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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 40-41. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 40-41.
Article
Beilage zu Nᵒ 40-41.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Beilage zur ,^Israelitischen Wochenschrift." Btr. 40. tt. 41. Magdeburg, den 4. Oktober 1882. 13. Jahrgang. Vermischte und neneste Nachrichten. M»gtzeh»rg „Hameliz" stellt die Frage, welch« wir der ungarischen Justiz zur genauen Erwägung «mpsehlen: Woher hatte Oaody da» Bild der Esther Solymoffi, da» er aut dem Antisemi'encongreffe vorzeigte 1 Ist e» anzunehmen, daß eine arme vauernmagd sich photographiren läßt? Oder — lebt fU noch und ist erst nach ihrem Todgesagtwerden zu Parteizwecken photographirt worden? Verls». Am 23. September wurde eine Frau in ihrer Wohnung in der Jüdischen Alter-V«rsorgung»»Anstalt in der Großen Hamburgerstrab« erhängt gefunden. Auf dem bei Weißensee gelegenen Friedhofe der jüdischen Gemeinde find in der Rächt zum Donnerllag zwei Kindergräber geöffnet und der Leichen beraubt worden, welch« jedoch am selben Tage in unversehrtem Zustand« und noch mit der Wäsche bekleidet an der Mauer de» Friedhof», außerhalb deffelben, wieder aufgesunden worden sind. Berit». Die „Boss. Ztg." schreibt: vor un« liegt ein an »inen hiesigen jüdischen Kaufmann gerichteter Brief. Der Inhalt deffelben würde auf öffentliche Beachtung gan» und gar keinen Anspruch haben, wenn die Person de« Brtesschretber» ihm nicht einige» Interest« verlieh«. Der Bries ist noch neuere« Datum«. Er datirt au» Kreuth, 17. August 1880, und hat folgenden Eingang: „Sehr geehrter Herr A. Erst diesen Augenblick gelangt Ihr so überau» freundliche« Schreibe» an mich. Roch vor wenigen Tagen erzählte ich meiner Frau von Ihne», wie Sie meine ganze Earriere vom Primaner, Abiturienten, Studenten, Doktor und Schulmeister bi» zu« Preitsieger der Akademie der Wiffenschaften mit wahrhaft väterlicher Freundschaft verfolgt haben, und nun geben Sie mir wieder einen vewet« Ihrer fortdauernde» Theilnahme. Gleichzeitig mit dem Ihrigen bekomm« ich noch rin« Meng« anderer Glückwünsche, und doch erfüllt mich kein einziger mit so inniger Freud« wie gerade der Ihrige; denn all« anderen kommen von Freunden, mit denen ich in täglichem Verkehr bin, Sie aber gedenken sreundlichst meiner, obwohl ich leider durch die Uederlast der Arbeit gehindert war, den alten Verkehr -siegen. Und deshalb fühle ich mich gerade Ihne» und den lieben Ihrigen doppelt dankbar für diesen Bewei» Ihre» Wohlwollen»." Der übrige Theil de» Briefe» bewegt sich in iiebe«»«ardigen Plaudereien zu dem alten wahrhaft väterlichen Freunde und schließt: .Mit herzlichem Grub an Sie und di« lieben Ihrigen Ihr ergebener — Ernst H e n r t c i." Hinzugefügt mag nur noch werden, daß schon der Vater de« Herr« Vr. Henrici Gelegenheit hatte, den jüdischen Kaufmann, an den obige» Schreiben gerichtet ist, von bester und wohlwollendster Seit« kennen zu lernen. Berit». R ich der .Etat. Sott." betrug am l. Dezember 1880 di« Zahl der G«iftr«kranken in Preußen «6,345, und zwar 34,309 männlich« und 32,036 weiblich«: am 1. Dezemder 1871 waren vorhanden gewesen 33,043 Geisteskranke, darunter 28,002 männlich« und 27,041 weidlich«. Beim männlichen Geschlecht ist dl« Zahl der Seist«»krank«n verhältnißmäßig größer und steigt auch in stärkere« Maaße, al» beim wetbltchen Geschlecht. Die Vermehrung der Geisteskrankheit trifft bemerkenöwtrther Weis« die höheren Altersklasse«. Unter 10,000 Personen uuter 13 Jahre« waren 7„ (1871 7,) g-iste»krank, unter 10,000 von 13—30 Jahren 31„ (1871 29, j und unter ebensoviel Personen über 30 Jahren 33„ (8i„). So» da» Gl iuden«btk«nntutß anlangt, so nehmen auch hier» wie bet de« Taubstummen, die Israeliten eine «rceptiouAl« Stellung «in, indem sie einen verhäünißmäßig schr große» Procentsatz Geisle»kranker unter sich haben, während von 10,000 Evangelischen 24., und von 10,000 Katholiken 23„ geiste»kra«k waren, gab e» unter ebensoviel Israeliten 38,,. Au« Drrsde» wird noch geschrieben: „In der zweiten und letzten Congreßsitzung sprachen nahezu all' die bekannten Führer der Bewegung. Für Heiterkeit der Berathenden hatten die entfernten Freunde durch Abfaffung ihrer Zustimmung»- Telegramme gesorgt. Hier nur zwei solch'-geistreicher Sprüche: „Germane, Ruff' und Slave sei nie de» Semiten Sklave" oder: „Der Uebel größte« sind di« Juden." Nach dreteinhalbstündiger Sitzung wurde der Eongreß geschloffen. In Anbetracht der kurzen Zeit und der vielen „Arbeüen", die noch zu erledigen waren, hatten viele Antragsteller ihre Anträge zurückgezogen. Jstoczy erhielt da« wort zur Verlesung seine» Manifeste» an di« Regierungen und die Völker. Ur. Liebermann au« Berlin gibt bekannt, daß Stöcker heut« früh Dresden verlaffen habe, und bemerkt zugleich, daß der Herr Losprediger nicht für da» Manifest stiminen würde. „Meine Herren." beginnt Henrici. „wir kommen jetzt zu der höchst wichtigen Frage, wie da» Geld zur Verbreitung de,! Manifeste« aufzutreiben ist. Wir hatten die Geldsache zum Schluffe gelaffen, doch ist die Frag« zu wichtig, um nicht eingehend eiörtert zu werden." Der Antrag der Herren v. Achenbach und Dün2"n-Rißbach lautet: „Im Oste» der Monarchte soll eine Sperr« gegen Einwanderung der Juden errichtet werden. 2. Die Juden sind vom Milttairdtenst zu befreie» uns zahlen dafür Kopfsteuer." Die Antragsteller sind nicht anwesend und debhalb r.serirt über den Antrag Ur. Henrici. Betreff» de» zweiten Punkte« sagt Redner: „Der Militärstand ist eine Ehrensache; wir aber sehen e« nicht al« Ehre an, mit den Juden ln Reih' und Glied zu stehen." Der Antrag wird einstimmig angenommen." Elsaß. Bei dem Eisenbahnunglück« in Hugstetten ist nur rin Israelit (Bernheim au» Colmar) verwundet worden, schwer, aber nicht tödtlich. — Der Pastor Munster in Eolmar hat in einer Reo« sth dagegen ausgesprochen, daß man dergleichen Unglücksfälle al« „Solte»stras«". „Gotteifinger" anseh«. „Da« kann Msch-Heidnisch sein!" — Di«»zWort hat bet unseren Glaubensgenoffen viel böse» Blut gemacht und der Rabbiner Mock van Mühlhausen hat dagegen geschrieben. Die Herrschaften vergcffen dabei, daß der Herr Pastor sich auf «ine Stelle seiner Bibel bezog, in der von 18 Personen erzählt wird, di« ta Sila umkamen. — Dagegen hilft nicht«. Wa» dort steht, muß ai« Wahrheit gelten- In Altktrch (Oberelsaß) ist der Siabbiner Elia» Lang. 63 Jahre alt. gestorben. Außer den Rabbinern von Thana, Dürmenach, Sultz und Eernay, hat auch der Rabbiner von Veifort am Grade gesprochen, „damit auch da» französische Wort gehört werde." Au« Cjrruotvitz wird un» folgender Vorfall gemeldet/ „Der c*nd. phil. Joseph Rosenstein, w.'lcher einer der fleißigsten und tüchtigsten Studenten der Czernowitzer U liversität war und mit Unterrichtgeben sein« arme alt« Mutter ernährte, hatte am 9. d. au» Verzweiflung über seine und seiner Mutter Rothlage einen Wahnstnn«anfall, in welchem er solaenden gräßlichen Plan zu seinem Selbstmorde faßte: Er kaust« sich Spiritus, begoß mit demselben seine Kleider, sein Gesicht und seinen Körper, nahm von dem Alkohol den Mund voll und zündete sich dann inmitten seiner Wohnkammer silbst an. Da» Jammergeschrei, «eiche« der Bedauernswerth e erhob, rief di« unglückliche Mutter deffelben und mehrere!>!achbarit herbei, deren Bemühungen «4 gelang, da« Feuer zu lösche». Der arm« Student war aber über und über mit Brandwunden bedeck« und wurde in bewußtlosem Zustand« »ach dem Spital« überführt. Hier kam er nach einer Weile num Bewußtsein und äußert« zu seiner Umgebung, daß er ge n» sterbe, jedoch «egen seiner armen Mutter sehr bekümmert sei. E»

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