Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— S07 Au« R»ßl»d. In Starodub (Gouvernement Tschernigow) ei tönte am 7. September plötzlich der Ruf: »Haut di« Juden", dem gleich die That folgte; der »JSparawnlk" schritt jedoch sofort energisch ein, arretirte drei russische Rädelsführer und lieh drei am Kopf und am Hal« verwundet« Juden nach dem Hospital bringen. Die erregte Menge forderte die Freigabe der Arretirten. Der »JSpramnik" aber brachte da» Volk zur Ruhe, woraus die Juden, welche ihre Buden geschlossen hatten, dieselben wieder össnete». Summa der Leichtverwundeten: fünf Jude» und zwei Russen. — »Woschod" meldet, es seien jüngst hier niedrere jüdische Deputationen aus den West Gebieten cingetroffen, welche beim Minister de« Innern «in Gesuch um Erweiterung der Rechte der Juden und um Aushebung der Jgnatieff'schen temporären Bestimmungen einreichlen Petersburg. Wie groß da« Elend der Abgebrannten in Radziwilow ist, da« zeigt der Erlaß vom 25. August, durch welchen Sammlungen für sie im ganzen Reiche erlaubt werden. — Da« Gerücht, al« ob die hiesige Gemeinde eine Schule bei Gelegenheit der Kaiserkrönung begründen wollte, ist falsch. Die Gemeind« ist zn mittellos, um solch« Pläne zu fassen. Dagegen soll der Poliakow-Fonds einige Schulen und Arbeitsschulen den Orten, wo dringendes Bedürfniß vorliegt, errichten wollen. Feuilleton. Au» dem Leben eines Autodidakten. «on A. U. (Schluß) und mehr noch wie von allen anderen, ward Magnu« von dem rohen CyniSmu« angeekclt. der allem Können und Wissen, jeder höheren A«piration. den Krieg erklärt und in blinder Rivellirung«suchl, nicht nur die durch Zufall und Geburt, aber auch die durch eigene Kraft, erlangten Borrechte mit Füßen tritt. Di« hier versmumelten Weltverbesserer und MenichheitSretter waren alle einig, daß nicht nur die bestehenden socialen Organismen zusanimengerüttelt, die Gottheit von ihrem himmlischen Throne und alle Erdengöttrr von ihren Altären gestürzt werden müßlen, aber auch der GeisieSadel sollte seiner Prärogativ« entkleidet, der unbarmherzigen Forderung absoluter Gleichheit zum Opfer fallen. SvaS bedurfte e« auch der Künste und Wissenschaften, der Ergebnisse jahrtausende langem Streben« ungezählter Generationen, wo da» Ehao« herrscht und die Weltoronung in Splitter geht? — Da« wurde dem Philosophen, deffen Geist, an der griechischen Weltweitheit genähert, »ach den, höchsten, erreichbaren Schönheit«ideale rang, denn doch zu viel- Mit tiefinnerer Empörung wandte »r sich ab von diesem CommuniSmuS in seiner häßlichsten Gestalt, von dieser bilderstürmenden Rohheit, die dt« Helliglhümer der Vergangenheit in den Koth schleift. Di« Majestät de« Pöbel« und deffen legitim« Alleinherrschaft, erschien ihm, in dieser Strahlenbrechung, al« ein so fratzenhaft verzerrte« Sebllde, daß es ihn i rängte, augenblicklich, der wie ihm schien, entweihenden Berührung zu enifliehen. Er schlich sich fort, sobald er, ohne Verdacht zu erregen, es thun konnte. Schon der nächste Sonnenaufgang, der seine röthlich« Gluth über die Alpen ergoß, fand ihn auf dem Wege heimwärt«. In der großen, sein ganze« Wesen durchzitternden Erregung unter dem bedrückenden Alp der Sorge um da« HeU der Gesammtheit, war im Ru da« persönlich« Leid pygmäeuhaft zusammrugeschrumpft. Er fühlte mit einem Male die Kraft in sich, die lähmende Feffrl einer dominirenden, verweichlichenden .Empfindung zu sprengen; er verlangte ihn noch Arbeit, rastloser Arbeit, um die qualvollen Eindrücke de« Züricher Aufenthalte« abzuschütteln. Groß« Pläne, kühne Gedanken durchkreuzten fein Hirn, und zielbewnßt ritte er jetzt de» schützenden Pänaten entgegen. Zu Haus« war seit seiner beinah« fünfjährigen Abwesenheit Manche» ander« geworden. Die Stürme der Zeit hatten auch durch die« kleine Erdenwinkel gefegt, die welterschütternden Probleme, die manche« StaatSgebäude in seinen Fugen krachen machte, auch den kleinen Ameisenhaufen au« seiner Lethargie geweckt. Er fand eine sichtbare Verschiebung de« bi« nun hartnäckig sestgehaltenen Standpunkte«, und so konrtten seine freiheitlichen Bestrebungen, seine Hellen, in Schrift und Wort dargelegteu Meinungen, wenn auch nicht gleich cuf einen ergiebigen Boden, so doch zuvörderst auf ungefährdete Bethäligung rechnen. Der unversöhnliche Schwiegervater nar mittlerweile gestorben, und die Frau, hocherfreut den Gauen endlich wieder zu haben, von deffen verschiedenen Wandlungen seither sie keine Ahnung haben konnte ergab sich ohne Murr en in die ihrem Wesen we»ig homogene Rolle der Gefährtin de» kühnen Neuerer«. So fand der vielgeplagte, wen. nicht Glück, so doch Ruhe und Muße zur vollständigen Hingabe an ferne geliebten Studien. Mit der Zeit wurde man aufmerksam auf ihn. Er erhielt von maßgebender Seite einen Wink, auf eine gerade erledigte Proseffur in seiner Vaterstadt zu candidiren, di« m rn ihm, in richtiger Würdigung seiner Leistungsfähigkeit, auch ohne gradative Au»bildung übertragen wollte. Diesen ehrenden Antrag lehnte er dankend ab, weil er erklärte, die nöthigen Borkenntniffe nicht genügend zu besitzen unv, al« Unberufener in den Dunsttrei« de« Fachgelehrtenthum nicht treten zu wollen. Bi« zu seinem Lebensende mochte er nicht« andere« fein und heißen, al» ein anspruchsloser, im Stillen wirkender Autodidakt. Und daß sein stille« Wirken segensreich war und noch ist, dafür zeugt die bereit« vielfach in die Halme geschaffene, reiche Au«saat, dafür bürgt die Lieb« und Verehrung der kleinen Gemeind« von Jünger» und Zuhürerinnen, von denen eine au» innerem Drange die Feder zu dielen Zeilen ergriff Wenn selbe, durch Veranschaulichung tinevollen Innenleben«, Manchem die Ueberzeugung vermittelt Hit, daß man nicht nur auf dem sicheren Wege der Schulpraxis feinen Mitnienfchen die süß« Frucht der Ertenntniß reichen kann, so ist die Arbeit mehr als genug belohnt. D-r Waise Gelöbnis;. Zum Himmel schau ich gern empor, Wenn sich die Sonn' im West verlor, - Denn droben bab' ich einen «lern Der lächelt sreundlich mir von fern. Der Stern ist meiner Nulter Blick Sie selber nahm mir da« beschick «kurz war aus Erden ihr Besuch, Schon srüh man sie >» Grad« trug. Ihr Auge aber schaut aul mich. Sie winkt, — ja, ich versteh« Dich; Mitunter Hab' ich wohl bemerkt, Da hat der Stern sein Licht verstärkt. Sinst halt« Ich im düsen Wahn, Wa« ich gesollt, doch nicht gethan; Ach gestern war'«, da tonnt ich seh'n In Mutter« Augen Dhränen steh'n Rech« traurig war der Malter Blick, Ich zog sehr eilig mich zurück Und dachte: Nie von dieser Stund, Äed' ich ,u Sorg' ihr wieder Grund I Sieh' da. er flammte lichterloh. Gewiß «eil er von Neuem froh; Ja, al« ich betete zur Nacht, Da bat voll Freud« er gelachl. Du Neiner Stern, so hell, so srei, Gin Spiegel meiner Seele sei. Daß ich Dich seh' voll Ruh bei Nacht Ni« roth werd', wenn Dein Auge lacht l