Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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gewesen, übersehe man. Trost und Ermuthiguug sei zu finden in dem Gedanken »mit un» ist u)olil" Wenn man bürt, daß gegenwärtig in der Rrsid-nz eine« kleinen deutschen Lande« sich die Feinde Israel« versammeln, um zu rathschlagen, wie da« ihnen verhaßte Volk zu vertilgen sei. so dürfe dagegen nicht vergessen werden, daß die Edelsten der Ration sich mit Verachtung von solchen Bestrebungen abwenden. Ein Stamm, der eine 1000jährige Geschichte hat, au« dem zwei uiächtige Religionen hervorgegangen, kann nicht im Sand« verrinnen. Der neue Tempel bilde fortan den Mittelpunkt der Gemeinde, deffen schönster Schmuck eine Anzahl andachttvoller Beter sein möge, di« au» Herzenöbedürfniß die heilige Stätte aussuchen Mögen sie von derselben die Anregung zur alten Einfachheit, zum innigen Familienleben, zu treuer Arbeitsamkeit mitnehme», mögen sie hier die Elemente finden, um den Charakter zu bilden, denn der Eharacter bestimmt den Werth de« Manne«." — Da« war der Grundgedanke der anregenden Rede, welche dem sichtlich ergriffenen Manne manchen dankenden Händedruck auch von den anwesenden Bekennern eine« anderen Glauben« eintrug. — Sin fernerer Gesang de» Herrn Kantor» und seine« Knabenchor« schloß die einfache, aber erhebende Feier. Arawkretch. Di« in Ra »Ns erscheinend« Zeitung „Le Pogr6« de l'E»tu schreibt unter der Ueberschrist »Ein Held" Folgende«: »Einer der Offiziere de« 2. Eüraffierregiment«, da» gegenwärtig iu Lunöville in Garnison liegt, ist in Ariöge gestorben. 8» ist Herr Aftruc, ehemaliger Rittmeister und Adjutant bei diese« Regiment, zu deffen Annalen er eine ruhnnvürdige Seit« geliefert hat. Zn 18 Jahren al» Freiwilliger eingetreten, wurden Herrn Astru« im 1870er Krieg bei Reich«hoffen drei Pferde unter dem Leid« weggeschoffen; er allein blieb von de« Offiziere« seine« Regiment» unversehrt. Ec führt« di« Trümmer seine« Regiment» nach Zaber» zurück- Während diese« heftigsten Angriff« wurde dem Rittmeister Aftruc «itgetheilt, daß er allein da wäre, und da« 2. Süras« fierregiment zu commandiren. Da rief er mit lauter Stimme: »Die zerstreuten Reste der Turko'« erwachen und jubeln euch zu; di« einen kämpfen noch; die anderen rufen: »Gott und Saterland l Borwärt« Eüraffiere!" Und er riß sie mit sich fort. Mit beschleintgtem Marsche erreichen sie die preußischen Kanonen und bringen sie zum Schweigen. Die Arme« war gerettet. Eine neue Gefahr bedrohte jedoch dies« Tapfer». In der Hitze ihre« Lordrängrn« hatten sie die Thor« von Woerth erreicht, wo sie» fall« sie hinringekomme» wären, alle unfehlbar ihren Tod gefunden hätten. Wie'er ließ sich di« Stimme de« Rittmeister« hören: »Hall! zurück nach dem Walde," und da» Ziel wird erreicht. Während diese« ruhmvollen Rückzüge« wurde dem Rittmeister da« Pferd verwundet und stürzte mü ihm aus «inen Haufe« von Tobten. »Vorwärts," rief er, laffet mich und fachet die Armee zu erreichen." Seine Soldaten, di« ein andere« Pferd herdeigeführt hatten, erklärten jedoch, daß sie nur mit ihrem Hauptmann an der Spitze ihren Marsch sortsitzen. Er konnte in der That seinen Posten wieder einnehmen. Di« Trümmer de« Heere« aus dem Marsche sammelnd, erreicht« er in Zadern di« Hauptarmee. Da« Verhalten de« tapferen Offizier« wurde öffentlich bekannt gegeben und er wurde mtt dem Ehrenzeichen geschmückt. Rach der Niederlage bei Sedan warf Herr Aftruc seine Waffen in einen Sumpf und erschien so al« Gefangener vor den Preußen. »Sind Sie e«, Rittmeister," redete ihn ein deutscher Prinz an, »der bei ReichShoffrn den letzten Angriff der Eüraffiere commaadirt hat?" »Ich bin e«, königlich« Hoheit " »Weich« kräftige Stimm« haben Sie da höre« lassen. Sie haben auch Ihren Leuten den Rückzug nach dem Wald« besohlen 7" — Ja, Prinz." — »Sie haben dieselben gerettet. Solch« gut angeführten Soldaten gehören zu denjenigen, die sterben und sich nichts ergeben. Hätten sie di« Thor« von Woerth überschritten, so wären sie alle de» Tode» gewesen." Hieraus wandte sich der Prinz zu seinen Leuten und sagte: »Präsentirt da« Gewehr vor diesem tapferen Manne; cr ist dieser Ehre und Eurer Bewunderung würdig." Schweden. Kg. Stockholm, 18. September. (Or.-Corr.) Unsere Miltheilungen in dieser gesch. Zeitung brachten in letzter Zeit eine ganz« Reihe von Anerkennungen und Auszeichnungen, die unfern schweb. GlaubenSbrüdrrn sowohl höheren Ort« wie auch au« der Mitte der Bevölkerung zu Theil geworden. Ein »Zuviel* in diesem Genre dürste wohl schwerlich zu befürchten sein, gerade jetzt, wo in Dresden ein Kongreß lagt, der die Vernichtung de« Judenthum« auf seine uiisaubere Fahne geschrieben. Da »lag e« wohl für manchen Leser diese« Blatte« recht erquicklich sein, zu sehen, wie da« Land im hohen Norden Europa'«, da« Land, da« schon früher im Kampfe für Gewiffen-sreihrit einen hervorragenden Platz in der Weltgeschichte eingenommen, wie diese« Land auch seine groben geistigen Errungenschaften zu bewahren weiß und mit Abscheu die Bestrebungen zurückweist, die Haß und Zwietracht in die Gemüther säen will. E« mag sein, daß sich vielleicht auch hier und da im dunklen Versteck etwa« Rischu» vorfindet, mit Sicherheit können wir da annehmen, e« ist „ d e u ts ch e r-Import," der sich glücklicherweise nicht an« Togerlicht wagen darf. So hat jüngst rin« in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung beliebte und hochgeschätzte Persönlichkeit, Herr Condi» torWilhelmDavidson, Besitzer de« weltberühmten Etobliffement» »Haffelbacken" seinen 70. Geburtstag gefeiert. Mit einem Kapital von ,4 Kronen" begann Herr D. seine Laufbahn hier, durch Tüchtigkeit und Fleiß errang «r sich indeß einen sehr bedeutende« Wohlstand, welcher aber auck, den Armen stet« reiche Renten trug. Ueberall, wo e« galt, Edle« zu stiften, Roth zu lindnn, stand Herr D.'» Freigebigkeit obenan. Bei dem ihm zu Ehren von den Spitzen der Behörden, Diplomaten. Finanzmännern, Vertretern der Kunst und Wiffenschast veranstalteten Banquet hielt kein Geringerer, al« der zweit« Mann im Reich«, der Oberftatthalter Freiherr von Rygla» den Feste»grub. der die Verdienste de« Jubilar« um di« Entwickelung der Hauptstadt beleuchtete. Möge un» der Himmel noch viel« Jahre den noch rüstigen Siebziger al« eine Zierde unserer Gemeinde erhalten! <ti gereicht un« zur besonderen Freude, heut« gleichzeittg eine wohlthätig« Stiftung verzeichnen zu tonnen, deren Schöpfer — Herr Levi Sltason — sich al» Philantbop in große« Maßstab« längst rühmlichst bewährt hat. .Herr E., der vor einigen Jahren 25,000 Kronen einer Wählthätigkeit« anstatt gespendet, hat nun vor Kurzem abermals 10,000 ^krönen zum Besten hilstbedürftiger Greise der jüdischen Gemeind« übergeben. Ehre dem Manne, der ein so warmfühlende» Herz für die Armen bekundet und sich bei Lebzeiten schon unvergänglich« Denkmäler setzl! — Da« in Nr. 34 dieser Zeitung avisirt« 2 ö jährig« AmtS>udiläum de« Eantor« Herrn A. Baer in Sothenburg war, namentlich wa» die zah.reichen Ovationen der Eollegen von Rah und Fern betrifft, rin Glanzpunkt in» Lebe» de» stillbescheidenen Ranne«, deffen Be.dienste um den Kantorenstand von hervorragender Bedeutung sind. Der un» zugemeffene Raum gestattet ti nicht, alle di« ehrenden Auszeichnungen aufzuzählen, die oem Jubilar zu Theil wurden. Glückwünsche, Depeschen, Dankadrrffen, kostbare Geschenke, Ecmpositionen mit Widmungen strömten, so zu sagen, einige Dage hindurch nach Gothendurg, deffen Gemein!« nun innerhalb eine« Jahre« da» Jubüäum ihre« Rabbi ne:« und Kantor« würdig gefeiert hat. Vermischte und neueste Nachrichten. Perlt». 22. Septbr. Der Freund und Gesinnungsgenosse de« Herrn Stöcker, Herr Pastor de le Roi, Mitglied der ^Gesellschaft zur Beförderung de« Ehristenthum« unter den Juden", hatte zu gestern Abend ein« antisemitische Versammlung einbe-