Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 46.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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daß sämmtliche betteffenb*" Personen da« »ufeten inb wiffentlich Jettaneten, daß ein falsche« ärztliche« Zeugnis ausgestellt und da« die Mutter de« Mädchen« und der Untersuchungsrichter bei den Jntriguen die Hand im Spiele hatten. Trotzdem wurde bekanntlich erst in Folge diese« Funde« eine Menge von BerHaftungen osrgenommen und der Untersuchungsrichter wollte auf dem Wege der Folter feststellen, daß ein Leichen» schmuggel vorliege. Iiakte«. Flvrenz. Am 24. Oktober ist die neue Synagoge eingeweiht worden. Sie dankt chr Enstehen der Freigebigkeit eine« Manne«. Der verewigte David Levi hintertteß der Gemeinde durch Testament von 15 März 1868 sein ganze«, ehrenhaft erworbene« Vermögen, zum Bau einer m o n u mc n» talen Synagoge. 1870 starb der Erblasser, doch die Gemeinde sorgte zuerst für arme verwandte de« Herrn Levi. Eine Rente von 2270 Lira und außerdem ein Kapital von 60000 Lira wurde den verwandten und außerdem wurden Wohl- 1hätigkeit«anstalten bedacht, so daß da« Kapital von 1'/, Mil« linnen auf 950000 Lira herabsank. Doch die seitdem ausgelaufenen Zinsen vermehrten die Summe bi« auf 13 bi« 1400,000, welche zu den Baukosten verwendet wurde. Florenz hat ein schöne« Bauwerk mehr. Un« erfreut, daß einer der Architekten Herr Marco Treue», sowie der Vorsitzende der Eommiffion, die den Vau abgenommen haben, Herr Eduard vhllipson (Ingenieur) Glauben«genossen find. 9tttfti«l«9. Petersburg Da» Ereigniß de« Tage« ist die Einweihung de« von Herrn S. Poliakoff gestiftete» Kaiser Alexander 11. Eolleg. 150,000 Rubel hat der prachtvolle Bau gekostet. Er dielet 40 Zimmer für 1. 40 für 2, S für 3, 4 für 4 und 1 für 5 Bewohner. — vorläufig sollen 100 Studenten e« beziehen, die Staat»ftipend,en erhalten — 50 Zahlende können ausgenommen werden. Die Einweihung vollzog der Erzbischof von Warschau, Leontion. Der Redakteur de« judenseinblichen „Kiewlianin", Ticha, hat seinen Abschied al« Docent der Universität nehmen müssen, weil er wegen Verleumdung zu 2 Monaten Gefängniß verurthNlt worden ist. — In T o m «k wurde eine getaufte Jüdin de« Rückfälle« zum Judenthume verdächtig. Sie leugnete. Doch die Behörde ließ — aus welche Leranlaffung hin ist unbekannt — va« Grab de« nicht lange vorher verftarbeuen Manne« — ebenfall« eine» getauften Juden — öffnen — und siehe da, der Körper fehlt. Hat ihn die Frau stehlen laffen, um ihn auf einem jüd. Friedhose zu beerdige»? Da« klingt echt spanisch marranisch! — Einem al« Kind bei den Soldaten Getaufte» will die Behörde den Rücktritt nicht gestatten, «eil er bei der Taufe älter al« 14 Jahre war — man ist gespannt darauf, od die Erlaub- >«iß erfolgt, wenn der Nachwei« gelingt, daß der Betreffende damal« jünger gewesen ist. Sborow. Am 1. Tage Succoth verschied in der ihm gehörenden Stadt Jefi-rna Herr Wolf Jampoler, dem die hiesige Gemeinde, der er früher angehön hatte, viel verdankt. Er hatte den Ban der großen Synagoge angeregt und für 10,000 Gulden Ziegeln geichenkl; testamentarisch vermachte er ein Kapital, veffen 200 Gulden betragende Zinsen an seinem Sterbetage alljährlich an die Armen ver.heilt werden soll. Auch den Armen seiner Stadt kommt eine gleiche Stiftung zu Gute. Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Au« der von dem Kaufmann Ferdinand Reichenheim zum Andenken an seinen frühverstorbenen Sohn, den Maler Ernst Reichenheim, gegründeten Stiftung werden alljährlich Stipendien an junge Maler au« den höheren Se» meftern der hiesigen Akademie, ohne Unterschied der Eonfes« sion, gewährt. Da« diesjährige Stipendium von 600 Mark pro Oktober 1862/83 ist auf einstimmigen Beschluß de« Lu- > ratorium« de« Maler Max Lübke, welcher daffelbe bereit« im vergangenen Jahre erhalten hatte, zuerkannt worden. I« Jahre 1880 wa: da« Stipendium dem Maler Rudolf Eichstädt, dem Gewiimer de« diesjähriqen römischen Preise«, verliehen worden. Der Fond« der Stiftung ist durch mehrfache Zuwendungen vrgrößert worden, so daß eine Erweiterung de« Wirkungskreise« dieser zioeckmäßigen und daukenSwerthen Stiftung zu erwnrten steht. (Während die Wiener Akademie der bildenden Künste Über eine außerordentlich große Zahl von Privatstiftnnzen an Stipendien für ihre Eleven verfügen kann, hat die ferliner Hochschule für die bildenden Künste nur diese eine, 1880 begründete Reichenheim - Stiftung zu, ihrer unmittelbar!» Verfügung.) Magdeburg. Die Voruntersuchung gegen vr.Heurici wegen Aufreizung zum E affeuhaß soll nunmehr eingeleitet sein. Einzelne Reden, w.lche dei selbe in betreff der Judensrage im socialen Reicht-Verein ge-alten, bilden die Unterlage dieser Untersuchung, welche LandgerichtSralh Pitker führt. De. H. hatte erst am Sam«tag Vormittag wiederum eine Vernehmung vor dem Untersuchung »richler. (Köln. Zig ) — Die „Klln. Ztg." weiß au« Petersburg zu berichten, daß der UnterrichtSminifter Deljano v bei dem Kaiser in Ungnade gefallen sei, weil er für Poljakow den Barons» titel erbeten habe. Diesen Titel soll Poljakow — der ein russischer Strou«terg genannt wird — sich für va« Stubentenasyl au«beounien Hab n, uno wa» de» unwahrscheinlichen Klatsche« mehr ist; Tolstoi soll wieder Ilnterricht«miuister, Gras Donbukow-.korsakow Minister d.« Innern «erden! Hamburg. Zum Varstand«-Präse« der israelitischen lstemcinde wnide an Stelle oe» verstorbenen Hrn. S. Goldsicher der Banquiw Hr. E. Z. Michel an Stelle de« wegen geschwächter G-snidheit autgeschiedenen Hrn. Ad. Ahronson ter Kaufmann H.-. L. Bunzel in den Vorstand gewählt. Hamburg» 11. Roo. (Or.-Eorr ) Gestern begannen im hiesigen Tempel i>ie Probepredigten. Herr l)r. Lei «dürfe r, Rabbiner in Rorvhausen. sprach gestern und heute über gegebene Themata und fand großen Beifall. Zum nächstfolgenden Redner ist H. rr l)r. Rosenzweig, Rabbiner in Texstitz, defignirt. Aas Westpirußr». Nachdem der Straßburger Krei«' dnrch viele Jahre liberal im Parlament v.rkrelen war. hat der Landrath de« hiefgen Kreise» sich diese» Mal al« Kandidat anfgestellt. Der .Herr Laadrath hätte sein Ziel nicht erreicht, wenn nicht gerade hiesige Inden e« wären, Die die Kandidatur de« Landrathi. durch Agitation betrieben hättet». Bei der Wahlmänner-Dahl haben ungefähr 80 Inden gewählt, hiervon haben 75 ihie Stimmen den konservativen Wahlmänneru (iegeben: auch der Rabbiner De. St. und der erste Vorsteher t«r Gemeinde wa c unter diesen 75 zu finden. Diese Herren wählten jüdische 2üahlmänn»r, welche dem Landrath ihre Stimme geben sollten. Einer Aufforderung, sich bei einer liberalen Agitation zu detheiligen, folgte» die Herren nicht und zwar au» Fi.rcht, daß der Landrath ihnen später schaden könnte. Man fielst, daß Juden auch konservativ wählen. Pest. Der 5. Jahresbericht d>« Rabbinerseminar«, der von einer Abhantlung de« Direktor« Bloch: Die Eioilproceßordnung nach nosaisch rabbinischem Rechte eingeleitet wird, zählt 49 Schüler der Anstalt, die den verschiedensten Theil len Ungarn» und Siebenbürgen« entstammen, auf. Die Regierung bewahrt hre Huld, der Minister Tresort hat 2 mol selbst den Unterricht lnspicirt und 1500 Gulden für Etipen» die» bewilligt. Außerdem wurden ein Baron König»warter« Stipendium von -.70 Gulden und 5 vom Stipendium-Verein * 100 Gulden vergeben. Die Stadt?r»«tz soll Herrn Baron Hirsch, seiner Verdienste bei der Eeacuirung der Stadt von den ruff. Flüchtlingen-wegen, zun: Ehrenbürger ernanitt haben. (Arch. i»r.) ftri«, 1. November. Heute fand ein zahlreich besuch-