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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 46. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 46.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 354 — Methode, die kein« spec'ftsch jüdisch« und am wenigsten eine religiös vorgeschriebene ist. Jndetz wird durch Anwendung der Schutzmarke da« Thier ebenfalls gewaltsam zu Falle ge» bracht. Auch wir sehen Verbesserung?« dieser Methode entgegen »nd haben eine solche znm Theil schon in der Aufwindung de- Schlachtviehes. Nicht minder sollen di« langen Vorbereitungen zum rituellen Schlachten al« inhuman und thierquälend gelten, weil sie eine Beängstigung de- Viehes zur Folge haben und diese wiederum den Werth und die Haltbarkeit de- Fleische» vermindere. Trm entgegnen wir, datz die Näh« de» Schlachthauses und die Witterung des Blutgeruches da» Vieh schon ätrgstigt. E» dürste sich daher rn Rücksicht an' Humanität und Thielschutz empfehlen, die Thicre gar nicht mehr zur Schlachtbank zu führen —! Der Thierschutz ist den Juden ja relixionSgesetzlich anfgetragrn, ist also eine alte Lehre de» JudeiiihumS; für die Juden bedarf es nicht erst der modernen Anregung durch Thierschutzvereine, um auch Thierc nicht inhuman zu behandeln. Ein solcher HunmnitätSschwindel aber, der die Thiere zur Schlachtbank führt und ihnen Polsterkiffen unterlegen möchte, ist krankhaft und im Hinblick auf die viel gröbere JnhuuiamtSt, wie wir sie oft gegen Menschen und neuerdings besonders gegen Juden vielseitig üben und anre- J gen sehen, vielleicht gar «'heuchelt. R.-A. i Was lehrt uns der Prozeß Conrad? j Offene» Schreiben de» »r. jur. I. Levy an Herrn! Hosprediger Stöcker. j Hochwüidiger Herr! Wer an Ihrem Genie noch einen , Zweifel hegte, der wird Ihnen neidlos die Palme reichen, I seitdem Eie den tiefen Zusammenhang zwischen dem Mordprozrtz Conrad und dem Berliner Wahlrefultat entdeckt haben. Außer Ihnen hätte 'Niemand den Sprung von dem »Sieg der Juden, Judengenoffen und Judenknechle" auf den Blutuunschen, der dem Beile de» Nachricht«» verfallen ist, zu vollführen gewagt. Sie haben da» Unmögliche zu Stande gebracht; Sie haben ergründet, datz dieser Wahlsieg ein »fortschrittlich-jüdisch-atbeistischer" ist und daß Conrad nur »ein Zeichen für diese Bestrebungen-. Ihnen dient der Vatermörder zu enegische» Angriffen aus die Bildung, welche »wohl schlaue Schurken, aber keine Tugendhelden macht"; Sie wissen e», datz diese .Giftströme" von der »schlechten, gottlose» Preffe" auSgehen, wenn Sie auch freundwillig zugeben wollen, datz »jene Preffe die Unthat nicht direkt angestiftet" hat, und Sie rufen sogar von irgend einer Aeutzerung, die der Mörder gethan, ihren -«egten Hörern in» Gesicht: »Kenne» Sie die» Wort? E» ist da» Wort Dr. Straßmann'»!" Sie sind dewund««ngSwürdig, H«r Hosprediger, al« Theologe, al» Polittk«, al» Philosoph. Wer hätte gleich Ihnen da» Bibelwort gedeutet: »Lied« deinen Nächsten?" Wer hätte gleich Ihnen einen Mörv« an kie Rockichütze der Presse, de» Libera1i»mu», der freireligiösen Genieinde und Friedrich Schiller'» geheftet? Wer hätte gleich Ihnen den geheimen Sinn d« Formel »Kampf um'« Dasein" in d« Lehre gesunden, »datz et« stark« Schurke den ehrlichen Schwachen Niederkämpfen, eir. Raun se»n« Frau und Kinder «gurgeln kann?" Rein, ehrwürdiger Mann, da» thut Ihnen kein Ziveit« nach und glaubte « auch gleich Ihnen selsenhaft an »böse wie gute überirdische Mächte* und mit Ihnen »sogar an den Satan*, von dem heute selbst Ihre Kollegen vom Dom nicht» »ehr wissen wolle«. Net«, Sie find einzig in Ihrer Art. Sie fiad uuvergleichlich, und Ihr Name wird sortledea in kommenden Geschlecht«». »Ab«, hochwürdig« Manu, gestatte» Sie einem Ihr" Bewunderer eine bescheidene Frage. Sie sagen: »Habe« d.' Berliner Bürger. die Bewohner der »Srotzstadt d« Intelligenz". so wenig verständmtz für die Situation, datz sie angesichts so ent rtzlicher Zeichen der Zett da» Hell in einem fortschrittlich-jildisch-athnstische« Wahlsieze erblicken, desselben Geiste», der »an zwei Jahrzehnte geherrscht und solche Früchte zeirigtigt!" Ständen diese Worte nicht in Ihre« »ReichSdoten", man würde an einen Jrrthum de» Berichterstatter» glauben. Wer hat seit zwei Jahrzehnte» geherrscht? Der Fortschritt, da« Judenth.unl. der AtheiSmu»? Da« kann nicht wohl Ihre Meinung sein. Herr Hofprediger; denn Sie wissen sicherlich, datz seit zwei Jahrzehnten der evangelische, christqläubige. konserva'.io« Fiirst von Bi»marck herrscht uns dem öffentliche» Leben seines Geistes Stempel aufdrückt. Und Sie werden sich der Albernheit nicht schuldig machen, den Minister Präsidenten mit dem Mörder in Zusammenhang zu bringen. Vielleicht ab« sind Sie der Meinung, die Kollegen de» Fürsten im Mm'sterraih hätten seit zwei Jahrzehnten jenen »Geist" bethätigt. Aber wer waren die Genossen de» Kanzler» fett zwei Decennien? Wir gehen die Reihe der Minister durch, und. He« Hol Prediger, nicht einen Fortschritt-maun, nicht einen Juden, nicht einen Atheisten vermögen wir zu finden, wohl ab« di,' Hälfte der Frist Ihren idealen Pfleger de» echten christlich germanischen Volksgeistes, Herrn Heinrich von Müh!«. Lösen SiHerr Hosprediger, die Zweifel Ihrer Anbeter! Wie ist dn fortschrittlich-jüdisch»atheistische Geist zur Herrschaft gelangt? Wer hat ihm zur Herrschaft verhelfen können? Wo eige tlich herrscht er? Im Staate? Dann wenden Sie sich an Ihre Parteigenossen, welche noch nicht ei» einzige» Ministerportefeaille an den Fortschritt abgetreten. Ja Berlin? Dann hätten Sie nicht selbst erwähnt, datz Conrad gar kein Berliner war, sond«n erst spät in die Hinptstadt eingewanbert. Und wi', Herr Hosprediger, kommen Sie darauf, datz dieser Geist gerade zwei Jahrzehnte jetzt herrsche, just seil dem End« der »neuen Aera?" Da Sie den Mord nicht ohne Geschick auch dem Kampf gegen Kirche und Äonfeffionsschule zur Last leg-n, so sollte man meinen. Sie würden den Geist, den Sie begreifen, nur um ein Jahrzehnt znrückdatire», vielleicht bis zur lldlöfung Mühln'S durch Falk, wie ja Falk auch für Hoedal verantwortlich sein sollte. Oder hätten Sie vielleicht einen besond«en Grund, den» Geiste Falt'» rückwirkende Kraft zu verleihen? Sollte — aber das wäre kaum denkbar bei eirem Diener am Wort mit dem Schwerte der Wahrheit — sollte dies« Geist nur darum eine zivanzigjährige Herrschaft erhalten, uni Conrad al» Produkt diese» Geiste» bezeichien zu können? E» ist schade, He« Hosprediger, datz Sie nur an dieser Stelle ganz geh:im an da» Alt« de» fünffachen Mörder» gedacht zu haben schein, n. Sehr würdiger H«r, Conrad ist durch die Falt'sche Schule nicht gegangen; er ist im Jahre 1848 geboren und hat die Elemente »rellgiös-sittlicher Bildung" ausgenommen in;«ii« Schule, für welche Sie schwärmen, in einer Zeit, da der Weizen Ihrer politlschen und kirchlichen Parteigenossen in vollster Blüthe stand. Der Mörder ist hervorgegangen an» d« konfessionellen Schule nach den Regulativen; er hatte alle jene unzähligen Bib-lverfe und Gesangbuch lieb-r au»o«ndig lernen müssen, durch welche die Minist« Raum« u rd Mühl« bi» zur Ernennung Falk'» die blotze Bildung zu ergänzen oder vielmehr zu ersetzen suchten. Wenn Sie darum in dem grausigen Blutbad« durchaus dea üblicheu »Finger Göltet" sehen wollen und auSrusea: »Gott will damit di« schlafenden Gewissen «wecken" — obwohl einem dunkeln Gerüchte zufol^ solche Unthaten auch schon vorgekommen find, al» von «in« Herrschaft da» sortschrittch jüdisch-atherstischen Geiste» schlechthin keine Rede sei» konute — sollten Sie dar.« nicht eh« Aulatz haben, a» die eigeue Brust zu schlage» »»>> sich zu fragen, ob jene konsessioaelle Schul« »ach orthodox«» Rezept nicht viel «ehr geeignet «t»r «ad ist, die Pflegebefot lenen der Religion' und Sittlichkeit zu entfremden al» ste-thr zu «halte«? Bieüeicht. tzerrHofpr big«, entsiuarn Sie uh, daß - di« Fortfchritt»part«t noch garuicht

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