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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 39. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 39.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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rufen, zu welcher er den stellvertretenden Borsteber der diesige» jüdischen Gemeinde schrtfilich eingeladen hatte. Die« Schreiben gab den Anlaß zu einer Anträge an den antisemitischen Prediger, um iva« <« sich denn eigentlich in dem wunderlichen theologisch politischen Colloquium handeln sollte, woraus di« Antwort einlies, e« würde ein« P tition an den Fürsten Bismarck um zwangsweise Uebersührung der deut« schen Juden in da« Land der Pharaonen beabsichtigt, die Petition werde in der Persamnilung zur Unterzeichnung aufgelegt sein; die erscheinenden Juden stünden unter dem Schutz de« Gastrechtder Antisemiten. — Eging selbstverständlich kein Vorstandsmitglied hin. (Bergl. Leitart.) Berlin. Gegen den Verleger der .Ostend - Zeitung' Herrn Juliu« Kuppel, stand am jüngsten Sonnabend vor der I V. Strafkammer Termin zur Verhandlung einer Anklage aus Grund de« 8 166 de« Reichsstras - Gesetzbuch«« an. Die Anklage beschuldigt ihn bekanntlich, in den von ihm herauSgegebenen Extra-Blättern die jüdische Religion beschimpft und deren Einrichtungen und Gebräuche verhöhnt zu haben und zwar in Arirkeln über die bekannte Afiaire Esther Solomoßy. Der Staatsanwalt Schäger hatte 6 Wochen Gefängniß beantragt. Der Gerichtshof sprach ihn aber frei, indem er eine seine Distinction zwischen Juden al« Volk und Juden al« Religiontgesellschaft machte. sWir kommen auf die merkwürdige Verhandlung zurück.) Berlin. Au» anlsiemitischen -reisen geht der .Franks. Ztg." folgender Rachruf zu: Wiederistein treuer Kämpe aus den Reihen der nationalen Volksbeglücker geschieden. Der „Redakteur" Franz KieSlich, der früher in allen christlchfozialen und konservativen Versammlungen al« Sprecher und Adjutant der Herren Stöcker, Ruppel, Heurici, Cunow und Lrevermann von Sonnenberg glänzte, trug seit einiger Zeit ein auffallend gestörte« Wesen zur Schau und zeigte seinen Freunden einen Paß zur Auswanderung nach Amerika. Jetzt scheint er nach der neuen Welt geschieden zu sei», betrauert von seinen Genosien. Warum k das sagt da« „Jntelligcnzblatl", denn dort widmet ihm uuterm 18. v. M. die kgl. Staatsanwaltschaft einen ehrenden Rachruf in Gestalt eines Steckbrief«/ wegen .versuchter Erpressung". Halle. Die Straskammer verurthcilte in ihrer Sitzung vom 31. August de» Regcumäntelmacher Moses Jacobs au« Schoden in Rußland wegen Urkundenfälschung zu 9 Monaten Gesängniß. Derselbe mar durch Beschluß der königl. Regierung zu Wiesbaden au« dem deutschen Reiche auSgemiesen und sprach bei seiner Durchreise durch Halle den Armenvorsteher Herrn t)r. Fröhlich um eine Unterstützung an. Er erhie t von demselben eine Anweisung auf die Armenkasse der Syna« gogengemcmde in. Betrage von 50 Psg., wozu Jacob« in die Markrudrick die Zahl ü hinzufügte. — Halle a/S. Die neukonservative .Höllische Zeitung" sucht die konservativ« Sache dadurch zu retten, daß sie den aussichtslosen Versuch unternimmt, die Antisemiten von den Konservatlven zu trennen. Diese« Blatt sagt: .Bezeichnend ist er, daß man in denjenigen konservative» -reisen, in denen daSWort konservativ in seiner edelsten Bedeutung ausgesaßt wird, sehr ungehalten darüber ist, daß die Antisemiten ihre Agitation meist unter konservativer Hülle betreiben. Mst Recht sagte erst kürzlich ein durch Geburt und Gesinnung ausgezeichneter Führer der -onservativen zu mir: wie kan» man sich erkühnen, eine Bewegung mit dem -onservatiSmu« zu verquicken. die deni obersten Grund'atz desselben, der Achtung vor dem Recht und den bestehenden Gesetzen, in dem Maße Hohn spricht, wie die iu den Berliner Versammlungen kul» tivirte antisemitische." Der verantwortliche Redakteur der „Höllischen Zeitung", welche in dieser Weise über die Berliner Antisemiten - Versammlung spricht, zeichnete im vorigen Jahre in gleicher Stellung da« — „Deutsche Tageblatt". -«iber«. Herr Stöcker beabsichtigt« in der evangelischen artenkirch« Hierselbst einen Vortrag über die Berliner Stadt- > misiion zu halte». Der Gemkind« --irchenrath verweigert» aber seine Erlanbniß dazu, «eil er, nach einer Mittheilung der „Germania", verhindern wollte, daß die -anzel zur Propaganda fflr die Bestrebungen der politischen Reaktion tn Kolderg ge »acht und der kirchliche Friede und der kirchlich« Sinn in der Gemeinde gestört .verd«. Dieser Beschluß hat dem diesigen konservativen Wahlverein sehr mißsalle». Auf Vorschlag de« Pastor Zander beschloß derselbe (.um e« einigermaßen wieder gut zu machen"), Herr» Stöcker sein Bedauern über diesen Beschluß de« Gemeinde»Kirchenrath« au»zudrücken und ihn zu bitten, baldigst einen politischen Vortrag hier zu halten. (Jmmer hübsch „politiich!") Prag. 20. September. In Przelautsch haben Exzesie gegen die Juden stritgesunden; speziell richten sich die Angriffe gegen de deutsch« Schule der Juden, welche» wiederholt die Fenster eingeworsen wurden; die C zechen forderten die Juden aus ihre Schulen zu czechisiren, dann würden di« Feindseligkeiten aufhören. Pest, 17. Sept. Gestern wurden neuerding« Verhaftungen in der Ti-za-Eszlarer Affaire vrrgenoinmen, dagegen wurden Marlin Groß und Ignaz Klein au« der Haft entlaffen. Sie behaupten, daß man ihnen durch unerlaubte Mittel habe Geständniffe erpreßen wollen, -lein soll in einen Hühnerstall gesperrt und in diesem engen, schmntzersüllten Raume 24 Stunden belaßen worden sein. Man Hab« ihn soxar gefoltert, indem man ihm fort und fort Wasser in den Mund schüttete, bi« er dem Ersticken nah« war, dann habe man ihn geprügelt und gepeinigt. Roch andere, die ungarische Justiz insamirende Gerüchte werden kolportirt. Wenn si ch nur ein Theil jener Angaben bewahrheitet, dann ist e« zweifellos, daß der Ryieregyhazaer Gerichtshof da» Ansehen Ungarnaus da« schmählich»« kompromittirt hat. — Ministe: Präsident TiSza hat sich nach seiner Rückkehr über di« TiSza LSzlarer Affaire Bericht erstatten laßen, und sind kür die nächste Zeit von dieser Seile bezügliche Verfügungen zu erwarte.:. Pef , IS.Sept. Zur TiSza Eßlarer Aff nre meldet der „Pester Lloyd", daß in der mit der Hauptuntersuchung in Verbindung gebrachten Angelegenheit der wegen Leichenschmuggel« verhaftete» Individuen auf Grund der gepflogenen Erhebungen ei» Frcilaßungsbescheid gefallt und die Entlaßung sämmtlicher, des bezeichuete» Verbrechen» beschuldigter Personen auf Grund de« staatsauwaltlichen Antrages durch den Untersuchungsrichter verfügt worden ist. B>r)apest, 22. September. Aus Ryiregyhaza meldet EtaatSenwalt HavaS dem Oberstaatsanwalt Kozma, daß die Klage Amsel Vogel«, daß der Untersuchungsrichter Vary ihn thätlich mißhandelt und der SicherheitS-Commißär Buy ihn folterte, von dem vernommenen Gerichtswächter bestätigt wurde. Vogel mußte, weil er nicht« gestehen wollte, bi« zun« Erbrechen Süaßer trinken und dann einig« Stunden Wege«, an ein in Trab gihendr« Pferd gebunden, zurücktegen. Die Untersuchung wird fortgesetzt. Pl ri«. Die reichen Jude» ziehen den Neid auf sich und alle Jaden Da« ist unleugbar: jedoch selbst der.Gauloi«", der die Paläste bezeichnet, in welchen die jüd. Aristokratie wohnt, schließt seinen, den Luxu« tadelnden Artikel damit, daß er anerkennt, wie die W oh l t hat e n derselben lauter reden, als ihre Millionen klingen. Die ersten jüd. Famllien von Paris n?nnt da« bezeichuete Blc lt: Die Rothfchild « (8 Häuser), die beiden Pereira, Barone Horazce u. Salomon Günzt urg, Michel Heine, Armand Hei»e, Frau Heine, Gras». La mondo, Stern, Michel Ep hrussi, Frau Foult», Frau v KönigSwarter, die Grafen Leone und Raphael Eahen d'AnoerS, Ferdinand und Raphael BifchoffShei m. Pc ris. Am 5. September ist durch Herrn Graadrabbin Isidor die neue Synagoge in Bordeaux eingeweiht wor den. Lü« ersetzt die am 27. Juni 1873 durch Feuer z<r störte; c.m 7. fand eine gleich« Feier in Chülon«-sur-Saüae stak

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