Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 47.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Flüchtlinge ist fast gänzlich au« der peinlichen Lag« erlöst worden, in welcher sie sich seit so vielen Monaten schon befanden und dt« sie so grdnldig ertragen haben. (Ueber di« in Dien am 9. August und den folgenden Tagen abgehalten«'Eonferenz, um Mittel zur Räumung vrodH'« au«sindigzu machen, haben wir z. Z. bereit« berichtet und übergehen wir diesen Theil de« Berichte«. Red.) Günstige Berichte find über die unter dem Schutze de« Eomitä'« nach Amerika gesandten Flüchtlinge eingegangen. Besonder« ist die« bei den nach Eanada Delegirten der Fall, und die dortigen günstigen Erfolge verdanken wir Vorzug«« weise dem Eifer und der Thätigkeit unsere« Tollegen Sir Alex. Galt. In einzelnen Fällen mußten »amhaste Summen nach dem Westen der Bereinigten Staaten behuf« Ansiedelung der Fiüchtiinge gesendet werden. In Folge Ersuchen» von Seiten der Berliner und Pariser Tomitö'« sind eben wieder 2000 Pfund an da» HüttScomilä in New - Uork abgegangen und mit einer gleichen Summe kamen wir den genannten bei den Eomilä's de« Tonttnente« zur Hülfe. Im Ganzen sind seit Beginn der Emigration vom Mansion Hause 6,500 Pfd. zur Hülfeleistung nach New - Aork gesendet worden. Segen 260 Emigranten, die nach Ansicht der amerikanischen Tomitü'S in Rußland ihren Lebensunterhalt sich leichter beschaffen können al« in Amerika, sind nach England zurückbesördert worden. Die Eommisiion in Livervool, deren Bericht ebenfall« hier deigegrben ist, hat ihre höchst schätzen«werthe Thätigkeit. die so oft den Dank de« Mansion Hause Commitö'« herau«forderte, nun beendet. Der Lord Mayor hat e« für Recht befunden, dem dortigen Mayor für feine werthvolle Unterstützung, die er der Tommistion bereitwilligst lieh, ein Dankschreiben zu übersenden. E« ist wahrscheinlich, daß die folgenden Angabe» annährend die Zahl derer wiedergebe», welche au« ihrer Heimath und ihrem Baterlande verjagt und der Äohlthätigkeit Europa'« im Lause diese« Jahre« überantwortet worden sind: Rach Amerika auSgewandcrt ca. 15,000 Durch Europa zerstreut ca. 2,000 In Folge Beschlüsse« der Diener Eonferenz repatriirt ca. 8,000 25.000 Bon diese» sind folgende au» den Fonds Hause Eomitä erhalten und befördert worden: Nach Amerika au-gewandert 8,596 In London zurückgeblieben und au« dem Fond unterstützt ohne die 429 durch andere Mittel unterstützten 476 Rach dem Tontinent zurückbefördert 468 Bon Leniberg au« repatriirt 768 10,310 Da» Tomilä also den fünften Theil der Kosten für die Repatriirung getragen und spricht dabei zugleich seine I Bereitwilligkeit au«, bei allen ferneren gemeinschaftlichen Vereinbarungen mit den continentalen Eomits's seinen Antheil zu bestreiten. Nachdem noch auf di« Unterstützung welche die durch Feuer beschädigten in Rußland erhalten, hingewiesen und der Hoffnung Raum gegeben ist, »aß die Berhällniffe und Zustände der ruffischen Juden sich von jetzt ab bester gestalten werden, heißt e« in dem Berichte weiter: Bon den im Mansion Hause gesammelten 108000, Pfd. find 74.000 Pfd. verausgabt, sodaß noch 34,000 Pfd. zur Disposition zurückbleiben. <*« wird)damit noch manch« Thräne getrocknet, manch« Hülfe geboten werden müffen, stwohl den 907 noch in London sich aufhaltenden Flüchtlingen al« auch den nach Rußland zurückgekehrten, welche« zur Anbahnung eine« neuen Leben« di« Mittü nicht verweigert werden dürfen. Freilich wird auch all« fernere Hülfe nur nach veretnbarung mit den kontinentalen Tomit«'» erfolge« können. ' Berichte und Torrespondenzeu. Deutsch!««-. Magdebnrg. Die die Leser au» den LageSblättern misten, hat der neue Bischof von Fulda (vr. Kopp) aus Befragen die schriftlich« Erklärung abgegeben, .daß die Annahme, e» könnt« von Juden Ehristenblut zu rituellrn Zwecken jemals gebraucht worden fein, weder durch die jüdische Religion noch durch die Geschichte zu begründen ist. und daß ein« derartig« Beschuldigung, aus welche Voraussetzungen immer sie zurück» geführt werden möge, al« eine entschiedene, frevemtltche Unwahrheit bezeichnet werden muß." Die ullramontane .G-rmama" sehr ergrimmt, ja sie kanzelt den Bischof dafür ordentlich ab. Denn die .Germania" nun zwar mit B . s ch ö f e n so verführe, so kann sie e« doch mit Päpsten nicht, an deren Unfehlbarkeit sie jedenfalls glaubt. Papst Jnnocenz IV. hat 1247 in einer Bulle die teuflische Verleumdung gegen die Juden mit strengstem Banne belegt, und Papst Gregor X. hat sie 1273 erneut. Der gegenwärtige Papst Leo kann sie auch nicht bestreiten, e« kä">e nur aus eine Anfrage an, die von Bertretern der österreich. Juden eigentlich schon längst an ihn hätte gerichtet sein sollen. Für Herrn l>r. Jelllnek bedarf e» sicherlich nur dieser Anregung. (Bergt. unter.Die».") Au« Schönlanke erhalte» wir folgenden Artikel über die politische Gesinnung der deutschen Juden: .Ueber diese« Thema habe» in neuerer Zeit mehrfach« DiScusti» onen staltgesunden, und zwar anSgehrnd von der Regierung nahestehenden Blättern. Schon früher wurde in antisemitischen Hetzschriften gegen die Juden der Porwurf erhoben, daß sie dem Liberalismus ergeben wären, und al« jüngst die „Zeitung de» JuventhumS" eine Zuschrift aus ihrem Leserkreis brachte, welche dur Juden das Dahlen in confer» vativem Sinne empfahl, wurde diese Auslastung von der reaktionäre» Preste mit Jubel ausgenommen, und machte die Runde durch viele Zeitungen und Winkelblätter, welch« der Regierung zu Gebote stehen; von der gegenthelligen Ansicht de« genannten Blatte» in einer spateren Nummer wurde keine Notiz genommen. Gestatten Sie daher einei» Leser Ihre« geschätzten Blatte«, seine Meinung dahin auSzudrücke», daß die grob« Maste der deutschen Juden nur liberal gesinnt ist, und daß dieser Liberalismus durch die sogenannte .antisemitische Bewegung" »och festere Wurzeln gefaßt har. E« bleibt nur die Frage zu erörtern, wie. so diesegekommen und ob die Zukunft einen Wandel darin schaffe» wird. Deutschland, spccicll unser engere» Vaterland, ist ein noch junger VersaffungSstaat. die Anerkennung des Parlament» al» eine« gleichmäßigen Faktor» neben der bisherigen absoluten Monarchie, stößt daher in den oberen Regionen aus starken Widerspruch; andererseits niacht auch die Werthschätzung einer wirklichen Gleichheit und der richtige Gebrauch der freiheitlichen Institutionen in de» untern Schichten nur langsamen Fortschritt. Diese Umstände haben e» dahin gebracht, daß da» Parlament, sofern e» den Maßregeln der Regierung nicht unbedingt zuftinunt, al» eine regierungsseiildliche und dadurch da« Wohl de» Lande» schädigende Macht betrachtet wird. Hierzu kömmt, daß da» Ziel der conservatio.n Partei stet» darauf gerichtet gewesen, die Errungenschaften, welche da« Bürgerthum und mit ihm die Juden durch da» Jahr 1848 erhalten, so viel wie möglich zu kürzen, und wenn c» ginge, ganz über Bord zu werfen. Was Wunder, daß der Juoe mit seinem Eintritt in den BerfastungSstaat auch gleichzeitig liberaler Wähler geworden! Wenn erst, wie in England, die BolSvertretung al» eine der Regierung ebenbürtige Macht betrachtet werden wird, dann wird e« auch wohl Vorkommen, daß Juden in conservattoem Lager zu finden sein werde«. Ich Hab« sogar die Hoffnung, daß dann radikale Elemente unter Juden fetten, conservative dagegen in reiche« Maße vorhanden sein werden. E« ist daher fein Wunder, daß die Sonservativen England» mit ihrer Führerschaft einen Juden beehren konnten, während der Führer unserer Lonser»