Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 46.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/5369809-5935096-5938110--4806-5377071- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3Ä6 — Berit», 5. November. (Or.*6orr) Schon vor Wochen war hier ein EomilS zusammengetreten, an besten Spitze der Rechtsanwalt Dr. Guhrauer stand, um den Tag festlich und würdig zu begehen, an dem Herr Prediger Dr. Landsberger vor 25 Jahren die hiesige Friedrich Weroer'sche Israel. Religionsschule eröffnet hat. Die mannigfachen Bemühungen des Coinitä'» habe» an» jüngsten Sabbat ihre» harmonischen Abschluß gesunden. Um 4 Uhr Nachmittagversammelte sich, trotz de« strömenden Regen», «in sehr zahlreiche» Publikum in der Kaiserstraße-Syiiagoge, die dem Comitö von der hiesigen jüdischen Gemeind« bereitwilligst zur Abhaltung eine» Festgoitetdienste» überlasten wurde. Der ivohlgrschulte Chor der jüdischen Gemeinde eröstnete die Feierlich! it mit der Äbsingung pastender Gebete, sodann wurde da» Minhah-Gebet verrichte«. Der Jubilar bestieg hieraus die Kanzel i'.nd schildert« in beredten, namentlich den zahlreichen Kinberschaaren sehr zu Herzen gehenden Worten, die Schwierigkeiten und Kümp'e, unter denen die Schule entstanden sei, und schloß mit Ermahnungen an die Zuhörer, nur in den W.gen Gotte» zu wandeln, der sie bisher geleitet, and der ihm diese schöne Abenrötlie (m-3) seine» Leben» gewährt habe. Mit dem Maariw Gebet schloß van» diese erhebende Synagogenseier. Abend» oersammelten >ich noch etwa ISO ehemalig« Schüler und Schülerinnen, meist schon Familienhäupler, um unter frohem Becherklang und lustigen Tischiieder» diese» seltene Jubiläum würdig zu begehen, in dem großen Saal« der Gesellschaft der Freunde. Nachdem der Jubilar mit einem Tusch und einer Ansprache de» Herrn l>r. Guhrauer int Namen de» Coinllä'» feierlich begrugl worben waren, wurde ihnt eine kostbare Ehrengabe (ein Silberschrank) überreicht. Hieraus hielt der al» Gast amvesende Rabbiner der Schochare Hall ob- Gemeind«, Herr Dr. Ludwig Stein dir Festrede, anknüpsend an den Bers de» Wochenabschnitt»: „Und Abraham war alt geworden und in die Tage gekommen,'' und schilderte in beredten Worteir di« vlelselligeir Verdienste de» Jubilar» um di« Hebung de» religiösen Sinne» in Berlin. Zahlreiche Ansprachen und lustige Toaste, vom San -Rath Dr. Cohn, Dr. Holländer u. s. w. folgten und machten den Abend zu einem höchst genußreichen, so daß wohl alle Festtheilnehmer mit dem frohen Biwußtsein da» schöne Fest verließen, dem verdienten Lehrer eine entsprechende Ovation dorgevrachl zu haben! Coblenz, 1. November. (Or. - Eorr.) Eine Austrittsaffaire mit Knalleffekten Hai sich hier abgespielt, au» welcher zu Nutz und Frommen der Gesammtheit einige Hauptmomente hier registnrt werden mögen. Weil die Gemeinde für da» Grad eine» hier zu Besuch weilenden, wohlhabenden, kinderlosen Herrn die hier übliche Summe gefordert und nicht mit sich handeln lasten wollte, erklärt ein Herr, der die Adoptivtochter des Berstorbenen geheirathet Hane, seinen Austritt ander Gemeinde „aus religiösen Bedenken." Er zahlt noch 2 Jahre seine Stenern, weigert sich dagegen, dre weiterer. 3 Jahre an dgf Zinszahlung für die Gemeiudeschulden zu parttcipiren, weil da» Gemeindehaus mehr einbringt, als diese Zinsen erfordern — und obsiegt damit. Nun zieht die Gemeind« die Ehefrau des Ausgetretenen zu den Steuern heran Die Regierung bestätigt die Stenerpflicht, da nicht anzunehmen sei, daß Mann und Frau stets dieselben religiösen Bedenke» haben sollten und der Austritt der Frau nicht erklärt worden sei. Die Frau zahlt und erklärt mit Handschlag an Eide» statt, daß „auch sie an» religiösen Bedenken anstrrte." Jetzt will die Gemetnde constatiren, daß hier «in Communalfriedhos im Sinne de» LuStriitSgesetzes vorhanden sei. Der Oberbürgermeister weist nach, daß nach den» Statut dieser Communalfriedhof nur für die christlichen Einwohner der Stadt bestimmt sei. Auf den Bericht an die Regierung entscheidet diese, daß die Stadt ein Stück Land zum Friedhof« für Nichtchristen dereitstellen solle. Di« Berhandlungen darüber schweben und bilden «ine interne städttsch« Angelegenheit I Wir wolle« unsere ftrt, während sie non dem Gesetze nur (U sencnbin« angesehen wird. iRetz.) Herren Orthoitoxen daran mahnen, daß sie un» den Segen diese« Gesetze» gebracht. Ha»b»rs,S.November. (Or.-Cor) Einen höchst erfreulichen Beweis de« Wohlwollenhat die Bürgerschaft in ihrer gestrigen Sitzt.ng für die hiesige jüdisch« Gemeind« an den Tag gelegt, mdem sie einen ihr Tag« zuvor vom Senate mitgetheilten Antrag, aui unentgeltliche Ueverlastung einer Platze» an di, selb« von 1170 Quadratmeter» Flächenraum zum Bau eint» Schult,ause», ohne Weitere» genehmigte. ES hand'lt sich hier um ein Schulgebäude, weichedie Zöglinge der Ividen bisher getrennt geleiteten Unterrichtsanftalten, der is:aelitisch«n Mldchen'chul« von 1798 und der Mädchenschule der (Gemeinde, «imt vierhundert Schalen ne» zur Zeit, auss»nehmen bestimmt ist. Der Platz selbst eignet sich vorzüglich für diesen Zweck, indem er di: Ecke zweier Straßen biloet und die Schule daber von beiden Seiten Lust und Licht erhalten wird. Er gestattet di« iirrichtunq eine» Gebäudes mit sechzehn Elastenzimmern samnt der Wohnung des Directors und gewähn außerdem hin,eichenden Raum für Spiel- und Turnplätze. Die Kosten de« Bane» trägt wie bereit» früher von un» erwähnt, da» Mitglied des Gemeindeooi stand» Herr M. Nordheim. Obiger ljlatz ist seit kurzer Zeit der dritte, welchen die Behörde der Gemeinde für geineinnützliche Zweck« unentgeltlich übeclasten hat. Au» Wirtte»berg. Da» „Stuttgarter Tageblatt" bringt folgenden Artikel Über da» israelitische Waisenbau» „Wilhelmspflege" in Eslingen: Bom Neckar. Soeben ist der Bericht de» israelitischen Waisenhauses Wilhelmspflege in Eßlingen über da« Berwaltung-jahr von 1. Juni ,881 bi» 31. Mai 1882 erschienen. dem wi> Folgende» entnehmen: In ungetrübter und unentwegter Verfolgung seiner Äuigabhat der Berel» da» zweite Halbjazrhuudert seiner Thätigkeit angetreien. Nur die bauliche Umgestaltung de» Hause» brachte m da» sonst ruhig« A»stalt«leben und in den sonst so geregeltn Unterricht-gang zeitweise eine unliebsame Störung und Unterbrechung. Es läßt sich bei Schluß des Berwaltung-jahre, noch nicht genau l>«»leffen. wie hoch der Aufwand auf da- Bauwesen sich beläuft; bi-her sind 12,00» Mt. verausgabt worden. Gleichwohl hat sich Dank der hochherzigen Stiftung des Herin Partikulier H B. Goldschmied«, welche nuiimehr im B.trag von 32,000 Mk. dem Kapitalbesitz der Anstalt einoerleibt wurde, da» G> »ndstockoermögen nicht nur nicht vermindert, sondern erheblich oernieyrt. Ausgetreten ist im Borjahr 1 Zögling, ausgenommen wurden neben zwei Aortbildung-schülern 7 Zöglinge, in Fol,e dest.» der Zöglingsstanb auf 40 gebracht in, eine Anzahl, di« e» dem Hau-vater und Lehrer gerade noch ermöglicht, urler Berücksichtigung der einzelnen Eventualitäten ein befriedige ide» ErztehungSresultat za erreichen. „Das erweiterte Feld ihrer Wirksamkeit", heißt eS mit Bezug hieraus, „wird die Le.tung der Wilhelm-pflege zu gesteigerter Thatkraft und unxrwanbter Umsicht aneisern, die WohUhäier der Waisen ab.r mögen auch fürder nicht ermüden, diese Segensquelle zu spe sen und in Fluß zu erhalten." — Der Nelwrsicht über die Ausgaben und Einnahmen entnehmen wir folgend« Ziffern; di« Gesammteinnahmen, einschließlich der eing gangenen Kapitalien 170.S43.SS. Mk. Die GesammtauSt aben 148.SS6.S0 Mk. Hiernach verbleiden Mk. 31,658.07., und wen» die «u-gaben für Erweiterung der Gebäulichkeit«» mit Mt. 11,190.10, in Abzug gebracht werden, so dleiinn noch Mk. 10,467.97. Da« vermögen der Anstalt beläuft sich ausschließlich des Werthe« des Hause« aus Mk. 212,53«'.56., um Mk. 21,585.83. mehr al« im Vorjahr. (Der Zuwaä» rührt her von der oben schon erwähnten Goldschmidrschen Stiftung von Mk. 22.869.4 Psg.) — Di« A> statt hat auch di« israelittfchen Schulamtszöglinge gegm billig« Entschädigung in Verpflegung. Der Hansouter und seine Frantlie sind mit der Anstatt eng verbunden nutz