Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 43.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/5369809-5935096-5938107--4781-5377049- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Mohel 1× ep/1006163
OCR text
-~- 334 — tuitfl gerettet zu haben, der diesmal der so arg bedrückten israelitischen Bevölkerung zu Tute kommt. Die man au» Warschau berichtet, hat da» Warschauer Kret«-Appellgericht einen Beschluß von prinzipieller, sozial-politischer Bedeutung gefaßt. Einem Israeliten, welcher käuflich ein Landgut erworben hat, wurde in erster Instanz die Jntabulirung verweigert, und al» Grund dieser Weigerung der am 18. Mai l. I. erlassene, die Rechte der Israeliten in den Gouvernement» de» Kaiserreich« betreff» Erwerbung de« Grundboden« beschränkend« Uka» angeführt. In ihrer Berufung an die höhere Instanz hatten beide am Kaufe de« Landgutes betheiligt« Parteien den Grundsatz verfochten, daß die Rechte der Israeliten im Königreich« Polen durch besondere gesetzliche Normen geregelt sind, welche kerne Einschränkung b.treffend Erwerbung von Grund und Boden enthalten, daß ferner der besagte Uka» nur in der» ruffischen Gouverneinent« mit Ausschluß de» Königreiche« Polen wirk'am ist. Di« zweite Instanz hat diesen Lu«sühru»gen beigrpflichtet und die Jntabulirung de» detreffenven Israelitin al« Eigenthümer de» Landgüter angeordnet. Dies« Entscheidung hat allgemein «inen günstigen Eindruck gemacht, wiewohl auch in diesem Falle die jetzt in Rußland herrschend« Unsicherheit der Recht«verhältniffe zu Lage tritt. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Gegenüber den mannigfachen Angriffen, welche die Beschneidung zu erdulden hat, ist e» erfreulich, Urthelle au» Fachkreisen zu registiren, welche ganz ander» lauten, al» jene» laienhafte Gleichheit«g«dusel. l)r. Eastelain, von der mock. Facultät in Lille schließt eine Arbeit, in welcher er die Bcschneidung in hygienischer und chirurgischer Beziehung betrachtet hat, mit folgenden Worten ab: „ES ist zu bedauern ebensosehr vom hygienischen Gesicht«punlte au«, wie al» Schutzmittel vor traurigen Gewohnheiten, daß die Beschnetdung außer Gebrauch gekommen ist. WünschenSwerth wäre e», daß Gesellschaften, die sich mit Hygiene befaffen, diese Frage behandelten. Denn wenn «ine Einzelperson nach keiner Sette hin den genügenden Einfluß haben kann, diese Einrichtung al» allgemeine Regel wieder zu beleben, so könnte eine Bereinigung von Gelehrten vielleicht die öffentlichte Meinung dafür leiten*. — Bon circa 20,000 Beschneidungen, über dt« der Berfaffer Erkundigungen bet ü Mohelim eingezogen hatte, war nicht eine von einem Mißerfolg begleitet. ftaffoi, IS. Oktober. Unsere israelitisch« Lultu«gemeinde feierte am vorigen Samstag da« 28jährige Jubiläum der Einweihung ihrer Synagoge. Ihr Gotte«hau» war an« Eingang und im Innern festlich mit Kränzen geschmückt. Der Vorstand hatte «ine allgemene Einladung ergehen laffen. Alle konnten nicht erscheinen. Anwesend waren Herr Bürgermeister Epstein und Herr Gemeinderath Neuman, der evangelisch« Geistliche, Herr Pfarrer Westhoff rc. Der Bezirk«» raddiaer, Herr I>r. Hochstädter von Em«, hielt über den Text: »Wie lieblich sind Deine Wohnungen, Herr Zebaoth*. Di« sehr ansprechende Festpredigt, worin er über die Lieblichkeit der Wohnung de» Herrn und über dt« an die Gemeind« gestellten Anforderungen, sie lieblich zu machen, im rechte« Besuch de» Gottesdienste», in einem guten Wandel rc. sprach. De« Nachmittag» von S bi» 4 Uhr wurde in dem .Nassauer Hof* bet Herr» Eh. valzer et» Eoncerl und dann ei» Ball adgehasten, der dt» in dt« frühest« Zeit de» ander«« Lage» tu Freud und Gemüthltchkctt dauert«. Wir», 4. Oktober. Wa« da» Berhältniß der Lonfeffionen in der Arme« betrifft, so. ist |U bemerken, daß di« Römisch- Katholisch«« sowohl relativ al» absolut am stärksten vertreten si»d, nämlich »st 72,» pEt», dann salg« die Griechisch-Katholisch«« «st 8* p9L, hieraus die Griechisch-Orientalischen »st 6„ pCt, die Evrugestschen Augsburger Eonfeffion mit 4„ pLt. di« Evangelischen Helvetischer Sonfeffion mst 4.. pLt., i die Israeliten mit 2„ pCt. und andere Bekenntnisse mit 0„ pEt der Sesammt-Armer. Vergleicht man diesen Procentfatz mst dem Anlheil der Eonfeffionen an der Bevölkerung im Allgemeinen, so ergiebt sich, daß nur dir Katholiken und > die Eva rgelischen Augsburger Eonfeffion stärker, di« Griechisch- | Katholischen, die Griechisch - Orientalischen, die Evangelischen i Heloetifher Eonfeffion und die Israeliten schwächer in der j Armee c l« in der Bevökerung Oesterreich-Ungarn» vertreten sind. | Akra». Die Bewegung in der Judenfrage hat sich auch | schon arf Kroatien au»gedehnt. Der oppositionelle Agramer , Pozor »nterscheidet in Kroatien zweierlei Juden: .die einen, I di« älter» eingebornen Juden, die mst den Kroaten oer- , schmolz« » und anständige Bürger sind und sich di« kroatische Sprach« angeetgnet haben; die ander», später Elngewanderten, find keine Freund« Kroatien«; sie wirken im Jnterrff« de» MagyarSmu» und de« magyarischen Lhauvini»mu». Wenn also in Krallen von einer antisemitischen Bewegung die Rede sein könnte, so würde sich dieselbe nicht gegen di« Juden al« solche, sIndern al« Ungarn und Förderer de« MagyartSmu« richten I Für die Juden wird e« wohl ziemlich gleichgültig sein, unter welcher Firma die Kroaten sie zu verfolgen gedenken. Paris. Den Antisemiten erwächst paffend« Berstärkung. In Alg er soll «ine solch« Liga gebildet werden, welch« ein Blatt h« rausgeben will. .Ueberall Juden — erst einen jüd. Stadtra h, dann einen jüd. (Seneralrath, einen jüd. Präfekten, einen jlld. Generalgouverneur und leider! vielleicht einen jüd. kommanrirendrn General de« IS. Corps.* So lautet ein Stoßseuzer eine» Blatte«, da« den Jude» den gemeinsamen Feind z<,gt. («rch. i«r) Paris. In die polytechnische Schule sind unter 271 10 jüd. Zöglinge eingttrelen. — In diesem Jahr« hat der Berein Zlvt-oe dternel“ 183 Grabstätten Armen gewährt, also 183 entriffen dem lo—e commune .dem Massengrab«*, au» wellhem nach wenig Jahre» di« kaum entfleischten Knochen wieder entfernt werden. — Au« Tebessa kommt di« Kuiüre. daß am Abend de« 17. September aus der Straße von dort nach Ga sa mehrere Raub- und Morvansälle verübt worden sind, deren mehrere Israeliten zum Opfer gefallen find! Peiersbur». Die vestulchowrky'schen Kurse (eine «rt Frauena!ademi«) werden von 123 Jüdinnen besucht. Slini«. Herr Arjeh Leib Mischlin hat al» Vorsteher der Jesöiiba und der Talmud - Thora schon früher für die fast 8 00 Zöglinge 2 Lehrer für Prosanwiffenschasten angeftellt. ü)a der Brand die armen Schüler ohne Obdach gelaffen hat, sammelt« der edle Mann au-wärt» soviel, daß er nunmehr 2 Häuser für di« Schulen hat bauen laffen können. SaouW. llr. Moser Allatini ist, 73 Jahre ast, gestorben. verwand an Lamondo, Morpurzo, Fernandep, hat er eisrix für di« Alliance, für Schulen und Hebung seiner Glauben-grnoffen in der Türkei gewirkt. Trieft. Der Kaiser läßt die Kinder de» durch die Bombenexplosion getödteten Argelo Forti auf sein« Kosten erziehen. Jeiisalr». Der Obersteuereinnehmer in Hebron ist Herr Mnrkadv Rakib Effendi, der früher in gleicher Stellung hier amtirt«. Da aber länger al« zwei Jahre kein Steuereinnehmer an einem Orte bleiben darf, wurde er versetzt und hier durch eine» anderen Jude« «rsetzt. — Di« Auftrengunge» der Rtffionär«, Seelen zu fische», werden Imrch die neu« Allianceschule, welch« «ohl zumeist von Sephard «, aber jetzt auch von einigen Afchkeuafim besucht wird, »t« von de« Berstuer Waisenhaus« um den Erfolg gebracht. Bo« 28 Eenttme» ist der TageSloha, den di« Mission für leicht« (<!ichei»-)>rbeit zahlt, auf 1 Frank gestiegen. Dein, wiffenschaftlichen Ziel« verfolgenden Aerzt«verein, den 12 lziistg« geprüft« Aerzt« gebildet haben, »«hören auch di« DDi. PopeÜ« nnd Schwarz an.