Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 43.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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digung: „Die Juden gebrauchten Lhristenblut," nicht« andere» als »in« Erfindung dervothett ist,welche von der Dummheit geglaubt wird: da» kann »in Jeder, der nur Lust hat, die Bibel auszuschlagrn, erkennen, denn nicht» ist den Juden in den ü Büchern Mose schärfer untersagt al» der Benutz von Blut (I. Mose 9, 4; 3. Mose 4, 36. 37; 2. Mose 13, 16 u. a.) und nicht« verunreinigten nach demselben Besehe schwerer al« di» Berührung von Leichnamen (4. Mos« 19, 11; 31, 39 u a.) — So oft daher auch von den: Religion»- und Racenhatz diese Anklage vorgebracht worden ist, t« keine« etnjtgen Kalle hatte sie erwiesen werden können; ja die grimmigstenPolemiker gegen da« Iudenthum haben, sobald sie eben eiuigermatzen Kenner jüdischer Gebräuche waren, diese An» klag« fallen lasse«, oder wie Wagenseil au»drücklich ihre Unterhaltbarkeit anerkannt. »Wo also dergleichen ausgebracht wird, ist e» «in Zeichen von Unverfrorenheit und Dummheit zu» gleich und eine Schmach für christlich« Böller, wenn sie ein falche» Treiben bei sich auskommen lassen, und für christliche Zeitungen, wenn sie dem wohlgefällig zuschauen oder hinter frömmelnden Phrasen ihren Kainögeist verbergen. —* Magdeburg. Der durch seine Schriften gegen die antisemitische Bewegung und auch sonst bekannte Prediger von der Christu»kirche in Berlin. Profeffor Ur. Paulu» Laste!, hielt im hiesigen RathhauSsaale am 29. September einen Bortrag über: »Da» Kind und sein Name." Er hob einleitend hervor, Hatz der Kinderwelt gegenüber die Liebe Aller der alleingebielende Faktor sei und jede Dissonanz verstummen müsse: Kinder seien ja, nach dem Worte eine» tiefen Denker», Neine Majestäten. Aus die 'Namengebung und der damit verbundenen Feierlichkeiten bei den verschiedenen Nationen der alten und unserer Zeit übergehend, charakterisirte Redner die N a m e n de» a l t e n Testament» dahin, datz sie ein M e r k» mal (nach seiner Ansicht läge dem noinen etymologisch ein »Erkennen" zu Grund«), ein Zeug»iß, eine Eigenthümlichkeit bezeichn«»«. Der göttliche Name strahle da» göttlich« Sein wieder. Daher empfanden die Jöraeliten eine heiligt Scheu, den vierbuchstadigen 'Namen Gotte» (Tetragrammaton) auszusprechen. Der biblische Slawe wäre nomen et omeo, so Adam, der Staubgeborene; Abel, der in Trauer*) Dahinwandelnd« (!) u. s. w. Hingegen wiesen die Namen ~'bt« neuen Testament» auf einen Kanips gegen feindliche Mächte hin. Simon nennt sich al» Apostel Petrus, der Glauben«- fel«; au» dem Saulu« sei Paulu« geworden. Ganz ungerechtfertigt ist «» aber, wenn Prediger Eaffel bemerkt, datz sich EauiuS im neuen Testament im Gegensatz zu seinem alttestamentarischen NamenSgenosten, dem körperlich grotzen König bescheiden »Paulu»" den »Kleinen" nenne Ein Blick in die 3. Epistel an die Eorinther 10. 10 belehrt un», datz Paulu« von Natur klein und unansehnlich war, und ihm deshalb der Name beigelegt wurde. Also eine phrasenhafte Glorifizirung! Zum Schluß bemerkt der Redner, di« Namengebung unserer Zeit sei eine »ignatura temporia. Verworrenheit. Zerrissenheit, internationale Bestrebungen, der englisch klingende Name wechsele mit dem französischen, dieser mit dem lateinischen: Namen au» dem neuen und vollend» au» dem alten Testament wären verpönt, und e» sei die Ausgabe der Jetztzeit, den alten frommen Klang biblischer Namen wieder zu Ehren zu bringen. H»»b»rg, 13 Oktober. (Or.-Eorr.) Heute fand die Grundsteinlegung zu dem Stifte statt, welche» da» Borstand»- Mitglied der Gemeind«, Herr M.Ro rdh«im, in der Schlachtexstraße neben dem Lazaru» Gumpel-Stifte, und zwar auf dem ursprünglichen Grund« deflelben, errichten läßt. Wäh» ") Herr Lasset schetat da« HedrSische sch», etwa« »ergessrn zu haben, er verwechselt, vom deutschen Klang verleitet, ^an mit der Ligenn«me .Abel" hat nicht» mit »Traner" ,u schassen, sondern wirr eher mit »der wie ein Hauch Dahingegangenr" elomotogtsch |u ee Viren, (9tcb.) rend letztere» für gänzlich Mittellose bestimmt ist sund di« Räumlichkeiten darin dem entsprechend sich auf Wohn-. Schlafzimmer und Küche beschränken, soll die »Rordhrim-Stistung" vor Allem solchen jüdischen Familien Obdach gewähren, welche in besseren Berhältntssen gelebt haben und daher da» Bedürfnttz gröberer Bequemlichkeit empsinden. Die Zahl der Wohnungen ist daher eine geringere, sie ist aus 37 beschränkt, doch wird jede dersellxn drei Zimmer, sowie Keller, Küche und Boden erhalte». Außer einigen Berwandten hatte Herr N. die Mitglieder de» Vorstande«, die Vorsitzenden und sschristführer de« Repräsentanten-Lollegium, sowie den Secretär der Gemeinde, ferner den Oberrabbiner und den Prediger de» Tempelver« bände« zu der Feier geladen, und waren außer den beim Bau Beschäftigten etwa zwanzig Personen anwesend. Der Bauplatz war durch Fahnen geschmückt, die Feier eine einfache. Der Aufforderung de» Baumeister», die drei ersten Hammerschläge zu thun, leistete Herr 'N. Folge, inden» er die Schenkung al» einen Akt der Dankbarkeit gegen Gott bezeichnete, der ihm die Mittel gegeben, da» Werk zu vollführen, dessen Schutz und Schirm er den Bau und die Stiftung für all« Zeit empfahl, während er die 'Verwaltung dem Vorstand der Gemeinde übertrug. E» folgten alsdann nach einander die Hammerschläg« sämmtlicher Erschienenen, begleitet von deren Wünschen für den Stifter und die Stiftung. Herr vr. Levy, Mitglied de» Vorstände» und der Bürgerschaft, benutzte die Gelegenheit, um seuier Freude darüber Ausdruck zu geben, daß die Bestrebungen, welche sich hie und da im übrigen Deutschland kund gegeben, die verschiedenen ReligionSgenossenfchasten gegen einander aufzureizen, in Hamburg, Gott sei Dank, keinen Boden fänden, daß daher die Stiftung, wenn sie auch nur der jüdischen Bevölkerung zu Gute käme, sicherlich auch auf die Sympathie«» der übrigen Bevölkerung rechne» dürfe. Nach Beendigung der Feier nahm ein Photograph ein Bild de» Ganzen auf, wovon sämmtlichen Theilnehmern zur Erinnerung ein Abdruck Übei reicht werden wird. Frankfurt a/M., 19. Oktober. (Or.-Corr.) Der Chef- Redakteur der „Frankfurter Zeitung", Herr Ur. Stern, ist von der demokratischen Partei zun» Landtag-candidaten aufgestellt worden und wird vorautsichtlich gewählt werden. Wir freuen un», hier einen Vertreter za bekommen, der — wie er durchaus liberal gesinnt ist und demzufolge gegen Kulturkampfgesetze stimmen wird, — wenn die Judenfrage etwa iin Abgeordnetenhaus« zur Sprache kommen sollte, nicht verfehlen wird, Herrn Stöcker und Eonsorten den Standpunkt klar zu machen. Herr l)r. Stern hat, wie er in einer seiner Wahlreden erzählte, selbst darunter gelitten, daß er Jude ist. »Alle», wa» unzufrieden ist. sagte er, wendet sich gegen die Jude». Man muß nur staunen über die Ruhe der Regierung, die sonst jeder Untergrabung so streng entgegen zu treten pflegt. Die Forderungen der Dresdener Antisemiten-Bersammlung auf Rücknahme der bürgerlichen Gleichstellung der Jude» werden von einen» Führer der Konservativen, Herrn von Rauchhaupt, als mäßig bezeichnet und vertreten. Seine jüdischen Mitbürger könne Redner nur bitten, sich sehr in Acht zu nehmen; e» gebe Dinge, zu denen eine Regierung sich von der Volksvertretung gerne zwingen lasse. Er erzählte, >vie ein jüdischer Krüppel au» den Freiheitskriegen trotz de» königlichen Aufruf» von 1813 keine Stellung erhielt, und wie dessen Sohn, der auf Grund der Verfassung studirte, den Schein als preußischer Oberlehrer eine» Gymnasium» in der Tasche hatte, aber al» Jude nirgend» eine Anstellung finden konnte. Die» war int Jahre 1863. Ersterer sei de» Redner» Vater, der zweite er selbst gewesen. Die Zumuthung, die ihm ein Regierung«rath stellte, sich taufen zu lassen, habe er zurückgewiesen; lieber, al» daß er etwa» bekenne, wa» er nicht glaube, «olle er sich al« Hauflrer oder vettter durch die Welt schlagen. (Stürmischer Beifall.) Daß er nach solchen Erfahrungen nicht blo» für sein« Glaubensgenossen, sondern auch für da» gute Recht aller Stände und Konfessionen eintretea werde, dess könne man sicher sein" (Stürmischer Beifall.)