Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 40-41.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 40-41.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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ist »enia Hoffnung vorhanden, Rssenstei» am Lebe« ,« «halten/ Srpdtz. Am 10. September waren hier noch 2631 Russen, am 21. 1200. von denen 6 —700 in den nächste» Lagen heimkehren werden. 5—600 aber dürfe« und können nicht heim. Für sie Sorge tragend, reift Herr Beneziani über Wie«. Berlin u^. er, der 105 (bi* 9. Juni) Tag« hier gewellt, und brat da» Meist« de» Guten, da» erreicht worden, in verdanken ist. Bom Grasen Potozky scheint die Erlaubuiß, daß der Rest in Galizien bleiben dürfe, nicht ertheilt worden sei«. Bor seiner Abreise hat Herr B. noch 2500 Gulden die Arme« aller Eonsessionen dem Bürgermeister überreicht. sowie 800 Gulden für die chriftl. WohllhätigkeitSanstatten und 300 Gulden, die durch Seiftliche oertheilt «erden. Wie», 27- September. Die Staat»anwaltschast hat der antisemitischen Bewegung, welche sich hier geltend zu machen versuchte, ihre Aufmerksamkeit zugeoendet und gegen mehrere Agitatoren die Anklage «egen Aufreizung gegen eine Religion«- genossenschaft erhoben. Al» Agitation »mittel werden in neuester Zeit Siegelmarlen mit der Umschrift »staust nur bei Christen" verwend>t. und e» wurden auch solche Siegelmarken mit gereimten Inschriften versehe», welchr unflätige Au»fälle gegen die Juden enthalte». Drei Herren welch«, wie e» scheint, mit der antisemitischen Bewegung ein Geschäft zu machen beabsichtigt haben, find heute vor dem Schwurgericht»hofe angeklagt, und e» muß vor Allem konstatiri werden, daß einer dieser Angeklagten, ein gewiffer starl Zerdoni di Sposetti, ein Führer der antisemitischen Bewegung, ein wegen Erpressung abgestrafter Reool» ver-Jonrnnlist ist. Prag, 24. September. In Slbe-stosteletz. wo schon im Mai diese» Jahre» Ausschreitungen gegen die dort'gen Juden stattsanden, kam e» vorgestern, al< am Borabende de» Bersöhnung«tage«. abermal» zu Judenhetzen. Sine Rotte verwahrloster Individuen sammelte sich vor der Synagoge an und bewarf die Fenster derselben mit Steinen. Dank der rechtzeitigen Intervention de» dortige» Büruermeiste» erschien «in Dragoner« Piquet auf dem Schauplatz und zerstreute die Tumultuanten. Mehrer Sxcedenten wurden verhaftet. Italien. In 85 Gemeinden bewohnen da» stönigreich Italien 46,730 Juden. 36 dieser Gemeinden haben einen Rabbiner. Die Mitgliederzahl schwankt von 10 (Portoferraco) bi» zu 5600 (Rom). Die bedeutendsten nächst Rom find (der .Beffilo" scheint der Jrredenta anzngehören, da er Triest mit 5570 Mitgliedern enoe g£ne zu Italien zählt!) Livorno 4950, Venedig 2500, Florenz 2400, Turin 2000, Ancona 1800, Mantua 1800, Ferrara 1750, Modena 1700, Mailand 1700, Verona 1200. Sine solche Statistik wäre ja sehr anerkennen»- und für die anderen Länder sehr wünschenöwerth — nur müssen dabei Wünsch« und Hofsuuugen bei Sefte bleiben. Die Statistik ist eine kühle Wissenschaft, deren Grundlage die Thatsachen sind. Wo Triest zu Italien gezählt wird, .da ist eben falsch gerechnet worden. Pari». Obschon Sie kein Freund der Publiciruag von Familienereignissen im redaktionellen Theile Ihre« Blatte» find, werden Sie ausnahmsweise Ihren Lesern nicht verschwei- , ge» wollen, daß der einzig« Sohn de» Baron Hirsch sich mit der Tochter de» Baron Worm» (Sukelin oe» Baron Eduard TedeSko von Wien) verlobt hat. Pari». Der Advokat Herr J-Grumbachist zu« Uaterkabiueisches de» Minister» des Innern ernannt worden. Pari». Herr Ferdinand Dreyfu«, Deputirtrr, ist Mitglied de» Obersten Rathe» (conseil >up4rieur) für Ackerbau und der Forfttnfprktor Gustav Moyse ist nach Bordeaux versetzt worden. Rußland. 5 Nein« Städte sind in de» letzten Tagen ei« Raub de» Feuer» geworden. Gräßlich ist die Lage der Juden in de» Städten, in denen chr Wohnrecht zweifelhaft ist. Da werden st« jedenfall» von Hau« «ad Hof vertrieben! I« de, Gemeind« Verhältnissen 'zeigt sich leider ebensall» — ft ^ft^^lA IfiHC X WRw Wfn |vlL f Iffffeng. Sin Gesuch. Sammlungen für die in Palästina mthletdenden Emigranten veranstalten zu dürfen, ist vom Ministerium de« Innern zurüllg«wiesen ««den. De»- halb di.rsen nur Spenden veröffentlicht werden'zu Gunsten der au<> Brody oder Palästina H e i mkehrendea. I , Odessa hat die Gemeind« beschlossen, aus die Snt» fernuni, de« famosen Lehrer» Priloker, de« Begründer» der Serie „Neuißrael", hiiquwirken. Der Rabbiner voa Eftiela hat auS Kiew 8000 und au» Brody 20.000 Rubck für die Abgebrannten mitgebracht. In Ja»«»» (stowao) haben am 27. v. Mtü Besoffene einen üdischen Obsthändler im Uebermuth« todtgeschlage». Der H luptthäter ist verhaftet. Ir VirmtughaU ist di« Gräfin von Sharleoront, jene orthodox«, glaubewßeifrige Proselyün gestorben, voa der der Ob«r»a)bin«r Adler zu sage« pflegte, er wist« nicht, ob die Freiderkerin George Sllito »der ihre Freundin di« Gräfin ». Sh. au meisten Äser für da» Judenthum hätte». Rnmaeien. Sin Lorrespondent de» ,Je»reel" an» Palästina klagt Uber die Blutsauger nn Schwindler, welche de» Emigranten de» letzten Pfennig abpresse». Sin Subjeki, Chajim Becker au« Jaffa, wird namhaft gemacht, da» mir einem Polizeideamtea gemeinsam Geld sür die Gestattung der Landung abjagt. Die sogenannten Hüls»comit6'« thun Sicht» dagegen! Kaiser Wilhelm and die Jüdin. Sin« deutsch« Geschichte und Uriegeennnenmg »on R*Ntt Meyer. Ah weiß in der Thar nicht, ob ich meine Geschichte so nennen darf, nämlich: .Sine deutsche Geschichte." Aber nachdem ick über den Inhalt derselben hi» und her gedacht Hab«, scheint mir doch die schließlich« Lösung de» stnoten» eine echt deutsch«. Schiller sagt in einer Erzählung: .Gegenwärtig« Anekvole von zwei Deutschen — mit stolzer Freud« schreibe ich da« nieder — hat ein unbestreitbare» Verdien»: sie ist wahr." Deutsche sind die H.lden meiner Geschichte auch. Und wahr ist sie »uch — mit stolzer Freud« schreibe ich da» nieder. I r der Garuisonftadt R. in Schlesien gab e» in der zweiten Hälfte de» Monat» Juli de» Jahre» 1870, kaum einen -5ag später, al» Frankreich den Rraeg an Preußen erklärt hitte, bunte» Leben und Treiben, an die Wort« de» Dichter« ernnernd: -—-— ta wird (in augcnklitflicb Brausen und Bewegen, Der Mar» »elrbt sich, Straßen, Flüsse find Bedeckt mit Fracht. Zwar bestand dir ganze Garnison außer einer Schwadron Huiareu nur au« einem Infanterie-Bataillon, aber wa« der Stadt R. da« Brausen und Bewegen verlieh, da» war zunächs: die civil« Bevölkerung der Straßen, ein Verkehr aus den öffrntllchen Plätzen, wie ihn da» stille Städtchen iaFrieden»zei!«n nicht kannte. Die Ungeduld verlangte nach Neuigkeiten. Niemand hatte zu Hause Ruhe. Dazu kamen die Züge ter Reservisten und Landwehrmänner, die zu Fuß» zu Wagen singend und lärmend, in die Stadt einwanderten, um sich an ihrem Depotplatz« einkleiven und bewaffne« zu laffen. Pferde! ran»porte machten da» Bild noch bunter. Der einderufene Arbeiter de« Otte» selber, der Handwerker, der Kaufmann und dec Gymnasiallehrer legten ihr Handwerkszeug bei Seite, um fick' in die Schwadron oder da» Bataillon der Stadt eiazureihe-r al» Gemeiner, al» Reserve Unteroffizier oder Offizier, oder um mit der Eisenbahn einen anderen Ort aufzusuchen, wohin die Dienstpflicht sie rief. Welch« Umwälzung de» friedlichen Otte» binnen weniger Tage! Da konnte man wohl sagen, vie e« bei Schiller andrr»wo heißt: .Dies«» Lager lär-