Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 47.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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häufen; wir sind vielmehr der Ansicht, daß e« in de» meisten Fälle« sich empfehlen wird, die Hülfe de» Sttafttchterils nicht anzurufrn und der öffentlichen Meinung -die' rnorachfche Wür-, digung der Judenhetzer zu »berluffennur Mnn'Beleidigu^ gen uud Aufhetzungen au« gm, niedmgen Lesinmengeu hervorgehen und man die U«der,eugung gewinnt, daß der Hetzer selber nicht an die Wahrheit de« von ihm vorgebrachfen glaubt, oder nach seiner «ergangenheit alle Veranlassung hätte im stillen Kämmerlein über sein eigene« Leben nachzudenken dann scheint eine strafreckitlich« Verfolgung angemessen und nach der neuesten Entscheidung de« Retch«grrtcht« auch durchführbar. Wir führen den Leier nun in einen Schwurgericht«saal eine« galizischen Strich!«. Dort trägt sich am «u«- gang de« neunzehnten Jahrhundert« folgender Fall zu, der eine recht erbauliche Illustration zu der vi-lgerühmten Trefflichkeit der Schwurgerichte — für halbcivllifirte Völker liefert. In Zloczow steht «in Bauer vor den Schranken de« Schwurgericht«, an>:eklagt eine« an einem Juden begangenen Morde«. Er erzählt den Seschworenen mit der größten Gemüth«ruhe, daß er von einem Juden e n Stück Ackerland für den Prei« von 100 Gulden gekauft und ihn, SO Gulden al« Teilzahlung gegeben Hab«. Der Jude erklärt ihm hierauf, daß er diese SO Gulden auf eine Schuld de« Bauern an ihn anrechne und beharrt trotz eiirigen Proteste« de« Erst-rn bei seiner Erklärung. Da ergreift der Bauer einen Spaten und schlägt mit demselben auf den Kopf de« Juden, so daß dieser ,u "öden stürzt. »Da ich bemerkte, so erzählt er weiter, daß er noch athmete, hieb ich so lange aui ihn ein, bi« er todt war.* Die Geschworenen hören sich da« Geständniß de« Vau' ern an und — sprachen» ihn frei. Der SlaatSanwalt meldet sofort die Nichtigkeitsbeschwerde an, «ine Maßregel, die nach der österreichischen Strasprozeßordnung zulässig ist, nach der Reich«strafprozeßordnung im vorliegenden Fall« z. B. nicht eingelegt werden könnte. Wie gefällt dem Leser die« Verdikt der Geschworenen? Ist e« nicht «ine offenbare Ausrei' zung zum Morde der Juden? Wir erinnern un», daß Karl Emil Franz»« zur Beleuchtung der Zustände in »Halbasien* — die treffend« Bezeichnung rührt von Franzos her — einen ähnlichen Fall mit genauer Namensnennung erzählte und in Anknüpfung an denselben die Frage auswars, ob für halbcivilisirte Völker die Einrichtung der Schwurgerichte nicht von den gefährlichsten Folgen begleitet sein könnte. Wir glauben, daß Völker, die von der Sonne der Cultur noch nicht beschienen sind, deren Gesichttrohheit immer wieder durch den äußerliche« Firniß angelernter Formen hindnrchbricht, für die großen Segnungen der Schwurgerichte durchaus unreif sind. Mit diesem erbaulichen Kapitel au« der österreichischen Rechtspflege wollen wir für beut« schließen, ein nicht minder schwarz^ Blatt in den Annalen derselben, die Behandlung der D«za-E«zlar-Affaire speeiell da« Stadium, in welche« dieselbe jetzt getreten ist, wollen wir, wenn unsere Zeit e« erlaubt, zusammenfaffend in eiuem nächsten Artikel besprechen. R-1 Briefe aus London. Wenn man da» Thun und Treiben der modernen Judenfeind« sieht, wie diese zweibeinigen Wiederkäuer all« die bereit« vei schluckten unsauber« Verleumdungen, die sie über Juden «nd Kldenthum erlaube», immer wieder aus« R»e ibi«jßm :M>or(4rw, so muß man unwillkürlich a«dG Stzchch DoWchj,'« Hetzten, der da ItzMet: »Wie der tz»*^u s«te»Hl»w»rf ttzitzdr wteder zuLcktehn. so wiedsrhoif sich »er »k kn seiner Thorheit.* (Sprüche SS.11.) Wir hatten unt schon der angenehmen Hoffnung hingegeben, daß jiaf tp ® fäft*4$raf. äwjib) jetzt wenigsten«, utzchtzeno««'da,,Müßige Wtzttz»Itzgl«e»«ttzennomnwn, UN« «ine Zeit lang Ruh, gönnen würde, aber nein, der Mann wüthet wieder aus'« Sieue, und seine Sprache gegen Alle«, wa» mit dem Judenthur, nur einigermaßen in Zusammenhang steht, ist rückhalwlojer und bitterer al« sie zuvor. Der Blitz rbleiter seiner neuen Jnvective ist wiederum da« „klinteen Century“, da« im lausenden Hefte dessen in Gift und Galle getauchten Artikel „The Jew»“ veröffentlicht. Natürlich finden wir da alle die Schmähungen und Lügen in erneuerter Auflage wieder vor, die der Erfinder derselben so oft schon dem Judenthum und seinen Bekennern so schamlo« in'« Gesicht geschleudert, und eine Auszählung derselben dürfte hier daher üb rslüffig sei». Eharakteristisch und erwähnen«- werlh ist jednch der Grund, den er daselbst für sein mehrmonatliche« rchige« verhalte» in der Judenaffaire anführt. Er habe, sagt er, de«>alb de« Schreiben« sich enthalten, well die jüngsten vin ganz Europa (mit Ausnahme von ihm und seiner Partei) gebrandmarklen Vorgänge in Rußland ihm Nicht geeignet schienen, sie. wo sie »och in Unkraut« waren, öffentlich gut jU heißen. Er finde sie aber ganz in der Ordnung und bediuere nur, daß nach englischem Gesetz« die hiesigen Juden nicht ebenso behandelt werden dürfen, wie ihre Älauben-genossen in Rußland. Erster« sollten jedoch freiwillig da« Land verlassen und dadurch die Gefahr d.-seitigen, daß nämlich tngland ihretweg-n mit dem tadellosen und musterhaften stußland in einen Krieg verwickelt werden könnte. Wer einen solchen Blödsinn ganz ungenirt in der Oeffentlichkeit auSposaurt, der ist wohl für'« — Jrrenhau« reif. In letzterer Zeit wurde die jüdische Refarmfrage in hies. jüd. wie »icstjüd. Blättern lebhaft besprochen. Daß eine mäßige Resorri, namentlich in unserem Gotte-dienste hier sehr nolh thue, wird wohl Keiner in Abrede stelle», dem di« wahren Interessen des Judenthum« am Herzen lie-en. Nur ist e« natürlich nicht leicht, die Grenzen sestzustellen, wo die Reformen anfangen und wo sie enden sollen. Die jetzig« Generation will sich mit dem bloßen Sing-Sang und dem schnelle» Herableiern »on meist unverständlichen sogenannten Gebeten im GotteShause nicht mehr de^mige». Die gebildetere Elaffe der Juden le derlei Geschlecht« findet e« absurd, einen Ehasan predigen zu höre», der in Bildung und Manieren jedem nichtjüd. Geistlichen bei Weitem zurück,teht Soll da» Judenthum respectüt werden, so müssen dessen Repräsentanten Leute fein, di« durch ihr jüd. und allgemeine« Wissen Respekt einflöß-n könner. Auf dem Eoniinente sind bi« Rabbiner und Prediger die Träger und Förderer de« Judenthum« und deren Wissenschaft, hier aber sind e», mit wenigen Ausnahmen, die Ehasonim und Schochtim. Daher liegt die jüd. Literatur hier zu Lante ganz darnieder, und wenn hier ja Etwa« aus diesem Gebiete erscheint, so ist dessen Verfasser meist eia Nichtjude. Wenn nlso Reformen hier eingesührt werden sollten, so müßten sie i>or Allem im Gotte-Hause ansangen und zwar nach der obenbezeichneten Seite. Die« allein wäre schon ein großer Gewi in und dürfte selbst die nach radikalen Reformen Strebenden »orläufig zufrieden stellen. Maust«» Hause Fond«. Da» Plansion Hous« Somitü har bei Gelegenheit eine« am vorletzteu Mittwoch im Mansion Hous« stattgehabten Meeting von seinem Executive-Lomilö folgenden Bericht entgegen genommen: Während der feit dem letzten Meeting verflossenen drei Monat« ist mancher Fortschritt in dem Hüls««ert gemacht wordrn. Die große Anzahl in Brody versammelter