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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 45. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 45.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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d«n katholischer Gläubigkeit steht. Den» abgeseh« davon, daß de» Inden die specifisch-<hristlich« Lehr« und Dogmen, dt» Phas« ihrer geschichtlich« Entwicklung, dt« Bekeuwtuiß' anttrschtede »wische« d« verschied«« Sekten, Partei« «d Kirche». selbst vi« in unser Jahrhundert hinein ein« terra , incogniia war, und der bete. Jude von der dem Abendi mahl gegeben« Bestimmung fichkr nicht» «ißt«, «ktrderiu« solch« That, wi« die, der« der Jude beschuldigt wurden unbedingt voraussetz«, daß derselbe an dt« Dreieinigkeit etwa im Sinn« de» athanaftantsch« Symbol» geglaubt, somit aber aufaehört hätte, Jude zu sein, dem Judenthum auiugehür«. Daß aber Letztere» nicht der Fall war, beweist, daß der Jude mit dem TalmUd in der Hand sich verbrennen ließ, also seine« Stau- > brn treu blieb. Dieser Widerspruch in sich selbst — was I verschlug er bei }«« fanatischen München «ad Priest»«, den« der Seist der Wahrheit und da» Gefühl der Mensch- \ ltchkeit längst abhanden gekommen waren, und die gtwöhnlich vergleich« Beschuldigungen ausdracht« »nd die versoigungen in Scene setzt«? — Di« katholischen Kirchenfürsten haben sich gewöhnlich von solchen« Treiben fern gehalten und viele von ihnen war« sogar gegen di, Juden wohlgesinnt. — Die Theorie de» Paschosiu» fand Übrigen« vielfache» Widerspruch. Wollte man da» Bo!k für vergleich« Theorien gewinnen, so bot e« fjTofec Schwierigkeit. De»« dieselben be«hten gewöhnlich aus ublim«, compttcirten Sedankenreihen, die »war für den Theologen leicht faßlich unv »roßgebend waren, aber nicht für ein Bott, da« ohne Schulbildung, in Unwissenheit und Rohheit aufgewachsen war. Dahingegen war ihm die concret«, wenn auch erlogen«. Thal leicht begreiflich zu machen: ein Jude hat eine geweihte Hostie in ligasser u»o O l gekocht »nd ein Kind schwamm daran» War Vieri,nt nicht die Lehre des Paschasin« dkstätigt, unv zwar selb,« in der Hinsicht, daß Christus seinen Leid auch Ungläubigen darbietet, wa« besonder« viele» Widerstand gesunden halte? — Und wegen eine« Sacnlegiuin«. va« Lllge uni BoSheu einem einzelnen Juden angesonne», wurde nicht nur dieser verbrannt, sondern in von der Residenz fernen Ortschaften, wo sie die Macht de« König« nicht zu schützen vermocht, wurden viele Juden ermordet und ihrer Habe beraubt. Die Religion diente also zum Deckmantel der verruchtest« Verbrechen. — Im Anfänge de« 12 Jahrhundert« ist die Beschuldigung aufgekommen, die Juden durchstäche» geweihte Hostie». b»» da» Blut daran« flöge und in Folge deffen wurde» ganze Gein.lnd,» dahiugefchlachtet. Nicht lange nachher ka.n die Beschuldigung auf, sie verweil delen zur Bere.luag de» Osterkuche» Blut von Cbr»ste»kn>dern, welche >»b.r».rats so schr.ckliche Folgen >ür sie hatte. Beide Beschuldigungen liehe,, „ach mr>»e»> Dafürhalten auf dein- > fe.be,i Lugengrund, fließe., >,»« einer und derselben Quelle, hare» aber beide erwiese,>er,»aß n i>» Jusentaun,« nicht de» geringsten Anhaltspunkt. D,e Hostie war bekannilich «ine Nachahmung der bei der Passahs rer vorko.,»nende» Mazzoli', und da tonnt» inan vermittelst einer irrige», ja rolle» Jdeenaffoc>ation, zu welcher, wie die Psychologie l>t»rt, der uiigebildete Mensch sehr geneigt ist, leicht dazu gelingen, der Beschuldigung, die Juden hätte» Hostien durchstochen, ivoran» Christi Blut floß, di« W-ndung zu gel>«u, vre Jude» verbrauchte» ja auch zur Bereitung der Mazzolh da» Bt»t von Chr»Ne»k»nv«rn, e» s«r demnach ja auch i» den Maz,vtv Christenblnr enthalte», ähnlich wre l» der Hostie — Daß den Israeliten da« Mazzothgebor von Mose« schon 10 Händert Jahre vor Christ» Geduit. also zu einer Zeit «ingeschärft wurde, wo man weder an Christus. »och a» Christen!,»der denken konnte, blieb von dem blinden beutesüchligeu Fanati«»,u« unbeachtet. — In Betreff der «»tweihten Hostien führt Giesrer (Krrchengeschichle, Theit 11., «blh. 3, p. 314) m.hrere Fälle an, in den-n e« zu Tage kam, daß tügnerrich« und durch G.lb erkaufte Priester ,e»e Beschuldigung oeraniaß te», und hrusichtlrch der letzteren Beschutdrguug hat der gerechte und huurane Papn Jnnocenz I V. gm 5. Juli 1847 an alle Erzbischöfe und Bischöfe ein Schreiben erlassen, wonach alle diejenig« mit geistlichen Strafen belegt werden soll«, welch« solch« falsch« Beschuldigung« geg« die Jud« erheb«. In der damalig« Zeit, wo in viel« Provinz« alle SerichÜbnrkeÜ i» d« Händ« der Bischöfe lag. involoirt« die gastlich« Straf« auch di« weltlich«, bürgerlichen. — Da» geschah im IS. u. 18. Jahrhundert. Dahingegen im 19. erhebt ein« Zeitung in der Hauptstadt de» dwttschen Reiche«, de» Staate« der Intelligenz, all« Ernste« dieselbe unsinnige Beschuldigung geg« Jud« und verbreitet sie in Taus«d« von Flugblättern, und der Redacteur — geht frei au«. Darmstadt. M. Mannheimer. Berichte und Torrespoudenzea. Deutsch!««». Leipzig. Ueber di« Affaire von Tißa-Eßlai) äußert sich Pros. Ur. Kranz Delitzsch wie folgt. »In der durch de» Fall Tißa-Eßlar wieder ausgetauchtm Blutsrage habe ich bereit» zwei Zeugnisse abgegeben, welch« von Köln und Berlin au« nach Ungarn gelangt sein mögen; doch will ich auch Ihr« Aufforderung nicht ohne Scho lassen, da eine dreifach« Schnur umso unzerreißbarer ist. In jenen beide» Gutachten habe ich eingehend die Thatsache begründet, daß sich in den beiden Ta mud.n nicht nur leine Borjchrlft findet, welche rituelle Berwendung nicht-israelitischen Menschen blute« fordert oder empfiehlt, sondern daß sich auch in dem dort durchgebildeten Ritualgesetz schlechterding« kein Anknüpsuug«pu»kt für diese Jnsinnation entdecken läßt. Sie ist ein re,n>« Phantasiegebitce, ein grundloser Wohn» eine Ausgeburt der Unwissenheit, Feindschait und Lüge. Die Civihä cattulica tui Jahrgang 1881 pag. 731 lügt ihren Lesern vor, die BiutverWendung skr eine geyeime Traditio», welche absichtlichlich nur mündlich tursire, und zwar nur al« unter Verschwiegenen und Zuoerläffigen sich fort rbende« Geheimniß. Da« ist ein ueuer Versuch, die verlorene Sache der AnNage zu retten, indeur inan da», wa« al« schriftliche Halacha (Gesetzesvorschris«) Nicht erweisbar ist, zu einen nur den Eingeweihte» bekannte» Minhag (Brauche) stempelt. Aber auch dieser Versuch ist eine Sande gegen da« Gebot: ^,Du sollst nicht fatsch Zeugniß reden wieder deinen Nächsten." Bel meinem Verhätlniß zu der Juoenmiffwi» bin ich seit nun QU Jahren „tu eurer Unzahl von Proselylen beta.rut grwo»den,ave: ich kum vor Gott versichern, daß kein einziger von zeneu» mö»de»rfchen Äeb-auhe etwa« »vußte — alteert. allen einstimmig Die Blutanklage für e»ne unsinnige lrrftndung. Die Berföhnung der Synagoge mu der Kirche »st von jeder e»n Hauptziel meiner Segnsucht. Unt o unsympathischer ist mir die Vertiefung der Kluft durch den antisemitischeil Racenhaß uno die antlfemilische Ausbeutung des immer noch unaufgehellten Geschicks der Esther Soiymoji, deren Mörder — iveirn st« gemordet worden ist — Nicht bio« von chrisUichem fonverir auch von jüdischem Standpunkt et« den Namerr Gotte» schändendes Sleuiat sein würde- Wollen sie dieses mein Zeugniß veröffentlichen, so würde ich »»ich »'»neu, weuil e« etwas b>itrü.,e zur Bändigung der rntsenetleu Furie d.s vie Lüge zu seiner Waffe »rachenvenHaffes". irr schreibt ferner: „Vor nun »rehr als zehn Jahren legte mein 'Freund, Prediger David Hoffler (jetzt in Frankfurt a. M.), einen deutschen Kom»»enlar zu den Strafgesetzen »u 3. Mo,., Kap. 20, versagt von dem mit ihn, befreundcte.l Pro,«ffor Basitiut Levisohn in Jerusalem, zu beti.blger Benützung in merne Hände. Im Iah.gang 187U 2. 49-55 meiner Zeitschrift „Saat auf Hoffnung" habe ich au» üer umfänglichen Handschrist «in Stück umer der Ausschrrst: .die gegen die Juden erhobene Beschuldigung, daß sie Christenblut gebrauche» veröffentlicht. GS schließt Mit einer nachdrücklichen Betheuerung der Richtigkeit der Btutanklage, einer so feierlichen Beschwörung ihrer Lügenhastrgkeit, daß e« zeitgemäß fern wird, diesem Zeugniß aus ju'enchrist.ichem Mu::d« eine weitere Publi-

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