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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 42. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 42.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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lichste» Verwüstungen anrichtete. Und worin bestand die Wirkung dieser Explofiouk Etwa in einer Verjüngung der Menschheit k Nein, st« schraubt« st« immer auf ein« Culturstuf« zurück, dt« mau längst überwunden glaubt«. Dt« Achtung vor de» Gesetz«, da« all« Staatsbürger mit gleichem Schutz« umfaßt, ist erschüttert, der ganze Staatsorganismu» wankt in seinen Grundfesten, und «r währt lange Zett, bi» die Staatsmafchtne wieder in gewohnter weise functioniren kann. Diese Folge«, wie ste naturgemäß der «vpell an di« niedriaften Leidenschaften mit stch bringt, «erden auch, davon und wir überzeugt, im Magyarenlande eintreten. Die Saat, die die Herren Jstoczy «nd Genossen dort au-gestreut, ist Herrlich ausgegangen. Trotz der energischen Mahnungen de» Ministerpräsidenten Ti »za, Ungarn nicht zum Schauplatz« .russischer Zustand«' zu machen, ist durch die antisemitische Schmutzpresst der Pöbel aus'» Aeußerste fanatistrt worden, und hat endlich, nachdem er schon vorher durch gelegentliche» Ltnwerfen von Synagogenfenstern und JnsMrung einzelner Inden sein Rüchchen gekühlt hatte, in Preßburg zu einem entscheidenden Schlag« ausgeholt. Und was da» vetrübendste an der ganzen Erscheinung ist, Studenten haranguiren die Masse. Auch die akademische Jugend Ungarn» verehrt, wie die deutsch« de« Herrn Stöcker» ihren Jstoczy alt nationalen Apostel und mit dem Schlachtrufe .Eljen Jstoczy' spornt "sie die wuthberauschtr Meng« zu ihren fluchwürdigen Thaten an. Unsere moderne Jugend will sich auch für etwa» begeistern und ihre Begeisterung durch die Thal documentirtit. Für ein konstitutionelle» Regiment eintreten, wie im Jahre 1848, da» viele Studenten auf den Barrikaden sah, da» ist jetzt, nachdem wir glücklich in den europäischen Kulturländern konstitutionelle Verfassungen durchgesetzt habe», nicht mehr nöthta, wir müssen eine neue Idee suchen, für die wir un« begeistern. Da stellt zur rechten Zeit sich da« Wörtchen .Rationalität' ein, wir werden jetzt furchtbar national «nd «üthen mit Feuer und Schwert gegen Alle, die sich nicht gleicher magyarischer oder deutscher «dstammuug, wie wir, rühmen können. Und schließlich besinnen wir un« noch daraus, daß dies« semitsschen Eindringlinge die Ikühnheit haben, un» amtliche Stellungen, die wir vielleicht erlangt hätte«, vor der ftjf« wegzuschnappen. zu dem angeblichen Jveali»««» gesellt sich dercrassest« Materiali« mu«: unsere wuth gegen die Söhne Juda'» steigert sich aus'« Aeußerfte. Ueberdie« solle» denn di« d e u t s ch r n Studenten allem da» Privilegium baden, Lollblutantisemiten zu sein? Sind wir schlechter al« sie, stehe, wir aus einer niedriger« Sulturftus«? Rein, beweisen wir durch die Thal, daß die furchtbarste Idee de» »eunzchnten Jahchundert» auch un» in ihren Bannkreis gelogen. beweiseu wir, daß vir die Taleranzdnselei satt Hatzen, vo ungefähr argumeutirt die akademisch« Judend Ungarn», und die vieigerühmte magyarisch« Toleranz» von der man »>cht genug zu rühmen wußte, voa der e« wiederktang in tausend Schilderungen ungarischer Juden, bekommt einen furchtbaren Riß. Auch dt« U»-Lultur schreitet von Osten »ach Westen uorwärt«: Lu»Rußland nach Oesterreich-Ungarn R. Berichte und Korrespondenzen. Demtschlem». Berlin. Di« hier erscheinend«, in Regen«burg redigirte »Jüd. Presse', di« doch rigentlich ihrem Charakter nach »ehr Wähler außerhalb Deutschland» vertritt, hält i> ihrer mir soeben zu Gesicht kommenden neuen Nummer betreff« der wghlen, dem Fürsten Bismarck, der Regierung »nd der »Norddeutschen Allgemeinen Zeitung' einen kleinen Speech, der jedeusaL» »och in dieser Woche von den Witz« tlätter« unserer Reich»hauptstadt verwerthet werden wird, s»ä< ste davon Kenntniß nehmen. Da» Interessanteste sind bl« z Thesen, di« am Schlüsse ausgeführt werden. Mau traut seinen Augen kaum, wenn man daselbst liest: »Wir «erde» konservativ wählen unter folgende« drei Bedingungen : 1) Dt« konservativ« Partei verspricht feierlich der Königltchen StaatsrHierung keinerlei Opposition zu machen. 2) Herr Stöcker wird au» der coaservattven Partei au», geschlossen. S) Die eonservattve Partei schließt sich der Erklärung der Regierung Sr. Majestät .die Rechte der Juden, wie ste durch die bestehenden Gesetze gewährleistet sind, nicht anzutasten'. ohne jeden Rückhalt an. Da« find unsere .Thesen'. — Soweit die .Jüd. Press«.' Man sieht, Stöcker mst seinen .Thesen'' findet Rach« ahmer. Wie man hört, sollen noch in dieser Woche sämmt» lich« neu naturaltstrte Doktoren der .Jüd. Presse' al» Kandidaten der konservativen Partei ausgestellt werden. Am meisten wird sich über diese» poltttsche Manifest jene Berliner Zeitung freuen, dir erst vor Kurzem erklärte: .Da» schlechteste D e u t s ch von den unzähligen in Berlin erscheinenden Zeitungen schreibt die .I ü d i s ch e P r e s s«'. Um so müjr^nuß man stch darüber wundern, daß die .Jüd. Presse' den g u t stllifirttn Einsendungen de» Deutsch»JtraelUischen Gemetndebunde» die Aufnahme in den geheiligten redaktionellen Raum verweigert. Man konnte ein Versehen vermuthrn, al« dies« .Regen«burger Presse' vor einiger Zeit ein .Eingesandt' de» Gemeindedun de» über die für den sei. Landrabbtnee Dr. Meyer veranstaltete Trauerseierlichteit neben allerhand marktschreierischen Anpreisungen in ihrem Annoncenthetl brachte. Den Gipfel der.erstieg indeß diese« augenblicklich gar keine Richtung vertretende Regen»burger Blatt, al» e» dem Gemeindebunde eine Rechnung von S Mk. für jene von allen anderen Blättern gratt» ausgenommen« Nachricht übersandte. Auf eine recht deutlich abgesaßte Reklamation seiten» de« Bunde» erfolgte dieser Tag« abermal« die Bitte um S Mark und hat der S.-B durch Zusendung dieser Summe den Petenten befriedigt. Berlin. In einer vor den liberalen Urwählem de» ersten Berliner Landtagswahlkreis«» gehaltenen Red« erwiderte Eugen Richter aus Stöcker« Wahlrede: wa« Stöcker« zwei Tage vorher gehattene Red« anlangt, so wünschte er, daß dieselbe im ganzen Lande bekannt wrrde» damit mau endlich einmal sehe, welch heiligen t)ia»n Berlin vor sich Hab«. Stöcker scheint die Absicht gehabt zu haben, eia« Galavorstellung in der Judenhetze zu gebe«,wahrscheinlich zu Ehren der Anwesenheit de« Minister» de» Innern. (Stürmische Heiterkeit.) In Ungarn sind'» die Herren Jstoczy und Onody, welche die Judenhetzen mit ihren Krawallen heraufbeschworen haben, dieselben Herren, mst denen Stöcker jüngst in Dresden konfexirte. Rur Gleich und Gleich gesellt sich gern und nur unserem Arbeiterstand«, dec diese Hetzereien verachtet, ist r» zu danken, daß ähnliche Sreuelrhaten bei nn» noch nicht vorgekommen find. Aber andererseits hat Ungarn vor un» etwa» voraus: dort würde e» kein Minister Sr. kaiserlichen Majestät kür angemessen gehalten haben, einer solchen Juonchetzred«, wie sie vorgestern hier gehalten wurde, beizuwohnen. (Enthnsiaftischer mmukenlanger Beifall), .wenn aber Stöcker die Dreistigkeit besitzt, sich aus die Hohenzollern zu berufen» dann will ich ihn an da» Wort derjenigen Hohenzollern erinnern, der der Stolz und die Hoffnung unsere» Baterlaude» ist, und der da sagte, daß eine derartige Beweung eine Schmach für Deutschland ist.' Begeistert stimmt di« tausendköpfige Menge in den Ruf: .Die Hohenzollerv. leben hoch' ein.) Teltzer». Au» den politischen Tagesblättern haben Sie gewiß die Nachricht entnommen, daß auch Eolberg mit der Anwesenheit de« Herrn Hofprediger S t S ck e r beglückt werden sollte, ebenso, wie Belgard, Treptow a/R. und Greise nberg i/Pom. beglückt worden find. Genannter wurde von Herrn Kleist.Retzow begleitet und mußte, obwohl vcn letzterem da» Gesuch gestellt war, daß dem Hrrrn Stöcker die Kanzel de« Marien-Dom» zu einer Predigt »erstattet würde, e» erleben, daß der freisinnige Kirchenrath in seiner nicht großeri Majorttät ihm diese versagte. —

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