Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 40-41.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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noch nicht jigm, tzochmirdsvs» vHfätd, daß Verwundungen «öchtreichy PersouM stattfaud«. In de» Vorort Vlumenthal nähmen,ur selben Zeit di« Exz^s» noch grfifcet* Dtmenstouen an. I« Aast ho ns, da« einem Jude« gebürt, wnrden all« Möbel zertrümmert, di« Einrichtung theil« auf die Gaffe geworfen, thell« vo» zu Rältbern avancirteu gxzedeuteu mitgenommen. Soldaten und Polizisten verweilten di« ganz« Rächt in vlumenthalvon den Gefangmen haben mehrer« geäußert, daß di« heutige Rächt nur «in schwache« Vorbild der am Sonnabend eintrrtenden Plünderung« sei Luch da» in Pres,bürg «scheinend« AutisemUeudlott, welche die ganze Hetz« verschnidete, muß zugeden. daß Plüuderunge« und Verwüstungen stattgesunden. In Pest und Uten machten di« Krawalle den peinlichsten Eindruck. Die Pester Blätter verlangen grüßte Streng«. Mehrere fordern den Rückttktt de« Instlzmintster« Pauker, weleher den Rntisemitiümu« grobwachsen ließ. Inzwischen dringen di« au« Preßburg in Wien eintreffenden Eisenbahnzüge viele von dort flüchtend« Familien: andere Judensamilien wurden vo« besreuudeten Chrrften ausgenommen, wieder ander« in Sasthüfen einquartirt. Der Magistrat «Lävte sich in Permanenz und «ließ einen Aufruf, worin er die Bevülterung zur Ruhe ermahnt. Da« Militär ist tu aiden Kasernen, konflgnirt; kleinere Patrouillen durchzogen Tbtz« über di« Straßen, Abend« wurden die Patrouillen verstärkt Di» Verwüstungen von gestern sind sehr aag, der Schaden ist groß. Der schlimmste Agitator ist Simonyi, Reich«tag» Abgeordneter und Eigenthümer de« Preßburger Hetzblattes »Westungarischer Srenzbote". Simomzi hetzte arach Halle und lagt«, »jetzt sei die Sache im besten Zug", von Preßburg wurden auch Agitatoren iu da« umsiegend« Gebret der Slooakei entsendet, um Judenhetzen hernorzurusen. Allr« da« erregt hier peinlichste Sensation. Preßtzurg, 30. September. Der Lhes der Staatspolizei, Jekeltalnffy, ist hier eingetroffen und entschloffen, mit rücksichtslose Strenge vorzugehen, «oeutuell von Waffengewalt Aedrauch zu machen. Gr ordnete an, daß jedwede Ansammlung von mehr at« fünf Personen verboten sei. Rach 7 Nhr Abend« ist überhaupt jede Ansammlung untersagt. Er ließ den bekannten Lntisemitenansührer Simonyi rufen und halte mit ihm eine äußerst erregte AuSriuandersetzung. Jekeliotuffy tadelte di« städtischen Behörden und nannte dieselben unfähig. Preßtznätz, t. Oktober. Hier wurde gestern nach dreitägigen Unruhen lhalsächlich der Ausnahmezustand eingeiührt. Die Garnison ist verdreifacht, alle vom Land« nach der Stadt führenden Weg« sind militärisch besetz«, niemand kann ohne genügende Legitimation nach der Stadt gelangen, in welcher jede Ansammlung an üffeuttichen Orten verboten und amtliche Ankündigung sofortige Anwendung von Waffengewalt bei der geringsten Ausschreitung androht. E« versuchten letzte Rocht einige Individuen neue Krawalle, die Ruhestörer wurden jedoch sofort verhaftet. Die Uutersnchung ergab, daß bedeutende Geldmittel vertheilt worden waren, um die Krawalle hervorzurusen. Krnknn, 26. September. (Or.'Eorr ) Der Patriotismus de« jüdischen Stamme« ist eine unbestreitbare, wenn auch von deu «odernen HamanS bestrittene Thatsache. Man lwaucht nur daran zu erinnern, daß schon Jinnia den babylonischen Exakuitlnl die Vaterlandsliebe einschärste, und daß sie dies« UnttrthanStrrue unter dem letzten persischen Könige, Alexander dem Großen, gegenüber «ü Gefahr ihre« Lodens bekundeten, welch« Treue ihnen auch, sowohl bei der griechlfchen als" guch bei der späteren ägyptischen Regierung zu Gute kam. DiS^Iade» Galizien« find hierin aQm übrigen Juden gleich, sticht nun tteben sie ihr Vaterland, sie haben auch eure besondere Vorliebe für die Polen, so daß sie sowohl die deutsche, als auch, die hebräisch« Sprach« oernachläffigeu, und für die polnisch« Sprach« schwärmen. Di« Juden Galizien« taffen sich« auch nicht nehmen, daß die Polen und nur die Polen deu Juden ganz besonder» geneigt und zugethail sind. Di« istll-stea Vorgänge beim Landtage und der Ton in allen polnischen Journalen find leider geAgnet, dies« süßen Wahn zu zerstören. Selbst da« ueuest, tu Kroko» erscheinende Blatt-, »die Reform', von der man etwa» Toleranz erwartete, ergreift gerne die Gelegenheit, u« di« Juden zu »ecken. Jede« diese» Blatt von etiler Tramway berichtet, welch« tu Urals« gebaut wird, »lacht e« die Bmuerkuua: Ru« wird für hott leichten Verkehr der Söhne Israel« gesorgt suni — Der AntisemiliSmu« graffirt leider auch in Galizien. Traurig ist e», daß im Schoß« der Juden selbst Versolgung, Berdlchtigllug und Augeberei herrschen. I« Wien z. v bmchästigt sich ein orthodoxe«, mit deutschen Lettern geschriebene« Blatt, mst Anklagen der Illoyalität, von Seiten der Wiener Gemeinde, bas^eit gilbt e« nur da« von Breul»r gesprücheu«: Pfui. ktzrattkretch. Pari«. I» ihrer Reujahrübetrochtttng heben- »Arisiv. tSr." hervor, wie der Antisemttismu« e« im verflossenen Jahre versucht hat, in Frankreich Bode« zu faffen. Ein Blatt (Anti- Juif), sowie ein« Börfenvereinigung haben beide kläglich Fta«co gemacht. Im Innern haben di« viele» Synagogenbauten den Vesu b dersetb« nicht gemehrt. — Der GastrSdiensi stsitt'Rtschhaschonoh hat hier dt« t Uhr gedauert. Im 2. und tl. Arrondissement - flnd jetzt ISreeliken Adjuncten'der Maire (die Herren Aron und Meyer). Der Brandrabbin von Oran, Herr Jsaac Bloch, hat da« Rabbinat von Algier angenommen. — Für die Russen (für welche der Stadtrath van Evest, eine« Städtchen im Dep. D>5me, 25 Frc«. votirt hat), sind besondere Gebetträume für die Festtage in SchuUvcalen der Sonfiftorialschuleu hergestelll worden. Unter 4 neuen Ingenieuren (für Pulver und Salp.'ter) sind 3 J-raeliten. — Man spielt iu der Oper: »Du Jüdin", im Gatt«theater »Der polnische Jude", in den s^antaisie» Parisienne« »Die Jüdin von Shateau Trompettec." Pari«. Die Blätter aller Richtungen beschäsligen sich lebhaft mit dem Uebertritt de« Frl. v. Rothschild zum KatholiciSniuä Die »Patrie", weiche freilich den Baron M. K. Rothschild zum Oberrabbmer von Frankfurt macht, will wisse», daß man eine sehr eifrige Zuhßreri» de« Abb>; Ballet, eine distinguirte Katholikin, al« Lehrerin in'« Hau« Rothschild genommen. Der Taufe, wre der Trauung hat kein Mitglied der hiesigen R.'schen Familie und auch nicht der Later der Braut beigewohnt. Die getauften Schivestern und die Muster vertraten lsie Familie. Di« österreichischen Bahnen und die französischen von Avricourl an habe» für die Herbesürdrruag der SlXs Raffen einen Preisnachlaß von 50 piit. bewilligt. Hier warben die ankommenden Abtheilungen vom Bahnhof« abgehol : und in Wagen iu bereitgestellte Wohnungen (jede Familie eine besmidere) gosährt, wo sie MSbel und Kücheneinrichtung antref» fen. In der ersten Zeit erhält die Haushaltung von zwei Personen 15 Franc« (12 M.) wöchentlich — für Kinder einen Zuschuß. 7 von der ersten Abtheilung haben sofort Arbeit gesunden. — Am 12. September ist die Synagoge de« RabbinersemiuarS durch beide Obrrrabdiner eingeweiht worden. Ein sehr aller Brief au« Aegypten berichtet Un. l«r., wie Cattavi Pascha (ein JSraelit!) dem Oberrabblner von Cairo Beseht« an alle Verwalter und Pächter seiner Güter hinterlassen, wvuach sie alle« Getreide, da» zur Erhaltung der armen Juden in Kairo nüthig sei, liefern sollten, und daß decseibe, auf die Kunde, daß alle Juden oe« Innern nah Kairo sich flüchteten, au« Pari« mehrere Pascha'« ersucht habe, Geldunlerstützungen zu geben, die er ihnen wiedererstalten wolle. Der Ur. jur. Weinberg, Advokat, ist von der Regierung nach Pest geschickt worden, »ist dem Austrage, wichtig» Fragende« inlernationaieu Recht« zu studiren. Der iSr. Lehrer in B e l» fort, Herr Gerst, ist zum Officier de« üffeuttichen UnrerrichteS ernannt worden. — En Stipendium von 12000 Frc»> jährlich hat der Stadtrach von Boutogue-sur-Mer dem jungen JasinSki, Enkel de» polnischen Flüchtling» HolländerSki, bewilligt, damit er in Douai Philosophie studirr.