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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 44. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 44.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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341 Freud« an der Nchawa gab ihnen Step und Weih«. Spät erst trennten wir un». in der Ueberzeugung, daß der Tag dem Werke, da« so gut begründet ist. dauernd zum Segen gereichen wird —, »fröhlich und wohtgemuth" Bleichende. Gegen Mitte April d. I. kehrte in unser Städtchen ein vor seinem russischen Verfolgern gepflüchteter Wanderer mosaischen Glauben« hier ein. Bei Einnahme seine« Abendbrot»«« hatte derselbe da« Unglück, sich derartig an der Hand zu verletzen, daß er die Güte eine« menschenfreundlichen Arzte« in Anspruch nehmen mußte. Derselbe empfahl ihm einige Tage Ruhe und dieserhalb Rachsuchung um Unterstützung und Aufrnthalt-erlaubniß bei der hiesigen Polizeiverwaltung. Letztere jedoch, eine peinlich« Untersuchung unsere» ohnehin genug gestraften, von der Heimath und der Familie verjagten Unglücklichen vorziehend, fand einige Sparpfennige bei ihm vor, und w:r die Folge davon, daß ihm wegen Vagabondiren« der Aufenthalt im hiesigen Gefängniß a»gewiese» wurde. Hier hatte wohl die erhaltene Wunde Zeit zu heilen, jedoch war auch umsomehr Muße gegeben, dagegen «ine seelische Wunde, die Angst um di« Angehörigen, die überall hin in die fernen Länder gestreut sein konnte», um so stärker blute» zu lasten. Da« Mitte Mai zusammengetrelene Schöffengericht entschied über da« Schicksal de» Gefangenen und verurtherlte ihn wegen Vagabondiren« zu vier Wochen Gefängniß unter Anrechnung der Untersuchungshaft, und wäre damit derselbe frei gewesen, wenn nicht noch — Ueberweisung an die Landr«polizeibehörde bedungen wäre. Letztere zog jedoch vor. unfern Gefangenen vorläusig hier zu belasten, um zuvor über denselben bei seiner rustifche» Heimath-Behürde sich zu erkundigen. Daß letztere bei den bekannte» Zuständen e« mit der Antwort nicht so eilig hat, ist ja zur Genüge bekannt, und so sitzt der Aermste noch hier, seiner Frerheit wegen einer Bagatelle beraubt, getrennt von seinen Angehörigen. Rur einen sreien Tag hat derselbe während dieser lange» Zeit gehabt, indem r« den Bemühungen eine» geachteten Mitbürger» gelang, ihn gelegentlich de« höchsten jüdische,» Feiertage», de» versöhnungetageS, während de» Gottesdienste« frei zu mache». Saarlaui«, im Oktober. (Or.-Eorr.) Am 26. vorigen Monat» fand hier ein L. ichrnbegängniß statt, wie e« lang« in unser» Mauern nicht gesehen wurde. Ein unübersehbarer Zug — in den vordersten Reihen da« gesammte Offizierkorp«, die angesehensten Bürger der Stadt — folgte der Bahre de« am versöhnungslag. im 60. Leden«jahre bahingcschledenen Garnison- und Stabsarztes, Herrn L)r. Juliu« Jakobi, der mit dem eisernen Kreuz. dem rolhen Adlerorden und anderen Ehrenzeichen decorirt war und sich während seine« kurzen hiesigen Aufenthalt« die Liebe und Achtung Aller erworben, die mit ihm näher in Berührung kamen. Der Oberradbiner zu Trier, Herr l)r. Zuckermandel, stellte da« Leden«d,ld de« verstorbenen in kräftigen Zügen dar, hob seine Liebe zur Wiffenschast, zuin Baterlande und zum 'Redenmenschen hervor, wodurch er dem Namen Jude Ehre machte. Die Rede ließ bei den Zuhörern einen tiefen Eindruck zurück. Die jüdische Gemeind« sowohl al« die verschiedenen Ver» eine wetteiferten mit einander, ihre Hochachtung für den verstorbenen durch Ehrenbezeugungen an den Tag zu legen. Die Gemeindeverwalung überließ ihm die Grabstätte aus dem isr. Friedhöfe unentgeltlich. Der üi-inilluth-ChaMedini-!8«trin stellte den Leichenwagen und Ehrenpagen zur Begleitung £ichfall» unentgeltlich. Da« ehrt nicht minder den Verstoricn wie die Gemeinde und Vereine von Saarloui«. R«tzla«d. Warschau. Zwei arme Juden waren aus Rosch-haschonoh in einem Lriminalprozeste al« Zeugen vorgeladrn. Für ihr Nichterscheinen wurden sie mit je 25 Rudel bestraf«. Der «jhtrttt Marsch." meint, daß da« Verfahren de« Richter den bestehenden Gesetzen zuwiderlaufe. — Rach dem »Wirt" ist auch der Antiquttäteuhaudel, den einige Juden Kiew«, und besonder» Herr Jlfitzky, schwunghaft betreibt, gewissen Leuten ein Dorn im Auge. Diese haben da« Consistorium veranlaßt, den Geistlichen den Verkauf kirchlicher Alterthümer an Juden zu verbieten, und di« Frechheit gehabt, an städtische Behörden da« Ansinnen zu stellen, diese sollten den Juden den Antiquitätenhandel untersagen. (Hazephira.) Petersburg. Ein Wohlthäter im großen Stil ist der Russe Poljakow, der außer den zur Errichtung de« Kollegium« gespendeten 200,000 Rbl. für andere wohlthätige Zwecke bereit« über 2,000,000 Rbl. hergegeben hat. Der ,Regierung« - Anzeiger" zählt in seinem Berichte über die Einweihung und Eröffnung de« Sudentenkonvikt« u. A.> folgende Spenden und Stiftungen aus: Da« Lyceum de« Eäsarewitsch Rikolai, die Schule de« Baron« Delwig, weibliche Gymnasien im Westgediete ein Gebäude iür eine weibliche Handarbeitschule und für ein Asyl zur Versorgung und Bildung armer Kinder, Bildung de« Fond« der Gesellschaft zur Förderung der gewerbliche» und Ackerbau - Tbätigkcit unter den Juden Rußland«, Spenden zun» Besten de» Rothen Kreuze«. Grü, düng jüdischer Privatschulen, Beschaffung jüdischen Religion-unter richt« >n den Gyinnasien de» Wilnaschen Lehrbezirk«, ein Kinderasyl in Woronesh, da« Gebäude de» Gymnasium« ebendaselbst, Tlieater, Ho-pitäler, Asyle rc. rc. Auch jetzt wieder wird, wie die »N. Z." berichtet, auf K»>en Poljakowin der Nähe de« Preobrasben-ki-FnedhoseS ein Armenhaus für alte und kranke Juden gebaut werde». RumSnie« Jassy. (Statistisches.) Einem offiziellen Berichte de« Polizei Präfekten der Stadt Jassy entnehmen wir folgende Notizen über die jüdischen Einwohner und ihre Berufs« arten im Verhältnisse zu den christlichen Bewohner» der Mol» dau'schen Hauptstadt. Im Ganzen zählt Jassy 14,633 Fainilienhäupter, davon gehöre» der jüd. Confessio» 7030 an. Diese Familienhäupter repräsentiren ein« Gesamnitbevölkerung von 54,011 Seelen, von Veiten 15,060 Männer, davon 7 6 6 0 Juden; 16,224 Frauen, davon 7673 Jüdinnen; 10,761 Knaben, davon 67 46 jüdischer Eonfeffion; 11066 Mädchen, davon 7 7 58 jüd. Eonsessio». Somit beträgt die jüd. Bevölkerung Jassy'« 20,84 6 Seelen. Unter 3530 Kaufleuten sind 2 62 0 Juden.*) Unter 4750 Handwerkern sind 3110 Juden. Ergänzend fügen wir diesen offizielle» Angaben »och hinzu, daß unter den jüd. Handwerkern nicht' nur Schiitider und Schuster, sondern sehr viele Tischler, Schlosser, Maurer u. s. w. sind. Außerdem sind die iiieisten Metzger, Lohnkutscher und Leben»mittelv rkäuser in Jassy Juden. Trotz dieser offenkundigen Thatsachen hören die rum. Blätter nicht auf, den Jasiyern Juden den Vorwurf zu machen, daß sie arbeitsscheu wären. Arbeitsscheu ist kein Jassycr oder Moldauer Jude, wohl aber gibt e« viele Beschäftigung-lose, und dazu hat sie die harte und ungerechte Gesetzgebung der letzten Jahre gemacht. U. Bockarrfl. ,Wo Alle» liebt — kann Karl allein nicht Haffen. Wo Alle« im Jndenl>ab macht, wie sollten die Deutschen da Zurückbleiben?" Deshalb hat die unter der großen Hamburger Loge stehende Freimaurerloge »Brüderlichkeit" damit angefange», keine Juden auszunehmen und e« dahin gebracht, die jüd. Mitglieder hinanrzubrängeln. Die deutsche Turn- und Schützengesellschaft, di« zur Hälfte au« Juden bestand, hat durch allerlei Ehicane die jüd. Mitglieder zum Austritt gezivungen (die Gesellschaft besitzt Hau», Mobiliar und 30000 M. Vermögen, wovon die Juden einen großen Theil hergegeben haben). Dieser Gesellschaft gegenüber haben ') In der letzte, Zeit rühmten die rumänischen Blätier Bezug nehmend aus ein Rundsqreiden einer tzandelet-mmer in Deutschland, daß bei rumänijwen Kausleuten wenig Falliment« Vorkommen, und dag di« weitau« gräbt« Zahl der seit 1870 gerichtlich mi«ge»ragenen Falliment« den ja». Kausteuten zur Last fallen Natürlich, e« gilt im chanzen nur 584 rum. Kaust, ute, die Andern such Juden un' Fremd«.

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