Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 43.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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manche literarisch« Aufmerksamkeiten find durch Widmung von Schriften de« Jubilar erwiesen worden. De« Verdienste seine Krone I Sott erfülle all' die reiche« Segenswünsche! Wie». Die Ungarn »üchten gern den gröberen Theil der Schmach der Judenhey« von sich abwälz«. indem sie darauf Hinweise«, daß die Vevülkerung Prebburg» zum Theil deutscher, -um TheU slowakischer Rationalität sei. Bekanntlich war aber seither die kühne Losung der Ungarn stet« gewesen, dab in Ungarn «ur Ungarn leben. Und bekanntlich sind die Führer der Antisemiten in Ungarn, wie Jstoczv, Onody und Stmonyi, Vollblut-Ungarn. Luch ist e» erwiesen« Thatsache, dab seither mit dem Pöbel in Preßburg die Studenten gemeinschaftlich« Sach« gemacht hatten, welch« sonst al« die Lutlese de« Magyarenthum» gerühmt werden. Dem .Han. Enrier" wtrd von hier geschrieben: Die Judenverfolgungen von Prebburg sind in Ungarn eine ganz autochthone Erscheinung, und «4 bedarf für den de« Lande« und der Leute kundigen nur weniger Jusormattonen. uui dies« Erscheinung ihrem Wesen nach zu begreifen. E« ist eine bekannt« Thatsache, datz die Juden in Ungarn seit der 1848er Revolution nicht« versäumt haben, wa» vernünftiger- und unoernünftigermeis« von ihnen verlangt wurde, um al« voll - Ungarn zu gelten. Sie trugen Schnürröcke und hohe Stiesel und raffelten mit den Sporen wie die echteste» Enkel Lrpad'«; sie lernten ungarisch sprechen und vertauschten massenhaft thre deutschen Namen mit ungarische»; die fanatischste» Vorkämpfer de« Magyarenthum«, dt» ungarischen Offiziösen, welche un» Ungarn al« da» Para« die» der Gleichberechtigung der Bekenntnisse und Rationalitäten preiien, sind, wie Remenyi. Futakl und »ndere, Juden. Lllein die Ungarn haben, al« sie die Emancipatton der Juden durchführt««, freilich nicht daran gedacht, dab diese am mächtigften dazu bettragen werd«, den grogarligen soziale» Prozeg zu beschleunigen, dem Ungar» unterliegt. Der Ungar liebt «rcht Handwerk »och Gewerbe, noch Handel zu treiben, uud er ist ein schlechter Landwirth, der nur gelegentlich durch eine besonder« reich« Ernte dazu gelangt, seine Schulden zu bezahlen. In den Städten nun sinv die Jude» durch ihren Fleib und ihre Seschäft«gewandtheit bald zu Wohlstand gelangt; jüdisch« Adoocaten und Medirinrr machen ihren weniger fl et bi gen Eollegen ein« furchtbar« Eoncurrenz, und die uugartsch« Gentry, jener läiidliche Kleinadel, sah mit wachsendem Berdrusie sein« verschuldeten und verwahrloste» Güter in die Hände von Juden gelangen und in denselben reichliche« Ertrag liefern. Der verfall diese« Kleinadel», de« eigentlichen Kern» der ungarischen Rationalität, wurde durch den Deak'schen Ausgleich ein« Zeit lang ausgehalten, welcher all« Staat»Lmter, Berwaltungtrathstellen u. f. w. de« ungarische« Adeligen au«lieserte. Allein wirklich erholen konnte sich da« echte Magyarenthum doch nicht «ehr, und mit dem WachSlhum de« Besitze« und Etnfluffe« der Judenschaft wuch« auch der Hab u»d Neid gegen dieselbe. Wenn di« Ehr« Ungarn« sich wirklich von dem ihr angehesteten Flecken reinigen soll, so wird den Ungarn nicht» Andere« übrig bleiben, al« e« den Juden an Fleib, Sparsamkeit und Famllttnfinn gleichzuthun. Dt« Jude« hatten früher, ohne dab e« ihnen viel nützte, die Ungar» nachgeäfft; die Ungarn werden unbeschadet thre« nationalen Hochmuth«, gut thun, dt« Juden in allen« Rachahmenöwerthen nachzuahmen. Pest. Luch nachttäglich wird dt« folgend« Mitthetlang dt« Leser ds«. Vl. iutereffiren: Der Kaiser, oder nach de« hiesigen gesetzlichen Titel richttger gesagt: Der König befand sich mit seinen fürstlichen Gästen auf der Jagd in Steiermark, al« ihm di« Meldung von den in Prebburg stavgehabten »«»schreüunge« gegen die dortig« israetitsch« Bevölkerung zuka«, wa« verspätet geschah, da auch die ungarisch« «egttruug »an der Pretzburger Behörde, welch« di« Dinge vertusche» zu könne« glaubte, ohne Nachricht gelaff«» ward«» war uud di« peinlich; Kund« erst au« den Journalen entnahm, i So erfuhr der König denn, dab die Exzess« schon drer Tage gedauert und die« machte eine« doppelt unangenehmen Eindruck auf ihn. Er richtete allsoaleich «in Telegramm an den Ministerpräsidenten Ti«za, dessen Wortlaut wohl nicht bekannt ist. dessen Inhalt aber sehr leicht au« der Thatsache entnommen werden kann, daß die Erlässe de« Minister« an die Obergespäne die al« .vertraulich" bezeichnete Klausel enthielten: .Seine Majestät der König besieiilt persönlich, datz all« Staatsbürger ohne Unterschied der Konfession der Ruhe und Sicherheit theilhaftig werden und dab sonach auch die Bürger der israelitischen Konfession vor jeder Ungesehlichkeit in der entschiedensten Weise zu schützen sind." Dieser Weisung gab der Obergespan in Prebburg in öffentlicher Stadtrathösitzung in folgender Form Au»druck: .E« ist der Befehl und der Wille unsere» König«, dab die Ruh« und di« Sicherheit unserer israelitischen Mitbürger gewahrt werden und Jedermann hat die heüigste Pflicht, dem nachzukommen" — Der Befehl de« Kaiser» hat natürlich überall den tiefsten Eindruck gemacht und er bildet einen neuen Bewei« für den ritterlichen und edlen Sin« de« allverehrten Monarchen. Aramkretch. Pari«. Erfreulich ist'«, in dem Stimmengewirre der parteiisch erregten Presse einmal wieder eine leidenschaftslose, die Stimme de« gesunoen Menschenverstände» in der Judenfrage zu hören. Diesem h,t Herr Paul Foucher im .Rattonal" da« Wort gegeben, da er schreibt: .Wir haben nicht die Juden gegen die Anschuldigungen zu vertheidigen, deren Zielscheibe sie sind. Man klagt sie an, dab sie e» verstrten, Capitalien zu handhaben, geschickte Kaufleute zu sein, datz sie sich untereinander unterstützen, sich wechselseitig zu bereichern. Warum thun'« ihr« Gegner nicht ebensall« so? Sind alle JSraeliten reich und sino sie allein reich? Sind sie allein so abgeschlossen in ihren Beziehungen und im Berl-etrathen? Würden z. B. viele Katholiken ihre Tochter eineui Manne geben, der die Ehe nicht in der Kirche schlieben lassen wollte? lieben sie allein Wucher? Sind sie allein gewinngierig« Handeltreibende? Haben alle Juden die Fehler, welch« man ihnen zuschreibt? Bergen sich in dieser Excommunikation einer ganzen Race nicht lichtscheue Begierden? E« ist erlaubt, die« vorauSzusetze» Seinen Gläubiger au» dem Land« zu treiben, ist angenehm für einen wenig' skrupulösen Schuldner. Die Verfolgung de« Reichen ist die Stach« de« Arme«. Unwissendest, Reid, Unfähigkeit nehnien freudig den blinden Hab aus, welchen da« Interesse ihnen zürnst." Part«. Der Kriegtminister hat dem Grobrabdiner von Frankreich auf eine Beschwerde über die Verweigerung t«e» Urlaube« für Jomkippur durch einzelne Obersten erwidern lassen, dab di« Ordre vom 93. August 1880 einen dauernden Sharakter hat, dab jedoch Urlaub nur gegeben werden kann, »soweit e» der Dienst erlaubt." sDiese« .soweit e« der Dienst erlaubt" ist der schwach« Punkt auch für un« in Deutschland. Da ist dem Einzelwtlleu jede« Regiment« oder Bataillon«komma»deur« zu viel Spielraum gelassen. Un« sind Fälle bekannt, wo der Major eine« Trainbataillon« die Reilübung für so dringend erachtete, dab er den durch di« Kommandantur für Jomtippur angelangttu Urlaub nicht ertheilte: oder wo ein Kommandeur Peffach bezw. Suceoth al« Festtage zwesten und drstlen Grade» bezeichnete, an welchtn der Vesuch de« Gottesdienste» nicht erfordert seil Wäre e« nicht möglich, da» Ministerium durch Petitionen anzuregen, dab e« hierfür drstimmendc Normen erthetl«, welcher Dienst allem Gottesdienste voranzugehen Hab«? Red.) RH Pale» Da« .Gouvernement der Weichsel", wie di« russisch« Panslaoisten so gern da« ehemalige Königreich Pol« nennen, schestst doch ein« Funk« von Selbstverwai