzsoldaten-und bei andern fest stationirten Truppentheilen eingest.llt werden. Biele jüd. Aerzte haben den Takt gehabt, um ihren Abschied einzukouiulen und ihr Gesuch damit zu motiviren, daß durch dir Minist«Tialverfügung, nach welcher fortan nur 5'/, Juden sein dürsten, ihre bi« dahin ehrenhafte und geachtete Stellung mit Schmach besudelt worden ist. Sie erhielten den Abschied «ns phrase. Andere« wird bU Verabschiedung aufgezwuagen, indem man sie au« de» schönste« Städten nach Suchaltn (der Verbrecher» colonle) »der Sibirien oder Türkest«» versetzt. Graf Tolstoi hat entschiede», daß die Jgnatiew'schen Verordnungen gegen die jüdischen Apotheker zn Recht bestehen. — Trotz der guten Ernte ist kein Verkehr und Handel. Daß di« Judenhetzer daran sehr viel mtt verschulden, ist selbstverständlich. — In Dorpat ist den jüdische» Studenten die Begründung einer UnterstützungSkaffe gebattet worden. — Ja Sit in (Podolten) haben die Juden statt de« bi«hertgen jüdischen Bürgermeister« einen Christen gewühlt, «eil dieser billiger ist! Au» Dörfern, im Kiewer Bezirk besonder«, werden die Juden unter gern ertheilter Genehmigung de« Gouverneur« Drcnteln vertrieben. ra»ret. Palästina. Die in der Ackerbauschule ausgenommen«» «0 russische» Jünglinge, welchen der selige Netter Land zur Bebauung hat zuw«tsen wollen, gehören einem Vereine an, der Bjlo (Anfangsbuchstaben vo» nsbii 12b 2?prva »Hau« Jacob« auf, laßt un« gehen") beißt und den Zweck verfolgt, junge (gebtldete) Leute zu praktischen Ackerbauern umzubtl« den. Der Hauptsttz de« Vereine« in in Constantinopel. Gesund ist der Gedanke; Jünglinge sind bildungsfähiger und acclimatisationSkräfttger, al« ältere Leut«. Dazu wird e» Alleinstehenden leichter, di« mageren AnfangSjatzre burchzumichen. al« Famlienoätern. Diese «0 sollen tüchtige Fortschritte gemacht haben und hoffen, al« Lehrer der später Kommenden wirken zu können. Man hofft, daß — sobald die ägyptische Frage in Ordnung wird gebracht sein, die Pforte ihren Beschluß vom 11. Juni 1832 »»«führen und jüd Etnwandern Land anweisen werde. Di« Zutheilnng erfolgt tostenlo«; der Ansiedler ist 12 Jrhre von allen Steuern und Lasten frei, doch darf er da« Land vor Ablauf von 10 Jahren nicht weiter verkaufen. Daß Palästina der jüd. Immigration verschlossen ward, daran trägt Sir Oliphant mit seinem Bnche die Schuld. Um so merkwürdiger ist'«, daß in Rumänien ein JünglingSoerein — der Geld für dle Autivanderung sammelt — sich Oliphant nennt (Je«reel) — Da« rumänische Centralcomitü der Au«w mderung, hat durch Vermittelung de« Bankier» Levi Frank au» Bey« rnth da« bei Jaffa gelegene Dorf Saniaria gekannt. 1400 Dullo« Land iür Wintersaat und 1600 für Sommersaat, 3—400 D. Wald (JohanniSbrodbäume und jungt Oliven, die bei Auswenden von 10000 Frank in 4—5 I ihren den ganzen Kaufpreis einbringen.) Klima ist gut, Wasser in Menge vorhanden. Nahe bei dem Dorfe sind schon 15 Fa» nitlien angesiedelt. Roch 45 sollen baldmöglichst hin, aber das Comitä will nur solche hinsetzen, welche 2000 FrcS. zur Bestreitung der Kosten haben. Klein« Beträge sollen geliehen werden. 35 Familien haben sich schon gemeldet. Die Armen kommen so später an die Rrihe, al» wünschenSwerth wäre. Und doch muß man da« Vorgehen de« Comitv» billigen. Geld zum Auiwandern schaffen — da« ist da« einzige Ziel! Jerusalem. Dem .Jwri", einem der Eolontsirung abgeneigte- Blatt, wird berichtet, daß die Pforte strengsten» verboten hat, Russen oder Rumänen (Juden feit.) an« Land zu lassen, oder ihnen in Palästina oder Syrien Land zu »erkaufen. Binnen 10 Tagen seien 4 Schiffe mit Russen von Joppe sortgewiese» worden. Ueberhaupt ist der muselmännische Fanatismus seit Aradi Pascha'« Erhebung gegen England in hohein Maße erregt. Allen Andersgläubigen — den Juden wie den Christen — wird der Tod angedroht; di« Mordversuche häufen sich; die niederen Polizeiorgane Helsen den Mördern. Die unreinen Ungläubigen müssen h nauS an» dem Lande. Warum sollen die Araber nicht, wie es anderswo die Christen thun, di« fremde Race bekämpfen und beschimpfen? — Der Verein „Peßach Tikw'oh" hat sich für die Saat vorbereitet, auch sind die Wohnhäuser im Bau auf einem geräumigen Weinberge in der Nähe der Besitzung. Luch Herr Levantin baut und 25 Familien bereiten sich vor, auf da« nahe bei Jaffa gekaufte Land zu ziehen.

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