Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 43.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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33» — Feuilleton. Kaiser Wilhelm und die Jüdin. Lim deutsch« Beschicht« und Kriegterinnerung von «»der« Meyer. (Fortsetzung ) Willy suchte auf einer Landkarte den Mont Valerien. Elärchen blickte träumerisch nach dem Bild« von Eanthin mit den Fenstern ihre« ehemaligen Zimmer«, ihrer Schulstube >c. IC. Die Frau Mama war mit dem Brieflein zu Ende und ging im Zimmer aus und ab. »Ich begreife nicht, daß der König für die Gemeinen und Unteroffiziere nicht einen besonderen Orden —* Der Baron erwiderte aus diese Worte nicht«; er war in die .Germania" vertieft. „Mutter, siehe, hier liegt der Mont-Val« rien, und da ist Garche«, von wo Gebhard geschrieben, bei klirrenden Fensterschieben. Ich mochte den Mont Valerien wohl einmal brummen büren." Die Baronin erwiderte auf die>e Worte ntchl«; sie war in ihre Reflexionen vertieft. ,E» ist doch wohl genug", sagte sie vor sich hin, .wenn zwischen bürgerlichen und adeligen Offizieren kein Unterschied gemacht wird — und ein Kruzifix, sollt« man denke», kann doch nur für Ehristen sein . . . ." .Aber Frau", erwiderte der Baron von der .Germania" aufblickend, diese» Kreuz ist doch kein Kruzifix . . . ." .Ach was Mann, ein Kreuz ist immer «in Kreuz!".... Die Stimmung der Familie wollte sich an diesem Tage nicht wieder ausklären. D>e Baronin ärgerte sich über die Prosonirung de» Kreuze», bei Elärchen war mehr denn je eine schwermüthige Erinn.rung a» ihre Schulzeit wach, der Baron aber gedachte sorgenvoll — de» Ersten de» Quartal«! Drei Monate hatte die Familie die Wohnung inne, und alle Hoffnungen, von irgend einer Seite bl« zum vtlhängnißvollen Ersten, dem Ernletage der Berliner Wirthe, dem Schrecken»- lage so vieler Miether, da« Geld für den fülligen Miethzin« aufzutreiden, waren sehlgeschlagrn, alle Eredi,gesucht an Freunde au« alter Zeit, alle Suppliken an hohe Gönner bi» zu Prinzen und Prinzessinnen hinauf erfolglos geblieben. Gegen Abend nahm der Baron feine Gemahlin bei Seite. .Dich quält den ganzen Tag da« eifern« Kreuz, Du solltest lieber au die fällige Miethe denken." Die Frau Baronin liebte solche Gespräche nicht in Gegenwart der Kinder. Dies« wurde» sorlgeschickl. Daun sagte sie ruhig: „Lieber Mann, dafür ist gesorgt; Du ninlmst den letzten Rest meine» Schmuckes, da» Halsband mit dem Kreuz .... sind die Armbänder, die Ringe mit den Smaragden, die Ohrgehänge, der Remonloir mit der Kelle fort, so darf uns auch das Fahrenlaffen de» letzten StuckcS nicht schwer fallen." Die Frau Baronin sprach diese Worte mit einem Tone, der würdevollen Entsagung, der die durch die Verhältnisse gewonnene Geringschätzung alles Manlinon», ausdrückte. E« war da« ihre starke Seile, ganz zum Unterschied von ihrem Mann, dem der Besitz mehr war, al« Stanimbaum und Wappenschild, während er gerade sich und die Seine» wenn nicht durch seine Ltben«weise, so doch durch seine Operationen, um allen Besitz, > um den Stammsitz seine- Geschlechtes, um die Mitgift seiner Frau gebracht Halle. Rachdem da« Alle» verloren, hielt er j uch nur »och durch den Traum von Wiedererwerbung alle« verlorenen ausrecht. , »Ich nehme", sagt« er sich di« sorgenvoll« Stirn reibend > und düster blickend, da» Halsband, weil es nicht ander» geht,! aber Du sollst e» wieder hal»en, so gut wie die Uhr, die i Ringe, die Armbänder . . . ." > Die Baronin lächelte. Eie hielt sich von Einbildungen freier. .Geh' nur", sagte sie. „zu Deinem Abraha», Dau« in der Auguststraße, saa' ihm nur, ich wünschte ihm Glück, zum Erwerb von all diese» schönen Sachen . . . ." ' . „Zum Erwerb? Ich denke nicht daran, Frau, Dein ' Geschmeide soll und darf nimmermehr verfallen." Der Baron ging, verstimmter al« zuvor, trotz der Errettung au« augenblicklicher Roth durch di« Opferwilligkeit seiner Gemahlin. Ihn verdroß der Zweifel, den di« Baronin in sein versprechen, da« Verpfändete wieder etnzulösen, setzte. Ihn drückte da« Bewußtsein, die letzte Kostbarkeit seiner Frau au« den Händen zu geben, einen Schatz, der ihm bi» dahin immer noch ein gewisse« Gefühl der Sicherheit gegen irgend welch« Eventualitäten gegeben hatte. Ihn verletzte e«, daß bei Abraham Dau« ein goldene« Haltband schwerer wog, al» sein Wechselaccept, ja al« sein Ehrenwort, mit den» er ehedem gegen angemessene» Damno dem Herzen der Geldleute (Kapitalien entlockte, wie Wasser dem Felsen, an den der Zauderstab Mosi« schlug. Der Baron schlich, von seinem Kummer tief gebeugt, die lange Pot«damer Straße bi» zur Ecke der Lützowstraße hin, wo er einen Omnibu» zu besteigen gedachte. Da wurde er angerufen. .Herr Baron, wollen Sie mir den Brief aus der Straße abnehme», oder mir sagen, wann ich Sie zu Hause treffe?" „Wat haben Sie denn, Briefträger!" .Einen Geldbries." „Wieviel? Woher?" .Hundertsünkzig Thal«. Au« . . . ." Der Briefträger konnte den undeutlichen Poststempel nicht entziffern. Der Baron konnte e« auch nicht Beide traten in einen Hau-flur, wo der Baron quittirle, den Brief öffnet« und darin dreißig funkelnagelneue Dailehnskaffenscheine * V Thaler fand; außerdem nur die Worte: .So Gott will, Fortsetzung am 1. Januar 1871", ohne Dalum, ohne Namen, ohne Alle». Der Baron wollte sofort nach Hause zurück, da besann er sich »ine« anderen, er bestieg den Omnibu-, löste bet Abraham Daus die Ringe, die Gehänge, den Remontoir u. f. w. ein, fuhr zurück und breitete der überraschten Baronin ihren ganzen Schmuck auf den« Tische au». E» folgte ein freundlicher, heiterer Abend in der Familie Malberg. Da» Brod wurde noch einmal so dick mit Butter bestrichen, daraus sogar Eervelatwurst gelegt, und für den Baron doppelte Ration Rum in den Thee gegoffen. Woher konnte nur der Geldbrief sein? Mit Mühe wurden die Poststempel-Buchstaben erkannt, die den Namen Neustadt bildeten. Welche» Neustadt konnte gemeint sein? Neustadt Eberswalde? Neustadt a. d. O.? Neustadt a. d. H.? Blau zerbrach sich vergeben« den Kopf. Die Baronin ließ alle ihre reichen Eousinen und Jugendfreundinnen, die Inn- und ttayphaufen, die Jlsenburg.Büdingen, die Kanitz, die Katte. die Kayserling und | die Kielmannsegge die Revue paffire», keine «ekanutfchast I oder Verwandtschaft deutet von sein aus ein Neustadt hin. ) Die Handschrift schien erkünstelt zu sei», um für alle Nachforschungen jede Spur zu verwische». Elärchen war eben dabei, sie besonder» scharf zu prüfen. Da wurde noch spät Abend» ■ eine Depesche aus d«r Straße au-gerusen. Willy niußte ein Exemplar heraushole«. Sie lautete: .Versailles, 30. September Am 30. September, dem Geburt«tage Ihrer Majestät der Königin hat da« 0. Armee- Lorp» mit großer Bravour einen Ausfall, welchen der größte Theil de» Eorps vinoy gegen Süden unternahm, glänzend zurückgeschlagen uud über «00 Mann Gefangene gemacht. Der Kronprinz war während de» ganzen Gefechte» zugegen. Gegen da» 5. Eorp» ebenfalls ein feindlicher Au-fall nach Südwesten, mit geringen dleffeitigen Verluste» zurückgewiesen v. Podbielski." Gebhard v Malberg stand beim 0. Armee'Eorps. (Fortsetzung folgt.» Di« Mona,»schritt „Auf der chShe", «eich« soeben ihren «r|t«n Jahrgang beendet, kann mit Befriedigung aus denseiden zurückalicken. Die gesammi» europäische Press« bat ihren Werih und ihre Bedeutung anerkannt und sie ai« di« einzig« deutsche Rundschau b,zeichnet, weiche der Pariser Revue de» de«» mimde* ebenbürtig an drr Leite steht, »denso stimmen alle Urtheite darin überein, daß diese Zeitschrift ihr schöne« und hohe* Programm nach allen Belten hin konsequent