Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 40-41.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 314 — all Predtger dir Wiener Israel. LustuSgemeiad«; er ckoaute tzäcs« Periode seine» s«gea»reich:n Wirken« nicht herrliche schließen., al» mit den zündende» Jomkippnrpredi-ten. fr wählt« |tun Text« seiner Siede da» Dort, da« am Jom-Kippnr ln allen Tonarten an da» Ohr der Juden schläat, da» Dort »mn »Künde." Sr legte in musterhafter Weise da» Wort »ad die Entstehungtgeschichte der Sünde dar. Vor Rüilah betrat er iwch eiainal di« Kanzel uns in feierlicher Stunde, al» der h'itig« Tag seine« Ende znireigte. speadete der Redner vor der Kopf an Loos gedrängien BersaouNluag unserem Kaiser, »de« Hohenpriester der Huo»anitLt tu Europa", der. 'öl« alle Herrscher der Erde schwiegen, sein Machtwort zu Gunsten unsere« Volke« erhob, und der am seiner Brust die Urim und Lhunim der Humanität und Gerechtigkeit trägt — im Namen de» Judenthum« Lob und Dank. Die Versammlung erhob sich wie Lin Man» und stimmt« begeistert mst ein in da» Gebet um da« Wohl de« Kaiser«. Dir rufen dem verehrten Jubilar zu seinem Judeltage da« Wort »u, da« er vor 35 Jahren seiner Antrittsrede zu Grund« legte: G,Set stark!" Möge e« ihm noch lange gegönnt fein, ch leine herrlichen Sieden unsere Glauben« genossen mit Liebe und Begeisterung für'« Judenthum iu erfüllen und die jlld. Literatur befruchtend zu bereichern! Red.) Pest. 2«. S.'ptember. Fast jeder Tag bringt neue amtlich beglaubigte Beweise daiür an« Tageslicht, daß die ge« richtkichen Organe während der ll'.tterfuchang in der TiSza- ESzlarer Aff irre sich gröbster Unzukö nmltchkeiten schuldig gemacht und Torturen an,«wendet haben, um ihnen passende Sursagen zu erpressen. So gelang» h«Me ein am 32. August in HuSzt vom vonigen KreiSnotar ausgenommen«« AmtSpro» tokoll zur Veröffentlichung, worin jene Flößer, welch« bei Dada einen weiblichen Leichnam gefunden haben, bekennen, daß sie mit Peitschenhieben gezwungen wurden, so auözusagen, wie ihnen dikttrt worden ist Bekanntlich sp eken die Flößer in der Affaire eine hervorragende Stolle, denn die ihnen erpreßte Aussage wurde seither dazu benutzt, um den Beweis hrrzustellen, daß von jüdischer Seite ein LeichensLmuggel getrieben wurde, um die Untersuchung auf falsche Fährte zu führen. Diese Flößer nun, mit Namen Jura Andrin Esepkanic«, Jhna Jura Mathe und David HerSto, erklärten in jenem Protokoll, daß sie im Dienste oe» Ho'.zhändlerS Salo> mon Sreter im Frühjahre ausgenommen wurden, um Holz auf Flößen nach Szolnok zu expediren. Auf dem Wege nach Szegedin ruhten sie an der Grenze von TiSza - Dada an«; zwei von ihnen gingen in« Dorf, während Esepkanik« zurückblieb und die Mahlzeit bereitete. Dieser bemerkte, daß ein Leichnam gegen da« Floß h.-rausschwimme; er erschrak darüber, und al« feine Genossen zur Mahlzeit zurückkehrten, erzählte er ihnen, wa« er gesehen. Sie wollten ihm nicht glauben und kümmerten sich nicht weiter uin die Sache. Da kam ein ihnen damals unbekannter Flößergehilfe, BaSzili Paczkan, dessen Namen sie erst später erfuhren, herzu; diesem erzählten fi; von dem Leichnam. Paczkan ging voran«, und die übrigen Drei folgten ihm. Nun erkannten sie erst, daß et ein weiblicher Leichnam sei. Ein Dorfwächter wurde nun zum Richter geschickt, um die Anzeige zu erstatten. Inzwischen zogen sie ven Leichnam an« Land, und da Kräh-n aus denselben flogen, scharrten sie ihn ein. Der Richte.' kam dann au« dem Dorfe, gab ihnen 60 Kreuzer zu Schaap» und entließ sie. So kamen sie bi» Szoluak, wo sie und ihre Genossen Het«ka, Szavinecz, Szevcze und der ihnen unbekannt« Paczka von bei» Panduren frstgenommen und in» Nyiregyhazaer Sefängntß geschleppt wurden. In Ryiregyhaz^ sagten sie den Tatbestand, wie er sich zugeiragen, au«. Ban hier wurden sie nach TiSza-Lök tranSportirt und neuerding« zu Aussagen aufgefordett. Nachdem sich jedoch »er Pandur mit ihrer der Wahrheit entsprechend.-:, Aussage nicht begnügen wollte, zwang er sie durch Schläge, z» rmdereuNuSsagen, di« sie jehoch nicht abgeben konnten. -Nunmehr nah« die Sache eine für sie schr ernste Wendung, den» sie wurden gebunden und bald mit Stöcken, bald mit Peitschen grausam geschlagen, wohin der Pandur «de» traf. ,Iuf diese Art wurden sie genöthigt, auözusagen, wa» der Pandur dikkirte; er wollt« nämlich, daß sie aulsagen sollten, de« Leichnam von Jankel Smilowic» zu dem Zweck« erhalteli zu haben, diesen Leichnam an eine bestimmt« Stell« zu bringrn. Nachdem ste grtusam gemärte 1 worden waren, gaben Math« und HerSko »ach, indem sie erklärten, daß sie unter solchen Umständen selbst auf ihr«» Later jede» auch nicht geschehene Verbrechen ringestehen mürbe», al» sich weiter umrtern zu lassen. Rnr Jura Esepkrnlc« verblieb trotz der Tortur bei der erste» wahren Auösagc. Rach dieser Darstellung de» Sachverhalte« — so heißt e» weiter in de« vom »Egyetertes" mitaetheilten Protokolle — erbt teu die Unterfertigten de» Protokolle» Information darüber, wohin uns gegen wen sie ihre Klage «egen erlittener Torturen uuo «eg.-n de» ihnen zugefüglen Sch »den» von 388 fl. für'Flößertühne n»d entgangeuen Arbeitslohn während de» füufwöcheullichea Gefängnisse« richten solle». Pest. Herr Oaody war al» Stuhlrichter ein bösartiger lyraun der geuau diesetb« Prozedur übte, die jetzt von jenen Gerichten bekannt geworden ist. der Unschuldige «iriera. Zeugen prügeln ließ und überhaupt empörend« Grausamkeit»» beging, bi« er eben selbst von ven eigene» Gerichten wieder- I hotte Sirufen sich zuzog. i Sün Freund »uv Kollege in Lira, Herr Cerboni, ist erst düse Woche »egen Verbrechen« der Erpressung mit! sechs Sonaten Kerker und auch sonst vielfach von Militär- | uud Lonlge richten »egen verschiedener verbrechen »ad Ber- > gehe« z» längeren »der kürzeren Freiheitsstrafen verurtheilt I worden. Dieser Eerboni ist in Wien der Held de« Antisemit,«» m«, jene: Oaody ist e« in Unzirn, uuo dies« beiden Herren wrrden von Deutschen in Deutschland geseieN und al» Brüder behandelt, und sie erkühn.'» sich, in Deutschland Agstatioasrelsen zu unternehmen. , Preßburg. Die van Oaody auSgestreute Saat ist hier aufj gegauge ». Man telegraphir» amtlich vom 29. Sept.: »In Folge der gest'ra Abend in einzelnen von Inden bewohnten Gaffen , vorgetollmenea Exzesse, denen durch da» Einschreiten von ] Miittärpatrouill-a Einhalt gethan wurde, uns 40 Personen | verhafte: worden. Der Magistrat ha! sich in Permanenz! erklärt and einen Beruhigungsaufruf erlassen. Da« Militär ist in den K »fernen konsignict. Der auf den 2. Oktober , an beraumt gewesene Jahrmarkt findet nicht statt, l Die .Pceßbnrger Zeitung" schreibt: Der Pöbel feierte ein sörntlcheS Bacchanal ver Wnth und des Haffe«. ES zeigte si h auch, daß ver Exzeß förmlich vorbereitet war. Aus : der Straße lag nämlich eine große Menge Steine, welche Tag» ü »er herdeigeschafft waren, mit der Bestimmung. für'» - Bombardement zu dienen. Alle Fenster wurden zertrümmert. Als teile Steine mehr vorhanden, wurden die Kaufläden! aufgerissen» zertrümmert und sorann mit Holzstücke» da» > Bombardement fortgesetzt. Von der Kapuzmergaffe bi» zum Schloßbrg ist keine Fensterscheibe ganz geblieben. Al» die Exzedenteu eben daran waren, die Syaagoge za bombardirea, , wurde auf dem Schloßberg Alarm geblasen. Da» Militär . war in vollem Anmärsche. D.e Soldaten triebe» ven Pöoel I mit gesr llten Bajonetten auseinander. Die Judengaffe wurde j abgesperrl; trotzdem gelang e» zrhlreichen Leute», in. die > Juoengaffe zu eutkommen. wo da» Steinbombardement wieder! ausgenommen wurde. Rur laugi'am g'lairg c», die Kapuziuerstraße und die Judengaffe zu säubern. Gege» fünfzig Verhaftungen wurden vorgeno-ume». Es sino durchweg de» trunken«, beschäftigungslose Leute. Keine Berhaituag ging iudeß glatt ab, da der Pöbel immer Partei für die Berhastete» ne hm. Auch gege» da« Militär kehrte sich die Wath de« Pölül«. Biele Tumultuanten griffen mit den Händen nach den vorgehaltenen Bajonette». In vier Fällen wurden di« vajruette von den Exzedenteu zerbrochen uud die Stücke d«« So baten «st unbeschreibliche« Geoeul« vor die Füße geworfei». Wie viel« Beroundung« vorgekommea, läßt sich