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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 46. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 46.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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- 359 — *er TraucrgotteSdienst für Charles Retter in der Synagoge b«r rue de la Bictoire ans Veranstalten de« Centralcomitee'« der Allianre statt. — Am 36. Oktober ist jum 3. Male in der kleinen Synagoge von Reuilly eingebrochen worden. Doch diesmal waren die Werthsachen in Sicherheit. Lho». Der Wahnsinnige, welcher am 34. Oktober den Gottesdienst in der Kirche Saint-Bonaoenlure gestört hat, ist ein Jude. Gekragt, warum er nicht eine Synagoge zum Schauplätze seiner Störungen gemacht hat, antwortete er: Die Rabbiner kommen ebenso an die Reihe, wie die Geist lichen! (Also nicht Jude — sondern Hasser aller Religionen!) ¥•■»•», 1. Rovember. In der Guildhall der City von London fand gestern Nachmittag durch den Lordmajor im «eisei» einer großen Anzahl von Etadtrath»mitgliedern und deren Freunden die Enthüllung der Marmorbüsten de« Premierminister« W. C. Gladstone und de« verstorbenen Earl os «eacou«field statt. Dieselben sind in dem nach dem Ralh«- saal» fahrenden Corridor, wo die Büsten Palmersto»'«, Canning'« und Lord Derby'« bereit« einen Ehrenplatz gesunden haben, ausgestellt. Die Büste Gladstone'« ist da« Werk de« Runstakademikcrt T. Woolner, die de« Lord Beaconofteld ist von Richard Belt für die Corporation von London au«geführt worden. Beide Künstler waren bei der Enthüllung zugegen. Bmkareft. Der hiesige Präsekt läßt wider Gesetz und Ordnung di, Juden, welche polnische Tracht tragen, einsperren. Die Regierung hatte de» jüd. Emigranten Fahrpreisermäßigung versprochen. Aber man versteht c«, sein Versprechen nicht zu halten. Sobald ein Iure einen Paß zur Auswanderung verlangt, werden ihm fast unüberwindliche Schwierigsten in den Weg gelegt. Er muß alle Steuerquittungen und eine behördliche Bescheinigung beibringen, daß er keinen Proceß vor irgend einem Gericht-Hose habe. Gelingt e« ihm nun, diese Papier« zu beschaffen, dann bekommt er einen Paß, um I I Monate sich in der Türkei auszuhal» te». Also ist n: Auswanderer, kein Emigrant, kann folglich auf Fahrpreisermäßigung keinen Anspruch machen. Da» ist rumLnische Wahrheit. (Univ. i«r.) Balt«. Bei der Wahl de« Regierung»-Rabbiner« ent schied eine gewaltige Majorität für Herrn Mehlmann, der bisher Schuldirektor hier war, und g e g e n den bisherigen Rabbiner Spiro. Letzterer, dem Habsucht — selbst Unterschlugung von Unterstützung-geldern vorgeworsen wird (.!¥) — hat beim Gouverneur die Beanstandung der Wahl erlangt. (Iwri) Pooiwe« sRowno). Roch sind die Spuren de« großen Brande« von vor 1'/, Jahren nicht getilgt und wieder sind am 34. Oktober 50 Häuier — ein große« vor 3 Monaten renooirte« <rty hamidrasch und 3 kleine Synagogen — niedergebrannt. Eine gleich furchtbare Feuer«drunst hat in Drudian bei Salanr am 30. Oktober gewüthet. Warsch«». Da« Bestehen der Dickstein'schen Realschule ist in Frage gestellt. Dieselbe war zuletzt von 300 Schülern besucht und ist de«hald so nölhig, weil de- Sadbath« wegen Orthodox« ihre Rinder hier unterrichten lassen. Auch arme Rinder erhielten Freischulen. Hoffentlich werden die Zuschüffe erhöht. Ort», 11. November. Die Stadlbehörde hat die Theatervorstellungen su«pendirt, weil antisemitisch« Demonstrationen besürchtrt wurden. Petersburg, IS. November. Der ,Regierung»-Anzeiger" schreibt: Der Kaiser empfing vor einigen Tagen den Stifter de» Kaiser - Alexander - Collegium«, Herrn Polzakow, in Satschiua in längerer Audienz; er Uetz sich von demsrlben die Pläne für diese Stiftung zu Gunsten der Studirendea vorlege» und sprach d«n Wunsch au«, daß auch in anderen Städte» solche Couvict« für die ftndirend« Jugend errichtet werde». In W«r«tto hören die Mordthaten nicht aus. E« ist unbegreiflich,' daß die edlen Marokkaner nicht zum Antisemitenrongreß geladen waren. S,e rufen den Ungarn zu: Ihr seid nur Stümper gegen un«. Die Re« Korker „StaatSzeitung" enthält eine Schilderung de« Aufstande« der Russen gegen ihre Aufseher auf Ward« J-lanv, nach welcher die armen Rerle faßt ganz Recht gehabt haben. Die beide« Beamten hatten sich angewöhnt, mit Stockprügeln Weib und Rind und Mann zu traktiren! Feuilleton. Kostuth über den Antisemitismus. Au« Pest wird un« geschrieben: Vor einigen Tagen weilten mehrere Direktoren der hiesigen Verlagsgesellschast „Athenäum" in Turin bci Ludwig Roffuth. um mit diesem hinsrchtlich der Herau«gabe de« vierten Janbe« seiner Memoiren einen Vertrag abzuschließen. Die Herren fanden den achtzigjährigen Rossuth so munter und arbeitrlustig, daß er sich sofort bereit erklärte, diesen Band vorzubereiten und in demselben hauptsächlich aktuelle Vorgänge au« dem gegenwärtigen politischen Leben Ungarn« zu behandeln. Gleichzeitig gestattete Kossuth da« einzelne Erscheinen dieser Aufsätze, die denn auch zunächst iu> „Pefti Raplo" publizirt und dann erst in Buchform erscheinen sollen. Der ehemalige Diktator lud die Herren zu Tische, und im Lause de« Gespräch» wurde auch der antisemitischen Bewegung gedacht. Roffuth sprach seinen liefen Abscheu vor diesem in die Mode gerathenen Wahnsinn au« u»d bezeichnet« die Bewegung al« eine verwerfliche, sozial und politisch zwecklose. Wie in jeder anderen Conseffion gebe e« auch in der jüdischen Individuen, die sich gegen Gesetz und Gesellschaft vergehen, und diese müßten einzeln gefaßt werde», wie die Anhänger anderer Ronfeffioiien, die eb>nso geartet wären. Er kenne rührend« Beispiele de« Patriotismus jüdischer Ungarn au« der Zeit de« Brsreiung«krirge», und eine« wolle er auch sofort anführe». Al« die Ungarn im Jahre 1849 zur Offensive übergingen, handelte e« sich eine« Tage« daruo , der hart bedrohten Besatzung Romor»« die Nachricht zu senden, daß ein HilsSrorp« nahe. Guter Rath war lhruer, wer mit dieser schwierigen Miffion betraut iverdeu könnte. Endlich fand sich ein Jude, veffen Name chm eutfalleir. der sich bereit erklärte, Romorn zu erreichen. Roffuth schrieb auf ein Zettelchen die Worte: „E« kommt bald Entsatz. Roffuth." Dieser kleine Streifen Papier wuro« iu eine wiilzig« Gumwikaplel gesteckt, die der Jude unter der Zunge verborgen halten und im Augenblick« der Gefahr schlucken sollte. Der Mann machte ficd auf den Weg. da er jeooch nur de« Nacht« zu marschireu wagte, so verbrachte er die Tage im Schilf oder im Dickicht. Nach drei Rächten unausgesetzter Wanderung erreichte er glücklich Romorn und übergab die Botschaft. Nach adermal« drei Rächten erschien der Jude bei Roffuth, der zu ihm sagte: „Wären Sie Soldat, so würde ich Sie,um Offizier ernennen. Nun verlange» Sie einen andern Lohn, auf einige Tausend Gulden soll e« un« nicht ankommen." — „Herr Gouverneur", antwortete der Jude, „ich laffe mir meinen Patrioti«iuu» nicht dezahlen." Mit diesen Worten zog er rin Papier au« seiner Rocktasche, auf dem seine BaarauSlagen verzeichnet waren Dies« ließ er sich vergüten, sonst nahm er nicht« an. Al» die Reaktion hereinbrach und e« ruchbar wurde, welchen Dienst der Mann dem ungarischen Heere ge> leistei, fühlt« er sich daheim nicht sicher, denn r» drohte ihm!xr Galgen Er flüchtete nach London wo Roffuth und di« Emigranten dafür sorgten, daß der Mann nach Australien auSwandern könne. Seither ist keine Nachricht mehr von chm eingelangt.

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