Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 42.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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bei. Bo« 9oU«bUnfU begaben sich die verschiedene« Depntationen in die festlich geschnackte Wohnung des Jubilars. — Die erste Ansprache hielt Herr Beigeordneter Soll, welcher im Rinnen der Stadt Herrn Dr. Formstecher das Ehrenbür« ger-Dtplo« überreichte. Herr Deka» Bonhard überreichte Namen« der evang. Gemeinde ein Bild, Herr Kreisrath Rothe im Auftrag« der Regierung dir Insignien »um Ritterkreuz 1. Klaffe Philipps des Großmüthigen. Hieraus brachten die Deputattonen de« naturforschenden Vereins, der deutsch-katholischen Semeinde. der alt-katholischen Semeinde, des Lehrer- «ollegiums der Realschule zu Ostenbach, der Frankfurter Loge t«m Frankfurter »dler, der Frankfurter israelit. Semeinde, der Gemeinde und de« Gesangvereins zu Bürgel, der israel. Semeinde zu Offenbach, der Fraum der israel. Semeinde Glückwünsche und Geschenke. — Da« Festesten begann um 4 Uhr und nahmen auch an diesem die Bekenner der verschiedenen Eonfessionen Theil. Herr Kreisaffeffor Di-. Zeller toastete aus den Großherzog, Herr Beigeordneter Soll auf's Wohl des Jubilars, welcher hierauf in geistvoller Rede erwiderte. Herr Deean Bonhard aus die conseffionelle Emiracht der Stadt u. s. f. Herr Jakob Levi, Vertreter des Seineindevorstande« Offenbach, verlas einen Brief des Ministers Frhrn. v. Starck, welcher feine Glückwünsche aussprach und gleichzeitig bedauerte, dem schönen Feste nicht beiwohnen zu können. — Bor Allem verdient die herzliche Eintracht hervorgehoben zu werden, welche bei dieser Ehrenseier, zu der sich die hervorragendsten Vertreter aller Stände und vrkenntnlff« vereinigt hatten, herrschte. Vefterretch. Wie», 8- Oktober. Bekanntlich hat der niederüsterreichisch« Landtag den Antrag des antisemitischen Herrn v- Schönerer betr. Aushebung der Gleichstellung der Juden mit allen gegen 2 Stimmen kurzer Hand beseitigt. Es verdient bemerkt zu werden, daß auch alle im niederösterretchischen Landtage sitzenden katholischen Geistlichen für den Uebergang zur Tagesordnung stimmten. Auch di« Haltung der österreichischen Minister in der Judensrag« bleibt ein« korrekte. — vorgestern erstattete der Minister sür Galizien, v. Zlemialkowski, in Drohobycz (Galizien) seinen Wählern Bericht über seine Thäligkeit als Landtagsabgeordneter. Rach seiner mit Beifall ausgenommenen Red« interpellirte Bernhard Soldberg den Minister, ob er nicht geneigt sei, die geeigneten Schritte i« Landtage zu ergreifen, um da» Landesschulrath- Regulativ vom Jahre 1867, welche» blos den christlichen Confeffiouen di« Vertretung im Landesschulrath« zuerkennt, was mst den Staaisgrundgesetzen und insbesondere mit dem allgemeinen Schulgesetz vom 2S. Mai 1868 im flagranten Widerspruche steht, dah»n zu ergänzen, daß auch die m o s a i s ch e Eonsestion durch einen Repräsentanten im Landesschulrath vertreten werde. Der Minister erwiderte, er sei von der Serechttgkeil dieser Forderung ganz überzeugt und werde daher für die Abänderung des gedachten Gesetzes im Sinne der SleichderechttgungSprinzipien warm einstehen. Wie», 12. Oktober. Die gestrige Antisemitendebatte in Pest war ein großer Triumph der Israeliten, aber auch ein bedeutender Erfolg Tisza'r. Präciser und correcter sich auszudrücken, als der Eonseilpräsident es that, war nicht möglich. Er warnt« mit dem Feuer zu spielen: es gebe keine Judenfrage, die nichts sei als «ine Maske für den Kampf de« arbeiteschruen Proletariates gegen die Besitzenden. In diesem Kampfe werde jede Regierung der Welt immer auf Seite der letzteren stehen müste»; reichten die bestehenden Gesetze, einschließlich de» Standrechtes, zu deren Schutz« nicht aus, so müßten und würden eben durch neue Gesetze neue Repressiv- und Präoentivmaßregeln geschaffen werden. Ja, auf die Frage, ob er es nicht für zeitgemäß erachte, di« Untersuchungseommistion des Tisza-Eßlarer Falle« von Ryragyhaza abzudernfeu, erwiderte der Minister: .Ob Ihnen da» nun gefallen möge oder nicht, wenn man versuchen sollte, dort unter der Bevölkerung eine Sttmmnng zu erwecken, die im Stand« wäre, die Frttheit de« richterlichen Urtheil« zu beschränken, wovon bisher noch keine Anzeichen vorlteg-n, so wird es noch allemal eine Macht geben, die stark genug ist, daS zu verhindern, vergeben» mühte sich Siwonyi ab, ihn durch allerlei persönlich« Schmeicheleien zu gewinnen: der Premier sagte ihm, Onody und Jstoczy. ins Gesicht, er werde auch von der Verfolgung von Abgeordneten nicht zurückschrecken. Im höchsten Grad« peinlich war es nur, daß der Justizminister Pa ul er. obwohl Tisza ihn förmlich dazu prooocirte, auch nicht Ein Wort zur Bertheidigung seiner höchstgestellten Beamten fand — selbst da nicht, als Onody dem Oberstaatsanwalt Kozma vorwarf, er habe „gewichtige goldene Gründe" gehabt, „mit den Juden zusamnren da« Gesetz todtzuschlagenund den au« Pest delegirten Staatsanwalt HivaS anklagte, den Gefängnißwärter in TißaEßlar zu falschen Aussagen im Interesse der Israeliten vetteitet zu haben. Diese mehr als reservirte Haltung Pauler's verleiht dem Schlußworte Onovy's eine gewiss« Berechtigung: .Stimmen Sie gegen mich! Ich weiß doch, im Stillen denken viele ebenso wie ich." Jetzt wird es dem Gros der Anständigen zu viel, durch Dick und Dünn zu geben mit Leuten, die in Dresden da« Bild einer Eßlarer Dirne als da« Portrait der Esther Solymoffy, merkwürdiger Weise unter Zustimmung »er Mutter Esther'«, ausstellten! und die gestern im Hause Stimmung machten, indem sie «in« Srnppenphotographie circultren ließen, woraus der Schächter und drei andere Juden di« Solymossy in der Synagoge von Tißa-Eßlar rituell abschlachten! Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Die Thora-Prozession am .Freudenfest der Thora", in der alten Synagoge in der Heydereutergasse endete mit einem llnglückssall. Der Kaufmann Jul. Singer, ein Rann im 64. Lebensjahre, trug eine Thora-Rolle und als eben die Träger die Thora-Rollen in die heilige Lad,' stellen wollten, fiel Singer, der seine Thora-Rolle in du heilige Lade gerade gestellt hatte, vor dem Allerheiligsten um, ihn hatte der Schlag gerührt. Lebend wurde derselbe zwar noch in seine Wohnung, nach der Rarkgrasenstraße, geiiracht, verschied daselbst jedoch bereit» Freitag Rachi. Berlt». Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde sind zu» sammengetreten, um eine neue Synagoge in der Fr-edrichstadt bauen zu lassen, damit uran nicht niehr njithig habe, die Andacht in gemietheten Lokale» zu verrichten. lt. Erfurt, 1. Oktober. Heute ist unser allo, rehrter Rabbiner, Herr Dr. Earo, von uns geschieden, u n die stabbineritell« in Pilsen anzutreten. Derselbe hielt gestern eine Abjchiedsred«. Die Synagoge war dicht gefüllt, denn alle waren gekommen, um den bewährten Kanzelredn« r noch einmal zu hören, der uns mal durch ferne yeqlichrn Ad- Ichiedsworle es wieder tief empfinden ließ, was die Gemeinde an ihm verliert. Dem Scheidenden wurden vielfache Beweise der Lieb« und Anerkennung von Mitgliedern der Gemeind« zu Theil. Breslau Bei Anwesenheit de» Kronprinzenpaaiü« von Oesterreich zum Kaisernmnöver in Breslau hallen die Kunst- Stickerei-Jnhaber Isidor & Rosalie Reiter hierselbst, dir hohe Ehre. Allerhüchstdenselbeu eine in ihrem Atelier kunstvoll und sinnreich gefertigte Goto- und Seidenstickerei zu überreichen, worüber dieser Firma von Sr. K. K. Hoheit eine in höchstauszeichnender We.se geschriebene Anerkennung der vorzüglichen Leistungen ,n Theil wurde. Hamburg. Großes Aussehen erregte hier vor einigen Wochen ein Heirathsantrag, welchen ein Millionär anS Chili an eine al» Berkänferin in einem Ladrng» schäfte oiencnve junge jüd. Dame, Tochter unbemittelter Eltern, richtete und sie gleichzeittg mit Geschenken im Werth« von M. 60,020, wie es hieß, überraschte. Der Antrag wurde natürlich angenommen und fand die Hochzeit am Dienstag statt.