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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 42. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 42.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— S24 — Hierdurch am Reden in Eolberg gehindert, hittt Herr Stöcker sich nur in Eolberg auf, um unser Bad zu bewundern. — Ein hiesiger Lmt»b,uder von ihm, ein Pastor Z.. Prediger der Münder Ktrchengemeinde, deren Mitglieder fast all« Badevermiether find, nahm hierau« Veranlassung. in einem conseroativen Verein, diesen Beschluß de« Gemeinde» Kirchenrath» de« Dom« al« einen Eolberg'« unwürdigen an» zugreifen und di« Mitglieder jener Dom-Gemeinde aufzufotdern, bei der demnächstigen Dahl in den Kirchenrath sich von einer solchen, seiner »ustcht nach .unwürdigen" Majorität freizumachen. Heute hat nun dies« Wahl stattgefunden! Mit einiger Besorgnis sahen wir derselben entgegen, theil« al« Juden, theil« al» Bürger dieser Stadt, denen da« eigen« Wohl mit dem der ganzen Stadt eng verknüpst erscheint. — Die Lnt» wort der Marien»Dom - Gemeind« war, daß sie all« die, die zur Zeit für die Ueberlassung der Kanzel an Stöcker gestimmt haben, einfach nicht wieder wählte. — Gewiß ist diese« Ergebniß einer Wahl geeignet, Zuversicht und Hoffnung auf da» baldig« End« dieser unwürdigen Zeitfare«, welche sich Antisemtterei nennt, einzuflößen. — Dank aber, herzlicher Dank gebührt einfachen Bürgern, schlichten Männern, Die ebenso wie ihr« Voreltern auf den Wällen gegen den Franzosenkaiser ihr« Stadt mit ihren Leibern schützten, ihre eigene frei« Lnsicht behalte» trotz Seistlichkeit, trotz Hosprediger und hocharistokratischem Anhang. Der genannte Herr Pastor hat übrigen» unmittelbar nach seiner Red« «in« unangenehm« Lehre erhalten. — Di« hiesige Zeitung für Pommern, Redakteur Dr. Janke, ein liberale« Blatt besten Genre'«, hat ihm bewiesen, daß er de» Borwurf, den er dem Kirchenrath der anderen Kirche machte, selbst vrrdiene, da er aus einen Antrag, dem Hofprediger Stöcker seine Kanzel zu einer Predigt zu gewähren, ihm diese verweigerte, au« Rücksichten auf da« Badeleben tn seiner Gemeinde und ihn auf die Kanzel der «»deren Kirche verwte«. — Obwohl er die Nebensachen bestritt, mußte er die Thatsache al« mahrmnerkennen. — Run die Nutzanwendung macht« die heutige Wähler-Versammlung im Mariendom! L>« Oberschlesie». (Or.Lorr.) Im Eingang« meine« Bericht«« kann ich zu meiner Freude melden, daß Tarno witz seit dem Beginne de«neuen Jahre» in Herrn Baßfreund au» Hannover ei» ebenso würdige», wie fähige« geistliche« Oberhaupt gesunde«. Möge seine Amtrführuag ihm in dieser seit Decennien verwaisten Gemeinde leicht werden und stet« die gebührende Würdigung und Anerkennung der Gemeindemitglieder finden. — Bor einigen Tagen waren die Jude« dieser Gemeind« in nicht geringe Aufregung versetzt. Bet nächtlichem Dunkel wurde ein frecher Einbruch in die Synagoge verübt, die heilige Lade beschädigt, mehrere Sesetzrollen verstümmelt und geschändet. — Ja Kattowitz macht« jüngst ein an sich unbedeutender Vorfall viel von sich reden. Di« dortig« Synagoge wurde in den letzten Sommermonaten einer Reparatur unterworfen. Der Umbau ging langsam von Statten und konnte di« Synagoge nur mit knapper Noch unmittelbar vor den Festtagen unter Dach und Fach gebracht werden. Ein Uebelstand zeigt« sich an der Thüre. Der Rabbiner wünschte während der Predigt die Thüre verschlossen zu sehen und erklärte, bei offeusteheader Thür« nicht predigen zu können oder zu wollen. Dadurch fühlte sich der erste Vorsteher in teiner AmtSehr« und in seiner absolut unnahbaren, autokratischen Herrschrrwürd« gravirt. Ja seinem Unmuthe soll er sich dem Rabbiner gegenüber zur Arußerung haben Hinreißen lasten: .Wenn ich Ihne« befehle, müffen Sie sprechen." Daß sich der Rabbiner über den so gearteten Ausfluß der vorsteherlichen Souveränetät sehr verstimmt und verletzt gesunden hat, läßt sich begreifen und da« hat ihm auch ein großer Theil seiner Gemeinde nachempfunden. 120 Gemeindeaugehürig« haben in öffentlicher Versammlung da» Vorgehen de« Vorsteher« gegen den Rabbiner al» ungerechtfertigt und ungebührlich stigmatifirt. Wir gönnen dem Rabbiner von Herzen diese moralisch« Genugthuung. Da» Gebühren de« Vorsteher» erinnert lebhaft an die von Jellinek i« »origen Jahre veröffentlichte Skizze über den Terroriömu« jüd. Ge» meindevorsteher. Sehr eigenthümlich berührte un« jüngst ein Reformcapitel au« der Geschichte der jüdischen, seit Jahr und Tag eine« Rabbi ner« ermangelnde» Gemeind« Rybnik. Dort wollte man sich t wtz aller traurigen Erfahrungen, die man bereit» gemacht, nnch der famosen Parole .billig, billig, wenn auch nicht gut", mit einem sogen. Originalgenie beglücken. Man oerschricb sich für wenig Geld einen blutjungen Menschen, der mit der Aspiration austrat, Lehrer, musikalisch gebildeter Eantor uni Prediger sein zu wollen. Die Bedächtigere» in der Gemei lde, die noch nicht so indifferent sind, eine Gewissentsach« cl« pomphaften Luxusartikel zu behandeln, zuckten die Achsel», und fragten scheu: »Wa« kann Gute« au« Nazareth kommen?" Just ereignet« sich eine Hochzeit in Rybnik. Der neue Prediger — von wem er j'miip mnn hat, wissen wir nicht — sollte da« Laar copuliren. Recht erbaulich sollte dieser religiöse Act vor sich gehen. Rybnik, d. h. di« Synagogei^emeulde. di« keinen Rabbiner halten kann, ist auch nicht reick genug, ein« Orgel zu besitzen. Wa» thut der moderne Ritter vom helligen Geiste in Rybnik? Sr begiebt sich in'« floster und bittet de- und wehmülhig um Ueberlastung der Klosterorgel, um da« jüdische Ehepaar mit Orgelklang einztsegnen — ad inajorrin bei »loriam. An den hohen Fes tagen soll man übrigen« diesem Prediger wider Willen da» Predigen unters >gt haben. Hier haben wir da» Gegenstück von dem Borgange in Kattowitz. (Wir wundern un« übrig m», daß der Synagogenvorstand zu Rybnik Unbefugten, di, sich weder über ihr« religiöse Tüchtigkeit noch über ihre religiöse Zuverlästigkeit auSzuw.stsen vermögen, gestattet, rituell« Antthaudlungen wie religiös« Trauungen vorzunehmen. Bi« jetzt hat ma» sich nicht eatblödet, die Orgel au» de« christlichen Kloster zu leihen. Wa» wird nun folgen? Die christliche Liturgie oder Monstranz? E« sieht wahrlich sehr traurig au» in dem einst so frommen Oberschlesien.) Witslegiersbors in Schl.. 4. Oktober. Da» vor Kurzem so unerwc rtet erfolgte tzinscheiden de» Geh. Eommerzienrath» Lou>» Retcheaheim in Berlin hat auch in de» hiesigen Kreisen die herzlichste Theilnahm« erregt. Ausgerüstet mit reichen Guben de« Geiste« sowie de« Herzen» hat der Entschlafene durch sein« umsichtig« kaufmännisch« Thätigkeit dar hiesige Fabrik-Etablissement zur höchsten Blüth« gebracht und gleichzeitig zu de» viele« hierott» bestehenden da» Wohl der Arbeiter fördernden Austalien und Einrichtungen den Impuls gegeben. Reuerding» hat sein Sohn, Fadttkdesitzer Juliu» Reichenheim, in Verbindung mit seinen Geschwistern, der hiesigen Gemeinde zum Andenken an den selig Entschlafenen ein Kapital vin 6000 Mk. geschenkt, durch welchedieselbe in den Stani gesetzt wird, ihr Armenhau» einem höchst uothwendigen Um- und Erweiterungsbau zu unterwerfen. Es wird dadl.rch einem eben so dringenden, wie längst gefühlten Bedürsniß Lbhilfr geschaffen. Ferner haben die Testameat«- Exekutoreu de» Verewigten au» einer ihnen laut Testament zur Förderung wohlthätiger Auftaltrn zu ihrer freien Verfügung gestillten Summe 1000 Mk. zum Bausand» de» Rettungshaus -» für den hiesigen Krei» gespendet, und endlich die Zwecke D>!« Verein» für da» Wohl der arbeitende» Klaffen im hiesigen Kreis« mit 600 Mk. unterstützt, welche zu gleichen Thellen s ür die hiesige Arbeit»schule und zur Unterstützung der hiesig« intenfiveü Gartencultur Verwendung finden sollen. Off« »dach »/M., 2. Oktober. Da» 50jährige Amttjubi läum de» hiesigen Krei»rabbiner» Herrn vr. Formstecher nahm geferu einen großartigen Bettauf. Da» Fest wurde am Bora «ad durch «in Ständchen eröffnet. Di« Hauptfeier de« folgenden Tage» bildete der Gottesdienst, der um '/,12 Uhr begann und fast bi» 1 Uhr dauette. Diese« wohnten die Lettrtter der Stadt, de» Kreise», der christlichen Geistliches tt, weltliche »ad geistlich« Deputationen und zahlreiche Freund«

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