Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 43.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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339 — — Ein noTum für Frankfnrt ist die von fünf niedere« Staatsbeamten angeregte und unlängst auch erfolgt« Gründung eine« antisemitischen Verein«. Wie Herr Sonaemaan in einer Wählerversammlung constatirte, sind dt« Gründer nicht geboren« Frankfurter, sondern eingewanderl« Norddeutsche, die den >ntisemiti»mu« importiren wollen. Die Herren werde» aber hier kein« Lorbeeren ernten; da» erste öffentlich« Auftreten de« Hauptarteur«, eine« gewissen Steinhäuser'«, der die beruhigend« Versicherung abgab, daß er nicht auf Hz« Henrictlchen Standpunkte, sondern auf dem Boden der Dresdener Resolution stehe, endete mit einem schmählichen Fia«co. Uedrisen« debütiren die Herren Lntisemiten, eingedenk de« Grundsätze«, „der Zweck heiligt die Mittel" wie anderwärts, so auch hier mit, den frechsten Lügen. Wie di« Juden, behaupten sie, an ihre» confeffionellea Schulen keine christlichen Lehrer anstelle», so dürfen auch an christlichen Schulen jüdisch« Lehrer nicht unterrichten. Run sind gerade hier in Frankfurt an den beiden jüdischen Realschule« und an den jüdische« Töchterschulen eine unverhältnißmäßig grob« Anzahl von christlichen Lehrern und Lehrerinnen angestellt, obwohl diese Schulen lediglich durch Beiträge der Juden erhalten «erden. Demgegenüber find an der großen Anzahl von städtische« Schulen, die au« den Mitteln aller Gemeindebürger unterhalten werden, nur S jüdische Lehrer und eine Lehrerin angestellt, an den christlich confeffionellen Schulen gar keine. Aus Pommer». Die traurigen Vorfälle, welch« i« vorigen Jahre durch dir Antisemiten in Szene gesetzt wurden, «ahmen, wie man sich erinnern wird, ihren Anfang in R e u- Stetttn, wo «in gewiffer Lutlosch angeblich durch zwei Juden angegriffen und gemißhandelt worden war; Letzterer reizt« darauf in seiner Wuth da» Volk gegen die Juden auf. Gegenwärtig ist nun da» in Folge dessen gegen die beiden Brüder Lohn, di« angebliche« Angreifer, wegen grsährlicher Körperverletzung eingeleitet« Strafverfahren zu Ende gediehen, und zwar ist der ein« der Brüder durch di« Strafkammer in Reu-Stettin, der andere durch da« Kriegsgericht in Stettin (well er jetzt seiner Dienstpflicht genügt) abgeurtheilt worden. In beiden Fällen ist dt« Freisprechung erfolgt, da angenommen wurde, daß Luttosch der Angreifer war, dem gegenüber di« Brüder Cohn sich im Zustand« der Rothwehr befanden. (Man erinnert sich, wie die judenfeiudlicheu Blätter — auch osstciöse — mit frecher Stirn damal» da« Begentheil behaupteten. Red.) Pose», IS. Oktober. Die Parole: »Kaust bei keine::» Juden!" wird seiten« der hiesigen polnischen Preffe mit dem Zusatz«: »und bei keinem Deutschen" acceptir und weiterge« geben. — In Rußland halten sie schon »veiter. In der deutschen nur von Christ«» bewohnten Stadt Kirumne de« Dorpater Bezirke« fanden vor etnigen Tagen große Straßenkrawalle statt, über »velche die »Reue Dörpt'sch« Zeitung" haarsträubend« Einzelnheiten veröffentlicht. Starke Bauernhause« au« den umliegenden ruffischen Dörfern marschirten aus die Stadt lo«, um daselbst zu plündern zu rauben und zu stehlen. Sie bombardirten di« Häuser mit Steinen und bewarfen sie mit brennenden Fackeln, in Folg« deffen mehrere Häuser zu brennen anfingen. Hierauf stürzten sich die Vauernrotten in dem entstandenen Wirrwarr auf die Häuser und Läden der reiche« Kaufleute, erbrachen Thüren und Fenster, dränge« in da« Innere hinein und plünderten nach Herzen«l»ft, Alle« vernichtend und beschädigend, >va» st« nicht mitnehmen konnten, so ging e« uwhrere Stunden zu. Di« entartete Meng« griff jede« bester au»feh«nd« Hau«, jeden reichern Lade» an, fortwährend schreiend: „Fort mit den Deutschen! Rieder mit den Reichen!" Di« Unruhen nahmen erst gegen Mitternacht, öl» sich die meiste» Exz«deuten mit den geraubte« Getränken berauscht hatten und sich nicht «ehr auf den Füßen halten konnten, ein Ende. Am nächsten Tage erneuerten sich aber die Kraroall« in noch schrecklicherer Weise. E« «urde von Setten der Bauern auch geschaffen, glücklicher Weise jedoch Niemand getroffen. Der Schade, den die au«geplünderten Kaust«»» erlitteu haben, ist eia sehr beträchtlicher. (Die Remesit naht! Die gegen die Juden von Deutschen gehetzte Bestie kehrt sich nun gegen die Deutschen selbst.) L. Wien. 19. Oktober. Sie wünschen ein« Schilderung der Festlichkeiten, durch welche da» Jubiläum Dr. Jellinek« gefeiert «urde. Da hätten sie di« berühmten Hofchroniste» in Dienst nehmen müffea. Für einen schlichten bürgerlichen Literaten gub'« zu viel Lour und Cercle und Galla. Aber die Gemein!« hat gezeigt, daß sie eine« solchen Prediger» würdig ist. Der Jubilar hatte Recht, wenn er di« Stellung der Rabbiner in Wien eine würdige nannte, obschon sie nicht durch di« Jnftituttone» geschützt und gesichert ist. Die Männer, weich« iBUn» Gemeind« leiten, sind bi«her stet« klar- und schariblikend zur Genüge gewesen, um wahre« Verdienst zu erkenne» und e« anzuerkrnnen. Jellinek sprach am Schmiai Azere« über ptn, dasselbe Thema, mit dem er vor 9S Jahren begönne» hat. lieber diese und dt« vorhergehenden Festreden werden St« selbst urthetlen können, da sie gedruckt werden. Ar» Wien kamen am 6. nach dem Sotte«dtenst tu der Synagoy, — in »velcher der Jubilar al« Chaffan Thora mit einem <5egen«fpruche aufgerujen worden war, welchen da« vorstanl»»Mitglied, Herr Emanuel Baumgarten verfaßt hatte — tn tU Wohnung Jellinek'«: 1) der Gefammtvorstand. geführt vc n Dr. Kuranda — der Sekretair veria« «in« Adresse und Ku:anda dankte besonder» für I.'« »patriotische« Wirke» «ad sei, e beredt« Thätigkett." 9) der Bcthau«vorstand (Herr Jaqur« Brandet»). S) Der Verein für Krankenpflege und Versorgung handelSangehüriger J»raeliten zu Wien (Herr Moritz ». Bortenau.) 4. Da» Schutzdamen-Comitä und der Vorstand de« i»r. Waisenhauses (Dr. Krmpert verlas die Adreffe.) v) Dii«r. Allianz ,u Wien (Herr Josef Ritter v. Wertheimer.) 6) Der Vorstand der i»r. Armenanstalt (Herr Jg. Vobelle, Reglern »g«rath v. Hahn rc.) 7) Der Vorstand de» Vethamidrasch (k üserl Rath Arminio Cohn, besonder« prachtvolle Adreffe.) 8) Vorstand de« Lherefien Kreuzer-Verein» (Frauen von Pfeiffer und v. Wertheimber. Herren DDr. v. Hofmann»thal und G. Mer er). S) Ehewra Kadischa. 10) Verein zur Unterstützung mtttelloser i»r. Studirender (Prof. Dr. G. Wolf). 11) Di: Beamten der Gemeind«, in dessen Namen Rabbiner Dr. G ü d e m a n n da» Wort nahm. (Die Kollegen «niarmte« und küßten sich.) 19) Di« isr. ReligionSlehrer Wien«. IS) Dte Lehcer der Talmud-Thora, 14) Di« türk. Jfraelitea-Ge« meinde. lö) Der Mariahilfer Synagogenverein (Vorstand und Rebbinat Floridsdorf hatte schon vorher ein« Adreffe überreiä t). 16) Vertreter der Synagoge am volkert. 17) DU LU ore« de« Lot du Midnutch (hebr. Adreffe.) 18) Da« Simonson'sche Mädchen-Institut, u. s. w. Die Gemeind« hat kein; CeUbntäUa auf irgend einem Gebiete, dU nicht persönlich, schriftlich, mit Ehrengaben den Jubilar begrüßet hätte«. Herr Bernhard Reicher hat seü 18S6 alle Predigten Jelllaeki. gehört und deshalb eine goldene Jubetmünze prägen laffen n tt de» Worte« Zach. 4» 6, welche Dr. I. al« Motto feine« in Leipzig erschienenen Bilde« gebracht hätte. Gegen 300 Telegramure und Zuschriften liefen von Vorstände«, Rabbinern, Kantoren, Lehrern und hervorragenden Persönlichkeiten ein. Bin PeUrSburg bi« Part« (natürlich auch di« Alliance) von Kö»ig«berg bi« Sorrento — da« umschreibt da» Gebiet, innerhalb deffen Verehrer de« großen Redner» ihre Theilnahme bezeigt!>aden. — Ja Oesterreich-Ungarn fehlt keine irgendwie bedeutende Gemeinde. DU gesammt« jüd. Preffe de« Ja- und AuSlante« nah« Antheil an dem Jubiläum und gab den herzlichsten Glückwünschen für de» Jubilar Ausdruck.*) * Auch *) cdwohl H an fintr 3Rrnac im Ehrengeschenken seiten« Prioaywrsoven und Verein« nicht fehlt«, so had« ich dach »an der in Ihrem gsch Blatt« angeregten «tistuna zn« Erwerd einer Villa — «an»» auch da« »Je». Chronirle- Notiz genanunen — hier nicht« vrrna«« n. (Eg kownu wahrscheinlich noch»