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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 46. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 46.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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J?Ö7 bilden einen Familienkreis. Durch die bauliche Erweiterung ist auch ein Belkaai hergestellt worden, in dem täglicher Gottesdienst obgehalten wirk; die Borsängeramlözöglinge haben dabei abwechselnd den Cantordienst zu versehen. Die Dil« helmspfl'ge Eßlingcn ist durch den Borstand de« Waisenverein« Hosralh Dr Adolph Levi und durch den Hausvater und zugleich Gemiuarlebrer LeopoidLternzu einer Musteranstalt geworden, wie solche Institute in Israel sich mehren sollen. Oesterreich. Brünn. 91. Oktober. Der „Mä,risch-schlesische Earre» spondenl" schreibt folgend, n sehr beineikenSwerthen Leitartikel zu den jüngst veröffentlichen energische» Erlagen de« Statthalter« Graten Schüaborn an die Bezirk-Hauvtinannschast. in welchen er eine scharfe Ueberwachung jedweder antisemitischen resp. socialen Bewegung zur Pflicht gemacht wird. „Die beiden Erlaffe de« Statthalter« zwingen un«, an die Schande unserer Zeit zu denken, zwingen nn«. ei» ernste« Wort zur Antisemitenbewegung zu sprechen — schreibt da« gen. Blatt: „Man erwarte von un» nicht Loblieder aus den Seini» ti«mu«. Wir sind nicht btind und wolleir unsere Lugen nicht verschließen vor den manchen moralischen Gebresle», welche der Handel und W-i»del der Gegenwart zur Schau trägt. Wir wollen e« un» auch versagen, Untersuchungen darüber anzustellen, in wiefern jene« Wort eine« unsterblichen Sohne» der deutschen Ration aus Ästahrheit begründet sei, dag die Juden «den da« sind, wozu sie die Christen gemacht haben. W>r wollen auch darüber nicht rechten mit den Antisemiten, ivarum sie denn einen ganzen Meuschenstami», eine ganze PvlkSclasse gerade nur nach dem Kebrichl beurteilen und nicht auch der glänzenden, »achahmen«werlhen Tugenden gedenken, welche man in diesem selben Stamme typisch vertreten findet? Wir wollen uns aus einen Augenblick ganz und gar in den G-dankeugang eines Antisemiten hineinleben. Der Jude sei vom Wirbel bi» zu Zehe eine Plage für den Staat, e» sei teilt gute« Haar an den Semiten zu finden. Diesen Standpunkt angenommen, drängt sich zunächst die Frage auf. woher die schädliche Eigenschaft stammt, ob au« dem Bekenntnis,, ob au« der Race. Ta« Bekenntniß kann e« nicht sein, wenigsten« schwören die Luiisemiien Stein und Bein, daß sie gegen die Confeffion gar nicht« einzuwenden baden. Llso die Race. In der Thal zielt der A»liseuiiti«mus au-gesprocheuermaßen gegen da« Jud-nthum al« Race. Wre kommt e« nun, daß diese selbe Race in Frankreich, in England, in Holland, in Belgien, in Amerika, in Italien der aurochtyonen Bevölkerung durchaus keine» Anlaß zu solch' intensiver Feinvselligkert bietet? E« ist doch seltsam, daß diese selbe Race in all' den genannten Staaten aufgegangen ist in die sittliche Gemeinschaft de« Lande«, gegen in Rußland, Rumänien, Pommern und in neuester Zeit leider auch in unserem Heimathlande, allerdings nur von einer kleinen Anzahl von „Weltverbesserern". al« gemeinschäoliche« sociale« Uebel signalisirt wird. Wir sind überzeugt aus diese Borfrage keine Antwort zu erhallen. Der Straßeupödcl ist nicht gewohnt, social - politisch« Probleme ander» al« mit dem Knüttel zu lösen. Der »Pöbel im Ee.deuhule" ist die Antwort auf obige Frage noch jedesmal schuldig geblieben. Auch wir wollen die Frage hier nicht erörtern. Wir nehmen den A»tisem>tr«mu« wie er ist, al« da« wofür ihn ein pflichtdegeisterter Richter in Wien jüngsthin treffen» characterisirt hat: al« .Bastard, gezeugt durch die Kreuzung zweier Zeitideen, der socialistischen Idee mit der Rationalität-idee". Im Orient, in Afrika verfolgt der Muselman, der Semite den Christen al« staat«feindliche« Element, i« freien Nordamerika kehrt sich eine feindselige Strömung gegen den Chinesen. Die Bastarde de« LocmliSmn« und de» Rationalitälenschwindel» lausen, wie »au sieht, unter verschtedeuen Ramen auf Sette« Erdboden herum. I« Orient und Afrika heißt der Bastard Antiarianer, in Nordamerika ' Antichinese, hier Antisemit. Allüberall trägt der Wechselbalg den Stempel seine« Ursprünge« auf der Stirne: der Magen, der Racenwahn sind deffen bewegende Triebe." Krakau, ü. November. (Or.-Lorr.) Auch Matejko. der berühmte Mal-r. hat gesprochen, und hat sich al« Gegner de« jüdischen Stamme« erklärt. Dieser berühmte Maler, Präsident der Maleracadenue, hat zu Anfang diese» Semester«, wie gewöhnlich seine Schüler mit einer Rede begrüßt. Man sollte glauben, daß bei einer solche» Gelegenheit! weder die Religion noch Race berührt wird; dem ist aber nicht so. Herr M. sprach die jüdischen Schüler doch besonder« al» Juden so an, daß der hiesige Porstand > sich veranlaßt fühlte, ihn mit einer Replik int tj efijen »Cza«" eine« Bester» zu belehren Herr M. antwor'ete nicht mehr; erdachte sich:,li.r,. So wollen denn die Ma.er, daß die Ju"e» keine Maler; die Wagner« d>ß die Juden keine Musiker; die Schönerer daß sie keine Advokaten werden. Da» ist de« Pudel« Kern. Der einzige Stöcker meint e« neblich 7,2»^; denn „Hoiprediger" kann ein Jnve doch gewiß nicht werden. Beim Schluß de» Lindtage» in Lemberg sprach ein Redner für da« vollständige Einvernehmen Polen« mit den Ruthe- »e» u..» für die Beseitigung jede« Mißv-rstäiidniffe«: ivr die angeseindeten Juden hatte kein christlicher Abgeordn ter den Willeil und den Mulh, ein Wort zu verlieren. So sieht e« in Galizien an«. Und in Ungarn? da« Demokle»-Schwert , hängt noch immer über den Häuptern der Juten Ein kleiner jüdischer Junge, Ramen« Scharf, hat Un,arn gegen die Juden entstammt. 02 im pp Eine schöne M-stnSzeit da«! und in Wien? Schönerer und Holubek sind sreize-, sprachen worden. Da« ist Master aus die antisemitische Mühte. Pest. Unter den Jnguisitcn in der TiSza-E-zlarer Asfaire mar auch ein gewister Klein. Klein war früher Soldat im österreichischen Heere und zeichnete sich durch seine treffliche Dienstleistungen »nd durch Eifer in Erfüllung der ihm obliegenden Pflichten au« Rach seiner Entlaffung ließ er sich in TiSza-E-zlar nieder und e.nährle sich dort sammt Familie durch seinen Äewerdfleiß redlich. Run wurde er al« dort ansäffiger Jude auch ui Mitleldenschast gezogen, ohne eine I Spur von der ganzen Sache zu haben, wurde er gefoltert, damit er da» aursage, wa« gewiste» Richtern nur so recht j wäre. — Alehemaliger Soldat aber ertrug er jede Unbill! geduldig bier — eben seine Freiheit erlangte. Da« Erste wat Klein unternahm, war — er ging zum König Franz Josef, und erzählte ihm Alle» umständlich. Der Telegraph berichtetet darüber wie folgt: Wien» 7. November. Ignaz Klein, der wegen der Ti-za E-zlarer Affaire monatelang verhallet gewesene und während der Untersuchung gefolterte Jude, wurde gestern in der Ofener Hofburg von dem Kaiser in Audienz empfangen. Der Kaiser nahm Klein überau« holdooll aus und behielt hn eine Bicrtelstunde im Andienzsaal, wa« Sensation machte, da die Audienzen gewöhnlich nur wenige Minuten dauern. Ueber die Vorgänge während der Audienz wuroe Klein Stillschweigen auserlegt; man hört nur, daß der Kaiser vor der Ent» laffung Klein aus die Schulter klopfend, aus ungarisch sagte: „Geh nur nach Hause, mein Sohn, da« Uedrige wird meine Sorge sein!" Pest, 9. November. Sämmtliche Akten Ti«za-E»zlar sind heute von dem Nvirigyhazaer Gericht«hose an den Staat«» anwait Hawa« gelangt. Die Bertheidigung wird den Antrag auf Ausgrabung der Leiche stellen, bezüglich deren Ä.richl«- arzt Dr. Gluck (Gladiu») den Nachweis führen will, daß e» die Leiche der Esther Solymoffi sei. Dem „Diener Tageblatt" wird au« Pest, 9. November, telegraphiri: I» der Eßiarer Affaire ist eine überraschende Wendung ringetreten. Eine Person, welche selbst bei der berüchtigten Leichenschau in Tißa-Dadda mitwirkte, hat vor dem Pester Gerichtshof freiwillig gestanden, daß die aufgefundeue Leiche wirklich jene der Esther Solymoffy gewesen»

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